Sichtweisen Ausgabe 6/2024 November

"Sichtweisen" – Heft 06/2024

Inhalt

Impressum

Editorial

Werbeanzeigen:

Reisen mit anders-sehn 2025

Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen

Einfach SynPhon!

DHV-Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH

RTB

Im Gespräch:

Eine Internetseite macht Karriere

Kurzinfo: Zur Person: Professor Florian Adler

DBSV-Nachrichten:

Beraten und beschlossen

Meldungen

Hans-Dieter Später verstorben

365 Beiträge zum Jubiläum der Brailleschrift erwartet

Online-Gewinnspiel mit inklusiven Preisen

Protestaktion: "Barrierefreiheit jetzt!"

Neues DBSV-Projekt: Kollaborative Tools

"Fit fürs Ehrenamt": Schulungen geplant

"Augen zu und durch": MDR-Podcast zum Festival

"Abenteuer Teilhabe": Video zum Louis Braille Festival

Podcast-Folgen: Frauenarbeit im Verein und Brailleschrift

DBSV-Karte: Mehr als ein Mitgliedsausweis

Dank an Unterstützer des DBSV

Thema: Verkehr

Wo Langstock und Gehör nicht helfen

Kurzinfo: Aktion nun zeitlos  –  Leitfaden bestellbar

Mit Navi im Handy und im Kopf

Verkehrsmeldungen

Termine & Tipps:

Termine

Hör.Oper mit Audiodeskription und Tastführung

Musik- und Tanzworkshop

Kulinarische und musikalische Adventswoche

Reiki  –  Hilfe zur Selbsthilfe

Bewerbungstraining für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

Braille für Anfänger

DBSV-Veranstaltungen

Beraterseminare

Workshops zum Melden digitaler Barrieren

Tipps

Shows und Konzerte mit Audiodeskription

Forum:

Orlando erobert das Netz

Leserbriefe

Bitte um intensiven Einsatz für Barrierefreiheit bei Unterhaltungselektronik

Viel erlebt auf der Euro-Tandem-Tour 2024

Rätsel

Lösung des September-Rätsels

Mit Rätselfleiß zum Rätselpreis

Kurzinfo: Forum  –  im direkten Austausch

Panorama:

Gesellschaft

Akustischer Advents- und Weihnachtskalender

Bundesteilhabepreis 2025 ausgeschrieben

Kultur

"HoloAudioTour" im Deutschen Museum

Gesundheit

Ratgeber für Menschen mit Schlafstörungen

Broschüre "Sehen und Hören mitdenken"

Bildung

"Wege in den Beruf" für taubblinde Menschen

Karriereambitionen behinderter Beschäftigter

Aus den Ländern

Pläne für das Aura-Hotel Saulgrub

Schülerin in Sachsen wird Gymnasialbesuch verwehrt

Aura-Hotels: Entspannter Urlaub ohne Barrieren

Service:

Schielen schafft Leidensdruck

Kurzinfo: Erbrechtliche Beratung  –  ein Service der rbm

Medien:

Bücher

Sendezeit

Vom Leben und anderen Zumutungen

Lore und die letzten Tage

Kopfarbeit

Kurzinfo: Medibus-Katalog

Hörfilme

Mein Kind

Anzeigen:

Private Kleinanzeigen

Zu verkaufen

Partnersuche

Gewerbliche Anzeigen

ABTIM

Marschall Versand  –  Hilfsmittel für Blinde

IPD

Landeshilfsmittelzentrum Dresden

Marland

Papenmeier

DBSV: Augenblicke feiern


Titelbild:
Das Titelbild ist hellgrau. Darauf prangt, über drei Zeilen verteilt, in großer schwarzer Schrift der Titel "Sichtweisen"  –  die Buchstaben sind fragmentiert dargestellt. In einem roten Kasten auf halber Höhe wird der Name des Magazins gut lesbar wiederholt. Links unten ist eine gezeichnete Kreuzung von oben zu sehen, darauf eine rote zurückweichende Strichfigur mit Langstock. "Verkehr" lautet das Schwerpunktthema dieser Ausgabe.



Impressum


"Sichtweisen" – Das Magazin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV)
78. Jahrgang
ISSN: 2511-7017


Herausgeber:
DBSV e. V.
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: 030 / 28 53 87-0


Redaktion:
Ute Stephanie Mansion, Anna Hinc, Leonie Koll, Lisa Mümmler, Andreas Bethke (V.i.S.d.P.)
E-Mail: sichtweisen@dbsv.org


Die "Sichtweisen" erscheinen sechsmal im Jahr (Nr.1 Januar, Nr.2 März, Nr.3 Mai, Nr.4 Juli, Nr.5 September, Nr.6 November) in Print und Braille sowie als Bestandteil der zehnmal im Jahr erscheinenden DAISY-CD DBSV-Inform (kostenfreies Abo für Mitglieder aller DBSV-Landesvereine).


Jahresbezugspreis für Print und Braille:
24 Euro für Inhaber der DBSV-Karte,
sonst 27 Euro,
halber Preis für Abonnenten unter 21 Jahren.


DBSV-Zeitschriftenverlag:
Petra Wolff
Tel.: 030 / 28 53 87-220
E-Mail: p.wolff@dbsv.org


Kündigung des Abonnements bis Ende September für das Folgejahr.


Anzeigenverwaltung:
Tel.: 030 / 28 53 87-293
E-Mail: anzeigen@dbsv.org


Private Kleinanzeigen bis 200 Zeichen: 10 Euro, je weitere 50 Zeichen: 5 Euro.
Mediadaten für gewerbliche Anzeigenkunden auf Anfrage.


Produktion:
Print: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, mit freundlicher Unterstützung
Braille: Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)
DAISY: dzb lesen und Berola-Film GmbH


Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechteridentitäten (siehe auch www.dbsv.org/gendern.html).




Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
dass auf dem Weg Richtung Barrierefreiheit oft zähfließender Verkehr herrscht, spüren wir sehbehinderten oder blinden Menschen im Alltag leider häufig. Mal geht es ein Stück voran, dann stockt es wieder, manchmal geht es sogar ein Stück zurück. So ist es auch, wenn wir im Straßenverkehr unser Ziel erreichen wollen  –  und zwar, wie alle anderen, zügig, unkompliziert und unfallfrei. Leider behindern an vielen Stellen Barrieren unser Vorankommen. In unserem Schwerpunktthema "Verkehr" widmen wir uns diesen Barrieren und ihrem möglichen Abbau.

Die Probleme sind vielfältig: Es mangelt beispielsweise an taktilen Leitstreifen, an Ampeln mit akustischem Signal und an Schildern mit großer Schrift und hohem Kontrast. Diese und weitere Probleme zeigen sich gebündelt an vielen Kreuzungen. Der DBSV hat darum in diesem Jahr anlässlich des Sehbehindertentags zur Aktion "Die schlimmste Kreuzung" aufgerufen, bei der die jeweils schlimmste Kreuzung eines Ortes aus Sicht von blinden und sehbehinderten Menschen "gekürt" wurde. Über die schlimmsten Kreuzungen ihrer Stadt und welche Resonanz die Aktion hatte, berichten Mitglieder der jeweiligen Organisationsteams aus Regensburg, Königs Wusterhausen und Hamburg.

Um sich sicher im Verkehr zu bewegen, hat Nikolaos Rizidis einen Blindenführhund: Orlando. Wie er feststellte, ist vielen Menschen nicht klar, was so ein Führhund macht und wie blinde Menschen überhaupt ihren Alltag leben. Deshalb stellt er in Videos auf der Plattform TikTok sein Leben als blinder Mann, Ehemann, Führhundhalter und Verkehrsteilnehmer vor  –  mit großem Erfolg. In der Rubrik "Forum" erzählt er, wie es dazu kam.

In der Rubrik "Service" lesen Sie von einem häufig vorkommenden Phänomen in der Augenheilkunde: dem Schielen. Jedes 25. Kind schielt. Häufig führt Schielen zu psychischen Problemen, da die Betroffenen von anderen als weniger aufmerksam, sympathisch und intelligent eingeschätzt werden. Nun soll eine große Studie an der Uni-Augenklinik Bonn untersuchen, wie sich Schiel-Operationen auf die Lebensqualität auswirken.

Interessante Hör- und Lesestunden mit der November-Ausgabe der Sichtweisen wünscht Ihnen

Ute Stephanie Mansion
Redaktion Sichtweisen  

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Reisen mit anders-sehn 2025

Neue spannende Reisen von anders-sehn für blinde oder sehbehinderte Menschen! Z.B. Genusshauptstadt Graz, geschichtsträchtiges Halberstadt, geheimnisvolles Ostfriesland.

Das komplette Angebot finden Sie im kostenlosen Katalog  –  jetzt bestellen als Hör-CD oder in Schwarzschrift!

Tel.: 0 47 21 / 6 99 85 67
E-Mail: hahn@anders-sehn.de
www.anders-sehn.de

Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen

Entdecken Sie vielfältige Audioanleitungen zu iPhone, Internet u.v.m. in unserem barrierefreien Online-Shop!

Unsere günstigen Onlineschulungen für Screenreader und Officeprogramme sind unschlagbar.

Nutzen Sie auch unsere Expertise in der Fernwartung von Blindentechnik.

Hören Sie unseren Podcast Smütech  –  überall, wo es Podcasts gibt!

Telefon & WhatsApp: 0 82 32 / 5 03 13 03
www.schulze-graben.de

Einfach SynPhon!

Elektronische Hilfsmittel, die das Leben erleichtern, sind unser Markenzeichen. Der bewährte EinkaufsFuchs Produktkenner sagt mit einem Piep, was die Sache ist. Die Fledermaus Orientierungshilfe erkundet Sicherheitsabstände automatisch und zeigt, wo es langgeht. Es ist zudem denkbar einfach, unsere Hilfsmittel kennenzulernen. Ein Anruf genügt und EinkaufsFuchs oder Fledermaus kommen vollkommen unverbindlich mit der Post zu Ihnen nach Hause. Alles Weitere erfahren Sie sehr gerne am Telefon  –  so einfach ist das!

Tel.: 0 72 50 / 92 95 55

SynPhon GmbH
Im Steinig 6, 76703 Kraichtal
E-Mail: synphon@t-online.de
www.synphon.de

DHV-Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden,

zunächst ein Hinweis zu unserer letzten Anzeige, mit der wir die Induktionskochplatten mit Sprachausgabe vorgestellt haben. Nachdem die Kochplatten bei uns endlich eingetroffen waren, mussten wir leider feststellen, dass diese über keine deutsche Sprachausgabe verfügten.

Der Grund war eine Fehlinformation des Herstellers an uns. Sobald die Kochplatten mit deutscher Sprachausgabe erhältlich sind, werden wir diese wieder neu bewerben.

Wir bedauern diese Fehlinformation und hoffen auf Ihr Verständnis!

C. Meier-Wittern
Geschäftsführer


Neu  –  Blindennavigationsgerät Victor Reader StellarTrek

Das brandneue Navigationsgerät StellarTrek ist der Nachfolger des Trek der Firma Humanware. Jetzt noch smarter durch die Einbindung von Künstlicher Intelligenz (KI) und sehr nützlichen Zusatzfunktionen wie Kompass, Barcodeerkennung, Texterkennung und Farberkennung.

Hierfür wird erstmals ein Doppel-Kamera-System an der Rückseite des StellarTrek genutzt.

Die Bedienung ist stark vereinfacht worden und die Hauptfunktion, die Fußgänger-Navigation, steht nun absolut im Vordergrund. Wo der Vorgänger noch mit diversen Medienfunktionen überfrachtet war, zeichnet sich der StellarTrek durch seine ganz neue und aufgeräumte Gestaltung aus. Mit nur wenigen Tasten ist die Handhabung schnell erlernt und auch weniger technisch versierte Anwender haben schnell Zugang zu dem Gerät.

Die sehr deutliche, deutsche Sprachausgabe von Acapella führt durch alle Anwendungen und Einstellungen. Der starke Akku für bis zu 24 Stunden Betriebszeit, eine stabile Bluetooth-Verbindung zu geeigneten Kopfhörern und seine Wetterfestigkeit machen ihn zu einem verlässlichen Begleiter für Ihren Alltag.

Erhalten Sie weitere Informationen über den StellarTrek direkt von uns oder lassen Sie sich auch gern die vollständige Bedienungsanleitung zusenden, um das gesamte Leistungsspektrum des Navis kennenzulernen.

Best.-Nr.: 2020078  –  Preis: 1595,00 Euro
(Alle Preise verstehen sich inkl. 7% MwSt.)


Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Verkauf Hannover: Tel.: 05 11 / 95 46 50

Bestellservice: 0 18 02 / 25 83 12 (0,14 Euro/Anruf)

E-Mail: info@deutscherhilfsmittelvertrieb.de
www.deutscherhilfsmittelvertrieb.de

RTB

LOC.id im LBZB Niedersachsen

Das Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB) in Hannover unterstützt blinde und sehbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Heranwachsende auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. So findet dort unter einem Dach die Beratung, Frühförderung, schulische und berufliche Bildung und vieles mehr statt. Dementsprechend kommen auf einem räumlich betrachtet sehr großen Areal viele Menschen zusammen. Barrierefreiheit ist an einem solchen Ort nicht hoch genug einzustufen, denn Sicherheit und eine perfekte Orientierung stehen an erster Stelle.

Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Bodenleitlinien wurde nun auch auf den Einsatz der LOC.id-Technologie in Hannover gesetzt. Bereits vielfach bewährt hat sich diese App-basierte Lösung schon in anderen Bereichen, beispielsweise an Lichtsignalanlagen. Auf dem Gelände des Landesbildungszentrums wurden sogenannte "sprechende Steine" namens LOC.id ROCK und Auffindepunkte LOC.id POI installiert und in Betrieb genommen. Nähert sich eine visuell eingeschränkte Person mit der zugehörigen App auf dem Smartphone, werden diese mittels Bluetooth® aktiviert und geben akustische Hinweise zu den örtlichen Gegebenheiten, z.B. zu Eingängen, Gebäuden, Hindernissen etc.

