Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen
DHV – Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Weltweit ähnliche Herausforderungen
Klage gegen Abstellchaos bei E-Scootern: Politischer Druck wächst
Bund der Kriegsblinden löst sich 2026 auf
Die Puzzleteile sind zurück: Herbstgewinnspiel ist online
Neue Podcast-Folgen auf allen Kanälen verfügbar
DBSV-Inform: Von der CD zur Online-Variante
DBSV nimmt Abschied von Kerstin Möhl
DBSV-Karte: Mehr als ein Mitgliedsausweis
Thema: Digitale Barrierefreiheit
Barrierefreiheit wird immer wichtiger
Barrierefreiheit? Irgendwann später!
Kurzinfo: Buch zu barrierefreier Web-Entwicklung
Kulinarische und musikalische Adventswoche
Workshops zum Melden digitaler Barrieren
Braille mal 365 gleich Braille 200
Wer gerätselt hat, gewinnt – vielleicht
Kurzinfo: Forum – im direkten Austausch
BVA kritisiert Augenscreening-Angebote
Katarakt-OP auch bei AMD empfohlen
Kreativwettbewerb: Siegerinnen und Sieger
Große Ausstellung: Expedition Weltmeere
Viele Medaillen bei Para-Schwimm-WM
Goalballer jubeln über EM-Bronze
AURA-Hotels: Entspannter Urlaub ohne Barrieren
Vertrauen in Hund, Pferd und Mensch
Abenteuer im Ohr: Digitale Spielwelten
Juan Carlos I., König von Spanien
Titelbild:
Das Titelbild ist schwarz. Darauf prangt, über drei Zeilen verteilt, in großer weißer Schrift der Titel "Sichtweisen" – die Buchstaben sind fragmentiert dargestellt. In einem hellblauen Kasten auf halber Höhe wird der Name des Magazins gut lesbar wiederholt. Im unteren Bereich ist links groß ein Bildschirm zu sehen. Von rechts ragt eine Hand ins Bild, deren Zeigefinger das helle Display berührt.
"Sichtweisen" – Das Magazin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV)
79. Jahrgang
ISSN: 2511-7017
Herausgeber:
DBSV e. V.
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: 030 / 28 53 87-0
Redaktion:
Ute Stephanie Mansion, Anna Hinc, Leonie Koll, Lisa Mümmler, Andreas Bethke (V.i.S.d.P.)
E-Mail: sichtweisen@dbsv.org
Die "Sichtweisen" erscheinen sechsmal im Jahr (Nr.1 Januar, Nr.2 März, Nr.3 Mai, Nr.4 Juli, Nr.5 September, Nr.6 November) in Print und Braille sowie als Bestandteil der zehnmal im Jahr erscheinenden DAISY-CD DBSV-Inform (kostenfreies Abo für Mitglieder aller DBSV-Landesvereine).
Jahresbezugspreis für Print und Braille:
24 Euro für Inhaber der DBSV-Karte,
sonst 27 Euro,
halber Preis für Abonnenten unter 21 Jahren.
DBSV-Zeitschriftenverlag:
Undine Bodinka
Tel.: 030 / 28 53 87-260
E-Mail: zeitschriftenverlag@dbsv.org
Kündigung des Abonnements bis Ende September für das Folgejahr.
Anzeigenverwaltung:
Tel.: 030 / 28 53 87-293
E-Mail: anzeigen@dbsv.org
Private Kleinanzeigen bis 200 Zeichen: 10 Euro, je weitere 50 Zeichen: 5 Euro.
Mediadaten für gewerbliche Anzeigenkunden auf Anfrage.
Produktion:
Print: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, mit freundlicher Unterstützung
Braille: Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)
DAISY: dzb lesen und optimal media GmbH
Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechteridentitäten (siehe auch www.dbsv.org/gendern.html).
alle, die schon einmal Probleme hatten, sich auf den Internetseiten öffentlicher Stellen zurechtzufinden, werden sich in den Beiträgen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe wiederfinden. Denn im Schwerpunkt geht es um digitale Barrierefreiheit, und hier liegt der Fokus wiederum auf den öffentlichen Stellen.
Diese sind seit Langem verpflichtet, ihre Websites und Apps barrierefrei anzubieten, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Warum das so ist, welche Barrieren es gibt und warum es in diesem Bereich nur langsam vorangeht, erläutern zwei Expertinnen und ein Experte.
Unsere Reihe zur Brailleschrift, die wir anlässlich ihres 200-jährigen Bestehens Anfang des Jahres begonnen hatten, geht zu Ende. DBSV-Mitarbeiter Moritz Wolfart hat in diesem Braille-Jahr zahlreiche Beiträge zur Brailleschrift gesammelt, gesichtet, sich darüber gefreut und gestaunt. Viele von ihnen hat er im Rahmen des Projekts "Braille 200" veröffentlicht. Am Jahresende werden es 365 Beiträge gewesen sein. Über diese Braille-Reihe berichtet er in der Rubrik "Forum".
Eine sportliche und aktive junge Frau erzählt in der Rubrik "Menschen" aus ihrem Leben: Helen Vogt, die mal mit zwei, mal mit sechs und mal mit zehn Beinen unterwegs ist. Die überzähligen sind natürlich nicht ihre eigenen.
Lust auf Abenteuer, ohne wirklich in Gefahr zu kommen? Dann sollten Sie vielleicht einen Ritter managen oder sich als Zauberer auf die Reise begeben. Alles möglich bei den digitalen und vor allem barrierefreien Spielen, die Lisa Mümmler in der Rubrik "Service" vorstellt.
Möge Ihre Sichtweisen-Lektüre ebenso abwechslungsreich sein wie die Reise des Zauberers!
Herzliche Grüße
Ute Stephanie Mansion
Redaktion Sichtweisen
Freuen Sie sich auf vielfältige Reisen für blinde oder sehbehinderte Menschen! Entspannen Sie im Thermalbad Birnbach, entdecken Sie das gemütliche Kopenhagen, staunen Sie über das winzige Liechtenstein. Das komplette Angebot finden Sie im kostenlosen Katalog – jetzt bestellen als Hör-CD oder in Schwarzschrift!
Tel.: 0 47 21 / 6 99 85 67
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Entdecken Sie vielfältige Audioanleitungen zu iPhone, Internet u.v.m. in unserem barrierefreien Online-Shop!
Unsere günstigen Onlineschulungen für Screenreader und Officeprogramme sind unschlagbar.
Nutzen Sie auch unsere Expertise in der Fernwartung von Blindentechnik.
Hören Sie unseren Podcast Smütech – überall, wo es Podcasts gibt!
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Elektronische Hilfsmittel, die das Leben erleichtern, sind unser Markenzeichen. Der bewährte EinkaufsFuchs Produktkenner sagt mit einem Piep, was die Sache ist. Die Fledermaus Orientierungshilfe erkundet Sicherheitsabstände automatisch und zeigt, wo es langgeht. Es ist zudem denkbar einfach, unsere Hilfsmittel kennenzulernen. Ein Anruf genügt und EinkaufsFuchs oder Fledermaus kommen vollkommen unverbindlich mit der Post zu Ihnen nach Hause. Alles Weitere erfahren Sie sehr gerne am Telefon – so einfach ist das!
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Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Bleekstr.26,
30559 Hannover
Tel.: 05 11 / 95 46 50
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Telefonische Hilfsmittelberatung
Montag bis Mittwoch: 8 bis 16 Uhr
Donnerstag: 8 bis 18
Uhr
Freitag: 8 bis 12.45 Uhr
Hilfsmittelberatung vor Ort in Hannover
Dienstag: 10 bis 16 Uhr
Donnerstag: 10 bis 18 Uhr
Bitte vereinbaren Sie vorab einen Termin bei uns.
Auch außerhalb dieser Zeiten sind wir gern für Sie persönlich da.
Bitte vereinbaren Sie auch hierfür vorab einen Termin.
Bestellungen im Internet
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Wenn schon der Bus nicht kommt, dann wenigstens eine Frittenbude!
Haltestellen, die wegen Bauarbeiten außer Betrieb sind, sind für viele ein Ärgernis. Für blinde und sehbehinderte Menschen bedeutet das jedoch oft: keine Orientierung, keine Alternative und im schlimmsten Fall sogar hungern, weil der Bus einfach nicht hält.
Wir sagen: so geht das nicht!
Als Minimum fordern wir bei vorübergehend gesperrten Haltestellen einen Ersatz. Zum Beispiel eine Frittenbude! Denn wenn schon kein Bus hält, soll wenigstens niemand hungrig bleiben.
Aber es geht doch viel besser!
LOC.id sorgt für barrierefreie Orientierung genau da, wo andere Lösungen aufhören. Die App erkennt, welche digitalen Hilfen in der Umgebung verfügbar sind, etwa an Haltestellen, Baustellen, Ampeln oder E-Scootern und stellt die Verbindung her. Ob Umleitung, Fahrzeug, Eingang oder Ampel: LOC.id zeigt, sagt oder spielt, was wichtig ist. Die App funktioniert auch im Standby-Modus, ohne dass die Nutzerin / der Nutzer ständig auf den Bildschirm schauen müssen. So bleibt der Kopf frei für den Straßenverkehr, für die Umgebung, fürs Leben.
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Übrigens: Mehr zum Thema Barrierefreiheit finden Sie im Internet unter www.stockstuebchen.de
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Sehbehinderte und blinde Menschen aus aller Welt versammelten sich Anfang September in São Paulo, der größten Stadt Brasiliens. Sie trafen sich zum Weltblindengipfel und zur Generalversammlung der Weltblindenunion (WBU). Die deutsche Delegation bildeten der Geschäftsführer des DBSV, Andreas Bethke, sowie die DBSV-Referentin für Internationales, Merve Sezgin. Mit ihr sprachen die "Sichtweisen" über Themen des Gipfels.
Interview: Leonie Koll
Frau Sezgin, wie haben Sie den Weltblindengipfel in Brasilien erlebt?
Der Weltblindengipfel in Brasilien war eine besondere Veranstaltung. Es waren mehr als 150 Delegierte aus der ganzen Welt dort und viele online zugeschaltet. Unter anderem wurde das Präsidium der Weltblindenunion, der WBU, neu gewählt – die Wahl findet alle vier Jahre statt.
Insgesamt war es eine riesige Veranstaltung, die für Brasilien auch eine wichtige Funktion in der Außenwirkung haben wird. Es war die erste WBU-Generalversammlung in Lateinamerika. Die Beteiligung war sehr gut. 89 Delegationen waren dort und haben über zahlreiche wichtige Themen diskutiert, viele hundert Teilnehmende aus Brasilien kamen dazu. Eine Hilfsmittelausstellung hat sowohl neue Hightech-Produkte als auch viele Low-Budget-Lösungen präsentiert, also Lösungen, die mit geringen Geldmitteln umsetzbar sind. Das war sehr beeindruckend.
Warum war es trotz der weiten Anreise für den DBSV wichtig, am Gipfel teilzunehmen?
Für uns war das unter anderem wichtig, weil wir uns weiter vernetzen wollten. Wir vertreten die WBU auch in der Lobbyarbeit zum Thema AVAS auf UN-Ebene, also für das akustische Warnsignal für Elektroautos. Für dieses Unterfangen wollen wir werben und sensibilisieren. Es betrifft nämlich weltweit alle Länder, in denen Elektroautos auf den Straßen sind. Generell engagieren wir uns sowohl in der Europäischen Blindenunion (EBU) als auch in der WBU. So können wir mitgestalten und unsere Belange einbringen.
Welche Perspektiven, was das Leben von Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit international betrifft, haben sich auf dem Gipfel gezeigt?
Ich merke international immer wieder, dass die Themen, die uns beschäftigen, überall dieselben sind oder zumindest sehr ähnlich – auch wenn es kulturell teilweise sehr unterschiedlich zugeht in den Ländern. So ist das Werben für die Brailleschrift und das Ziel, dass auch junge Leute sie erlernen, überall ein Thema. Ebenso spielen überall die Themen rund um Barrierefreiheit eine Rolle – sei es digitale oder physische, also bauliche Barrierefreiheit. Da kann man voneinander lernen und Beispiele für gute Praktiken austauschen. Das gilt auch für den immer wichtiger werdenden Katastrophenschutz.
Beim Thema AVAS arbeitet Deutschland eng mit Japan zusammen. Welche Ähnlichkeiten gibt es da?
Wir haben die Japaner gezielt angesprochen, weil sie auch in den Verhandlungen sind. Das japanische Verkehrsministerium ist da sehr aktiv. Die Erfahrungen zu dem Thema ähneln unseren sehr. Elektroautos sind schlecht wahrnehmbar und werden oft durch viele Hintergrundgeräusche verdeckt. Für seheingeschränkte oder blinde Menschen ist es schwer zu beurteilen, ob sie eine Straße überqueren können oder nicht. Das ist in Japan nicht anders als in Deutschland. Dort ist schon eine Großzahl von Elektroautos auf den Straßen.
Was auch viele Länder beschäftigt, insbesondere zum Thema AVAS, ist, dass wir global zusammenarbeiten müssen, damit die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden gegeben ist. Obwohl der Verkehr in vielen Ländern anders läuft als bei uns, muss das Thema global geregelt werden.
Warum muss es global geregelt werden?