Neu und erstmalig im Einsatz ist im LBZB die Mehrsprachigkeit. Je nachdem in welcher Sprache die LOC.id App auf dem Smartphone der Nutzerinnen und Nutzer eingestellt ist, wird auch die Sprachausgabe von LOC.id ROCK oder LOC.id POI angepasst, so dass bisherige Sprachbarrieren ausgeräumt werden können. Ein echter Mehrwert und ein Gewinn im Hinblick auf echte Barrierefreiheit. Wir sind gespannt auf das Feedback und hoffen, dass noch viele öffentliche Orte diesem positiven Beispiel folgen werden und sich aktiv für den flächendeckenden Einsatz dieser Technologie einsetzen.

Kontakt:
T.: +49 5252 9154730
info@sms-start.de
www.sms-start.de


Übrigens: Mehr zum Thema Barrierefreiheit finden Sie im Internet unter www.stockstübchen.de


Das Netzwerk:
Trapeze, Bolt, Sila Signalbau, Urich Mobility, SWH.HAVAG, FABEMA, SCHAEFER, Berghaus, YUNEX Traffic, AVS, Schake, horizont, nissen, visorApps, swarco, init, rehalehrer.de, DBSV, RTB, MindTags Group GmbH, Stührenberg, AVT STOYE

SMS Smart Mobility Services
RTB  

Im Gespräch:

Eine Internetseite macht Karriere

Wer Texte barrierefrei gestalten will, findet hilfreiche Tipps auf leserlich.info. Die Website des DBSV vermittelt, wie einzelne Zeichen, Wörter und ganze Texte so gestaltet werden, dass auch Menschen mit Seheinschränkung sie lesen können. Nun wurde die Seite überarbeitet und ins Englische übersetzt. Das neue leserlich.info geht im Dezember online. Professor Florian Adler erklärt im Interview, was ergänzt wurde und welche Bedeutung die Website hat.

Interview: Ute Stephanie Mansion  


Herr Professor Adler, könnten Sie bitte kurz erläutern, was die Website leserlich.info ist und worüber sie informiert?

leserlich.info ist ein Online-Leitfaden zu inklusivem Kommunikationsdesign für Menschen mit und ohne Sehbehinderung. Dort erläutern wir die wichtigsten Faktoren für die Leserlichkeit von Schrift und die Lesbarkeit von Text auf Basis des heutigen Forschungsstands und der einschlägigen Normen. Besonders relevant für die Leserlichkeit von Schrift ist die DIN 1450, an der sowohl Vertreter des DBSV als auch ich selbst im Kreis von vielen anderen Fachleuten mitgewirkt haben. Wir haben vor einigen Jahren mit einer Fokusgruppe des DBSV, an der Betroffene der verbreitetsten Augenerkrankungen beteiligt waren, diese Faktoren überprüft und Empfehlungen für die Praxis formuliert. Neben diesen Empfehlungen gibt es auf leserlich.info auch einen Schriftgrößenrechner und einen Kontrastrechner zur individuellen Bestimmung ausreichender Schriftgrößen und Farbkontraste für Print- und Online-Medien.


Warum ist die Website wichtig?

Nun, es gibt zwar verstreut in der Fachliteratur inzwischen eine Reihe von Beiträgen zum Thema barrierefreies Design, aber mir ist bisher kein vergleichbares Medium bekannt, in dem dieses Wissen so fokussiert und praxisnah zusammengefasst ist.

Das zeigen uns auch zahlreiche sehr positive Zuschriften an die Redaktion von leserlich.info. Gerade für junge Designerinnen und Designer ist heute ein Online-Angebot unverzichtbar, weil das natürlich wesentlich leichter zugänglich ist als eine abstrakte DIN-Norm, die dazu auch noch Geld kostet.


Die Website wurde kürzlich ins Englische übersetzt. Warum?

In den vergangenen Jahren haben wir leserlich.info auf vielen nationalen und auch internationalen Design-Konferenzen, an Hochschulen und in Unternehmen der Pharma- und der Automobilindustrie vorgestellt. Im Jahr 2022 habe ich ein Trimester lang inklusives Design am Hongkong Design Institute unterrichtet. Überall konnten wir feststellen, dass das Interesse an konkreten Arbeitshilfen für ein inklusives Kommunikationsdesign groß ist. Dieses internationale Interesse wollen wir aufnehmen und die Reichweite von leserlich.info durch das englischsprachige Angebot entsprechend vergrößern.


In diesem Jahr wurde leserlich.info überarbeitet. Welche Änderungen wurden vorgenommen, und welche Bedeutung haben sie für Grafikdesigner und -designerinnen und alle, die sich mit Textveröffentlichungen beschäftigen?

Wir haben einige fachliche Aktualisierungen und Ergänzungen vorgenommen, zum Beispiel eine Abbildung im Kapitel "Textarten" hinzugefügt. Den Kontrastrechner haben wir jetzt mit einer Umschaltmöglichkeit zwischen Text und Hintergrundfarbe ausgestattet.

Der Schriftgrößenrechner enthält nun auch Angaben zu Schautexten, also Überschriften. Die waren bisher nicht berücksichtigt, weil es dafür sehr wenige Vorgaben gibt. Wir haben ein neues Kapitel zur Textgestaltung in Videos eingeführt und dafür noch einmal mit einer Fokusgruppe des DBSV zusammengearbeitet.

Die Empfehlungen für Zeichenabstände haben wir entsprechend einer Korrektur in der DIN 1450 angepasst. Auch unsere Angaben zu Leuchtdichtekontrasten haben wir etwas konkretisiert, dazu hatten wir wertvolle Hinweise von einem Leser erhalten. Die Fußnoten sind jetzt nach Web-Standard WCAG-konform verlinkt.

Und wir haben die Startseite neu gestaltet, mit direkten Einstiegen über sogenannte Teaserbilder, um die Zugänge in die Themen noch attraktiver zu machen. Insgesamt finden Gestalterinnen und Gestalter jetzt also noch mehr Erläuterungen und praktische Arbeitshilfen zu allen Faktoren, die die Leserlichkeit von Schrift und Lesbarkeit von Text unterstützen.


Welche Änderung ist die wichtigste?

Die schon genannte internationale Zugänglichkeit durch das englischsprachige Angebot ist uns besonders wichtig. Wir sehen, dass Designberufe tendenziell englischsprachig orientiert sind und dass wir damit unsere Reichweite enorm erweitern können.


Sie haben eben schon angedeutet, dass Sie Feedback auf die Seite erhalten. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Menschen, die Texte für möglichst viele lesbar gestalten möchten?

Wir bekommen seit 2017, also seitdem leserlich.info online ist, immer wieder dankbare und manchmal sogar begeisterte Kommentare, weil die Bereitschaft und der Bedarf, barrierefreie Medien zu gestalten, sehr groß ist. Das praxisorientierte Wissen dazu wird aber noch zu wenig vermittelt. Ich sehe das auch in meinen Seminaren an Hochschulen, wo das Thema Diversität ja einen großen Stellenwert besitzt.


Wem dürfen blinde und sehbehinderte Menschen leserlich.info ans Herz legen?

Allen, die mit Kommunikationsdesign zu tun haben, ob als Verantwortliche, die Aufträge an Grafikerinnen und Grafiker vergeben, oder als Gestaltende. Denn inklusives Design nutzt Menschen mit und ohne Sehbehinderung gleichermaßen.


Alle Neuerungen sind von Dezember an auf leserlich.info zu finden.

leserlich.info wird seit dem Start von MSD unterstützt.


Dazu ein Bild: Florian Adler hat sehr kurzes Haar und einen Dreitagebart. Er trägt einen schwarzen Pullover und eine schwarze Brille mit runden Gläsern.



Kurzinfo: Zur Person: Professor Florian Adler

Professor Florian Adler studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Berlin und führt seit 1989 das Designbüro adlerschmidt, das unter anderem für das Corporate Design der Bundesregierung verantwortlich war. Seit 2002 unterrichtet er Kommunikationsdesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin; seit 2010 ist er Mitglied im DIN-Ausschuss "Schriften" und von 2015 bis 2017 führte er für den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband das Forschungs- und Entwicklungsprojekt "Inklusives Kommunikationsdesign" durch.

DBSV-Nachrichten:

Beraten und beschlossen

Das DBSV-Präsidium hat am 12. und 13. September in Berlin getagt. Es hat sich unter anderem mit folgenden Themen beschäftigt.

Von Silvia Hame  


Personelles

Der bisherige Leiter des Projekts "Partizipation älterer Menschen mit Behinderung stärken", Markus Georg, wird in Rente gehen. Die Stelle ist ausgeschrieben. Sie ist verbunden mit der Koordination des Aktionsbündnisses "Sehen im Alter". Das Präsidium dankte Markus Georg für seine Arbeit und wünscht ihm vor allem Gesundheit.

Für den Bereich Fördermittelmanagement wurde Denise Fernau gewonnen. Sie übernimmt den Aufgabenbereich von Robert Walter, der den DBSV Ende September verlassen hat. Für den Bereich Fördermittelmanagement ist eine weitere Stelle ausgeschrieben. Im Bereich Fundraising wurde im September Marschall Alam eingestellt.


Haushalts- und Stellenplan 2025

Dem Präsidium wurde ein detaillierter Haushalts- und Stellenplanentwurf vorgelegt. Viele Stellen sind projektgebunden. Bei den Sachkosten gibt es einige Steigerungen. Der Haushaltsentwurf geht von einem geplanten Minus aus. Er wurde vom Präsidium mit einer kleinen Änderung freigegeben und zur Beschlussfassung an den Verbandsrat weitergeleitet, der inzwischen im Oktober in Berlin getagt hat.


Stilllegung des X-Kanals

Bereits im April hatte das Präsidium beschlossen, nach den Landtagswahlen im September die Kanäle des DBSV auf der Plattform X stillzulegen. Das betrifft @dbsv, @dbsvgermany und @dbsvjugendclub.

Die Profile und die bisher versendeten Beiträge bleiben bestehen, damit die Adressen nicht von anderen genutzt werden und sie zu Recherchezwecken weiterhin abrufbar bleiben.

Durch die Veränderungen bei X haben sich viele Nutzende auf verschiedene andere Plattformen verteilt. Da sich bisher kein Ersatz für X (ehemals Twitter) etabliert hat, will der DBSV jetzt auf den Plattformen LinkedIn und Instagram aktiv werden. Ebenso soll ein WhatsApp-Kanal angeboten werden, über den Nutzerinnen und Nutzer Nachrichten zu DBSV-Themen abonnieren können. WhatsApp ist niedrigschwellig, gut von blinden und sehbehinderten Menschen zu bedienen und weltweit der am meisten genutzte Messenger-Dienst.

Instagram ist laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2023 erstmals das meistgenutzte Soziale Netzwerk in Deutschland. Neben Privatpersonen nutzen viele Organisationen und Personen des öffentlichen Lebens die Möglichkeiten der Plattform.

LinkedIn ist ein berufliches Netzwerk, in dem Einzelpersonen und Organisationen ihre Arbeit darstellen und sich untereinander vernetzen. Es ist zwar wesentlich kleiner als Instagram und Facebook, hat aber den Vorteil, dass es nicht zum Meta-Konzern gehört. Der DBSV macht sich dadurch weniger abhängig von einem einzelnen Konzern.

Der Facebook-Kanal des DBSV wird beibehalten, ebenso der YouTube-Kanal des Verbands.


Barrierefreies Wahlverfahren

Beim nächsten Verbandstag 2026 sollte die Wahlschablone durch ein digitales Wahlverfahren abgelöst werden. Hierfür war eine kleine Gruppe aus dem Präsidium auf der Suche nach barrierefreien Geräten für digitale Wahlverfahren. Leider waren alle digitalen Lösungen mit hohem technischen und finanziellen Aufwand verbunden. Deshalb hat man sich für eine analoge Lösung entschieden. Es gibt Wahlkarten-Sätze mit Braille, taktiler Ziffer für einen Kandidaten und auf der Rückseite einen QR-Code.

Bei der Stimmabgabe wird die Karte mit der Ziffer des gewünschten Kandidaten abgegeben und kann mit einem QR-Code-Leser schneller ausgezählt werden.


Internationales

Sabine Ström, deutsches Mitglied des Präsidiums der Europäischen Blindenunion (EBU), war zu Gast bei der Sitzung des DBSV-Präsidiums und stellte sich und ihre Tätigkeit in der EBU vor. Nach der Wahl ihres neuen Präsidiums in diesem Jahr ist die EBU deutlich weiblicher und jünger aufgestellt. Es sind nun einige Strukturänderungen in der Zusammenarbeit geplant.

Zukünftig soll das EBU-Präsidium die einzelnen Ausschüsse, Arbeitsgruppen und Foren stärker überwachen, um die Ziele des Strategieplans zu erreichen.

Sechs thematische Arbeitsgruppen werden sich mit Bereichen wie Ausbildung, Mobilität, Zugänglichkeit, Digitalisierung, Brailleschrift und externe Kommunikation befassen. Fünf Foren zu den Themen Frauen und Geschlechterfragen, Sehbehinderung, Jugend, ältere Menschen und ein Forum zum Austausch von Mitgliedern werden Plattformen für Diskussionen und Zusammenarbeit zwischen EBU-Mitgliedern und externen Teilnehmern bieten.

Das bedeutet, dass künftig auch die einzelnen Referate des DBSV die Gelegenheit haben werden, auf EBU-Ebene intensiver und besser koordiniert mit den anderen Mitgliedsorganisationen zusammenzuarbeiten.


Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland

Die Europäische Kommission hat die zweite Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland eingeleitet, weil es das Gesetz zur Barrierefreiheit nicht vollständig in nationales Recht umgesetzt hat. Die Kommission fordert Deutschland auf, den Europäischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit (European Accessibility Act) in das nationale Recht zu übernehmen. Deutschland und vier andere EU-Mitgliedstaaten haben der Kommission bisher nur teilweise Umsetzungsmaßnahmen mitgeteilt.

Es muss sichergestellt werden, dass Unternehmen und Dienstleistungen bis 2025 eine Reihe gemeinsamer EU-Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllen.

Wenn Deutschland und die vier anderen Mitgliedstaaten weiterhin nicht reagieren und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, kann die EU-Kommission beschließen, die Fälle an den Gerichtshof der Europäischen Union zu verweisen.

Silvia Hame
Mitglied des DBSV-Präsidiums

Meldungen

Hans-Dieter Später verstorben

Der frühere Geschäftsführer des DBSV, Hans-Dieter Später, ist am 20. September dieses Jahres verstorben. Später war von 1989 bis zu seinem Ausscheiden 2004 DBSV-Geschäftsführer. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands kamen viele neue Aufgaben für ihn als frisch angetretenen Geschäftsführer hinzu. Mit großem Engagement widmete er sich dem Zusammenführen der ost- und westdeutschen Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe und übernahm Verantwortung auch in den dafür gegründeten Gesellschaften.

Erfolgreich gestaltete er den Umzug der DBSV-Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin, wofür er für die letzten Monate seiner Tätigkeit noch mit seiner Frau Edeltraut nach Berlin zog.

Ehrenamtlich führte Hans-Dieter Später fünf Jahre lang noch den Blinden- und Sehbehindertenverein Bonn. Er starb im Alter von 80 Jahren in Königswinter.

365 Beiträge zum Jubiläum der Brailleschrift erwartet

Mit dem internationalen Projekt "Braille 200" feiern die Europäische Blindenunion (EBU) und der DBSV den 200. Geburtstag der Brailleschrift im kommenden Jahr. Braille-Nutzende sind zum kreativen Austausch eingeladen: Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen können sich mit künstlerischen, persönlichen oder dokumentarischen Beiträgen zur Brailleschrift beteiligen. Zulässig sind Videos, Podcasts, Texte, Fotos, Grafiken und Zeichnungen zum Thema. Möglich sind beispielsweise Aufnahmen von Braillelesungen, kreative Bildmotive aus Braillepunkten, Sketche oder Spiele.

Monatlich wird die EBU den "Beitrag des Monats" mit einem Preisgeld von 100 Euro auszeichnen. Alle Beiträge werden im europäischen Braille-Forum www.livingbraille.eu veröffentlicht und über verschiedene Kanäle wie E-Mail-Newsletter und soziale Medien verbreitet.

Ziel sind 365 Beiträge, einen für jeden Tag des Jahres 2025.

Beiträge, Fragen oder Anmerkungen bitte per E-Mail schicken an: braille200@livingbraille.eu

Die Teilnahmebedingungen stehen im offsight-Forum (www.offsight.de), Kategorie "Brailleschrift", Beitrag "200 Jahre Brailleschrift im Jahr 2025".

Online-Gewinnspiel mit inklusiven Preisen

Sichtweisen-online.org lädt zu einem Gewinnspiel ein: Auf den Webseiten des in diesem Jahr gestarteten Portals hat die Redaktion drei "Puzzleteile" versteckt, die in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt die Lösung ergeben. Die Puzzleteile können am Anfang oder am Ende von Texten oder in Bildunterschriften gefunden werden.

Unter allen Teilnehmenden werden folgende Gewinne verlost:

  • vier Adventskalender mit Brailleschrift, gespendet von der Pralinenmanufaktur Sawade
  • zwei Sound-Gedächtnisspiele, gespendet vom Hersteller Klang2
  • fünf blinde Barbies, gespendet vom Spielwarenunternehmen Mattel

Wer teilnehmen möchte, sendet die Lösung bis Sonntag, 17. November, an: sichtweisen-online@dbsv.org

Detaillierte Informationen zum Gewinnspiel unter: www.sichtweisen-online.org/rund-um-den-dbsv/gewinnspiel-24

Protestaktion: "Barrierefreiheit jetzt!"

Mit einer Protestaktion in Berlin hat ein breites Bündnis von Organisationen, darunter der DBSV, die Bundesregierung aufgefordert, angekündigte Reformen der Gleichbehandlungsgesetze endlich vorzunehmen. Unter dem Motto "Barrierefreiheit jetzt! Versprochen ist versprochen!" zogen im September Menschen mit und ohne Behinderungen, teilweise auf Tandems, vom Brandenburger Tor zum Bundeskanzleramt. Auf Plakaten und in Reden erinnerten sie die Bundesregierung an den Koalitionsvertrag. Dieser sieht Reformen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, des Behindertengleichstellungsgesetzes und des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes vor.

Der Geschäftsführer des DBSV, Andreas Bethke, forderte Zugang zu lebensnotwendigen und alltäglichen Dienstleistungen. Wenn Supermärkte oder Stromanbieter nicht barrierefrei seien, habe er das Recht auf Unterstützung.

Ausführlicher Bericht auf: www.sichtweisen-online.org
Menüpunkt "Rund um den DBSV", Suchbegriff "Rollende Demo"


Dazu ein Bild: Eine Gruppe des DBSV und Verstärkung steht vor dem Bundeskanzleramt. Alle tragen weiße T-Shirts mit dem DBSV-Logo und der Aufschrift "Barrierefreiheit jetzt!"

Neues DBSV-Projekt: Kollaborative Tools

Der DBSV widmet sich in einem neuen Projekt kollaborativen Tools, also Werkzeugen (Englisch: Tools), die der digitalen Zusammenarbeit dienen. Diese Form der Zusammenarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglicht es Menschen, unabhängig von ihrem Standort oder ihrer zeitlichen Verfügbarkeit Informationen auszutauschen und gemeinsam an Dokumenten, Projekten oder Aufgaben zu arbeiten. Zu Videokonferenzsystemen als einer Kategorie von kollaborativen Tools gab es bereits ein Projekt mit Schulungen und einer Handreichung.

Nun soll zunächst mittels Recherche und einer Kurzumfrage unter sehbehinderten und blinden Menschen ermittelt werden, welche weiteren Tools relevant sind und genutzt werden. Eine Auswahl an Tools wird das Projektteam auf Barrierefreiheit testen und Strategien erarbeiten, wie sie mit Hilfsmitteln genutzt werden können. Auch die Nutzungsfreundlichkeit soll betrachtet werden. Auf dieser Basis werden schließlich Schulungen und Anleitungen zu den Tools angeboten.

Das Projekt führt der DBSV mit der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) durch. Es läuft bis Ende 2026 und wird von der Aktion Mensch gefördert.

Infos zum Vorgängerprojekt zu Videokonferenzsystemen unter www.dbsv.org/videokonferenzen.html

"Fit fürs Ehrenamt": Schulungen geplant

Bundesweit blinde und sehbehinderte Menschen, die sich in Gruppen und Vereinen engagieren, in ihrem Ehrenamt zu unterstützen: Das ist das Ziel des DBSV-Projekts "Fit fürs Ehrenamt". Im April ging das auf drei Jahre angelegte Vorhaben an den Start. In diesem Zeitraum soll ein Weiterbildungsprogramm entstehen, das eine barrierefrei zugängliche Grundqualifizierung in wichtigen Kompetenzen bietet: Das Spektrum reicht von Moderation und Präsentation über Veranstaltungsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Fördermittelbeschaffung und Vereinsrecht.

Die verschiedenen Weiterbildungsmodule können nach Bedarf unabhängig voneinander belegt werden. Geplant sind mehrtägige Präsenz-Seminare sowie mehrere Online-Seminare. Der erste Schulungsdurchgang startet voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres.

Projektbegleitend werden alle relevanten Inhalte in einem "Wiki Ehrenamt" zu einem frei zugänglichen Medienpaket geschnürt, das zukünftig Neulingen wie bereits Aktiven als Online-Leitfaden zur Verfügung steht.

"Augen zu und durch": MDR-Podcast zum Festival

Mit einem speziellen Mikrofon, das Klänge aus allen Richtungen aufnimmt, genannt "Öhrchen", haben Daniel Martin, Marion Waldhauer und Konstantin Henß das Louis Braille Festival 2024 besucht. Ihre Erlebnisse in Stuttgart teilen sie in Folge 10 des 3D-Podcasts "Augen zu und durch  –  mit dem Öhrchen unterwegs" von MDR Sachsen.

Sie nehmen die Zuhörerinnen und Zuhörer unter anderem mit zum Braille-Crashkurs, zur Führhundlounge und zur akustischen Stadtführung. In zwei Bonusfolgen geht es um das Verständnis von Sehbehinderung in Japan und um ukrainische Perspektiven auf die deutsche Blindenselbsthilfe, ebenfalls aufgenommen beim Louis Braille Festival.

Der Öhrchen-Podcast kann in der ARD-Audiothek angehört werden oder unter: www.mdr.de/sachsenradio/podcast/oehrchen

"Abenteuer Teilhabe": Video zum Louis Braille Festival

Einen weiteren Rückblick auf besondere Momente des Louis Braille Festivals gibt auch ein etwa halbstündiges Video des Filmprojekts "Abenteuer Teilhabe". Darin spricht DBSV-Justiziarin Christiane Möller über das Bundesteilhabegesetz.

Pia Sonja Schmidt, Koordinatorin des "Punktum"-Projekts beim DBSV, gibt Einblicke in den Aufbau der Brailleschrift, und Selda Arslantekin, Leiterin der württembergischen Führhundfachgruppe, klärt über Aspekte des Führhundwesens auf. Auch Festivalbesucher und -besucherinnen kommen zu Wort.

Das Video kann auf YouTube mit den Suchbegriffen "Abenteuer Teilhabe" und "Louis Braille Festival" aufgerufen werden.

Detaillierte Berichte und die Sonderfolge des Sichtweisen-Podcasts zum Louis Braille Festival gibt es unter dem Suchbegriff "Louis Braille Festival" auf: www.sichtweisen-online.org


Dazu ein Bild: In der Führhundlounge beim Louis Braille Festival: Zwei junge Frauen sitzen sich gegenüber, zwischen ihnen ein weißer Goldendoodle. Ein Mann filmt die Szene.

Podcast-Folgen: Frauenarbeit im Verein und Brailleschrift

Wie die Frauenarbeit des DBSV auf Bundes- und Landesebene aussieht, diskutieren Ute Lutzenberger vom DBSV-Präsidium und ihre Gesprächspartnerinnen Elfriede Stöhr und Petra Winke in der Reihe "Präsidiumsgespräch" im Sichtweisen-Podcast. Sie engagieren sich seit vielen Jahren auf Vereinsebene und bundesweit für die Belange blinder und sehbehinderter Frauen. Mit ihren Angeboten möchten sie andere Frauen ermutigen, selbst ein Ehrenamt zu übernehmen, doch auch der Austausch untereinander sei sehr wichtig, stellen sie fest. Außerdem sprechen sie darüber, warum Frauenarbeit nach wie vor notwendig ist.

Im Hinblick auf das Jubiläumsjahr der Brailleschrift 2025 ist "Braille" das Thema des Präsidiumsgesprächs im Dezember. DBSV-Mitarbeiter Reiner Delgado spricht mit den beiden DBSV-Präsidiumsmitgliedern Andrea Katemann und Peter Brass über das von Louis Braille erfundene Schriftsystem.

Die Reihe "Präsidiumsgespräch" ist Teil des Sichtweisen-Podcasts. Der Podcast kann online unter www.dbsv.org/sichtweisen-podcast.html oder auf den gängigen Streamingdiensten angehört werden. Die Folge zum Thema "Frauenarbeit" ist außerdem in der Oktober-Ausgabe von DBSV-Inform verfügbar.



DBSV-Karte: Mehr als ein Mitgliedsausweis

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Viele Landesvereine haben zusätzliche Rabattaktionen mit Partnern vor Ort.

Die Liste aller Partnerfirmen und weitere Informationen finden Sie auf www.dbsv.org/dbsv-karte.html und unter unserer Service-Telefonnummer 030 / 255 58 08 08.



Dank an Unterstützer des DBSV

Ohne die Unterstützung vieler Mitglieder, Spender und Förderer könnte sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband nicht dafür einsetzen, dass Augenpatienten, sehbehinderte und blinde Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Der DBSV dankt an dieser Stelle insbesondere den folgenden langjährigen Unterstützern:

  • Aktion Mensch
  • Bert Mettmann Stiftung
  • Blindenstiftung Deutschland
  • GKV-Gemeinschaftsförderung Selbsthilfe auf Bundesebene

Thema: Verkehr

Vielfältig und tückisch sind die Barrieren, die sehbehinderten und blinden Menschen vielerorts im Verkehr begegnen: Mitten auf dem Gehweg abgestellte E-Roller, Ampeln ohne akustisches Signal und fehlende Leitstreifen sind nur drei Beispiele. Im Schwerpunkt dieser Sichtweisen-Ausgabe geht es um "schlimme Kreuzungen", Orientierungshilfen und nützliche Internetseiten zum Thema.


Dazu ein Bild: Die große Kreuzung Steglitzer Damm, Bismarckstraße in Berlin, Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die Ampeln haben keine akustische Signalanlage; taktile Leitstreifen gibt es nicht. Unten ragt ein Teil der DBSV-Urkunde für "Die schlimmste Kreuzung" ins Bild. Darauf ist eine gezeichnete Kreuzung von oben zu sehen.

Wo Langstock und Gehör nicht helfen

Kreuzungen sind eine Herausforderung  –  besonders für sehbehinderte und blinde Menschen. Der DBSV hat darum in diesem Jahr zum Sehbehindertentag bundesweit zu einer Aktion aufgerufen, um auf gefährliche Kreuzungen hinzuweisen. Gekürt wurde jeweils die "schlimmste Kreuzung" eines Ortes. Wie und mit welchem Erfolg zeigen die Beispiele aus Regensburg, Königs Wusterhausen und Hamburg.