Weil zum Beispiel deutsche Autohersteller ihre Autos nicht nur in Deutschland verkaufen, sondern in alle Länder exportieren. Je mehr die UN-Gesetzgebung von allen Ländern anerkannt und umgesetzt wird, desto mehr müssen sich die Autohersteller daran halten. Es bringt nichts, wenn jedes Land eigene Regeln dazu hat. Wir brauchen einen Standard, der auch eingehalten wird. Dieser Standard muss der aktuellen Studienlage entsprechen.
Das Präsidium der Weltblindenunion wurde bei dem Gipfel vor Ort und online gewählt. Wie lief die Wahl ab?
Gewählt wurden ein Präsident und zwei Vizepräsidenten, ein Schatzmeister und ein Generalsekretär. Deutschland hat sechs Stimmen. Wir waren zwei Delegierte vor Ort; die übrigen vier Stimmen sind uns übertragen worden.
Die Wahl wurde global und online abgehalten, damit nicht nur diejenigen, die in São Paulo waren, daran teilnehmen konnten, sondern auch alle anderen Länder. Es gab nämlich Delegierte, die kein Visum für Brasilien erhalten haben. Andere Länder haben keine finanziellen Mittel, um an der Generalversammlung teilzunehmen. Die Online-Abstimmung war eine gute Möglichkeit, viele an der Wahl teilnehmen zu lassen. Daneben gab es eine Papierwahl.
Wer wurde zum Präsidenten der WBU gewählt?
Die Wahl hat Herr Santosh Kumar Rungta aus Indien, SK Rungta genannt, gewonnen. Gegen ihn war Diana Bergeron aus Kanada angetreten. Die Wahl fiel sehr knapp aus: Er hat sie mit 159 zu 150 Stimmen gewonnen.
Wie schätzt der DBSV das Ergebnis ein?
Wir glauben, dass SK Rungta dafür steht, in den Prozessen und Abläufen mehr Transparenz zu schaffen und dafür zu sorgen, dass alles wieder ein bisschen geregelter abläuft. Das war in der abgelaufenen Wahlperiode nicht optimal. Die WBU zu leiten, ist ein schwieriges Unterfangen. Sie hat nur ein kleines Büro – in der Geschäftsstelle in Toronto/Kanada arbeiten nur fünf Personen. Deshalb ist es gut, ein Präsidium zu haben, das etwas mehr personelle Unterstützung einbringt. Wir glauben, dass es in Zukunft ein paar Neuerungen geben wird und die WBU sich wieder stärker global in Lobbyverfahren einsetzen kann.
Gibt es Themen, die der DBSV vom Gipfel mitgenommen hat? Vielleicht Arbeitsaufträge oder Erkenntnisse, mit denen der Verband weiterarbeiten kann?
Wie man schon herausgehört hat, hat das Thema AVAS bei uns hohe Priorität. Da konnten wir viele Kontakte knüpfen zu Ländern, die wir sozusagen nicht täglich auf EBU-Ebene treffen. Das war sehr gut, und da ist noch einiges an Nachbereitung zu tun. Auch für die Brailleschrift als Weltkulturerbe konnten wir noch einmal werben, damit sich alle Länder dafür einsetzen.
Im Nachgang des Gipfels werden noch Resolutionen verabschiedet: Wir haben eine Resolution zum Thema AVAS und eine zum Thema Weltkulturerbe Brailleschrift eingebracht. Eine weitere Resolution zum Erlernen der Brailleschrift haben wir unterstützt. Darüber wird jetzt online abgestimmt. Wir sind guter Dinge, dass sie von der Generalversammlung angenommen werden. Dann haben wir etwas Handfestes, damit diese Themen in den strategischen Plan der WBU aufgenommen werden.
Wie stehen die Chancen, dass die Brailleschrift als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wird?
Die Chancen stehen sehr gut. Aber solche Vorhaben sind sehr langwierig, weil viele Gremien dazu tagen müssen. Deutschland und Frankreich stellen jetzt gemeinsam den Antrag. Dazu muss man eine Beweislast erfüllen. Wir gehen davon aus, dass dieser Prozess mindestens anderthalb bis zwei Jahre dauern wird. Es kann bei der UNO aber auch zehn Jahre dauern. Das glauben wir jedoch nicht, weil viele Länder begeistert von unserem Vorhaben sind, und die nationalen Kultusministerien es tatkräftig unterstützen.
Was macht die WBU noch anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Brailleschrift?
Die WBU hat gemeinsam mit dem Internationalen Rat für Bildung für Menschen mit Seheinschränkung eine Kampagne zur Brailleschrift aufgelegt. Sie hat das Motto: "More Braille, More Empowerment" (Deutsch: Mehr Braille, mehr Selbstbestimmung). Die Kampagne soll am Weltbrailletag, dem 4. Januar 2026, starten. Es geht darum, dass jeder Mensch, der Braille benötigt, die Möglichkeit bekommt, es zu lernen und zu nutzen. So können Menschen mehr Selbstbestimmung erlangen. Das unterstützen wir und haben uns auch direkt in die Mailingliste eingetragen. Wir wollen auf die Kampagne aufmerksam machen und schauen gerade, wie wir uns mit Ideen daran beteiligen können.
Das Präsidium hat in seiner Sitzung am 11. und 12. September in Berlin folgende Themen behandelt.
Von Silvia Hame
Das DBSV-Team wächst weiter. Als Assistentin im Sozialreferat hat Tânia Jordão Cardoso im August angefangen. Außerdem unterstützt Anika Teubner den Bereich Barrierefreiheit insbesondere im Projekt Verkehrsraumgestaltung. Sonja Schmidt hat den DBSV Ende September verlassen, um ein Studium zu beginnen. Sie war im Punktum-Projekt beschäftigt.
Das Präsidium wünscht den neuen und den ausgeschiedenen Kolleginnen alles Gute für die Zukunft.
Gemeinsam mit der Geschäftsstelle trauert das Präsidium um die Anfang September verstorbene Kerstin Möhl, die seit März im Bereich Blickpunkt Auge mit dem Projektschwerpunkt Weiterbildungen betraut war.
Die Aktion Mensch hat wegen der stark gestiegenen Zahl von Anträgen einen Antragsstopp für bestimmte Bereiche beschlossen. Er gilt seit dem 19. September. Dies wird auch Auswirkungen auf den DBSV haben, weil viele Stellen an Projekte gebunden sind.
Der Haushalts- und Stellenplan für 2026 ist besprochen worden und dem Verbandsrat zur Verabschiedung im Oktober in Freiburg weitergeleitet worden.
Der nächste Verbandstag des DBSV findet im Juni 2026 statt. Terminlich damit verknüpft ist die Frühjahrssitzung des Verbandsrats.
Beim Verbandstag wird es unter anderem Workshops und Satzungsänderungen geben. Zudem wird das nächste Präsidium des DBSV gewählt.
Aufgrund stark gestiegener Hotelkosten wird der Verbandstag in einem anderen Hotel als dem bisherigen tagen. Das Seminaris-Hotel in Dahlem verfügt über großzügigere Tagungsräume und einen ansprechenden Innenhof. Auch die Anbindung über die U-Bahn-Linie 3 ist gut.
Ein Vorschlag zur Änderung der Wahlordnung wurde dem Verbandsrat in Freiburg im Oktober zum Beschluss vorgelegt.
Der Verbandsrat im Herbst 2026 findet vom 8. bis zum 10. Oktober in Bremen statt.
Einer hohen Nachfrage erfreut sich der Online-Austausch zu Alltagstricks, den der DBSV-Jugendclub regelmäßig anbietet. Viele beteiligten sich auch an den Meetings zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und den Angeboten des Projekts "Fit fürs Ehrenamt". Die Termine finden über Zoom statt.
Auch Seminare in Präsenz, beispielsweise die Fortbildung für Bürofachkräfte, sind immer gut besucht.
Silvia Hame, Mitglied des DBSV-Präsidiums
Das Verwaltungsgericht Berlin hat am 1. Oktober die Klage des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV) gegen das Abstellen von E-Scootern auf Gehwegen verhandelt. Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage, ob das sogenannte Free-Floating-Modell – also das beliebige Abstellen von E-Scootern im öffentlichen Raum – mit den Anforderungen an Barrierefreiheit vereinbar ist. Besonders für blinde und sehbehinderte Menschen stellt dies eine erhebliche Gefahr dar.
Aus verfahrenstechnischen Gründen hat der ABSV seine Klage zurückgezogen, aber verloren ist damit nichts, denn sollte das Land Berlin in den kommenden Monaten keine wirksame Lösung gegen das Abstellchaos präsentieren, wird der ABSV erneut rechtliche Schritte prüfen.
"Das Verfahren hat die strukturellen Probleme klar aufgezeigt", betont Rechtsanwalt Dr. Michael Richter, der den ABSV vertreten hat. Christiane Möller, Justiziarin des DBSV, ergänzt: "Die Verbandsklage des ABSV ist wegweisend, denn sie hat den politischen Druck, das Abstellchaos bei den E-Scootern zu beseitigen, immens erhöht."
Dazu ein Bild: Mehrere E-Roller stehen am Rande einer breiten Straße, über die ein Lkw fährt. Eine Kreidezeichnung im Vordergrund zeigt die Konturen eines stolpernden oder fallenden Menschen. Sie soll zeigen, welche Gefahr durch E-Roller droht.
Der Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. (BKD) wird sich zum 30. Juni 2026 aufgrund stark gesunkener Mitgliedszahlen auflösen. Die etwa hundert verbliebenen Mitglieder sollen die Möglichkeit erhalten, beim DBSV aufgenommen zu werden. Wie das gestaltet werden kann, wird aktuell geprüft.
Die älteste deutsche Kriegsopferversorgung – der BKD – wurde 1949 als Nachfolgerin des 1916 in Berlin gegründeten "Bundes erblindeter Krieger" ins Leben gerufen. Die Landesvereine und Bezirksgruppen des BKD setzen sich auf vielfältige Weise für ihre Mitglieder ein, beispielsweise durch die Vertretung vor Verwaltungsbehörden und die Zusammenarbeit mit Landesregierungen und den für Sozialpolitik zuständigen Landtagsabgeordneten.
Daneben ist der BKD auch für die Vergabe des Hörspielpreises der Kriegsblinden bekannt. Seit 1950 werden jedes Jahr Autorinnen und Autoren für das beste von einem deutschsprachigen Sender ausgestrahlte Hörspiel ausgezeichnet.
Im Jahr 2020 hat der DBSV die Trägerschaft für den Hörspielpreis der Kriegsblinden vom BKD übernommen. Der Hörspielpreis 2025 wird noch in diesem Jahr vergeben. Das Konzept wurde erneuert. Ausgezeichnet werden nun ein innovatives oder künstlerisches Hörspiel, ein fiktionaler Podcast und ein dokumentarischer Podcast.
Auf Sichtweisen-online.org findet bis zum 12. November ein Online-Gewinnspiel statt. Auf den Webseiten des Portals hat die Redaktion vier "Puzzleteile" versteckt, die in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt die Lösung ergeben. Die Puzzleteile können am Anfang oder Ende von Texten oder in Bildunterschriften gefunden werden. Sie sind nicht in Audiobeiträgen platziert.
Unter allen Teilnehmenden werden folgende Gewinne verlost:
Wer teilnehmen möchte, sendet die Lösung bis zum 12. November per E-Mail an: sichtweisen-online@dbsv.org
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Sichtweisen-Redaktion ein Herbstgewinnspiel veranstaltet, das mit fast 600 Teilnehmenden auf großes Interesse stieß.
Detaillierte Informationen zum Gewinnspiel unter: www.sichtweisen-online.org/rund-um-den-dbsv/gewinnspiel-25
Dazu ein Bild: Der zu gewinnende Sawade-Adventskalender zeigt eine Illustration: Menschen vor einem bunt geschmückten Weihnachtsbaum, am Himmel ein Engel und eine Taube.
Im "Technik-Talk: Wandern mit Navigations-Apps" teilen Matthias Klaus und Anne Günther ihre Erfahrungen mit den Apps Seeing Assistant Go, My Way Pro und Komoot. Sie berichten, wie der Navigationsgürtel und sprechende Apps dabei helfen können, Routen zu planen und zuverlässig ans Ziel zu kommen. Ebenso schildern sie, welche Lösungen in der Praxis überzeugen und wo es noch Hürden gibt.
Aniko Engelsberger, Andrea Patrzek und Thomas Thalmair bilden Führhunde aus. Über ihren Alltag, die Ausbildung und viele weitere Themen rund um Führhundschulen sprechen sie in der vierten Folge "Fell und Führbügel". Außerdem gibt es Tipps für Hundehalterinnen und -halter.
Im Projekt "Fit fürs Ehrenamt" unterstützt der DBSV blinde und sehbehinderte Engagierte mit barrierefreien Fortbildungen. Im Podcast "Präsidiumsgespräch" wird das Angebot aus drei Perspektiven beleuchtet: Projektkoordinatorin Hannah Reuter, Präsidiumsmitglied Winfried Specht und Seminarteilnehmerin Marisa Sommer berichten über ihre Erfahrungen im Ehrenamt und geben Einblicke in das Projekt.
Das "Plaudernetz" des Malteser Hilfsdienstes ist Thema im Podcast "Übers Ohr". Das Telefonangebot soll helfen, niedrigschwellig Einsamkeit entgegenzuwirken (vgl. "Plaudernetz").
Alle Podcast-Reihen des DBSV auf einen Blick gibt es unter: www.sichtweisen-online.org/dbsv-podcasts
Dazu ein Bild: Ein heller Blindenführhund liegt auf dem Leitstreifen an einer Straßenbahn-Haltestelle. Neben ihm auf dem Boden befindet sich ein Paar Kopfhörer.