Von Bettina Pichlmeier, Bodo Rinas, Melanie Wölwer  


"Ohne Begleitung hätte ich mich nicht getraut"

Busse, Autos, E-Roller und Fahrräder treffen zusammen. Der Lärmpegel ist hoch, es fehlen akustische Ampeln und Leitstreifen. Das ist die Lage an der Kreuzung Galgenbergstraße, Friedenstraße, Furtmayrstraße in Regensburg. Unsere Bezirksgruppe Oberpfalz des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds (BBSB) hat diese Kreuzung darum für die Aktion "Die schlimmste Kreuzung" ausgesucht.

Als Bezirksgruppenleiterin der Oberpfalz habe ich Vertreter der Stadt Regensburg, den Inklusionsbeauftragten und den Verkehrssicherheitsbeauftragten der Regensburger Polizei zum Aktionstag im Juni eingeladen. Auch einige Mitglieder der Bezirksgruppe haben teilgenommen, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Mit Hilfe unserer Reha-Fachkraft wagte es Stadtrat und SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Burger mit Simulationsbrille und Blindenlangstock über die stark befahrene Kreuzung zu gehen. Sein Fazit: "Ohne sehende Begleitung hätte ich mich nicht getraut, die Kreuzung zu überqueren." Er meinte, vielen sei nicht bewusst, wie schwierig die Situation für nicht-sehende Menschen ist. Bei Stadtratssitzungen wolle er nun auf die Belange sehbehinderter und blinder Menschen hinweisen, kündigte er an. Seine Aussagen betrachte ich schon als einen Erfolg, da sie von Verständnis zeugen.

Um einen Vergleich zu haben, machten wir uns danach auf den Weg zu einer "gelungenen Kreuzung" in Regensburg: Sie ist an der Kumpfmühler Straße, Friedenstraße zu finden. Da es dort Leitstreifen und akustische Ampeln gibt, lässt sich diese Kreuzung besser überqueren. Es sind jedoch noch einige Veränderungen erforderlich, zum Beispiel müsste die Lautstärke bei den akustischen Ampeln erhöht werden. Außerdem sind manche Leitstreifen bisher nur bis zur Hälfte einer Straßenseite verlegt.

Die Aktion hat einen Aha-Effekt bewirkt. Der städtische Inklusionsbeauftragte Frank Reinel sagte, er werde sich die Pläne der "gelungenen Kreuzung" noch einmal genau anschauen.

Bettina Pichlmeier
Leiterin der Bezirksgruppe Oberpfalz des BBSB


Lückenhafte Leitstreifen in Königs Wusterhausen

Schnell war für den Bezirksgruppenvorstand des Blinden- und Sehbehinderten-Verbands Brandenburg (BSVB) klar, dass sich unser Verband an der diesjährigen Aktion zum Sehbehindertentag "Die schlimmste Kreuzung" beteiligen würde. Auch wenn wir zunächst skeptisch waren, da frühere Eingaben an Entscheider erfolglos geblieben waren.

Wir verständigten uns auf die Kreuzung Brückenstraße, Ecke Gerichtsstraße im Zentrum von Königs Wusterhausen. Es ist eine viel genutzte Kreuzung, die auch Verbandsmitglieder auf dem Arbeitsweg nutzen. Unsere Aktion startete am Sehbehindertentag, dem 6. Juni, um 12 Uhr. Mit dabei waren sowohl Mitglieder der Bezirksgruppe als auch die Behindertenbeauftragte von Königs Wusterhausen, Friederike Weigelt, die Pressesprecherin der Stadt im Auftrag der Bürgermeisterin, der Kreistagsvorsitzende, ein für Prävention zuständiger Polizist, der Fraktionsvorsitzende der Linken des Stadtparlaments sowie eine Reha-Lehrerin der örtlichen Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen.

Die Mängel an der Kreuzung wurden eindrucksvoll aufgezeigt. Die reguläre Ampel ist außer Betrieb. Eine Baustellenampel ist ohne akustisches Signal im Einsatz. Blinde Fußgänger wissen nicht, ob sie die "richtige" Ampel bedienen. Die Aufmerksamkeitsfelder und Leitstreifen sind lückenhaft.

Am Schluss übergaben wir  –  ich als Vorsitzender der Bezirksgruppe sowie meine Stellvertreterin Margrit Richter  –  die vom DBSV bereitgestellte Urkunde an die Stadt. Damit wurde die schlimmste Kreuzung der Stadt "gekürt".

Der Kreistagsvorsitzende wandte sich sofort an den Leiter des Straßenverkehrsamts und die Stadt an den Kreis. Die Baustellenampel ist inzwischen mit einem akustischen Signal nachgerüstet worden. Die Aufmerksamkeitsfelder und Leitstreifen werden erst später nachgerüstet.

Zwei Radiosender und zwei Zeitungen waren vorab informiert worden und berichteten von der Aktion. Antenne Brandenburg brachte am selben Tag mehrere Beiträge.

Bodo Rinas
Vorsitzender BSVB und der Bezirksgruppe Königs Wusterhausen


Große Medienresonanz in Hamburg

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) hat sich gern an der Aktion des DBSV zum Sehbehindertentag beteiligt und die "schlimmste Kreuzung Hamburgs" gekürt.

Ausgezeichnet mit dem Negativ-Preis wurde die Kreuzung Grindelallee, Rutschbahn, Bogenstraße in Hamburg Rothenbaum. Sie hat ihn sich durch verschiedene Kriterien "verdient": Ein Radweg liegt zwischen Gehweg und Straße, sodass blinde und seheingeschränkte Menschen beim Queren der Kreuzung leicht vor ein Fahrrad laufen könnten. Weil es sehr laut ist, sind heranfahrende Radfahrer kaum zu hören, ebenso wenig die Akustikampeln. Die Straßen müssen teilweise diagonal überquert werden  –  ein Problem für alle, die schlecht oder nicht sehen.

Zur Ansprache der Medien sind überspitzte Formulierungen wie "die schlimmste Kreuzung" ideal, um deren Aufmerksamkeit zu erregen. In Hamburg sorgte der Titel der Aktion für die nötige Medienresonanz, sodass der BSVH die Möglichkeit hatte zu erklären, dass die ausgewählte Kreuzung exemplarisch für Kreuzungen und Probleme für sehbehinderte und blinde Menschen im Straßenverkehr steht.

Alle großen Medien in Hamburg berichteten über die "schlimmste Kreuzung", mit dem Hamburger Abendblatt und der Morgenpost zum Beispiel die beiden wichtigsten Print-Tagesmedien, mit Radio Hamburg und NDR 90,3 Radiosender mit einer großen Reichweite. Das Hamburg Journal im NDR und die Nord-Sendung bei RTL strahlten TV-Beiträge aus.

Der NDR berichtete auch auf seinem Instagram-Kanal über das Thema, wodurch es einen Eindruck gab, wie die Öffentlichkeit das Thema aufgenommen hat. Die Kommentare waren tendenziell verständnisvoll. Es zeigte sich, dass in allen Gruppen von Verkehrsteilnehmenden Unzufriedenheit herrscht.

Es ist also noch einiges zu tun, um Lösungen zu finden, Kreuzungen für alle Verkehrsteilnehmenden gleichermaßen sicher nutzbar zu machen. Durch die Auszeichnungen der "schlimmsten Kreuzungen" konnte der DBSV bundesweit an vielen Orten einen Anstoß dazu geben, an solchen Lösungen zu arbeiten.

Melanie Wölwer
Pressesprecherin des BSVH


Mehr Infos unter www.dbsv.org/schlimmste-kreuzung


Dazu ein Bild: Auf einem Gehweg: Bodo Rinas (links) und Margrit Richter übergeben die plakatgroße Urkunde zur schlimmsten Kreuzung an die Behindertenbeauftragte von Königs Wusterhausen, Friederike Weigelt. Weitere Beteiligte schauen zu.



Kurzinfo: Aktion nun zeitlos  –  Leitfaden bestellbar

Die Aktion "Die schlimmste Kreuzung" kann nun jederzeit und unabhängig vom Sehbehindertentag veranstaltet werden. Der Leitfaden und die Vorlagen dazu wurden überarbeitet. Vereine und Organisationen, die am Beispiel einer "schlimmen Kreuzung" die Probleme sehbehinderter und blinder Menschen im Straßenverkehr aufzeigen wollen, können die Materialien bestellen. Dazu zählen:

  • ein Aktionsleitfaden, der beschreibt, wie die Aktion geplant und umgesetzt werden kann
  • eine Druckvorlage für ein als Urkunde gestaltetes Plakat, das darauf hinweist, dass "diese Kreuzung"  –  also die jeweils ausgewählte, an der die Aktion stattfindet  –  in die Liste der "schlimmsten Kreuzungen" aufgenommen wurde
  • eine Muster-Pressemitteilung

Das Material kann per E-Mail bestellt werden: presse@dbsv.org

Mehr Infos und Pressebilder unter: www.dbsv.org/schlimmste-kreuzung

Mit Navi im Handy und im Kopf

Dr. Stefan Insam ist stellvertretender Landesvorsitzender des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds (BBSB) und sehbehindert. Auf welche Barrieren er im Straßenverkehr und bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel stößt, schildert er im Interview mit Gundhild Heigl, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des BBSB. Er erklärt auch, was ihm und anderen Menschen mit Sehbehinderung bei der Orientierung hilft.

Interview: Gundhild Heigl  


Herr Dr. Insam, können Sie uns etwas über Ihre Erfahrungen bei der Navigation in städtischen Umgebungen erzählen? Welche Herausforderungen sind Ihnen als jemand, der eine Sehbehinderung hat, dabei begegnet?

Was viele vielleicht nicht wissen: Für einen hochgradig sehbehinderten Menschen ist es ähnlich schwierig, sich in unbekannten Gegenden zurechtzufinden, wie für einen blinden Menschen. Schon als Jugendlicher habe ich mir angewöhnt, bereits vor dem Aufbruch die gewünschte Adresse und die dortige Umgebung sowie meinen Weg dorthin im Stadtplan zu studieren und mir einzuprägen. Mittlerweile nutze ich statt eines Stadtplans auf Papier meist Google Maps, weil ich damit dank automatischer Suchfunktion die Zieladresse schneller finde und mir mittels elektronischer Vergrößerung die Umgebung wesentlich besser ansehen kann. Durch jahrelanges Training präge ich mir heutzutage neue Gegenden recht gut ein, sodass ich einmal gegangene Wege oft Jahre später aus dem Gedächtnis abrufen kann. Glücklicherweise habe ich auch ein gutes räumliches Orientierungs- und Lichteinfall-Analysevermögen, sodass ich in unbekannter Gegend ein Gefühl für die richtige Richtung habe.

Auf all diese Punkte bin ich schon allein deswegen angewiesen, weil ich die Straßenschilder und Hausnummern sowie Stadtpläne auf Papier nicht mehr lesen kann. Deswegen bin ich auch beim Auffinden neuer Adressen regelmäßig darauf angewiesen, vor Ort Passanten nach der genauen Hausnummer zu fragen.


Welche Bedeutung hat barrierefreie Infrastruktur für Sie persönlich hinsichtlich Ihrer Mobilität und Unabhängigkeit im Alltag?

Da ich persönlich im Alltag sehr gern und auch viel zu Fuß unterwegs bin, sei es rein aus Bewegungsdrang oder um von A nach B zu kommen, ist mir barrierefreie Infrastruktur für meine Mobilität und Unabhängigkeit im Alltag äußerst wichtig. Zwar werden Kreuzungen und Haltestellen zunehmend barrierefrei ausgebaut, beispielsweise mit Zusatzeinrichtungen an Ampelmasten oder mit Leitstreifen, allerdings habe ich den Eindruck, dass in den letzten Jahren die Rücksichtnahme durch andere Verkehrsteilnehmer drastisch abgenommen hat. Da werden Fahrräder und E-Scooter beliebig auf den Gehsteigen abgestellt, Werbeschilder stehen vor Geschäften, die Außengastronomie nimmt weniger Rücksicht auf Fußgänger, und Lieferwagen stehen "nur mal kurz" auf dem Gehsteig, da ja bei Blockade einer Fahrspur auf der Straße Strafen fällig würden.


Haben Sie positive Erfahrungen mit bestimmten barrierefreien Elementen in Ihrer Stadt München gemacht, die Ihnen geholfen haben, sich sicherer und selbstständiger zu fühlen? Wenn ja, welche waren das?

Hauptsächlich helfen mir sehr gute Beleuchtung, große sowie farbige Hinweisschilder, sehr guter Kontrast und deutliche Ansagen. Diese Elemente wurden sowohl bei der Renovierung des U-Bahnhofs Sendlinger Tor als auch in den neueren S-Bahn-Zügen bereits umgesetzt. Insbesondere deutliche Farben helfen mir bei der Orientierung, denn statt Liniennummern oder den Text von Zugzielanzeigern lesen zu müssen, sagen die jeweiligen Farben schon viel aus, wenn man sich auskennt. Farben helfen aber nicht allen Menschen mit einer Sehbehinderung.


Welche Verbesserungen würden Sie sich hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung von Gehwegen, Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln wünschen, um Ihre Lebensqualität als sehbehinderter Mensch zu steigern?

Breitere Gehwege, die frei von Gegenständen bleiben, gute Ausleuchtung von Unterführungen und Untergrund-Bahnhöfen, deutliche und kontrastreiche Schilder mit größeren Schriften auf Augenhöhe sowie klare und deutliche Ansagen würden gewaltig helfen.


Können Sie uns von einer Situation berichten, in der Sie aufgrund mangelnder Barrierefreiheit in der Infrastruktur auf Probleme gestoßen sind? Wie haben Sie diese Situation gemeistert?

Ich war mit einem Kreuzfahrtschiff auf der Donau unterwegs, wir haben in Wien Station gemacht, und ich wollte mit einem blinden Bekannten in die Innenstadt. Eine vorherige kartografische Vorbereitung auf dem Kreuzfahrtschiff war mir mangels Laptop nicht möglich. Ich wusste nur, in welcher Himmelsrichtung die Innenstadt liegen müsste, allerdings war ein selbstständiges Finden des Weges und vor allem das Überqueren mehrerer Hauptverkehrsstraßen ohne Kenntnis der nächstgelegenen Querungsstellen oder Unterführungen sehr mühsam. Geholfen hat mir, wie in solchen Situationen üblich, der offene Umgang mit meiner Sehbehinderung, also das häufige Fragen von Passanten: "Entschuldigung, ich bin hier fremd und sehe schlecht, können Sie mir bitte sagen, wie ich nach da und da komme?" Introvertierte Personen hätten wahrscheinlich deutlich mehr Schwierigkeiten gehabt.


Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass die Öffentlichkeit, einschließlich Stadtplaner und Verkehrsteilnehmer, sich der Bedürfnisse und Herausforderungen sehbehinderter Menschen bewusst sind?

Ich erachte es als äußerst hilfreich, wenn sehr viele Personen die Einschränkungen sehbehinderter Menschen im alltäglichen Straßenverkehr kennenlernen würden, indem sie sich mit Simulationsbrillen darin zurechtfinden müssten. Vielleicht würde dann eine gewisse Aufmerksamkeit generiert. Das Hauptproblem jedoch ist: Sehbehinderten Menschen sieht man im Alltag häufig ihre Einschränkung nicht an. Da sie meist ohne weißen Stock unterwegs sind, nimmt niemand von ihnen Notiz und hilft oder warnt vor Problemstellen. Personen, die mit weißem Stock unterwegs sind, werden häufiger angesprochen und vor Gefahrenstellen gewarnt. Gerade hier wäre mehr Aufklärung wichtig.


Welche Botschaft möchten Sie an Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit senden, um die Schaffung einer inklusiven und barrierefreien Umgebung für Menschen mit Sehbehinderungen voranzutreiben?

Unsere Gesellschaft wird immer älter, und mit zunehmendem Alter werden bei allen Menschen die Augen schwächer. Neben der allseits bekannten Altersweitsichtigkeit treten vermehrt diabetische Retinopathie, Altersabhängige Makuladegeneration, Katarakt (Grauer Star), Glaukom (Grüner Star) und Netzhautablösung auf. Die Wahrscheinlichkeit, Personen im Alter ab 60 Jahren anzutreffen, die keine Seheinschränkung haben, geht gegen Null. Daher ist es wichtig, dass sich unsere Gesellschaft darauf einstellt und insbesondere Barrieren im öffentlichen Raum abbaut. Es ist nicht mehr eine Frage, ob jemand eine Seheinschränkung erleidet, sondern vielmehr, wann es sie oder ihn treffen wird.


Dazu ein Bild: Stefan Insam lächelt in die Kamera. Er hat kurzes Haar, und trägt eine kleine randlose Brille. Unter einem Sakko trägt er ein weißes Hemd und eine Krawatte.

Verkehrsmeldungen

Informationen und Hinweise rund um das Thema Verkehr


Teilnahme am Straßenverkehr

In seinem "Ratgeber Recht" gibt der DBSV Auskunft über Regelungen, die sehbehinderte und blinde Menschen bei der Teilnahme am Straßenverkehr beachten sollten. Es geht darin um rechtliche Grundlagen und was sie zum Beispiel für die Kennzeichnung als sehbehinderte oder blinde Person, für das Führen eines Kraftfahrzeugs und fürs Radfahren bedeuten.

Mehr Infos unter www.dbsv.org/xiii-straßenverkehr.html


Beförderung in Verkehrsmitteln

In einem weiteren Kapitel des vom DBSV herausgegebenen "Ratgeber Recht" geht es um die Beförderung in Verkehrsmitteln. Es gibt Informationen darüber, welche Rechte sich aus den verschiedenen Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis für die Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ableiten. Einzelne Abschnitte widmen sich den Themen Begleitperson, Sitzplatzreservierung bei der Deutschen Bahn, Bahnfahren im Ausland und Serviceleistungen von Fluggesellschaften und am Flughafen.

Für mehr Infos Suchbegriffe DBSV, Beförderung und Verkehrsmittel eingeben.


Gemeinsamer Fachausschuss

Der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV) setzt sich zusammen aus ehrenamtlichen Mitgliedern, die aus verschiedenen Organisationen kommen, unter anderem vom DBSV. Er setzt sich für Barrierefreiheit im öffentlichen und privaten Personenverkehr ein. Der GFUV erarbeitet Mindeststandards, die den barrierefreien Zugang zum öffentlichen Verkehr ermöglichen.

Ebenso berät der GFUV Verkehrsträger und wirkt in DIN-Ausschüssen sowie in beratenden Gremien mit. Für Expertinnen und Experten aus seinen Mitgliedsverbänden veranstaltet er regelmäßig Informationstagungen. Darüber hinaus entwickelt er Merkblätter und Broschüren.

Der GFUV hat viele Stellungnahmen zu Verkehrsthemen veröffentlicht, die für sehbehinderte und blinde Menschen relevant sind. Themen sind zum Beispiel "Geschützte Kreuzungen" und die "Akustische Wahrnehmung von geräuscharmen Kraftfahrzeugen".

Für mehr Infos die Suchbegriffe DBSV und GFUV in eine Internet-Suchmaschine eingeben.


Dazu ein Bild: Eine Fußgängerin ist verschwommen im Hintergrund zu sehen. Sie spaziert mit ihrem Langstock auf dem Gehweg. An einem Gitterzaun im Vordergrund hängt ein Schild mit der Aufschrift "Bitte Vorsicht!" und einem Stockgänger-Symbol.


Petition gegen Wildparken von E-Rollern

E-Roller, die ohne Rücksicht auf andere auf Gehwegen, Plätzen und an Haltestellen abgestellt werden, sind eine Unfallgefahr, vor allem für blinde und sehbehinderte Menschen. Die vom Bundesverkehrsministerium geplanten Änderungen der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung und der Straßenverkehrsordnung, werden nach Ansicht des DBSV die Situation noch verschärfen.

Um die Situation für alle, die zu Fuß unterwegs sind, wieder sicherer zu machen, hat "FUSS e.V.", ein Fach- und Lobbyverband für Fußverkehr, eine Online-Petition gestartet. Darin heißt es: "Wir fordern die Landesregierungen auf, dem Bundesverkehrsminister die Zustimmung zu behindernden und gefährdenden Regeln zu verweigern und sich stattdessen für Änderungen einzusetzen, die die Sicherheit und Beweglichkeit der Menschen zu Fuß verbessern."

Die Petition kann auf der Plattform www.openpetition.de unterzeichnet werden. Die Überschrift "E-Scooter: Das Chaos beenden, nicht das Chaos verschlimmern" kann in Anführungszeichen in eine Suchmaschine eingegeben und so bei openpetition.de gefunden werden.

Zur Stellungnahme des DBSV zu den vom Bundesverkehrsministerium geplanten Änderungen: www.dbsv.org/stellungnahme/aenderung-ekfv.html


Anforderungen an Autonomes Fahren

Autonomes Fahren, also die Fortbewegung von Fahrzeugen ohne einen Fahrer oder eine Fahrerin, ist immer wieder im Gespräch. Der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV) hat dazu bereits vor einigen Jahren einen Anforderungskatalog erstellt, der Kriterien enthält, die gewährleisten sollen, dass auch sehbehinderte und blinde Menschen Autonomes Fahren nutzen können. Die Anforderungen beziehen sich sowohl auf den öffentlichen Personenverkehr als auch auf den Individualverkehr.

Für mehr Infos die Suchbegriffe GFUV, "Autonomes Fahren" (mit Anführungszeichen) und Anforderungskatalog in eine Internet-Suchmaschine eingeben.


Inklusionsbarometer zeigt Mängel und Lösungen auf

Vor zwei Jahren hat die Aktion Mensch ihr "Inklusionsbarometer Mobilität 2022" veröffentlicht. Da sich die Gesamtsituation im Verkehr seitdem nicht wesentlich geändert hat, treffen wahrscheinlich viele der damals gewonnenen Erkenntnisse aktuell noch zu.

Insgesamt bewerteten Menschen mit Behinderung die Mobilitätsmöglichkeiten in Deutschland deutlich negativer als Menschen ohne Behinderung. Auch die Zugänglichkeit zu Verkehrsmitteln sehen sie negativer  –  das betrifft nicht nur bauliche Barrieren, sondern auch den Zugang zu Informationen.

Wichtig war den meisten Befragten, ob mit oder ohne Behinderung, unabhängig von Wohnort oder Alter, eine nachhaltige Mobilität.

Das Inklusionsbarometer zeigt anhand von Prozentzahlen, die sich auf verschiedene Bereiche beziehen, um wie viel schwieriger Menschen mit Behinderung das Unterwegs-Sein empfinden im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung.

Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse werden im Inklusionsbarometer Lösungsvorschläge aufgezeigt, die allgemein gehalten sind, aber Denkanstöße für Veränderungen bei Verantwortlichen liefern können.

Um das "Inklusionsbarometer Mobilität 2022" zu finden, Suchbegriffe "Aktion Mensch" (in Anführungszeichen), Inklusionsbarometer und Mobilität eingeben.


Informationen zum Reisen mit der Deutschen Bahn

Zahlreiche Informationen für sehbehinderte und blinde Fahrgäste stellt die Deutsche Bahn auf ihrer Website bereit. Von der Startseite www.bahn.de aus klickt man sich über die Menüpunkte "Info und Services", "Individuelle Reise", "Barrierefreies Reisen" bis zur Unterseite "Fahrgäste mit eingeschränkter Sehfähigkeit" durch. Unter Eingabe der entsprechenden Suchbegriffe gelangt man auch über eine Internet-Suchmaschine auf die gewünschte Seite.

Mehr Infos unter www.bahn.de

Termine & Tipps:

Termine

Hör.Oper mit Audiodeskription und Tastführung

10.11. und 26.12.2024, Gelsenkirchen

Für blinde und sehbehinderte Theaterbegeisterte bietet das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen ausgewählte Produktionen mit live gelesener Audiodeskription an: am 10.11. den Opern-Thriller "Innocence" und am 26.12. das Märchen "Hänsel und Gretel". Zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn gibt es das Vorprogramm "Sinnesreise" mit einer Tastführung und einer Einführung in das jeweilige Stück.

Mehr Informationen und Tickets unter Tel.: 02 09 / 40 97  –  200

Musik- und Tanzworkshop

16.11.2024, München

Bei dem Musik- und Tanzworkshop für blinde und sehbehinderte Menschen steht die Freude an Bewegung und Musik im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden musizieren und improvisieren mit Stimme und Instrumenten. Sie erlernen außerdem Volkstänze und entdecken neue Bewegungsmöglichkeiten beim kreativen Tanz.

Infos und Anmeldung bis zum 3.11. bei
Rosa Maria Dotzler
Tel.: 0 36 41 / 21 94 62
E-Mail: R.M.Dotzler@online.de

Kulinarische und musikalische Adventswoche

9.-16.12.2024, Aura Pension "Villa Rochsburg"

Zur Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit stehen Plätzchen backen, Ausfahrten ins Erzgebirge, ein Besuch auf einem Weihnachtsmarkt sowie eine Kremser- oder Schlittenhundefahrt auf dem Programm.

Infos und Anmeldung unter
Tel.: 03 73 83 / 8 38 00
E-Mail: villa@bsv-sachsen.de

Reiki  –  Hilfe zur Selbsthilfe

3.-6.1.2025, Aura-Hotel Saulgrub

Der Reiki-Kurs ist für Menschen jeden Alters geeignet und zeigt, wie man durch die Stärkung der inneren Balance zu Ruhe und Gelassenheit finden kann. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Infos und Buchung unter
Tel.: 0 88 45 / 99  –  0
E-Mail: info@aura-hotel.de

Bewerbungstraining für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

10.-12.1.2025, Bad Herrenalb

Das ACCESS@KIT des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) veranstaltet ein Bewerbungstraining für Studierende und Berufseinsteiger mit Sehbeeinträchtigung. Im Workshop lernen die Teilnehmenden anhand von praktischen Tipps und erprobten Lösungen, wie sie sich optimal auf ein Einstellungsgespräch vorbereiten können. Eine Online-Teilnahme ist möglich.

Infos und Anmeldung bis zum 9.12. unter E-Mail: info@access.kit.edu

Braille für Anfänger

15.-21.2.2025, Aura-Hotel Timmendorfer Strand

In diesem Kurs wird die Handhabung einer Prägetafel und einer Braille-Schreibmaschine vermittelt. Die Teilnehmenden erlernen in kleinen Schritten das Braille-Alphabet sowie die Ziffern.

Infos und Anmeldung unter
Tel.: 0 45 03 / 60 02  –  0
E-Mail: info@aura-timmendorf.de

DBSV-Veranstaltungen

Beraterseminare

Die Beratung sehbeeinträchtigter Menschen und ihrer Angehörigen ist ein wesentliches Anliegen der DBSV-Landesorganisationen. Der DBSV bietet auch 2025 eine Beraterausbildung nach Blickpunkt-Auge-Standard an. Veranstaltungsort ist Berlin (Modul A und B) sowie Halle (Modul C). Neben den Präsenztagen gibt es für das Modul A und B ergänzend zwei verpflichtende Online-Tage, die mit dem Videokonferenzsystem Zoom durchgeführt werden.