Das DBSV-Inform-Hörmagazin ist seit 2022 online über jeden Browser und über die barrierefreie DBSV-Inform-App beziehbar. Die Ausgaben der Hörmagazine des DBSV und seiner Landesvereine erscheinen gebündelt zehnmal jährlich und informieren über Neuigkeiten, Tipps und Termine und unterhalten mit Erfahrungsberichten, Interviews und Reportagen. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Die CD kann beim jeweiligen Landesverein abbestellt werden.
Ansprechpartnerin für DBSV-Inform Online und App:
Lisa Mümmler
E-Mail:
l.muemmler@dbsv.org
Tel.: 0
30 / 28 53 87 – 179
Alle Informationen zu DBSV-Inform sowie Ansprechpersonen
finden sich unter:
www.dbsv-inform.org
Der ehemalige Rechtsreferent des DBSV und langjährig im Blindenrecht aktive Thomas Drerup, geboren am 26. Mai 1949, ist am 9. September dieses Jahres verstorben. Die Trauerfeier fand am 1. Oktober in der Pfarrkirche St. Martin in Rheinbach bei Bonn statt. Anschließend folgte die Urnenbeisetzung auf dem Waldfriedhof.
Seit 1983 hatte Drerup als Verbandsjustiziar beim DBSV gearbeitet und sich nach 27 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. In seiner Wirkungszeit vertrat er die Belange blinder und sehbehinderter Menschen durch zahllose Gesetzesanalysen, Stellungnahmen und Verhandlungsführungen.
Seine Kolleginnen und Kollegen schätzten ihn für seine stets verlässliche, konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit. Er prägte die rechtliche Kompetenz und das Profil des DBSV maßgeblich, nicht zuletzt durch sein beständiges Mitwirken an der Schriftenreihe zum Blindenrecht. Auch nach seinem Renteneintritt stand er den DBSV-Funktionsträgerinnen und -trägern beratend zur Seite.
DBSV-Mitarbeiterin Kerstin Möhl (geborene Daul) ist am 2. September im Alter von 55 Jahren verstorben. Sie war seit März im Bereich "Blickpunkt Auge" tätig. Zuvor leitete sie die Geschäftsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverbands Brandenburg und engagierte sich bereits über viele Jahre hinweg in der DBSV-Familie.
Ihr Engagement für blinde und sehbehinderte Menschen prägte ihren beruflichen Weg und hinterlässt Spuren, die in Erinnerung bleiben werden.
Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt.
Als Inhaber der DBSV-Karte unterstützen Sie die Arbeit Ihres Landesvereins und des DBSV und erhalten darüber hinaus attraktive Vergünstigungen, zum Beispiel:
Viele Landesvereine haben zusätzliche Rabattaktionen mit Partnern vor Ort.
Die Liste aller Partnerfirmen und weitere Informationen finden Sie auf www.dbsv.org/dbsv-karte.html und unter unserer Service-Telefonnummer 030 / 255 58 08 08.
Ohne die Unterstützung vieler Mitglieder, Spender und Förderer könnte sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband nicht dafür einsetzen, dass Augenpatienten, sehbehinderte und blinde Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Der DBSV dankt an dieser Stelle insbesondere den folgenden langjährigen Unterstützern:
Wer sehbehindert oder blind und im Internet unterwegs ist, wird früher oder später auf digitale Barrieren stoßen. Sie lauern in Form von Schaltern, die für Screenreader nicht nutzbar sind, oder als Captchas, die Menschen mit Sehbeeinträchtigungen vor grafische und somit unlösbare Aufgaben stellen. In unserem Schwerpunkt erklärt ein Experte, wie der Bund gegen Barrieren öffentlicher Stellen vorgeht, und eine Expertin schildert ihre Probleme als Nutzerin.
Dazu ein Bild: Zwei Hände sind zu sehen: Die linke bedient eine Braillezeile, die rechte ein Smartphone. Das Smartphone liegt auf einer mit Brailleschrift bedruckten Seite.
Welche Grundlagen für digitale Barrierefreiheit öffentlicher Stellen gibt es? Welche Anforderungen müssen Angebote wie die Ausweis-App oder die Website der Deutschen Rentenversicherung Bund erfüllen? Und welche Gründe gibt es, dass noch immer nicht alle Internetseiten und Apps öffentlicher Stellen barrierefrei sind? Fragen, die die DBSV-Referentin für Barrierefreiheit, Jana Mattert, im folgenden Artikel beantwortet.
Von Jana Mattert
Öffentliche Stellen sind verpflichtet, ihre Websites und mobilen Anwendungen barrierefrei zu gestalten. Darunter fallen die Internetauftritte von Ministerien, Stadtverwaltungen, Hochschulen, die elektronische Patientenakte und vieles mehr. Gemessen wird die Barrierefreiheit anhand eines Anforderungskatalogs, der in einem einheitlichen europäischen Standard zu digitaler Barrierefreiheit festgelegt ist. Websites und Apps müssen danach zum Beispiel folgende Anforderungen erfüllen:
Alle drei Jahre muss Deutschland wie alle anderen EU-Mitgliedstaaten der Europäischen Kommission über den Stand der digitalen Barrierefreiheit berichten. In Deutschland erstellt die Überwachungsstelle des Bundes für barrierefreie Informationstechnik (BFIT) diesen Bericht.
Der aktuelle BFIT-Bericht wurde im März dieses Jahres veröffentlicht. Das ernüchternde Ergebnis: Wie schon beim letzten Mal erfüllt keine der geprüften Websites und Apps öffentlicher Stellen alle Barrierefreiheitsanforderungen.
Im Internet suchen wir längst nicht mehr nur nach Informationen wie den Öffnungszeiten des nächsten Bürgeramts. Immer mehr alltägliche Aufgaben werden online erledigt: die Steuererklärung über Elster, das Einlösen von Rezepten über die E-Rezept-App, das Ausleihen von Büchern über die Online-Bibliothek und vieles mehr.
Zudem bieten öffentliche Verwaltungen ihre Dienstleistungen zunehmend digital an – dazu sind sie auch gesetzlich verpflichtet. Mit dieser fortschreitenden Digitalisierung werden barrierefreie und nutzungsfreundliche Angebote für alle immer wichtiger.
Träger öffentlicher Gewalt wie Behörden und Krankenkassen sind bereits seit rund zwanzig Jahren zu digitaler Barrierefreiheit ihrer Websites verpflichtet. Mit der EU-Webseitenrichtlinie wurden diese Vorgaben 2018 ausgeweitet: Seither müssen alle öffentlichen Stellen – einschließlich Hochschulen – ihre Websites und zusätzlich ihre Apps barrierefrei gestalten.
Dass das Ziel vollständiger digitaler Barrierefreiheit trotz langjähriger gesetzlicher Vorgaben bis heute nicht erreicht wurde, hat mehrere Gründe: Es fehlen wirksame Sanktionen bei Verstößen. Zudem verfügen relevante Berufsgruppen wie Programmiererinnen und Programmierer oft nicht über die notwendigen Fachkenntnisse, weil sie in ihren Ausbildungen und Studiengängen nichts oder zu wenig von digitaler Barrierefreiheit gehört haben.
Der DBSV setzt sich seit Jahren dafür ein, dass digitale Barrierefreiheit gewährleistet wird. Er fordert zum Beispiel, dass öffentliche Stellen, die Barrieren auf ihren Websites oder in ihren Apps nicht beseitigen, sanktioniert werden.
Neben der politischen Interessenvertretung durch den DBSV können auch Nutzerinnen und Nutzer von Websites und Apps öffentlicher Stellen selbst aktiv werden: Sie können digitale Barrieren melden und deren Beseitigung einfordern. Hierfür gibt es ein verbindliches Verfahren, das öffentliche Stellen zum Handeln verpflichtet und im Zweifel ein Schlichtungsverfahren vorsieht. Dieses kann wiederum die Grundlage für eine Klage sein.
Der DBSV bietet Workshops zum Melden von Barrieren an und organisiert virtuelle Treffen, bei denen gemeinsam Barrieren gemeldet und strategische Schritte geplant werden. Diese Workshops finden auch in Zusammenarbeit mit Landesvereinen statt, um auf Landes- und kommunaler Ebene ebenso Druck aufzubauen.
Trotz aller Defizite ist digitale Barrierefreiheit längst kein Randthema mehr, bei dem lang und breit erklärt werden muss, warum sie notwendig ist. Heute steht vielmehr die Frage im Vordergrund, wie digitale Barrierefreiheit umgesetzt werden kann.
Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz sind seit dem 28. Juni erstmals auch Wirtschaftsakteure in bestimmten Bereichen zur digitalen Barrierefreiheit verpflichtet. Dadurch hat das Thema noch einmal deutlich an Sichtbarkeit gewonnen. Immer mehr Menschen wird klar: Von barrierefreien Angeboten profitiert eine Gesellschaft insgesamt. Es lohnt sich also dranzubleiben.
Digitale Barrieren sollte es auf den Internetseiten und in den Apps öffentlicher Stellen eigentlich nicht mehr geben. So sieht es das Behindertengleichstellungsgesetz vor. Doch Alexander Pfingstl und seine Kolleginnen und Kollegen von der zuständigen Überwachungsstelle finden immer wieder welche. Warum es so schwierig ist, Barrierefreiheit in diesem Bereich schneller voranzubringen, erläutert der IT-Experte im Interview.
Interview: Ute Stephanie Mansion
Herr Pfingstl, das Internet ist bis heute voller digitaler Barrieren. Über welche ärgern Sie als blinder Nutzer sich am meisten?
Als blinder Nutzer, der mit Screenreader arbeitet, ärgere ich mich am meisten über Barrieren, die mich davon abhalten, Dinge zu tun. Also, wenn ich Funktionen auf Internetseiten gar nicht nutzen kann. Problematisch ist es zum Beispiel, wenn ein Schalter nicht als Schalter ausgegeben ist und man ihn nicht anklicken kann. Das ließe sich relativ gut vermeiden. Zumindest müsste man mit Screenreader arbeiten können, auch wenn es hier und da ein bisschen fummelig ist. Durch meine Erfahrung in der IT bin ich nicht der Durchschnittsnutzer und darum vielleicht etwas stressresistenter und flexibler, aber es gibt immer wieder Webseiten, wo gar nichts geht, und das ist einfach totaler Mist.
Sie arbeiten bei der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik. Was verbirgt sich hinter dem langen Namen, und was ist Ihre Aufgabe?
Der kurze Name ist BFIT. Dahinter verbirgt sich ein Team von mittlerweile sieben Leuten. Wir schreiben alle drei Jahre den Bericht zur Barrierefreiheit Deutschlands für die Europäische Kommission. Dafür fragen wir den Stand der Barrierefreiheit der öffentlichen Stellen in ganz Deutschland ab. Aus unseren Überprüfungen und denen der Bundesländer ergibt sich ein Gesamtbild. Den letzten Bericht gab es im Februar. Wenn wir Prüfergebnisse verschicken, bieten wir den öffentlichen Stellen an, ihnen zu erklären, was genau darin steht. Das wird sehr gut angenommen – dieses Jahr besser als in den Vorjahren, was mich sehr freut.
Dann gibt es bei der BFIT noch den Ausschuss für barrierefreie Informationstechnik, ein Gremium mit Mitgliedern aus Verbänden, Wissenschaft, Forschung, öffentlichen Stellen und der Privatwirtschaft. Der Ausschuss hat die Aufgabe, digitale Barrierefreiheit praktisch zu erklären, zum Beispiel durch Publikationen.
Können Sie ein paar Beispiele für Internetseiten des Bundes nennen?
Wir prüfen immer mal wieder die Seiten der Ministerien. Während der Corona-Zeit war die Website des Robert-Koch-Instituts stark gefragt. Relevant sind auch alle Seiten von Bund und Ländern, auf denen Sie Anträge stellen können, etwa die Internetpräsenz der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Oder die Ausweis-App: Sie ist eine zentrale App für Anmeldungen mit dem elektronischen Ausweis. Es ist ein breit gefächertes Spektrum, denn dem Bund gehören 1000 bis 2000 Websites und diverse Apps.
Welche digitalen Barrieren finden Sie auf den Internetseiten des Bundes, die für Menschen mit anderen Behinderungen als einer Seheinschränkung relevant sind?
Häufig lässt sich nicht alles mit der Tastatur bedienen. Das betrifft auch Menschen, die eine motorische Beeinträchtigung haben. Wir finden auch immer wieder Seiten, bei denen Links oder Schaltflächen keinen Namen haben. Mit Screenreader ist das in der Regel kein Problem, aber andere erkennen vielleicht nicht, dass dort etwas zum Anklicken ist.
Oft entdecken wir Kontrastfehler. Das kann auch für Leute, die keine Beeinträchtigung haben, problematisch sein. Das Internet wird häufig über mobile Endgeräte genutzt, auch draußen, wo die Lichtverhältnisse anders sind als im Büro. Umso wichtiger ist es, dass die Kontraste gut eingehalten oder übertroffen werden.
Wie weit ist die Barrierefreiheit auf den öffentlichen Seiten des Bundes fortgeschritten?
In bestimmten Bereichen lassen sich Verbesserungen feststellen. Allerdings lässt sich nicht messen, wie stark sich einzelne Barrieren und Fehler auf die Nutzergruppen auswirken. Wir sagen nur: Eine Anforderung wird nicht erfüllt, bewerten aber nicht, welche Auswirkungen das hat, weil das relativ komplex wäre.