  • Modul A: Schwerpunkt Beratungskompetenz
    4.-8.7.2025 und 18./19.7.2025 (online)
  • Modul B: Fachthemen rund um Sehbehinderung und Blindheit, insbesondere Sozialrecht
    19.-23.9.2025 und 1./2.10.2025 (online)
  • Modul C: Beratung für Menschen mit Erkrankungen, die das Sehen beeinflussen sowie sehbehinderte Menschen
    25.-29.4.2025

Mehr Infos bei
Sandra Schippenbeil
Tel.: 0 30 / 28 53 87  –  130
E-Mail: s.schippenbeil@dbsv.org

Workshops zum Melden digitaler Barrieren

Im DBSV-Projekt "Durchsetzungsbegleitung digitale Barrierefreiheit" werden regelmäßig Workshops zum Melden digitaler Barrieren angeboten. Es gibt Grundlagen- und Praxisworkshops. Die Teilnehmenden erfahren, wie Barrieren auf Webseiten öffentlicher Anbieter entdeckt, beschrieben und schließlich gemeldet werden können. Für alle, die bereits am Grundlagenworkshop teilgenommen haben, gibt es Praxisworkshops.

Nächste Termine:

  • 7.11.2024 Grundlagenworkshop
  • 13.12.2024 Praxisworkshop

Anmeldung unter E-Mail: digital-barrierefrei@dbsv.org

Tipps

Shows und Konzerte mit Audiodeskription

In Zusammenarbeit mit dem Team von HörMal Audiodeskription bietet die Quarterback Immobilien Arena in Leipzig folgende Shows und Konzerte mit einer Live-Hörbeschreibung an:

  • 15.11.2024 Tribute to the Bee Gees
  • 30.11.2024 Deichkind Konzert
  • 21.3.2025 Andrea Berg Konzert
  • 2.4.2025 David Garrett Konzert

Ticketbestellungen unter Tel.: 03 41 / 2 34 11 00

Weitere Informationen unter
Tel.: 03 41 / 33 20 88 60
E-Mail: veranstaltungen@hoermal-audio.org

Forum:

Orlando erobert das Netz

Nikolaos Rizidis hat einen Blindenführhund: Orlando. Und er hat sich so oft darüber geärgert, dass Leute Orlando streichelten, wenn er im Einsatz war, dass er in einem Video darüber aufklärte, warum das keine gute Idee ist. Auf Anhieb erreichte er viel mehr Menschen als geahnt. Seitdem informiert er in sozialen Netzwerken über sein Leben als blinder Mann. Eine Sache scheint besonders viele Zuschauerinnen und Zuschauer zu verwundern.

Von Nikolaos Rizidis


Mein Name ist Nikolaos Rizidis. In den sozialen Medien bin ich auch bekannt unter meinem Künstlernamen Nikolaos Pegasos. Ich bin 32 Jahre alt und gebürtiger Grieche (daher auch der Künstlername). Meine Augenerkrankung nennt sich Juvenile Makuladegeneration (Morbus Stargardt). Bei mir wurde sie in meinem achten Lebensjahr erkannt. Seit einem Sehsturz im Jahr 2014 bin ich gesetzlich blind. Ein Sehsturz ist eine akute Durchblutungsstörung im Auge. Er kann durch einen Augeninfarkt, also ein Blutgerinnsel im Auge, hervorgerufen werden.

Auf meinen Social-Media-Kanälen  –  TikTok, YouTube und Instagram  –  kläre ich über das Leben mit Blindheit und Blindenführhund auf. Ich zeige meinen Alltag als blinde Person, wie ich meine Hobbys Judo und Kraftsport ausübe, koche und weitere ganz alltägliche Dinge mache. Ich erzähle auch davon, wie das Zusammenleben mit meiner sehenden Frau ist. Und vor allem mein Blindenführhund Orlando ist ein großer Star.


Aufklärungsvideo ging viral

Wegen Orlando habe ich Anfang 2021 begonnen, Videos zu machen. Mein Hund wurde zum wiederholten Male im Straßenverkehr von fremden Leuten abgelenkt. Ich merke zu spät, wenn Menschen ihn ungefragt streicheln. Manche locken oder rufen ihn auch, und dann ist er nicht mehr aufmerksam. Die Unwissenheit über den Umgang mit Assistenzhunden hat mich sehr verärgert, und ich wollte das Thema publik machen. Deshalb habe ich ein Video darüber online gestellt. Ich dachte: Selbst wenn ich mit meinem Video nur 20 Menschen erreiche, hätten diese 20 Menschen immerhin etwas gelernt und würden mein Anliegen verbreiten.

Doch viel mehr schauten zu. Eines meiner ersten Videos zum Umgang mit Blindenführhunden ist viral gegangen und hatte über Nacht mehrere zehntausend Aufrufe  –  das hätte ich niemals gedacht. Mittlerweile habe ich auf der Videoplattform TikTok etwas mehr als 150.000 Abonnenten, auf Instagram 22.000, und auf YouTube folgen mir 70.000 Menschen.

Das Interesse an meinem Führhund Orlando ist geblieben. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind begeistert, was er alles leistet und wollen mehr von ihm sehen. Mich erreichen viele Fragen zu den Hörzeichen, die wir nutzen. Sie sind die hörbaren Kommandos für einen Blindenführhund. Ich ergänze sie mit Handzeichen, beispielsweise einem erhobenen Zeigefinger für "Sitz".

Auf Social Media werden mir jedoch auch zunächst banal erscheinende Fragen gestellt, zum Beispiel: "Wer macht Orlandos Haufen weg?" Ansonsten fragen meine Zuschauer und Zuschauerinnen oft, was ich noch sehen kann, wie ich mir ein Getränk einschenke oder warum ich einen Fernseher besitze.


Tattoos wecken Interesse

Besonders fragwürdig scheint es zu sein, dass ich mir als blinder Mensch Tattoos stechen lasse, die ich nicht sehe. Das Video dazu wurde oft geliked, also positiv bewertet. Meine Tattoos sind eine griechische Flagge auf der Brust und ein Maori-Tribal-Tattoo auf dem Oberarm. Für mich sind es einfach nur schöne Motive. Tattoos haben mich schon immer fasziniert, auch als ich noch sehen konnte. Ich trage meine Tattoos genauso wie Schmuck oder Kleidung  –  nicht damit ich sie mir täglich ansehen kann, sondern weil ich sie schön finde.

Insgesamt habe ich eine tolle Community! Zum Glück lese ich selten Hasskommentare, und wenn es doch mal welche gibt, begegne ich ihnen mit viel Humor. Meistens ist es einfach nur Unwissenheit.


Ein gemeinsames Hobby

Interessant finden viele auch die Beziehung zu meiner sehenden Frau Sarah. Die Social-Media-Arbeit habe ich von Beginn an gemeinsam mit ihr gemacht. Sie ist für uns beide zu einem großen Hobby geworden. Ich kann mit den Videos aufklären und eine Stimme für andere Menschen sein. Sarah lässt ihrer Kreativität hinter der Kamera freien Lauf. Da auch in den sozialen Medien und in den Bearbeitungs-Apps nicht alles barrierefrei ist, sind wir ein super Team. Sie kann mir dann sehr gut helfen.

Dass unser Hobby mal eine Art Job wird, hätten wir beide nie gedacht und sind sehr froh darüber, gemeinsam daran arbeiten zu können. Die Social-Media-Arbeit lässt sich mit meinem Hauptberuf als pädagogische Fachkraft in dem Inklusionscafé Salamanca gut vereinbaren. Durch unsere Zusammenarbeit ist das Ganze natürlich ein großer Teil unseres Alltags geworden. Die Videos erstellen Sarah und ich in unserer Freizeit, da es eben genau um diese alltäglichen Momente geht, die nicht vorhersehbar sind. Wir beide möchten diese Arbeit nicht mehr missen und haben viel Spaß daran, unsere Erfahrungen und unser Wissen zu teilen. Wir sind ausgesprochen gern in Kontakt mit unserer Community.

Sarah ist mittlerweile in immer mehr Videos zu sehen, weil es viele interessiert, wie eine sehende und eine blinde Person zueinander gefunden haben, wie unsere Beziehung ist und wie wir verschiedene Dinge managen. Wir geben Tipps, erzählen ehrliche Geschichten und klären mit Humor auf.


Videos sollen Brücken bauen

So zeige ich meinen Followern auch alltägliche Barrieren, die mir begegnen und die sehenden Menschen gar nicht bewusst sind. Viele wissen nicht, welches Hindernis beispielsweise Autos und Mülltonnen auf dem Gehweg für mich darstellen können. Auch Bildschirme, die nur über Berührung zu bedienen sind, also Touchscreens, sind eine Barriere, ebenso Bankautomaten ohne Sprachausgabe. Überall, wo ein akustisches Signal fehlt, wird mir eine einfache Nutzung verwehrt.

Mit meinen Videos möchte ich von meiner Seite aus Barrieren abbauen und Brücken in die Gesellschaft bauen. Außerdem möchte ich Menschen ermutigen, ihre Träume und Ziele zu verfolgen und zeige an meinem Beispiel, dass eine Beeinträchtigung keine Barriere sein muss.

Nikolaos Rizidis (32) lebt in Marburg.


Dazu ein Bild: Nikolaos Rizidis hat eine Glatze und einen Schnurrbart. An seiner Seite sitzt sein Blindenführhund Orlando, ein Labrador-Retriever.

Leserbriefe

Leser berichten über nicht barrierefreie Geräte und die Euro-Tandem-Tour 2024, die durch fünf Bundesländer führte.

Bitte um intensiven Einsatz für Barrierefreiheit bei Unterhaltungselektronik

Da ich ehrenamtlich jeden Monat bei einem Zülpicher Rehazentrum Akkordeon spiele und mit den Patienten singe, ergab es sich, dass ich auch beim Sommerfest des Rehazentrums spielen durfte. Im Vorfeld bat ich die Verwaltung des Rehazentrums, mir für den Gesang draußen ein Mikrofon mit passender PA-Anlage zur Verfügung zu stellen, was auch geschah (Anm. d. Red.: Eine PA-Anlage ist eine Beschallungsanlage zur Wiedergabe von Sprache oder Musik). Der Klang der Anlage begeisterte mich, sodass ich mich bei der Verwaltung des Zentrums informierte, um welche Anlage es sich handelte, um sie mir eventuell selbst zu beschaffen.

Doch schnell stellte sich heraus, dass die Anlage für mich nicht infrage kam. Im Vergleich zu meinen früheren Anlagen, die ich als Alleinunterhalter an Orgel und Keyboard nutzte, war sie zu stark. Außerdem lässt sie sich nicht mit Drehreglern, sondern nur per Touchscreen in Verbindung mit einer bestimmten Handy-App bedienen.

Bei einem Musikhaus erkundigte ich mich nach Alternativen. Mir wurde eine Akku-Box empfohlen. Nach intensiver Internet-Recherche war klar, dass auch diese nur mit Touchscreen bedienbar ist und nicht infrage kommt. Ich rief erneut im Musikhaus an und schilderte dem Inhaber die Problematik. Er meinte, dass er gar nicht an meine Blindheit gedacht habe.

Auch die aktuellen professionellen Keyboards sind für unseren Personenkreis übrigens nicht mehr bedienbar.

Ich bitte den DBSV, sich noch mehr für Barrierefreiheit einzusetzen. Es darf und kann nicht hingenommen werden, dass unser Personenkreis im Bereich der Unterhaltungselektronik oder bei Haushaltsgeräten immer mehr vernachlässigt wird. Die Hersteller mögen bitte bedenken, dass auch sehbehinderte und blinde Menschen potenzielle Kunden sind. Ein intensiver Kampf des DBSV für mehr Barrierefreiheit in der Unterhaltungselektronik und bei Haushaltsgeräten ist dringend geboten.

Ludger Sulimma, Zülpich

Viel erlebt auf der Euro-Tandem-Tour 2024

Es ist schon eine Art Großveranstaltung, wenn sich bis zu 25 Tandems und mehrere Einzelradfahrer durch die Landschaft bewegen. Wir wurden vorne und hinten durch Polizeiwagen flankiert und zwischendurch von zwei bis drei motorradfahrenden Polizisten begleitet, die die Kreuzungen sperrten. So konnten die Räder mit hoher Geschwindigkeit ohne Unterbrechung die langen Strecken von hundert und mehr Kilometern pro Tag überwinden. Die Euro-Tandem-Tour findet alle zwei Jahre im August, September statt, in diesem Jahr zum 13. Mal. Ich war nun zum dritten Mal dabei.

Ins Leben gerufen wurde die Euro-Tandem-Tour 1998 mit dem Gedanken, gelebte Inklusion in die Öffentlichkeit zu tragen. So gab es in den vergangenen Jahren Touren von Deutschland nach Paris und London. Auch beim Papst in Rom wurde vorbeigeschaut. Einmal führte eine Tour quer durch Deutschland von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen.

Überall, wo wir hinkamen, ob auf der Strecke oder am Zielort, konnten wir zeigen, wie Inklusion funktioniert. Die Öffentlichkeit konnte erleben, wie wir sehbehinderten und blinden Menschen von unseren sehenden Piloten begleitet werden. Diese Veranstaltungen zeigen auch, dass gemeinsame Aktivitäten im Sport und im Alltag zwischen Menschen mit und ohne Behinderung möglich sind.

In diesem Jahr begann die Tour Anfang September in Fulda. Zunächst ging es über Bebra nach Eschwege. In Eschwege befindet sich eine große Einrichtung für Menschen mit Behinderung mit mehr als 350 Bewohnerinnen und Bewohnern. Wir besuchten sie und wurden begeistert begrüßt.

Die zweite Etappe führte uns über Göttingen nach Bad Gandersheim, die dritte über Braunschweig nach Wolfsburg, und am vierten Tag ging es weiter über Erxleben nach Magdeburg. Die fünfte und längste Tour mit mehr als 150 Kilometern führte über Calbe, Zörbig und Radefeld nach Leipzig.

Die sechste Tour brachte uns über Naumburg nach Jena. Der Oberbürgermeister von Naumburg stammt selbst aus Esslingen und freute sich über etliche seiner Landsleute aus Baden-Württemberg. Über Erfurt und Schwabhausen erreichten wir schließlich Luisenthal auf der siebten Etappe. Die achte und letzte Etappe führte uns dann über Oberhof und Schmalkalden wieder nach Dipperz.