Wenn die Tastaturbedienbarkeit fehlt, ist die Auswirkung wahrscheinlich relativ groß, weil das viele Nutzergruppen betrifft. Wenn kein Alternativtext zu einem Bild erstellt wurde, ist die Auswirkung geringer, weil Sie meistens trotzdem in der Lage sein werden, die Website zu nutzen.
Manche öffentlichen Stellen bemühen sich sehr um die Barrierefreiheit ihrer Internetauftritte, für andere hat das Thema aus verschiedenen Gründen keine Priorität.
Öffentliche Stellen sind systembedingt eher träge. Sie arbeiten oft mit externen Dienstleistern zusammen, müssen Projekte ausschreiben oder Rahmenverträge abschließen oder verlängern. Sie können nicht einfach sagen, auf der und der Webseite ändern wir jetzt das und das. Das geht nur bei Fehlern, die von der Online-Redaktion verursacht wurden, wenn etwa ein Alternativtext vergessen wurde. Programmierfehler kann oft nur ein Dienstleister beheben.
Die Prozesse, die eingehalten werden müssen, dauern lange. Darum können wir in unserem EU-Bericht, wo die Fortschritte von einem auf das nächste Jahr benannt werden, nur feststellen, dass sich eher wenig tut.
Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um das Problem mangelnder digitaler Barrierefreiheit bei öffentlichen Stellen in den Griff zu bekommen?
Wir selbst können die Probleme nicht lösen. Das würden wir gern, weil wir mit viel Herzblut an dem Thema arbeiten. Was es wirklich braucht, ist ein allgemeines Verständnis dafür, dass Barrierefreiheit nichts ist, das man für ein paar wenige macht, sondern dass sie allen etwas bringt.
Momentan glauben viele noch, Barrierefreiheit machten sie für ein paar Behinderte. Deshalb kümmern sie sich irgendwann später darum, wenn die App oder die Website fertig ist. So funktioniert es aber in der Regel nicht. Man muss Barrierefreiheit von vornherein mitdenken. Die Stellen machen sich ja auch Gedanken darüber, dass ihre App sicher ist, die Datenschutz-Grundverordnung und Design-Grundsätze einhält. Genauso müsste man bei der Konzeption sagen: Lass uns auf Barrierefreiheit achten!
Die Menschen müssen verstehen, dass Barrierefreiheit ihnen selbst nutzt, und zwar nicht erst dann, wenn sie älter werden. Sondern zum Beispiel, weil sie dann auch in der Sonne gut in der App oder auf Websites lesen können – weil sie gute Kontraste und ein bisschen größere Symbole haben.
Werden die Mitarbeitenden der Stellen denn nicht zu dem Thema geschult?
Allgemeine Schulungen, bei denen hundert Leute in einem Raum sitzen, nützen nichts. Man muss weg von solchen Massenveranstaltungen und die Leute da einsammeln, wo sie mit ihrem Wissen stehen und wo ihre alltäglichen Probleme sind. Wir haben dieses Jahr Workshops bei einer öffentlichen Stelle gemacht und konnten konkrete Probleme klären. Das hat den Leuten geholfen, Verständnis für das Thema zu entwickeln. Richtig helfen wird man ihnen, wenn man versucht, auf die individuellen Probleme in ihrem Arbeitsalltag einzugehen.
Was können Menschen mit Behinderung tun, wenn sie sich über digitale Barrieren ärgern?
Auf jeden Fall die Barrieren melden! Die Möglichkeiten, Feedback zu geben, Schlichtungsverfahren und Ähnliches sind alle gut, aber sie lösen leider nicht mein akutes Problem. Es ist schwierig, dann zu sagen, ich melde eine Barriere trotzdem. Erst einmal habe ich nichts davon, wenn ich schnell eine Lösung brauche. In der Regel muss man sich dann doch helfen lassen. Das ist frustrierend und stört mich auch selbst.
Aber wenn wir Barrieren deswegen nicht melden, werden sie den Verantwortlichen nicht bewusst. Wenn wir kein Schlichtungs- oder Durchsetzungsverfahren anstreben, wird das Problem nicht sichtbar. Leider kann es Monate dauern, bis sich eine Lösung findet. Bis dahin ist das eigene Problem wahrscheinlich bereits gelöst.
Man kann also nur an den Gemeinwohlgedanken appellieren und sagen: Hey, macht es bitte trotzdem, investiert die Zeit und fragt per E-Mail nach, warum etwas nicht funktioniert. Wenn ihr in einem Schlichtungs- oder Durchsetzungsverfahren seid, investiert die Zeit für ein Gespräch mit den Beteiligten. Das ist wichtig, auch wenn es einem selbst vielleicht zunächst nicht hilft.
Weitere Informationen zum Melden digitaler Barrieren unter: www.dbsv.org/digitale-barrieren-melden.html
Dazu ein Bild: Alexander Pfingstl lächelt in die Kamera. Er hat kurzes, an den Seiten dichteres Haar und trägt ein Shirt mit kurzem Kragen.
Wer in die barrierefreie Web-Entwicklung einsteigen möchte, muss das Rad nicht neu erfinden. Es gibt Standards der digitalen Barrierefreiheit, die behinderungsübergreifend Anforderungen an die Gestaltung von Webseiten formulieren.
Für den DSBV schreibt Jan Hellbusch aktuell an einem Buch, das sich eingehend mit dem internationalen Standard "Web Content Accessibility Guidelines", kurz WCAG, in der Version 2.2 befasst. Auf knapp 500 Seiten werden die Anforderungen der WCAG erklärt und mit HTML-, CSS- und Javascript-Beispielen anschaulich gemacht.
Die Online-Publikation soll Ende des Jahres erscheinen und alle unterstützen, die ihre Webseiten barrierefrei machen möchten oder machen müssen.
Als ehemalige Software-Entwicklerin versteht Brigitte Buchsein viel von Informationstechnologie. Doch als blinde Nutzerin steht auch sie oft vor Barrieren, denen sie auf Websites und in Apps begegnet. Welche sie besonders behindern und wie sie damit umgeht, schildert sie im folgenden Bericht. Trotz frustrierender Erfahrungen blickt sie optimistisch in die digitale Zukunft.
Von Brigitte Buchsein
Auf digitale Barrieren stoße ich sehr häufig, da ich sowohl beruflich als auch privat viel am Computer und am Smartphone unterwegs bin. Viele Anwendungen sind noch nicht barrierefrei – leider auch oft solche, die ganz neu gemacht sind.
Vom Gefühl her treffe ich eher bei privaten Anbietern als bei öffentlichen Stellen auf Barrieren. Meistens sind Apps auf dem Handy zugänglicher als Websites am Computer. Ich konnte es allerdings noch nicht systematisch testen.
Manche Barrieren sind nur lästig, andere so gravierend, dass ich nicht ans Ziel gelange. Häufig komme ich bei rein grafisch dargestellten Datumsfeldern nicht weiter. Für sehende Menschen wird der Kalender oft grafisch nachgebildet, während ein einfaches Eingabefeld für das Datum für Menschen mit Sehbehinderung deutlich einfacher auszufüllen wäre.
Auch sind Schalter, Links und andere Elemente oft nicht benannt, sodass man raten muss, welche Funktion sie haben. Oder sie sind benannt, aber mit einer englischen Bezeichnung.
Häufig stoße ich auch auf Captchas, die verhindern sollen, dass eine Seite missbräuchlich von einem Computerprogramm, einem Bot, genutzt wird. Um das Captcha zu überwinden und weiterzukommen, werden oft grafische Aufgaben gestellt: Diese Art von Captchas schließen Menschen, die einen Screenreader nutzen oder die Bilder nicht gut genug erkennen können, jedoch aus.
Und manchmal ist es ein Haken, den ich nicht setzen kann – leider auch bei Pflichtfeldern. In diesen Fällen bleibt die Seite schlichtweg unbenutzbar.
Eigentlich müsste ich Barrieren viel häufiger melden, doch im Alltag fehlt mir manchmal die Energie dafür, da ich beruflich sehr eingespannt bin und viele ehrenamtliche Aufgaben wahrnehme. Manchmal verzichte ich frustriert auf die Nutzung der Seite, manchmal bitte ich sehende Freunde um Hilfe. Wenn mir die Seite besonders wichtig ist, melde ich die Barriere aber doch direkt beim Anbieter der Seite.
Für den Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen habe ich Workshops zum Melden von Barrieren durchgeführt. Sie waren Teil des DBSV-Projekts "Durchsetzungsbegleitung digitale Barrierefreiheit". Die Workshops waren sehr hilfreich, sowohl für die Teilnehmenden als auch für mich selbst. Wenn man an einer Anwendung scheitert, denkt man manchmal doch, man sei "zu blöd" dafür. Zu erleben, dass man selbst nicht das Problem ist, sondern die Anwendung, wirkt sehr bestärkend.
Besonders wertvoll ist auch die klare Struktur, die die Workshops zum Melden von Barrieren bieten: Sie zeigt auf, wie man Barrieren in einer guten Weise melden kann – denn einfach allgemein sagen "es geht nicht" hilft nicht, man muss das Problem konkret benennen.
Ich habe auch schon digitale Barrieren an öffentliche Stellen gemeldet. Die Rückmeldungen fallen unterschiedlich aus: Manche Stellen reagieren schnell und lösungsorientiert, bei anderen hatte ich das Gefühl, offene Türen einzurennen, weil gerade eh etwas in Arbeit war. Aber manchmal ist es auch frustrierend, wenn man nur vertröstet wird.
Für den DBSV bin ich Mitglied in der programmbegleitenden Arbeitsgruppe der Deutschen Bahn. Diese Gruppe berät die Bahn unter anderem zur Web-App bahnhof.de. Damit gibt es leider auch frustrierende Erfahrungen. Es gab vorher gut funktionierende Apps, die jedoch eingestellt wurden. Von heute auf morgen sollten dann alle stattdessen bahnhof.de benutzen. Diese App war aber zum Zeitpunkt der Umstellung weder barrierefrei noch enthielt sie alle nötigen und in den früheren Apps verfügbaren Funktionen. Daran muss nun im Nachgang der Umstellung noch gearbeitet werden.
Da bleibt nur, immer und immer wieder an die Barrierefreiheit zu erinnern. Verbesserungen gibt es zum Glück auch – aber nicht in dem Tempo, in dem es wichtig wäre.
Trotz allem bin ich optimistisch, dass digitale Barrierefreiheit erreicht werden kann und eines Tages vielleicht sogar wird. An Universitäten wird Barrierefreiheit zunehmend ernst genommen, und viele Entwicklerinnen und Entwickler machen sich aus eigenem Antrieb Gedanken darüber. Und wenn nun aufgrund gesetzlicher Vorgaben mehr Seiten barrierefrei umgesetzt werden müssen und die Nachfrage nach entsprechender Kompetenz steigt, wird es hoffentlich selbstverständlich werden, barrierefrei zu programmieren – auch ohne gesetzliche Vorgaben.
Dazu ein Bild: Brigitte Buchsein hat langes lockiges helles Haar. Sie trägt ein Shirt mit Blumen und eine Kette mit einem kleinen Kreuzanhänger.
Brigitte Buchsein war zunächst Software-Entwicklerin, Betriebsrätin und Schwerbehindertenvertreterin. Zurzeit ist sie Vikarin – ein Schritt auf dem Weg, um Pfarrerin zu werden. Für digitale Barrierefreiheit engagiert sie sich als Mitglied im Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen und im Gemeinsamen Fachausschuss Umwelt und Verkehr, in der Beratung der Deutschen Bahn und weiterer Verkehrsbetriebe sowie bei Workshops zum Melden digitaler Barrieren.
Brigitte Buchsein ist 56 Jahre alt und lebt in Oberursel im Taunus.
Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit verzeichnete 2024 einen deutlichen Anstieg bei den Erstberatungsanfragen.
Von Ute Stephanie Mansion
Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit hat ihren "Jahresreport 2024" vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Bundesfachstelle im Jahr 2024 intensiv zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und zu digitaler Barrierefreiheit beraten hat.
Das BFSG verpflichtet seit dem 28. Juni dieses Jahres wirtschaftliche Akteure bestimmter Bereiche – darunter Anbieter von Bankdienstleistungen, Zahlungsterminals, Online-Shops oder Smart-TVs – zu Barrierefreiheit, insbesondere digitaler Barrierefreiheit.
Die Bundesfachstelle hat im BFSG den gesetzlichen Auftrag erhalten, Kleinstunternehmen zu Barrierefreiheit zu beraten. Nach eigener Aussage übernimmt sie abhängig von ihren Kapazitäten auch Beratungen von gesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen über ihren gesetzlichen Auftrag hinaus. Zudem hat sie eine gut besuchte Webinar-Reihe zum BFSG durchgeführt.
Die Bundesfachstelle bietet auch Bundesbehörden Unterstützung bei der Umsetzung digitaler Barrierefreiheit. Dazu gehört insbesondere ein Netzwerk zum Austausch unter den Behörden zu Fragen digitaler Barrierefreiheit. Das Netzwerk kommt zwei- bis dreimal im Jahr zusammen. Seine aktuell 190 Mitglieder erhalten dabei Informationen von Fachleuten und tauschen sich zu konkreten Themen aus.
DBSV-Mitarbeiterin Antje Olzem hat im November 2024 das Netzwerk über die barrierefreie Bereitstellung von Inhalten in den sozialen Medien informiert. Es ging zum Beispiel um Bilder, Videos und Emojis.
Der vollständige Jahresbericht ist mithilfe der Suchbegriffe "Bundesfachstelle Barrierefreiheit" und "Jahresreport 2024" im Internet zu finden.
23.-29.11.2025, Aura-Hotel Saulgrub
Die Teilnehmenden lernen die grundlegenden Funktionen des iPhones kennen. Zu den Inhalten gehören unter anderem die Navigation mit Gesten, das Schreiben auf der virtuellen Tastatur sowie das Finden und Starten von Apps. Eigene Fragen und Wünsche können eingebracht werden.
Infos und Buchung unter
Tel.: 0 88 45 / 99
– 0
E-Mail:
info@aura-hotel.de
28.11.2025, Marburg
Hilfsmittel, Produkte und Dienstleistun-gen für blinde und sehbehinderte Menschen werden auf einer EDV- und Hilfsmittel-Ausstellung auf dem blista-Campus in Marburg präsentiert. Seniorinnen und Senioren mit Seheinschränkung und ihren Angehörigen bietet die blista von 14 bis 16 Uhr Führungen über die RehaFair an.
Weitere Informationen unter: www.blista.de/rehafair2025
1.-7.12.2025, Aura-Hotel Timmendorfer Strand
In diesem Kurs werden Körperübungen zur Entspannung und Kräftigung sowie Atemübungen und einfache Meditationen vermittelt. Die täglichen Yoga-Einheiten sind für jeden geeignet. Eine Kostenbeteiligung durch die Krankenkasse ist möglich, muss jedoch vorab geklärt werden.
Infos und Buchung unter
Tel.: 0 45 03 / 60 02
– 0
E-Mail:
info@aura-timmendorf.de
15.-21.12.2025, Aura Pension "Villa Rochsburg"
Zur Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit stehen Plätzchen backen, Ausfahrten ins Erzgebirge und auf einen Weihnachtsmarkt sowie eine Kremser- oder Schlittenhundefahrt auf dem Programm.
Infos und Anmeldung unter
Tel.: 03 73 83 / 8 38 00
E-Mail:
villa@bsv-sachsen.de
23.-25.1.2026, Bad Soden-Salmünster
Die DVBS-Fachgruppe Musik lädt blinde Musikerinnen und Musiker, Lehrkräfte sowie musikalisch interessierte blinde Menschen zum Seminar des Notennetzwerks ein. Ein Schwerpunkt liegt auf dem mehrteiligen Workshop zum Notensatzprogramm "MuseScore". Daneben gibt es Vorträge, unter anderem zur Geschichte des Klaviers mit praktischen Tipps zur Pflege und Werterhaltung.
Infos und Anmeldung bis 8.12. bei
Christian Axnick
Tel.: 0 64 21 / 9 48 88 – 28
E-Mail:
axnick@dvbs-online.de
6.11. und 4.12.2025, online via Zoom
In den Workshops erfahren die Teilnehmenden, wie sie digitale Barrieren auf Internetseiten öffentlicher Anbieter erkennen, dokumentieren und melden können.
Infos und Anmeldung unter E-Mail: digital-barrierefrei@dbsv.org
Die Beratung sehbeeinträchtigter Menschen und ihrer Angehörigen ist ein wesentliches Anliegen der DBSV-Landesorganisationen. Der DBSV bietet auch 2026 eine Beraterausbildung nach Blickpunkt-Auge-Standard an. Veranstaltungsort ist Berlin (Modul A und B) sowie Halle (Modul C).
Neben den Präsenztagen gibt es für das Modul A und B ergänzend zwei verpflichtende Online-Tage, die mit dem Videokonferenzsystem Zoom durchgeführt werden.
Mehr Infos bei
Sandra Schippenbeil
Tel.: 0 30 / 28 53
87 – 130
E-Mail:
s.schippenbeil@dbsv.org
Beim "Plaudernetz" des Malteser Hilfsdienstes können Menschen ab 18 Jahren unverbindlich miteinander ins Gespräch kommen. Unter einer kostenfreien Telefonnummer werden die Plauderpartnerinnen und -partner miteinander verbunden. Jedes Gespräch ist eine einmalige Begegnung und bleibt weitgehend anonym – es wird empfohlen, sich nur mit dem Vornamen vorzustellen. Das Plaudernetz ist keine Telefonnummer für Notfälle oder Krisensituationen.
Mehr Informationen unter https://plaudernetz.malteser.de
Das Plaudernetz ist täglich von 10 bis 22 Uhr unter der kostenfreien Nummer 0800 / 3 30 11 11 erreichbar.
"Meine Arbeit mit Braille": So heißt die Reihe, mit der wir in diesem Jahr an das 200-jährige Bestehen der Brailleschrift erinnern. Der damals 16-jährige Schüler Louis Braille hat sie 1825 fertigentwickelt. In unserer Reihe berichten Menschen, wie sie beruflich oder ehrenamtlich mit der Brailleschrift arbeiten. Folge 6: DBSV-Mitarbeiter Moritz Wolfart berichtet, wie er für das Projekt "Braille 200" ein Jahr lang Beiträge zum Thema Brailleschrift sammelt. Unsere Reihe endet mit dieser Folge.
Von Moritz Wolfart
Braille: Das war für mich lange Zeit einfach ein Werkzeug. Natürlich habe ich die Punktschrift in der Schule gelernt, an der Maschine von Anfang an. Aber wie viele andere blinde Menschen habe auch ich mich mit dem Aufkommen digitaler Hilfsmittel zunehmend der Sprachausgabe zugewandt. Braille rückte in den Hintergrund – bis Anfang dieses Jahres.
Mit Beginn des Projekts "Braille 200", einer Social-Media-Reihe zum 200-jährigen Bestehen der Punktschrift, wurde Braille für mich wieder präsenter – und, zu meiner eigenen Überraschung, faszinierender.
Ich bin heute, rund zehn Monate später, nicht unbedingt ein nostalgischer Braille-Romantiker geworden, aber ich schätze die Schrift auf eine ganz neue Art und Weise: als geniales Konzept, als barrierefreies System mit Geschichte, als Symbol für kreative Lösungen und als bedeutendste Säule der Alphabetisierung blinder Menschen.
Die Idee zur täglichen Beitragsreihe "Braille200" entstand in der Braille-Arbeitsgruppe der Europäischen Blindenunion. Das Projekt versteht sich als Sammelstelle für persönliche Geschichten, kreative Projekte und Gedanken rund um die Punktschrift – ganz ohne Wettbewerbscharakter, wie es bei dem ein oder anderen Vorgänger-Projekt der Fall war.
Von Beginn an war klar: Jeden Tag soll ein Beitrag erscheinen. Ein sehr ambitionierter Plan. Als ich einen ersten Blick auf die eingereichten Beiträge warf, wurde mir schlagartig bewusst, wie herausfordernd das werden würde – nicht nur wegen der Menge an Tagen, die es zu füllen galt, sondern auch, weil viele Texte bereits früher veröffentlicht worden waren. Mein Wunsch war es jedoch, neue Perspektiven zu zeigen und frische Beiträge zu sammeln.
Zu sagen, dass wir wenig Beiträge bekommen, wäre stark untertrieben. Aber viele Beiträge erstellen wir auch selbst, zum Beispiel kreative Umsetzungen zu Aktionstagen, Videos mit Braillebezug, Bilder, in denen Braillemuster aus Alltagsgegenständen gelegt werden, oder interessante Funfacts aus Kunst und Kultur.
Außerdem schreibe ich gezielt Personen an, von denen ich mir spannende Impulse erhoffe. Die meisten zeigen sich offen dafür. Man muss aber auch sagen, dass alles auf freiwilliger Basis abläuft und viele das dann auf ihrer Prioritätenliste nach hinten verschieben. Das ist schade, aber verständlich.
Natürlich gibt es Tage, an denen es gefühlt an Beiträgen fehlt oder ich befürchte, dass die Inhalte nicht ausreichen. Und natürlich gibt es auch Momente, in denen ich denke: 365 Beiträge sind eine echte Herausforderung. Doch gerade diese Herausforderung ist überraschenderweise ein nicht zu unterschätzender Antrieb.
In diesem Fall greife ich auf mehrere kleine Listen mit Beiträgen zurück, die auf den ersten und zweiten Blick zu komplex oder zu kompliziert in der Bearbeitung sind. Oder es fehlen wichtige Informationen, die nicht so einfach zu beschaffen sind. Diese Hürden gilt es dann zu überwinden.
Mal besteht ein Beitrag aus einem ausführlichen Text, mal aus einem Bild oder einer kurzen Reflexion. Das Format ist offen, um Vielfalt zu ermöglichen – und auch, um dem Aufwand Rechnung zu tragen.
Die Zeit, die ich in einen Beitrag investiere, variiert stark: Eigene Beiträge benötigen oft mehrere Stunden, je nachdem, ob Text, Bild oder Video erstellt werden müssen. Bei eingesandten Beiträgen kommen Übersetzungen, Formatierungen und grafische Bearbeitung hinzu – auch das ist nicht nebenbei erledigt, und gelegentlich muss ich selbst noch beispielsweise Einleitungen schreiben, Absätze ergänzen oder gezielt Abschnitte der Übersetzungen anpassen.
Die Aktivität rund um das Projekt ist schwer in Zahlen zu fassen – mal erreichen mich mehrere Beiträge an einem Tag, dann bleibt es wieder länger ruhig. Rückmeldungen bekomme ich gelegentlich direkt, oft aber auch über Umwege. Besonders schön sind Nachrichten von Menschen, die sich für das Projekt bedanken – oder darüber staunen, dass es tatsächlich gelingt, jeden Tag einen Beitrag zu veröffentlichen.
Besonders gefreut hat mich das Feedback eines Kollegen, der mir mehrfach rückgemeldet hat, wie sehr er sich über mein Engagement freut – und dass man für dieses Projekt offenbar genau die richtige Person gefunden habe. Solche Rückmeldungen machen Mut und sind wirklich wertvoll für mich.
Was für mich ein Highlight ist, lässt sich schwer auf einzelne Beiträge beschränken. Vielmehr ist es die Entwicklung, die ich selbst durchmache: Ich lerne Neues, entdecke spannende Details, finde kreative Ansätze. Ich entdecke durch das Projekt Dinge, von denen ich vorher selbst nichts wusste: Beispielsweise, dass die Brailleschrift in der Monstertrainer-Videospielreihe Pokémon bei mehreren Rätseleinlagen einen großen Auftritt hatte. Oder dass auf einem Rihanna-Album Passagen in Braille abgedruckt sind. Wer hätte das gedacht?
Oft begegne ich Menschen, die mit ihren persönlichen Geschichten beeindrucken. Zum Beispiel Kinder, die sich ohne sonderpädagogische Ausbildung die Punktschrift beibringen. Oder ein sehendes Mädchen, das Braille lernte, um weiter mit ihrer erblindeten Freundin Briefe austauschen zu können.
Es gibt Mütter, die Braille lernen, um mit ihren Kindern Briefe zu schreiben. In einem Beitrag ging es um eine erblindende Person, die gern mit Lego gebaut hat, und um Braille zu lernen das Lego-Brailleset verwendet hat. Ebenso beeindrucken mich Menschen, die aktiv im Alter daran gehen, Braille zu lernen. Das sind für mich Highlights.
Manche Beiträge zeigen, wie viel Mut es braucht, Braille neu zu lernen oder anzuwenden. Andere erzählen von Freundschaft, Bildung, von Barrieren und Lösungen. Spannend sind auch die kleinen Skurrilitäten im Alltag, etwa, wenn von Menschen berichtet wird, die noch nie etwas von Brailleschrift gehört haben und wie sie darauf reagieren. Manche setzen sich auch mit den Pros und Kontras zur Nutzung von Braillezeilen oder gedruckten Büchern auseinander und scheuen sich nicht, Probleme beim Umgang mit Braille anzusprechen.
Besonders schön ist es, wenn Beiträge eine Reaktion auslösen und daraus neue Inhalte entstehen – manchmal sogar ein echter Folgebeitrag. Ein Beispiel war unser Aufruf zu Braille-Gedichten im Elfchen-Format. Die Resonanz war überwältigend – und so kreativ, dass eine Nachtschicht nötig wurde, um alle Einsendungen zu würdigen.
Ein Großteil des Braille-Jahres liegt hinter mir, und ich hoffe, dass die verbleibenden Monate noch viele spannende Beiträge bringen. Braille ist ein Thema, das nicht nur geschichtlich bedeutend, sondern auch in der Gegenwart unglaublich vielseitig ist.
Ob es mit dem Projekt nach dem 31. Dezember weitergeht, wissen wir noch nicht. Aber die Idee eines kreativen Sammelbeckens für Braille-Inhalte scheint einigen sehr zu gefallen. Und wer weiß, vielleicht ist "Braille 200" erst der Anfang zu etwas Neuem oder einem anderen Braille-Projekt?
Weitere Informationen und die täglichen Braille-Beiträge sind abrufbar unter www.livingbraille.eu
Sichtweisen-Leser Volker König ruft dazu auf, Barrierefreiheit auch durch Bewusstseinsbildung zu schaffen. Er bezieht sich auf das Interview mit DBSV-Justiziarin Christiane Möller zum Koalitionsvertrag (Sichtweisen September 2025).
Mit großem Interesse habe ich das Interview mit Christiane Möller zum Koalitionsvertrag und den darin wenig konkret formulierten Vorhaben zur Barrierefreiheit gelesen. In dem Interview wird unter anderem das Thema barrierefreie Schulen angesprochen. Zu keiner Zeit wird aber auf Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) "Bewusstseinsbildung" Bezug genommen.