Überall gab es tolle Erlebnisse und Zusammenkünfte in den Rathäusern mit Bürgermeistern, Bürgermeisterinnen und Stadtverordneten sowie Gespräche mit den Behindertenbeauftragten der Städte.

Ob ich die Tour in zwei Jahren nochmals mitfahre, hängt davon ab, wie ich mich dann fühle, denn ich wäre dann 84 Jahre alt. Muskelkater hatte ich jedenfalls nicht, denn ich bin recht sportlich. Vor einigen Wochen war ich noch auf dem Großvenediger.

Helmut Glaser, Stuttgart

Rätsel

In der folgenden Anekdote verstecken sich  –  auch über Wortzwischenräume und Satzzeichen hinweg  –  folgende Körperteile:

Ader, Arm, Auge, Bein, Fuß, Hals, Herz, Kopf, Leber, Lunge, Mund und Niere.

In welcher Reihenfolge kommen sie im Text vor?


Schuldenbremser und geschmeidiger Gleiter

Der liberale, beredte Bundesfinanzminister Christian Lindner ist ein beinharter Verfechter der Schuldenbremse, bei der er nicht zu scherzen beliebt. Auf die Bremse seines Porsches dagegen tritt der Bleifuß ungern. Er geniere sich nicht zu gestehen, dass er sich Hals über Kopf in ihn verliebt habe. Er liebe es, im Verkehr geschmeidig dahinzugleiten und freue sich über jedes gelungene Überholmanöver, zu dem sein Sportwagen vorzüglich tauge, offenbarte er vollmundig in warmen Worten in Jena der Boulevardpresse.

Text und Scherenschnitt: Thomas Christian Dahme


Dazu ein Bild: Scherenschnitt von Christian Lindner im Halbprofil. Er hat kurzes Haar, trägt ein Headset, Sakko und Krawatte. Mit der offenen Hand, den Arm leicht angewinkelt, weist er nach vorn.


Bitte senden Sie die Lösung bis zum 20. November an den

DBSV
Rungestraße 19, 10179 Berlin oder per
E-Mail an: sichtweisen@dbsv.org


Alle richtigen Einsendungen nehmen im Januar 2025 an einer Verlosung teil (Informationen zur Datenverarbeitung gemäß Art.13 DSGVO unter www.dbsv.org/datenschutz.html).

Lösung des September-Rätsels

Digitalcourage, Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874, Oktober, Bonn, Reha nach Sehverlust (auch andere Lösungen sind richtig), Den Haag, Elena Semechin, Ohrfunk, AHundV, Nikolaos Rizidis

Mit Rätselfleiß zum Rätselpreis

Auch in diesem Jahr warten tolle Preise auf ihre Gewinnerinnen und Gewinner. Wer 2024 an einem oder mehreren Sichtweisen-Rätseln teilgenommen hat, dessen Einsendung landet in unserem Lostopf und hat die Chance, für einen Preis ausgelost zu werden. Die Gewinner werden Anfang kommenden Jahres benachrichtigt. Und das sind die Preise, die es zu gewinnen gibt:

  1. Preis: jeweils ein Set Lego Braille-Steine (LEGO® Braille Bricks), gespendet von der LEGO® Gruppe
  2. Preis: dreimal je ein Kartenspiel Quardo, gespendet vom Erfinder des Spiels, Václav Fanta
  3. Preis: dreimal je eine kleine Winter-Wohlfühl-Überraschung


Kurzinfo: Forum  –  im direkten Austausch

Schicken Sie Ihre Geschichten, Empfehlungen oder Leserbriefe an sichtweisen@dbsv.org oder per Post an

DBSV
Redaktion "Sichtweisen"
Rungestraße 19, 10179 Berlin

Panorama:

Gesellschaft

Akustischer Advents- und Weihnachtskalender

Das Katholische Blindenwerk Ost bietet wieder einen akustischen Advents- und Weihnachtskalender an. Der Kalender erscheint auf einer DAISY-CD und umfasst die Zeit vom Ersten Advent bis zum Neujahrstag.

An den Sonntagen, dem Weihnachtstag und Neujahr berichten die Bischöfe aus fünf Bistümern persönliche Geschichten zu ihren religiösen Erfahrungen. An den anderen Tagen werden Sprichworte oder Weisheitssprüche näher beleuchtet.

Der Advents- und Weihnachtskalender für blinde und sehbehinderte Menschen ist kostenlos erhältlich. Bestellungen werden noch bis zum 15. November entgegengenommen.

Bestellungen:
Geschäftsstelle des KBW-Ost e.V.
Abendleite 23, 09114 Chemnitz
Tel.: 03 71 / 4 93 99 84
E-Mail: info@kbw-ost.de

Bundesteilhabepreis 2025 ausgeschrieben

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales lobt in diesem Jahr zum sechsten Mal den mit insgesamt 17.500 Euro dotierten Bundesteilhabepreis aus. Mit dem Preis werden die drei besten Beispiele und Modellprojekte zu einem jährlich wechselnden Schwerpunktthema ausgezeichnet. Verliehen wird der Bundesteilhabepreis von Bundesminister Hubertus Heil im Rahmen der Inklusionstage 2025.

Das diesjährige Thema lautet "Digitalisierung inklusiv  –  digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an Bildung und Arbeit". Als barrierefreie Lösungen kommen Apps, Tools oder andere Informations- und Kommunikationstechnologien infrage. Auch innovative Umsetzungen von angemessenen digitalen Vorkehrungen in Bildungseinrichtungen und/oder am Arbeitsplatz können als Projekt eingereicht werden.

Bewerben können sich alle, die in den Bereichen Bildung und Arbeit digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen schaffen, zum Beispiel Bildungsträger, Unternehmen, Verbände und Kommunen. Bewerbungsschluss ist der 20. Dezember 2024.

Mehr Infos unter www.bundesteilhabepreis.de

Kultur

"HoloAudioTour" im Deutschen Museum

Das Deutsche Museum Nürnberg bietet blinden und sehbehinderten Gästen eine sogenannte HoloAudioTour an. Sie können die Ausstellung damit selbstständig erkunden.

Die HoloAudioTour nutzt die Technologie Augmented Reality (AR). Eine AR-Brille bietet Zugang zu den Inhalten des Museums und navigiert die Besucherinnen und Besucher mit akustischen Signalen. Durch eine farbige Einspielung auf der holografischen Linse der Brille können seheingeschränkte Menschen auch visuell der Route folgen. Farben, Klang und Abspielgeschwindigkeit sind aus verschiedenen Optionen individuell wählbar.

Es gibt Hörtexte, taktile Stationen, Gerüche und interaktive Elemente. Beispielsweise erfahren blinde Menschen, welche Wirkung durch Künstliche Intelligenz erzeugte Klänge haben können. Sie ertasten Modelle des menschlichen Gehirns.

Verschiedene Touren führen durch das Museum und eröffnen ethische Fragestellungen zu Zukunftstechnologien. Die Routen bestehen aus rund 20 Einzelstationen und sind kombinierbar. Bereits vorhanden sind Touren zu den Bereichen "Körper und Geist", "Arbeit und Alltag", "System Stadt" sowie "System Erde".

Die Gäste erhalten eine technische Einführung und haben die Möglichkeit, sich mit der Handhabung der Brille vertraut zu machen. Das Angebot kann von Einzelpersonen gebucht werden.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Inclusify / ACP Digital aus Nürnberg sowie blinden und sehbehinderten Menschen entwickelt und vom Freundeskreis des Museums finanziert.

Mehr Infos unter www.deutsches-museum.de/nuernberg (Menüpunkte Besuch / Barrierefreier Besuch)


Dazu ein Bild: Eine blinde Frau mit kurzen Haaren und Langstock bei der HoloAudioTour im Deutschen Museum Nürnberg. Sie trägt eine AR-Brille, in der Hand hält sie eine Fernbedienung.

Gesundheit

Ratgeber für Menschen mit Schlafstörungen

Die Niedersächsische Selbsthilfeorganisation "Arbeitskreis Schlafapnoe Niedersächsischer Selbsthilfegruppen" (ASN) hat barrierefreie Patientenratgeber erstellt. Zielgruppe sind Menschen, die unter Schlafapnoe, dem Restless-Legs-Syndrom oder Ein- und Durchschlafstörungen leiden.

Eine DAISY-CD mit den Ratgebern kann, solange der Vorrat reicht, von sehbehinderten und blinden Betroffenen kostenfrei bestellt werden. Die werbefreie DAISY-CD hat keinen Kopierschutz, eine Weitergabe ist erwünscht.

Barrierefreie PDF-Dateien sowie Hörbücher mit den Ratgebern können von der Homepage der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Wilhelmshaven Friesland heruntergeladen werden. Um auf die Seite zu gelangen, kann man den Namen der Gruppe in eine Internet-Suchmaschine eingeben.

Bestellungen der DAISY-CD sind per E-Mail zu richten an: w.agner@t-online.de

Broschüre "Sehen und Hören mitdenken"

Eine Broschüre mit dem Titel "Sehen und Hören mitdenken" enthält praxisnahe Tipps für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Hervorgegangen ist die Broschüre aus dem Projekt "Sehen und Hören in Bayern", das die Blindeninstitutsstiftung mit Hauptsitz in Würzburg initiiert und geleitet hat.

Ein Forschungsteam der Universität Hamburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hat in dem Projekt die Frage untersucht: "Wie steht es um das Seh- und Hörvermögen von Menschen mit geistiger und komplexer Behinderung, die in bayerischen Einrichtungen der Behindertenhilfe leben?"

Bei Stichproben stellte das Forschungsteam fest, dass mehr als die Hälfte der geistig und komplex behinderten Bewohnerinnen und Bewohner von nicht sinnesspezifischen Einrichtungen von einer Seh- oder Hörbeeinträchtigung betroffen ist. Die Vorschläge des Teams zielen darauf, die Seh- und Hörbeeinträchtigungen besser zu erkennen  –  viele wurden bis dahin nicht diagnostiziert. Ebenso gibt es Tipps, wie Betroffene im Alltag besser unterstützt werden können.

Die Broschüre kann als kostenloses PDF heruntergeladen werden. Begriff für die Suche im Internet: "Handreichung Sehen und Hören mitdenken" (in Anführungszeichen)

Bildung

"Wege in den Beruf" für taubblinde Menschen

Für Menschen, die taubblind oder hörsehbehindert sind, ist es sehr schwierig, beruflich Fuß zu fassen. Um Abhilfe zu schaffen, wurde 2020 das Projekt "Wege in den Beruf" ins Leben gerufen. Ziel ist es, berufliche Bildungsangebote für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen an vier Standorten (Hannover, Stuttgart, Chemnitz, Berlin) einzurichten. Als Kooperationspartner haben sich das Deutsche Taubblindenwerk in Hannover, die Nikolauspflege in Stuttgart und das Sächsische Förderzentrum SFZ in Chemnitz zusammengeschlossen. Das Projekt geht noch bis Ende Mai nächsten Jahres  –  es hat dann fünf Jahre gedauert.

Bisher wurden Konzepte für den Personenkreis taubblinder und hörsehbehinderter Menschen erarbeitet, zum Beispiel eine berufliche Grundrehabilitation "Hören Sehen Tasten", die Berufsausbildung Fachpraktiker/in Informatik und die Berufsausbildung Fachpraktiker/in Hauswirtschaft.

Diese Bildungsangebote werden fortlaufend von taubblinden und hörsehbehinderten Menschen getestet. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der Konzepte ein. 2025 sollen die Bildungsangebote an den oben genannten Standorten beginnen. Schon jetzt gibt es dort und online ein Angebot zur beruflichen Beratung für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen.

Mehr Infos unter www.wege-in-den-beruf-tb.de

Karriereambitionen behinderter Beschäftigter

Carolin Fulda und Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben die Frage untersucht: Welche Faktoren beeinflussen die Karriereambitionen von Menschen mit Behinderungen?

Sie stellten fest, dass Menschen mit Behinderung derzeit in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Mehr als drei von zehn Beschäftigten ohne Behinderungen hätten Führungsverantwortung (31 Prozent), bei Beschäftigten mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 seien es nur 23 Prozent. Die Studie geht der Frage nach, ob sich Karriereambitionen von Menschen mit und ohne Behinderungen unterscheiden und ob durch intensivierte Inklusionsbemühungen vakante Stellen mit Führungsverantwortung schneller mit geeigneten Kandidaten besetzt werden können.

Die empirische Analyse erlaubt keine kausalen Schlüsse, signalisiert aber, dass es bei vielen Einflussfaktoren kaum Unterschiede zwischen Beschäftigten mit und ohne Behinderungen gibt. So geht zum Beispiel eine Teilzeitbeschäftigung in beiden Gruppen signifikant häufiger mit geringeren Karriereambitionen einher. Beschäftigte mit Behinderungen arbeiten aber häufig in Teilzeit.

Die Untersuchung schlägt deshalb vor, dass Unternehmen prüfen sollten, ob Mitarbeiter mit Behinderung trotz Teilzeitbeschäftigung eine Führungsposition übernehmen könnten.

Mehr Infos und ein PDF zur Studie sind auf der Website des IW verfügbar (www.iwkoeln.de). Über Suchbegriffe wie Institut, Wirtschaft, Faktoren und Karriereambitionen gelangt man auf die Unterseite.

Aus den Ländern

Pläne für das Aura-Hotel Saulgrub

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) will sein Aura-Hotel in Saulgrub wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit des Vereins zurückholen. So war es auf der Landestagung des BBSB im November 2023 beschlossen worden. Zwei Arbeitsgruppen, eine mit dem Schwerpunkt Gästeangebot und eine mit dem Schwerpunkt Baumaßnahmen, befassten sich ein halbes Jahr lang mit Überlegungen, Maßnahmen, Konzepten und Angeboten.

Manche Ideen wurden bereits umgesetzt. So gibt es seit Anfang Juni einen Shuttle-Service vom Bahnhof Saulgrub zum Aura-Hotel. Zuvor mussten Gäste, die den Weg nicht zu Fuß antreten wollten, von Murnau aus ein Taxi nehmen.