Eine Gesellschaft verändert man nicht dadurch, dass man nur die Forderung nach Barrierefreiheit gemäß Artikel 9 der UN-BRK stellt. Die Gesellschaft muss, um politische Entscheidungen treffen zu können, verstehen, warum bestimmte Maßnahmen zur Barrierefreiheit erforderlich sind.
Wir haben an meinem Wohnort Wedel daher im Laufe des Jahres 2024 eine weitere Regelschule mit taktilen Türschildern in Braille- und erhabener, optisch kontrastierender lateinischer Schrift ausgestattet – gegen den anfänglichen Widerstand der Stadt Wedel. Zurzeit bemühen wir uns darum, in weiteren Regionen vergleichbare Türschilder in Schulen anzubringen.
Die Kinder von heute werden die Gestalter und Entscheidungsträger von morgen sein. Wenn zukünftige Koalitionsverträge geschlossen werden, dann sind möglicherweise ehemalige Schulkinder beteiligt, für die es selbstverständlich gewesen ist, dass es an ihrer Schule taktile Schilder mit Braille gab.
Auf diese Vorgehensweise eines "niederschwelligen Barrierefreiheitsangebotes" bin ich von Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein und Minister für Digitalisierung, aufmerksam gemacht worden. Das Wedeler Johann-Rist-Gymnasium hat von sich aus darum gebeten, an allen Treppenhandläufen taktile Schilder anbringen zu lassen.
Für weitere Schulen laufen zurzeit die Mittelbeschaffungen für taktile Türschilder. An allen bisher ausgestatteten Schulen wird zurzeit kein blindes oder sehbehindertes Kind unterrichtet. Die Maßnahme dient ausschließlich der Bewusstseinsbildung für sehende Kinder, Lehrerinnen und Lehrer, Besucherinnen und Besucher dieser Schulen. Barrierefreiheit kann offenbar nur auf "indirektem" Wege erreicht werden.
Volker König, Wedel
In der folgenden Anekdote verstecken sich – auch über Wortzwischenräume hinweg – die folgenden zwölf Tiere:
Aal, Egel, Elch, Hecht, Hund, Made, Rabe, Ralle, Rind, Sau, Spinne und Star.
In welcher Reihenfolge kommen sie im Text vor?
Friedrich Merz, ein waschechter Sauerländer, sagte am 23. Februar in der Wahlsiegerrede der Bundestagswahl mit starken Worten vor Hunderten Parteifreunden im Saal, mit ihm als Kanzler werde endlich Politik für die Mehrheit gemacht, die gerade denken könne und die noch immer alle Tassen im Schrank habe, und nicht für irgendwelche Grünen und linken Spinner. Jetzt dürfe auch mal Rambo Zambo im Adenauer-Haus sein. Er aber weiß: Ganz ohne Grüne und Linke wird es in aller Regel, jedoch nicht immer gehen.
Text und Scherenschnitt: Thomas Christian Dahme
Dazu ein Bild: Ein Scherenschnitt zeigt Friedrich Merz im Profil: Er trägt ein Sakko, Hemd und Krawatte sowie eine Brille.
Bitte senden Sie die Lösung bis zum 20. November an den
DBSV
Rungestraße 19, 10179 Berlin oder per
E-Mail an:
sichtweisen@dbsv.org
Alle richtigen Einsendungen nehmen am Ende des Jahres an einer Verlosung teil (Informationen zur Datenverarbeitung gemäß Art.13 DSGVO unter www.dbsv.org/datenschutz.html).
Lösungswort: FLUSSPFERD
Tolle Preise warten zu Beginn des neuen Jahres wieder auf ihre Gewinnerinnen und Gewinner. Wir werden sie wie immer unter allen Einsendungen, die uns im Laufe des Jahres zu den Sichtweisen-Rätseln erreicht haben, auslosen. Auf folgende Preise dürfen sich diejenigen freuen, die Glück bei der Verlosung haben:
Dazu ein Bild: Bei der Gala zum Hörfilmpreis 2025: Die Schauspielerin Valerie Niehaus steht vor einer weißen Wand mit dem Schriftzug "Deutscher Hörfilmpreis" und einem stilisierten Ohr. Sie hält sich eine Hand ans rechte Ohr.
Schicken Sie Ihre Geschichten, Empfehlungen oder Leserbriefe an sichtweisen@dbsv.org oder per Post an
DBSV
Redaktion "Sichtweisen"
Rungestraße 19,
10179 Berlin
Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) kritisiert ein Angebot, das die Drogeriekette dm seit September in einigen Filialen bereithält. Zu den sogenannten Gesundheitsdienstleistungen von dm gehören neben Blutentnahmen und Hautuntersuchungen auch Augenscreenings in Kooperation mit dem Unternehmen Skleo Health. Die Untersuchung umfasst einen Sehtest sowie die Fotografie der Netzhaut zum Preis von 14,95 Euro. Nach Angaben von dm erfolgt die Untersuchung durch "speziell geschulte Mitarbeitende"; die Ergebnisse seien KI-basiert ausgewertet und ärztlich validiert.
Wie genau die Aufnahmen ausgewertet werden, werde nicht weiter erläutert, sagt der BVA. "KI geprüft" sowie "ärztlich validiert" seien inhaltlich nicht ausreichend definierte Begriffe. Der BVA hat zu Beginn des Jahres in Zusammenarbeit mit der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ein Ethikpapier zum augenärztlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz veröffentlicht. Darin haben die Fachorganisationen dezidiert erarbeitet, was es beim Einsatz von KI in der Augenheilkunde zu beachten gilt.
"KI-Unterstützung kann hilfreich sein, ist jedoch kein Garant für korrekte Ergebnisse und kein validierter Standard in der Medizin und bei Screenings", betont der erste BVA-Vorsitzende Daniel Pleger. Er ergänzt: "Wir beobachten aktuell eine Vielzahl von Unternehmen, die in den Markt drängen und damit werben, Augenkrankheiten telemedizinisch feststellen zu können." Aus Sicht des BVA spielen bei diesen Angeboten wirtschaftliche Interessen eine wesentliche Rolle.
Der Verband glaubt, dass es individuell schwerwiegende Folgen haben könne, wenn Erkrankungen durch nicht eindeutig definierte KI-Systeme oder weil Anzeichen außerhalb des Fotoausschnitts liegen, nicht oder zu spät erkannt werden. Auch fehlerhaft unauffällige Ergebnisse könnten Kundinnen und Kunden abhalten, sich augenärztlich untersuchen zu lassen. Eine verbindliche medizinische Augenvorsorge könne nur durch die Untersuchung bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt gewährleistet werden.
Dazu ein Bild: Ein Augenarzt blickt durch ein medizinisches Gerät in die Augen einer älteren Frau, um sie zu untersuchen.
Grauer Star (Katarakt) und Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) gehören im fortgeschrittenen Lebensalter zu den häufigsten Augenerkrankungen und treten zunehmend zusammen auf. Doch in Bezug auf die Frage, ob eine Katarakt-Operation eine AMD womöglich verschlechtert, herrscht Verunsicherung. Prof. Dr. Amelie Pielen gab beim Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin auf Basis neuer Studiendaten Antworten auf die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.
Ein Viertel der 65- bis 74-Jährigen weist eine der verschiedenen Formen der Netzhauterkrankung AMD auf. Noch häufiger tritt der Graue Star auf: Ab dem 60. Lebensjahr nimmt die Erkrankungsrate deutlich zu – von den 75- bis 79-Jährigen ist jeder zweite von der Linsentrübung betroffen.
Sowohl AMD als auch Katarakt sind behandelbar. Bei einer Operation des Grauen Stars wird die trübe Linse durch eine klare Kunstlinse getauscht, was das Sehvermögen wieder herstellt – meist sogar inklusive Korrektur vorhandener Refraktionsfehler (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit). Über eine Million Katarakt-Operationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. "Die feuchte AMD wiederum kann mit Anti-VEGF-Medikamenten, die regelmäßig in den Glaskörper injiziert werden, zumindest aufgehalten werden", erläutert AMD-Expertin Pielen von der Maximilians-Augenklinik in Nürnberg. Etwa 1,5 Millionen solcher intravitrealer operativer Medikamenteneingaben erfolgen hierzulande pro Jahr.
Viele Betroffene fragen sich, ob eine Katarakt-OP eine vorhandene AMD, die mittels Injektionen behandelt wird, verschlechtern kann – zum Beispiel, indem eine trockene AMD in eine feuchte umschlägt.
"Wir können eindeutig sagen: AMD-Erkrankte sollten unbedingt eine Katarakt-Operation erhalten, wenn sich das Sehvermögen durch die Linsentrübung verschlechtert", erklärt Pielen. Denn in keiner Studie zeigte sich, dass eine Katarakt-Operation eine AMD verschlechtert oder das Risiko für ein Umschlagen von einer trockenen in eine feuchte AMD erhöht. "Im Gegenteil", fügt Pielen hinzu. "Neue Studien aus Japan, Finnland und Deutschland kamen zu dem Ergebnis, dass sich das Sehvermögen nach dem Linsentausch signifikant und anhaltend verbesserte." Die Anzahl der benötigten intravitrealen Behandlungen gegen die feuchte AMD hätte sich ebenfalls nicht erhöht, sondern sogar verringert.
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Kreativwettbewerbs "Siehst Du mich? Die Lebenswelten von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung" stehen fest. Der Wettbewerb wurde zum zweiten Mal vom Evangelischen Bundesfachverband für Teilhabe (BeB) und der Fürst-Donnersmarck-Stiftung veranstaltet. Er soll die Sichtbarkeit und Vielfalt der Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung stärken.
Mehr als 140 Beiträge wurden eingereicht. Die Werke zeigen, so die Veranstalter, beeindruckende, berührende und manchmal auch unbequeme Einblicke in Lebenswelten, die oft übersehen werden.
Der erste Platz ging an Tanja Lohmaier. Ihr Wettbewerbsbeitrag "Maske aus Glas" ist ein Prosagedicht. Es handelt sich um eine Metapher für das tägliche mühevolle Ringen von Autismus-Betroffenen um Anpassung und Zugehörigkeit.
Den zweiten Platz teilen sich die Studentinnen Anna Josephine Spenneberg und Elena Karpati: "Die Sekunden dazwischen" heißt ihr Kurzfilm. Darin geht es um das Thema Narkolepsie. Den dritten Platz erreichte das Betreuungsprojekt "Sporenstraße" der Diakonie Mark Ruhr: "Sporenstraße" ist ein Rap-Song, den eine intensiv ambulant betreute Wohngemeinschaft für junge Menschen mit psychischen Einschränkungen aufgenommen hat.
Die prämierten Werke sowie eine Auswahl weiterer Einreichungen werden auf den Social-Media-Kanälen und den Webseiten der Fürst-Donnersmarck-Stiftung und des BeB veröffentlicht.
"Expedition Weltmeere" heißt eine große Ausstellung, die seit Oktober und noch bis zum 6. April in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist. Die kulturhistorische Ausstellung zeigt die Beziehung zwischen Mensch und Meer und führt in geheimnisvolle Unterwasserwelten. Im Zentrum stehen das Erkunden maritimer Facetten und deren Wandel. Die Schönheit der Lebensräume unter Wasser wird hervorgehoben und zugleich auf ihre Bedrohung durch Verschmutzung, Lärm, Übernutzung der Ressourcen und den Klimawandel hingewiesen.
In der Ausstellung gezeigt wird auch eine von der blinden Bildhauerin Karla Faßbender geschaffene Welle aus Alabaster (vgl. Sichtweisen Juli 2025).
An folgenden Sonntagen bietet die Bundeskunsthalle Führungen für sehbehinderte und blinde Menschen an: 9. November, 7. Dezember, 25. Januar und 8. März. Die Führungen dauern jeweils von 11.30 bis 13 Uhr.
Eine Telefonführung gibt es am Donnerstag, 5. März, von 17 bis 18 Uhr.
Mehr Infos unter: www.bundeskunsthalle.de
Eine erfolgreiche Bilanz zog das deutsche Para-Schwimmteam nach den Weltmeisterschaften im September in Singapur. Zehn Medaillen insgesamt errangen die Para-Schwimmerinnen und -Schwimmer bei dem Turnier: fünf Mal Gold, zwei Mal Silber und drei Mal Bronze. Im Medaillenspiegel bedeutete das Platz zehn. Zudem gab es neun vierte Plätze. Von den sehbehinderten Para-Schwimmerinnen und -Schwimmern waren in Singapur Taliso Engel, Philip Hebmüller und Naomi Maike Schwarz am Start.
Engel schwamm am zweiten Wettkampftag über 100 Meter Brust zu Gold. Dabei stellte er einen neuen Weltrekord auf: Mit 1:01,69 Minuten ließ er die Konkurrenz hinter sich und kam fast viereinhalb Sekunden vor dem Niederländer Thomas van Wanrooij ins Ziel. Seit 2019 hat sich Engel bei jeder Welt- und Europameisterschaft sowie bei den Paralympics immer Gold über 100 Meter Brust geholt – sechsmal in Folge. Vierter über 100 Meter Brust wurde Philip Hebmüller.
Am letzten Wettkampftag lieferte sich Engel ein enges Rennen um Platz drei auf der Strecke 200 Meter Lagen mit dem unter neutraler Flagge gestarteten Timofei Guk. Am Ende holte sich Guk mit 0,2 Sekunden Vorsprung die Bronzemedaille. Engel schwamm auf der Strecke mit 2:11,67 Minuten deutschen Rekord. "Mit der Zeit kann ich an sich sehr zufrieden sein", sagte er. "Ich ärgere mich über den vierten Platz, vor allem, weil es so knapp war. Es ging aber einfach nicht mehr." Der 18-jährige Philip Hebmüller wurde bei diesem Rennen Achter. Über 50 Meter Freistil wurde Engel Vierter.
Hier die deutschen WM-Medaillen im Überblick:
Gold: Tanja Scholz (50 Meter Brust, 150 Meter Lagen), Taliso Engel (100 Meter Brust), Josia Topf (150 Meter Lagen, 50 Meter Freistil)
Silber: Josia Topf (50 Meter Rücken), Gina Böttcher (200 Meter Freistil)
Bronze: Mira Jeanne Maack (100 Meter Rücken), Gina Böttcher (150 Meter Lagen), Josia Topf (100 Meter Freistil)
Deutschlands Goalball-Herren haben die erste Medaille seit dem Titelgewinn bei der Heim-Europameisterschaft 2019 in Rostock gewonnen. Im kleinen Finale jubelte das Team von Bundestrainer Stefan Weil über einen 5 : 0-Erfolg gegen Israel und holte damit Bronze bei der EM im finnischen Pajulahti. Mit Platz drei ist auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 gesichert.
Die Damen blieben hinter den eigenen Erwartungen zurück und landeten auf Rang neun.
AURA-Hotels und -Pensionen sind Orte, die speziell auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zugeschnitten sind. Insgesamt drei Häuser bieten die ganze Bandbreite angenehmer Urlaubsunterkünfte, von der familiär geführten Pension bis zum 3-Sterne-Wellness-Hotel. Von der See bis in die Berge: Die AURA-Hotels liegen in den schönsten deutschen Ferienregionen und sind ideale Ausgangspunkte für Ausflüge, auf Wunsch mit sehender Begleitung. Alle Unterkünfte sind barrierefrei eingerichtet und bieten ein umfangreiches Begegnungs- und Veranstaltungsprogramm. Auch für Seminare und Gruppenfreizeiten sind die Häuser sehr gut geeignet.
Die Standorte von Nord nach Süd:
AURA-Hotel Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein)
Tel.:
0 45 03 / 60 02-0
AURA-Pension Rochsburg (Sachsen)
Tel.: 03 73 83 / 8
38-00
AURA-Hotel Saulgrub (Bayern)
Tel.: 0 88 45 / 99-0
Der Landesverein Mecklenburg-Vorpommern bietet außerdem Ferienwohnungen im Haus "Waldfrieden" im Ostseebad Boltenhagen an. Weitere Informationen bei der BSVMV Landesgeschäftsstelle: Tel.: 03 81 / 77 89 80
Mehr Infos im Internet unter www.aura-hotels.dbsv.org
Ein Pferd, ein Hund, die Arbeit: Helen Vogt schafft es irgendwie, das alles unter einen Hut zu bekommen. Und hat sogar noch Zeit für ein weiteres Hobby, bei dem es rasant zugeht. Manchmal steht sie, auch wegen ihrer Sehbehinderung, vor Herausforderungen. Wichtig ist ihr Vertrauen – in Mensch und Tier.
Von Helen Vogt
Ich sehe die Welt durch ein sehr kleines Fenster. Genau genommen durch ein Gesichtsfeld von etwa drei Grad – das entspricht etwa der Größe einer Fünf-Cent-Münze. Mein Sehrest liegt bei rund fünf Prozent. Für viele klingt das nahezu nach Dunkelheit. Für mich ist es mein Alltag – mein Leben.
Ich bin Helen Vogt, 33 Jahre alt, und komme aus Stuttgart. Seit meiner Geburt bin ich durch die Netzhauterkrankung Lebersche tapetoretinale Dystrophie hochgradig sehbehindert, habe nie mehr als zehn Prozent gesehen und bin zudem sehr lichtempfindlich. Ich habe nie anders gesehen, also fehlt mir nichts. Ich nehme in der Entfernung Licht, Kontraste und grobe Umrisse wahr, in der Nähe auch Farben, Bewegungen und deutlichere Umrisse.
Ich habe Berufspädagogik und Betriebswirtschaftslehre in Stuttgart studiert und arbeite als Personalreferentin in einem Unternehmen. Alle Unterlagen kann ich mit den Windows-Bedienungshilfen und mit der Vergrößerungssoftware ZoomText lesen. Auch die Sprachausgabe ist hilfreich, vor allem zur Bedienung des Handys.
In meinem Alltag bin ich nie allein unterwegs: Mein treuester Begleiter heißt Dino. Er ist mein Blindenführhund, ein fünfjähriger ruhiger Labrador-Golden-Retriever-Mischling mit wachem Blick und sanftem Gemüt. Dino ist seit über drei Jahren an meiner Seite und mittlerweile so bekannt in unserer Umgebung und in meinem Unternehmen, dass er fast schon zu einem kleinen Star geworden ist. Fast jeder kennt ihn, jeder freut sich, wenn er durch das Büro stromert, und er ist auf Veranstaltungen unseres Unternehmens ein beliebtes Fotomotiv. Durch den offenen Umgang mit mir, mit meiner Sehbehinderung und mit Dino fühle ich mich in meinem Unternehmen sehr wohl. Ich habe das Gefühl, dass Dino eine echte Bereicherung ist, nicht nur für mich, sondern für das ganze Team.
Dino navigiert mich nämlich nicht nur sicher durch den Alltag, sondern macht meine Sehbehinderung für andere viel greifbarer. Im Vergleich zu einem Langstock, der zwar hilfreich ist, aber oft eine gewisse Distanz zwischen mir und anderen aufbaut, zieht mein Hund viel mehr Aufmerksamkeit auf sich. Menschen bemerken ihn, kommen auf mich zu und stellen Fragen. Diese Momente bieten mir die Möglichkeit, meine Sehbehinderung auf eine viel nahbarere Weise zu erklären.
Dino bringt mich jeden Tag zuverlässig zur Arbeit, zum Einkaufen oder auch zu Janita. Doch wer ist Janita? Seit meinem fünften Lebensjahr habe ich eine große Leidenschaft: Pferde. Pferde waren für mich schon immer Freiheit, Kraft und vor allem Vertrauen – und ein Ort, an dem meine Sehbehinderung keine große Rolle spielt. Denn "das Pferd hat ja auch Augen", wie mein erster Reitlehrer sagte. Vor einem Jahr ist Janita in mein Leben getreten: eine bildschöne elfjährige Schimmelstute, die ich gekauft habe. Sie ist sehr zutraulich und hat eine große Ausstrahlung. Mit Janita bin ich sowohl im Dressurviereck unterwegs als auch in Begleitung im Gelände.
Natürlich gibt es im Reitsport auch herausfordernde Momente. Es fällt mir zum Beispiel schwer, auf unserem Sandplatz zu reiten. Er hat keinen Zaun, sondern nur eine niedrige Steinumrandung. Oft kann ich nicht abschätzen, wie weit Janita von der Umrandung entfernt ist. Doch Janita passt gut auf und wendet ab, bevor sie auf die Umrandung läuft. Dasselbe macht sie, wenn ich sie in der Halle zu nahe auf Hindernisse oder andere Reiter zusteuere. Ich nenne das "intelligente Befehlsverweigerung" – wie auch beim Blindenführhund. Mein Reitlehrer hat Verständnis dafür, dass die Hufschlagfiguren nicht immer perfekt geritten sind. Wir arbeiten gemeinsam an der Präzision, aber vor allem an der Kommunikation zwischen Janita und mir. Das ist es, was für mich zählt.
Nach einem Jahr sind auch Janita und ich ein gutes Team geworden – wie Dino und ich.
Neben den Tieren gibt es noch eine weitere Leidenschaft, die mich in Bewegung hält: das Rennrad-Tandem. Mein Lebenspartner und ich fahren oft zusammen – er vorne, ich hinten. Das Tandemfahren ist für mich eine weitere Möglichkeit, die Welt zu erleben – aber bei teils 80 Stundenkilometern in der Abfahrt geht auch hier nichts ohne gegenseitiges Vertrauen.
Der Spagat zwischen Vollzeit-Berufstätigkeit, Pferd, Hund und Privatleben ist zugegebenermaßen nicht immer leicht, aber mit guter Planung und Priorisierung funktioniert er meist gut. Durch eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sowohl zu meiner Arbeit als auch zum Stall komme ich überall allein mit Dino hin. Natürlich gibt es auch Herausforderungen: Ausfallende Züge, falsche Ansagen am Bahnsteig oder Baustellen erschweren mir diese Wege.
An Grenzen stoße ich häufig an Tagen, an denen mehrere Termine zusammenkommen – etwa, wenn ich zur Arbeit fahre, zum Stall muss, einkaufen will und abends noch mit Freunden verabredet bin. Auf die Pünktlichkeit von Bus und Bahn kann ich mich an solchen Tagen leider nicht immer verlassen.
Ich sehe wenig – aber ich sehe. Und mit Dino an meiner Seite, mit Janita unter dem Sattel und mit dem Fahrtwind beim Rennradfahren im Gesicht, sehe ich vielleicht sogar ein bisschen mehr als manch anderer.
Helen Vogt (33) lebt in Stuttgart.
Dazu ein Bild: Helen Vogt steht mit ihrer Schimmelstute Janita auf einem Reitplatz, der von Büschen und Bäumen umgeben ist. Sie hat langes blondes, zu einem Pferdeschwanz gebundenes Haar und trägt ein kurzärmeliges Polohemd. Janita trägt einen Sattel und Zaumzeug.
Auf Reisen, an Regentagen oder einfach so: Digital spielen macht Spaß! Es geht in jedem Alter, vertreibt die Zeit und hat manchmal sogar Suchtpotenzial – was hier positiv gemeint ist. Spielen funktioniert allein, zusammen oder gegeneinander, und manche Spiele sind sogar barrierefrei. Die Sichtweisen-Redaktion stellt drei inklusive digitale Spiele vor, die auf dem Smartphone, dem PC und Amazon-Geräten gespielt werden können.
Von Lisa Mümmler
Viele Menschen spielen gern am Computer, auf dem Tablet oder ihrem Smartphone – ob mit oder ohne Sehbehinderung. Damit das barrierefrei möglich ist, wurden einige digitale Spiele speziell für blinde und sehbehinderte Personen entwickelt. Aber es gibt auch Spiele, die zugänglich sind, weil sie gemacht wurden, um die Augen zu schonen, um die Fantasie anzuregen oder um das Hörbare in den Vordergrund zu stellen.
Die im Folgenden vorgestellten Spiele aus den Genres Fantasy, Strategie und Gedächtnis können auf verschiedenen digitalen Endgeräten genutzt werden und kommen ganz ohne Grafik aus.
Wer über einen Sehrest verfügt und das Smartphone-Spiel Sound of Magic herunterlädt, wird beim Starten vermutlich überrascht: Das Display bleibt schwarz. Das ist kein Fehler, sondern der vollkommene Verzicht auf grafische Elemente zugunsten einer mit Stimmen und Geräuschen geschaffenen Fantasy-Welt. Das mobile Rollenspiel ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Hörspiel".
Spielende schlüpfen in die Rolle eines Zauberers, der ohne Erinnerungen in einem modrigen Kerker erwacht. Auf der Suche nach seinem verlorenen Gedächtnis führt die Reise durch eine interaktive Spielwelt. Interagiert wird ausschließlich über Gesten – mit Personen, Gegenständen und magischen Elementen. Die Figuren sind mit bekannten professionellen Stimmen vertont, die charmant gestaltete Charaktere zum Leben erwecken.
Durch Wischen und Tippen auf dem Bildschirm können Gegenstände benutzt, Personen angesprochen und Zauber bewirkt werden. Dabei gilt es, teils knifflige Rätsel zu lösen. Das humorvolle Abenteuerspiel überzeugt nicht nur durch die ungewöhnliche Spielweise, sondern auch durch originelle Ideen, Detailreichtum und eine gut erzählte Geschichte.
Sound of Magic ist für iOS und Android erhältlich und kostet einmalig fünf Euro. Es gibt eine kostenfreie Demo-Version. Die Gesamtspielzeit beträgt etwa acht bis zwölf Stunden.
Ebenfalls ohne visuelle Elemente kommt Ritter-Manager aus. Das kostenlose Strategiespiel kann über die Alexa-App oder mit einem Amazon-Alexa-Gerät gespielt werden und setzt auf Sprachsteuerung. Das Spielprinzip ist einfach, die Möglichkeiten sind komplex.
Spielende übernehmen das Management eines Ritters, dem sie zu Ruhm und Ehre verhelfen. Um das zu erreichen, wird er per Sprachbefehl auf Abenteuer oder zum Kämpfen in die Arena geschickt, Ebenso wird er auf Erkundungstouren in den Düsterwald gesandt, wo er Orks – fiktive, nichtmenschliche Wesen – bekämpfen muss und Ressourcen wie Beeren, Äpfel oder Waldpilze findet. Durch gesammelte Erfahrung steigt das Level und Fähigkeitspunkte können auf Stärke, Verteidigung, Geschwindigkeit, Lebenspunkte oder Glück verteilt werden. Gegen Goldbeträge verbessert der Schmied Schwert, Rüstung und Unterkünfte für Bedienstete. Je stärker der Ritter wird, desto höher steigt er in der Kampfliga und auf der Jagdrangliste auf.
Im Shop können täglich wechselnde Kampf-Fähigkeiten, Bonus-Eigenschaften oder Titel wie "der Berserker", "der Glückliche" oder "der Schattengeborene" gekauft werden. Ein Sortiment an Tränken, die für begrenzte Zeit die Statuswerte des Ritters verbessern, gibt es an der Theke der Taverne. Wer ein bisschen Gold übrig hat, kann sein Glück beim Kartenspiel Black Jack versuchen.
Wöchentliche Aktivitäten sorgen für Abwechslung: So kann zum Beispiel dienstags das Glücksrad auf dem Jahrmarkt gedreht werden, und freitags vergibt der Außenposten am Rande des Düsterwalds Jagdaufgaben, deren Lösung mit Preisen belohnt wird. Das Spiel kann allein gespielt werden, doch den besonderen Reiz macht für viele gerade die soziale Komponente aus: In sogenannten Strategiekammergruppen können sich bis zu fünf Spielfiguren zusammenschließen, um gemeinsam gegen starke Endgegner wie Trolle oder Geisterwesen anzutreten. Bei erfolgreichem Abschluss winken Belohnungen – von Gold über Ausrüstungsgegenstände bis hin zu Schriftrollen.
Zudem können untereinander Geschenke und Briefe verschickt und Gegenstände über die integrierte Handelsfunktion getauscht werden. Darüber hinaus existieren zahlreiche Ritter-Manager-Gruppen auf Facebook, WhatsApp und der bekannten Gaming-Plattform Discord – zum Handeln, Diskutieren und für gegenseitige Unterstützung.
Gesteuert wird alles mit einfachen Kommandos, die laut gesagt oder in der App eingetippt werden können wie "Schmied", "Theke" oder "tägliches Abenteuer".
Beim akustischen Gedächtnisspiel Klang2 treffen digitale und analoge Elemente aufeinander. Gespielt wird mit einer kostenlosen App und einem physischen Set aus 20 leichten, handlichen Quadraten. Ziel ist es, zueinander gehörende Quadrate zu finden – nicht über darauf abgebildete Motive, sondern rein akustisch. In jedes Quadrat ist ein NFC-Chip integriert, der vom Smartphone erkannt wird. Wird ein Plättchen gescannt, wird der zugeordnete Klang oder Begriff abgespielt. Ein gefundenes Paar darf behalten werden – beispielsweise das Geräusch "Bellen" und der Begriff "Hund". Wer die meisten Paare gefunden hat, gewinnt das Spiel.
Es gibt 19 über die App auswählbare Spielesammlungen mit unterschiedlichen Themen wie Sprichwörter, Länder und Hauptstädte, Komponisten und Musikstücke und Alltagsgeräusche. Die Quadrate sind hochwertig verarbeitet, in Deutschland hergestellt und durch ihre kompakte Größe für unterwegs geeignet.
Zum Herunterladen der App ist eine Internetverbindung notwendig, gespielt werden kann anschließend auch offline. Drei Klang2-Sets sind erhältlich: zu 29 Euro, 42 Euro oder 89 Euro – abhängig von der Fertigung.
Neben diesen drei digitalen Spielen gibt es viele weitere inklusive Optionen. Auch Spielekonsolen wie die Xbox und Switch 2 nähern sich mit integrierten Screenreadern und Einstellmöglichkeiten für kontrastreiche Designs der Barrierefreiheit. Wie zugänglich einzelne Spiele sind, sollte aber vor der Anschaffung getestet werden. Wer gerne zockt, kann sich Inspiration im Gaming Lab auf der jährlich stattfindenden Fachmesse SightCity holen oder im offSight-Forum des DBSV-Jugendclubs.
Dazu ein Bild: Das Bild zeigt eine Hand, die auf einem Smartphone den Bildschirminhalt berührt, während das Spiel Sound of Magic gespielt wird. Das Spiel verzichtet vollständig auf grafische Elemente, weshalb der Bildschirm größtenteils schwarz bleibt.
Soll ich ein Testament machen? Worauf muss ich achten? Was kostet das? Fragen, die sich auch sehbehinderte und blinde Menschen stellen. Die gemeinnützige Rechtsberatungsgesellschaft rbm (Rechte behinderter Menschen) bietet darum einen neuen Service für Mitglieder der DBSV-Landesvereine und der korporativen Mitglieder: eine erbrechtliche Beratung mit einer abschließenden Empfehlung.
Was ist Beratungsinhalt?
Was kostet das?
Die rbm berechnet für diese Form der erbrechtlichen Beratung eine Gebühr von 240,75 Euro (inkl. Umsatzsteuer). Die schriftliche Darstellung kann zum Beispiel einem Notar oder einer Notarin zur konkreten Testamentsberatung vorgelegt werden.
Fragen Sie uns – wir beraten Sie gern:
rbm gemeinnützige GmbH
Rechte behinderter Menschen
Biegenstraße 22, 35037 Marburg
Tel.: 0 64 21 / 9 48 44-90 oder
-91
E-Mail:
kontakt@rbm-rechtsberatung.de
Internet:
www.rbm-rechtsberatung.de
Ein Buchtipp von Gabi Schulze, dzb lesen
Sie ist als Star des deutschen Stummfilms in die Geschichte eingegangen: die dänische Schauspielerin Asta Nielsen. Dass sie auch schreiben konnte, belegen ihre über 50 Erzählungen, die sie nach dem Ende ihrer Schauspielkarriere verfasste. Eine kleine Auswahl ihrer Werke liegt in der Sammlung "Im Paradies" vor.
Es handelt sich um leichte, stimmungsvolle Geschichten, erzählt mit trockenem Humor. Die Autorin schildert darin Situationen so anschaulich und lebendig, dass man das Gefühl hat, selbst Teil des Geschehens zu sein. In der titelgebenden Erzählung "Ein Tag im Paradies" lädt ein Geigenbauer Asta Nielsen und ihren Freund in sein Haus in einen Berliner Vorort ein. Nielsen freut sich auf einen schönen Tag und blühende Kastanienzweige. Doch bereits die Anreise gestaltet sich schwierig, und der Tag verläuft ganz anders als erwartet.
Ihrem Freund, dem Dichter Joachim Ringelnatz, widmet sie zwei Erzählungen. In einer beschreibt sie in slapstickartigen Szenen seine feucht-fröhliche Geburtstagsfeier, die außer Kontrolle gerät. In der anderen erzählt sie vom Besuch des Dichters und seiner Frau in Nielsens Sommerhaus auf Hiddensee.
Ein Gute-Laune-Buch voller ausgelassener, heiterer Geschichten!
Asta Nielsen: Im Paradies. Erzählungen
Je ein Band
Kurzschrift/Vollschrift, auch im Braille-Format herunterladbar
Tel.: 03
41 / 71 13 -114 bzw. -116
E-Mail:
bibliothek@dzblesen.de bzw.
verkauf@dzblesen.de
Ein Buchtipp von Karin Ondertoller, BIT-Zentrum
Das Buch zeichnet ein politisch-biographisches Porträt von König Juan Carlos I. von Spanien. Es liefert zugleich eine Analyse der Rolle des Monarchen als Staatsoberhaupt für die Entwicklung Spaniens im letzten halben Jahrhundert.
Die ersten Kapitel zeichnen die wechselvollen Geschicke der spanischen Monarchie in der Vergangenheit nach. Dann geht es um die Wiedereinführung der monarchischen Staatsform während des Franco-Regimes sowie um die schwierige Stellung des Prinzen Juan Carlos zwischen seinem Vater und Diktator Franco.
Der Hauptteil des Buches ist dem politischen Wirken des Monarchen in der Übergangsphase zur Demokratie und in den Jahrzehnten der parlamentarischen Monarchie gewidmet. Die abschließenden Kapitel behandeln den Ansehensverlust des Königs wegen seiner persönlichen Fehltritte, seinen Thronverzicht und sein "Exil". Zum Schluss betrachtet der Autor die Rolle von König Juan Carlos insgesamt für die neuere Geschichte Spaniens.
Walther L. Bernecker: Juan Carlos I., König von Spanien.
Ein biographisches Porträt
Sprecherin: Annaserena Bikafalvi
Máthé DAISY-Hörbuch (14:36 Stunden)
Preis CD: 39
Euro
Zu bestellen beim
BIT-Zentrum
Tel.: 0 89 / 5 59 88
-136 oder -144 (AB)
E-Mail:
bit-bestellservice@bbsb.org
Ein Buchtipp von Claudia Gosen, Westdeutsche Bibliothek der Hörmedien
William Waters ist Einzelkind. Kurz nach seiner Geburt verstarb seine erst dreijährige Schwester, und diesen schweren Schicksalsschlag konnten seine Eltern nie verwinden. Vernachlässigt und einsam gelingt es ihm nur auf dem Basketballplatz, etwas Zugehörigkeit zu empfinden.
Julia ist eine der vier Pavadano-Schwestern. Die Familie Pavadano bildet eine Einheit, die Schwestern sind unzertrennlich, und Julia wird von den Eltern unendlich geliebt. Als Julia und William sich auf dem College begegnen und ineinander verlieben, erlebt William zum ersten Mal, was es heißt, eine Familie zu haben. Er wird so herzlich aufgenommen, dass es ihn fast überfordert. Alle Schwestern freuen sich sehr, als Julia und William heiraten und schon bald die kleine Alice geboren wird.
Doch dann merkt William, dass sein Kindheitstrauma ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. Weitere Schicksalsschläge werfen nicht nur ihn aus der Bahn, sondern erschüttern auch die Einheit der Familie Pavadano.
Dieser Familienroman steckt voller Emotionen und Überraschungen.
Ann Napolitano: Hallo, du Schöne
DAISY-Hörbuch
(15:47 Stunden)
Sprecher: Florian Schmidtke
Ein Buchtipp von Maren Gebhardt, Norddeutsche Hörbücherei
Ulrike Giucaroni arbeitet Ende der Achtzigerjahre an einer kleinen DDR-Provinzbühne als Regieassistentin, studiert gleichzeitig Theaterwissenschaft und träumt von eigenen Inszenierungen. Sie erkämpft sich ihre Chance, und der Intendant unterstützt die als politisch renitent geltende junge Frau. Doch zu Beginn der neuen Spielzeit verschwindet er plötzlich gen Westen.
Sein Widersacher kommt zu Macht, Ulrike wird kaltgestellt und versucht vergeblich, das Theater zu wechseln. Mit einem überraschenden erneuten Intendantenwechsel scheint sich das Blatt für sie im Sommer 1989 zu wenden, aber da geht das Land unter, und Ulrikes Welt bekommt Risse.
Ein biografischer Wendezeit-Roman, der persönliche Lebensgeschichte und Zeitgeschichte verknüpft.
Sylvia Giuliani: Hinterm Vorhang ist es still
DAISY-Hörbuch (9:23 Stunden)
Sprecher: Christian Rudolf
Im Online-Katalog der Mediengemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen (Medibus) sind rund 100.000 Punktschrift- und Hörbuchtitel verzeichnet. Diese Titel können über alle angeschlossenen Blindenbüchereien ausgeliehen werden. Informieren Sie sich bei Ihrer Bücherei oder stöbern Sie selbst im Internet unter: www.medibus.info
Die alleinerziehende Eva kämpft Tag für Tag um ein harmonisches Zusammenleben mit ihrem 13-jährigen Sohn Felix, der das Asperger-Syndrom hat. Oft muss sie ihren Arbeitsplatz verlassen und Felix irgendwo abholen oder suchen, wenn er aus dem Unterricht weggelaufen ist.
Felix verliert bei Reizüberflutung leicht die Kontrolle, was sich in Wutausbrüchen und Aggressionen zeigt. In der Schule führt das zu andauernden Konflikten mit den Mitschülerinnen und -schülern, und auch die einfühlsame Schulbegleiterin ist schließlich überfordert.
Evas Nachbar Pelle ist Fischhändler und hat ein Auge auf Eva geworfen, außerdem hat er ein großes Herz für Felix. Nach anfänglichen Berührungsängsten beginnt Eva, sich langsam zu öffnen. Doch Felix kann mit seinen Ängsten und seiner Wut weiterhin nicht umgehen, und es kommt zu einem dramatischen Ereignis.
Ein zugleich packender und berührender Film, der die Nöte der Mutter eindringlich veranschaulicht.
Zwischen uns
Filmdrama, Deutschland 2021
Drehbuch:
Max Fey, Michael Gutmann
Regie: Max Fey
Mit Liv Lisa Fries, Jona
Eisenblätter, Thure Lindhardt
In der ARD-Mediathek verfügbar
bis 21. November 2025
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Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr. Der wichtigste Taktgeber ist das Tageslicht.
Es setzt die innere Uhr immer wieder auf exakt 24 Stunden zurück. Völlig blinden Menschen fehlt die Lichtwahrnehmung, deshalb kann es dazu kommen, dass der Körper nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden kann. Diese Menschen leiden an der Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung, kurz Non-24.
Betroffenen fällt es phasenweise sehr schwer, sich tagsüber wachzuhalten und zu konzentrieren. Nachts hingegen signalisiert der Körper oftmals kein Schlafbedürfnis.
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Bitten Sie Ihre Gäste anstelle von Geschenken um eine Spende zugunsten von Menschen mit Sehverlust.
Informationen zum Thema "Spenden statt Geschenke" erhalten Sie bei den 19 Landesvereinen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) oder unter www.dbsv.org/spenden-statt-geschenke
Probleme mit dem Sehen? Wir sind für Sie da.
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