Tagsüber und am Abend ist es möglich, aus einer erweiterten Snack-Karte etwas für den kleinen Hunger zu bestellen.

Der Hoteldirektor, Stephan Dick, lädt die Gäste regelmäßig an einem Abend zu Austausch und Anregungen ein. Auch die Gästebetreuung führt Gästebefragungen durch und nimmt Anregungen entgegen. Die Tandemflotte wurde überholt und soll mit weiteren Tandems ausgestattet werden.

In seiner Sitzung Anfang Juli dieses Jahres gab der Landesvorstand ein Budget von 1,6 Millionen Euro frei. Dafür soll ein neuer Fitness- und Wellnessbereich mit zwei Saunen, Kneipp-Fußbecken, Duschen und ein Ruheraum entstehen, ebenso ein Raum für Massagen und Fitness. Im Seminargebäude wird ein neuer Bewegungsraum eingerichtet, als dauerhafter Ersatz für die Turnhalle.

Außerdem soll es ein großzügiges Familienzimmer geben. Das Elternzimmer wird einen Durchgang zu einem Schlaf- und Spielbereich für bis zu zwei Kinder haben. Appartements für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen die Attraktivität des Aura-Hotels als Arbeitgeber steigern.

Der BBSB wird zur Finanzierung der Bauvorhaben öffentliche Förderungen anfragen und prüft, ob es möglich ist, einen Teil des Parkgrundstücks zu verkaufen.


Dazu ein Bild: Das Seminargebäude des Aura-Hotels Saulgrub: Die Fassade des Gebäudes ist an zwei Seiten vollverglast. Ein überdachter Weg führt zum Eingang.

Schülerin in Sachsen wird Gymnasialbesuch verwehrt

Über den Fall der 17-jährigen Schülerin Silja Dana Schray aus Chemnitz haben bereits einige Medien berichtet, und noch ist nicht klar, wie er letztlich ausgehen wird. Die Schülerin war zunächst inklusiv an einem Gymnasium unterrichtet worden. Doch das Landesamt für Schule und Bildung Chemnitz forderte von der Schule in freier Trägerschaft "Gelingensvoraussetzungen": Sie solle einen Sonderpädagogen mit Förderschwerpunkt Sehen einstellen, damit die junge Frau weiterhin das Gymnasium besuchen darf. Das kann die Schule wegen des Fachkräftemangels in diesem Bereich nicht und kündigte der Schülerin den Schulvertrag. Klagen von Schray und ihrer Mutter vor Gericht hatten bislang keinen Erfolg.

Das Landesschulamt schlug der Schülerin vor, zunächst die zehnte Klasse der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte zu besuchen und dann die zehnte Klasse eines Regelgymnasiums. Zeitverschwendung, befand die 17-Jährige und hat sich an einer Fernschule eingeschrieben, um auf diesem Weg ihr Abitur zu machen. Da dies gegen die Schulpflicht verstoße, hat das Landesschulamt Anzeige erstattet.

Der DBSV-Referent für Soziales, Reiner Delgado, sagt zu dem Fall Folgendes: "Als Verband halten wir es für unzumutbar, dass eine Schülerin, die offenbar in der Lage ist, ein Regelgymnasium zu besuchen, in eine Förderschule mit dem Ziel Realschulabschluss gehen soll."

Aura-Hotels: Entspannter Urlaub ohne Barrieren

Aura-Hotels und -Pensionen sind Orte, die speziell auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zugeschnitten sind. Insgesamt vier Häuser bieten die ganze Bandbreite angenehmer Urlaubsunterkünfte, von der familiär geführten Pension bis zum 3-Sterne-Wellness-Hotel. Von der See bis in die Berge: Die Aura-Hotels liegen in den schönsten deutschen Ferienregionen und sind ideale Ausgangspunkte für Ausflüge, auf Wunsch mit sehender Begleitung. Alle Unterkünfte sind barrierefrei eingerichtet und bieten ein umfangreiches Begegnungs- und Veranstaltungsprogramm. Auch für Seminare und Gruppenfreizeiten sind die Häuser sehr gut geeignet.


Die Standorte von Nord nach Süd:

  • Aura-Hotel Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern):
    Tel.: 03 88 25 / 3 70-0
  • Aura-Hotel Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein):
    Tel.: 0 45 03 / 60 02-0
  • Aura-Pension Rochsburg (Sachsen):
    Tel.: 03 73 83 / 8 38-00
  • Aura-Hotel Saulgrub (Bayern):
    Tel.: 0 88 45 / 99-0

Mehr Infos im Internet unter www.aura-hotels.dbsv.org

Service:

Schielen schafft Leidensdruck

Schielen hat nicht nur organische Auswirkungen, sondern kann psychosoziale Probleme bei Betroffenen verursachen, zu Ausgrenzung, Ängsten und Depressionen führen. Das Thema Schielen war auch eines von vielen auf dem jährlichen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) im Oktober in Berlin. In Bonn beginnt bald eine große Studie mit schielenden Personen.


Etwa vier Prozent der Bevölkerung in Deutschland schielen. Mitunter beginnen Menschen erst im Erwachsenenalter zu schielen  –  etwa aufgrund eines Schlaganfalls, eines Unfalls oder einer Schilddrüsenerkrankung. "Die meisten Schielformen beginnen jedoch im Kindesalter", erläutert Prof. Dr. Bettina Wabbels, Leiterin der Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Ophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Bonn. Schätzungsweise jedes 25. Kind schielt. "Man findet im Prinzip in jeder Klasse ein betroffenes Kind", sagt Bettina Wabbels.

Beim Schielen, auch Strabismus genannt, weicht ein Auge von der Blickachse des anderen Auges ab. Das kann Doppeltsehen, verringertes räumliches Sehen oder Kopfschmerzen, bei Kindern auch einen einseitigen Sehverlust auslösen. "Mindestens genauso gravierend sind jedoch die psychosozialen Folgen", betont die DOG-Expertin. Studien belegen: Schielende Menschen werden von ihrer Umwelt als weniger intelligent, sympathisch, attraktiv und fleißig wahrgenommen. Dadurch kann es zu Benachteiligungen im Alltag, in der Schule und im Beruf sowie bei der Partnerwahl kommen. Die Lebensqualität kann folglich beeinträchtigt sein.

Das schafft seelischen Leidensdruck. "Schielen kann bei Kindern und Erwachsenen zu Scham, Vermeidungsverhalten, sozialem Rückzug oder mentalen Problemen führen", berichtet Bettina Wabbels. "Diese Aspekte des Schielens werden bisher unterschätzt, obwohl sie für die Schielenden extrem bedeutsam sind."

Insbesondere im Blickkontakt seien schielende Menschen häufig verunsichert. "Betroffene berichten, dass sie in der zwischenmenschlichen Kommunikation Schwierigkeiten haben; dass sie sogar beschuldigt werden, unehrlich oder unaufmerksam zu sein und nicht zuzuhören, da ihr Blick abschweife", erklärt die Augenärztin.

Einige Betroffene versuchten, das Schielen durch Frisuren oder Kopfhaltungen zu kaschieren oder sehen ihrem Gegenüber gar nicht erst in die Augen, was die Interaktionsprobleme eher noch verstärke. Der Tipp der DOG-Expertin: "Schauen Sie auf die Nasenwurzel Ihres Gegenübers."

Eine Schiel-Operation bietet Abhilfe  –  sie bessert nicht nur das Zusammenspiel beider Augen, sondern auch die psychosoziale Situation, indem sie zu größerer sozialer Akzeptanz und Attraktivität verhilft. Einen positiven Einfluss von Schiel-Operationen auf die Lebensqualität konnte die Universitäts-Augenklinik Bonn bereits in einer Pilotstudie belegen. "Nach der Schiel-Operation sanken die Symptome von Ängsten und Depressionen unter die Schwelle der Behandlungsbedürftigkeit", berichtet Bettina Wabbels. "Viele äußerten sich extrem dankbar, dass sie diese belastenden Probleme endlich offen thematisieren konnten. Sie sagten, dass das Schielen ihr ganzes Leben beeinträchtigt hätte."

Jetzt sollen diese Faktoren erstmals in einer großen Studie zu "Qualitas  –  Quality of live after strabismus surgery" betrachtet werden. Unter der Leitung der Universitäts-Augenklinik Bonn untersuchen Forschende die Lebensqualität von mehr als tausend erwachsenen Schielpatientinnen und -patienten über einen Zeitraum von sechs Jahren.

"Wir wollen unter anderem den Einfluss von Schiel-Operationen auf Lebensqualität und mentale Gesundheit messen", erklärt Bettina Wabbels. Zugleich könnten Patientinnen und Patienten mit depressiven Symptomen und Ängsten an geeignete Behandlungsstellen weitergeleitet werden.

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft


Dazu ein Bild: Zwei kleine Jungen. Der rechte schielt mit dem linken Auge stark nach innen.

Kurzinfo: Erbrechtliche Beratung  –  ein Service der rbm

Soll ich ein Testament machen? Worauf muss ich achten? Was kostet das? Fragen, die sich auch sehbehinderte und blinde Menschen stellen. Die gemeinnützige Rechtsberatungsgesellschaft rbm (Rechte behinderter Menschen) bietet darum einen neuen Service für Mitglieder der DBSV-Landesvereine und der korporativen Mitglieder: eine erbrechtliche Beratung mit einer abschließenden Empfehlung.


Was ist Beratungsinhalt?

  1. Bewertung der Lebensumstände des oder der Ratsuchenden
  2. ein einstündiges Telefonat eines Juristen oder einer Juristin der rbm mit dem oder der Ratsuchenden (Fakten-Check, Ermittlung des Hauptanliegens)
  3. zusammenfassende Darstellung mit rechtlicher Bewertung und einer Empfehlung mit Eckpunkten für eine erbrechtliche Verfügung

Was kostet das?

Die rbm berechnet für diese Form der erbrechtlichen Beratung eine Gebühr von 240,75 Euro (inkl. Umsatzsteuer). Die schriftliche Darstellung kann zum Beispiel einem Notar oder einer Notarin zur konkreten Testamentsberatung vorgelegt werden.


Fragen Sie uns  –  wir beraten Sie gern:
rbm gemeinnützige GmbH
Rechte behinderter Menschen
Biegenstraße 22, 35037 Marburg
Tel.: 0 64 21 / 9 48 44-90 oder -91
E-Mail: kontakt@rbm-rechtsberatung.de
Internet: www.rbm-rechtsberatung.de

Medien:

Bücher

Sendezeit

Ein Buchtipp von Gabi Schulze, dzb lesen


Erzählt wird die Geschichte des Lehrers Hinrich Matuschek und seiner Schülerinnen und Schüler in einer Blindenschule in der Nähe von Berlin. Matuschek war Funker im Zweiten Weltkrieg und beginnt im Herbst 1952 seine Tätigkeit als Lehrer für Physik und Geschichte.

Als er mit seinen Neuntklässlern im nahegelegenen Funkhaus eine Radiosendung produziert, wird diese von der SED-Parteiführung reglementiert. Matuscheks Idealismus von einer neuen freiheitlichen, besseren Gesellschaft gerät ins Wanken. Er wird von der Parteileitung unter Druck gesetzt. Doch das Selbstbewusstsein und der Mut einiger Jugendlicher in seiner Klasse beeindrucken ihn und helfen ihm, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Vor dem Hintergrund des Volksaufstands am 17. Juni 1953 erzählt Anne Richter von sehbehinderten Jugendlichen, die der Bevormundung und den Repressionen des SED-Staates ausgesetzt sind. Gleichzeitig skizziert sie die seelische Zerrissenheit ihres Lehrers, der die Jugendlichen schützen will und erkennen muss, dass freie Meinungsäußerung in seinem Land nicht erwünscht, sogar verboten ist.

Ein kluges Buch, das am konkreten Beispiel aufzeigt, warum die DDR von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Anne Richter: Sendezeit
DAISY-CD (ca.5:45 Stunden)
Großdruck, 2 Bände, demnächst auch in Brailleschrift

Ausleihe und Verkauf
Tel.: 03 41 / 71 13-113 bzw. -119
E-Mail: bibliothek@dzblesen.de

Vom Leben und anderen Zumutungen

Ein Buchtipp von Maren Gebhardt, Norddeutsche Hörbücherei


Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, hat in vielen Interviews versucht, prominenten Zeitgenossen mehr zu entlocken, als sie üblicherweise von sich preisgeben. So erfahren die Leserinnen und Leser, warum Daniel Cohn-Bendit kurz nach seinem 75. Geburtstag erstmals seine jüdische Familiengeschichte erzählt. Sie staunen vielleicht, dass Telekom-Chef Timotheus Höttges für das bedingungslose Grundeinkommen plädiert und dass Udo Jürgens sich nach umjubelten Konzerten manchmal wie ein Nichts fühlte. Oder sie nehmen Anteil an den Glaubenszweifeln von Papst Franziskus.

Die Befragten haben auf unterschiedliche Weise die Gegenwart geprägt oder prägen sie noch. Durch die Interviews entstehen spannungsreiche Portraits, die zugleich ein Spiegelbild der großen politischen und gesellschaftlichen Themen des vergangenen Jahrzehnts sind: Pandemie, Krieg, Fremdenfeindlichkeit oder Cancel-Culture-Debatten.

Giovanni di Lorenzo: Vom Leben und anderen Zumutungen. Gespräche mit Zeitgenossen
DAISY-Hörbuch (ca.11 Stunden)
Sprecher: Michael Reulecke

Lore und die letzten Tage

Ein Buchtipp von Denise Lekoui, BIT-Zentrum


Die junge Lore, in der Bombennacht vom 2. Januar 1945 Vollwaise geworden, flieht aus Nürnberg in das idyllische Dorf Seilar. Dort trifft sie den Hitlerjungen Anton wieder, in den sie sich im letzten Sommer als Erntehelferin verliebt hat. Mit ihm erlebt sie die letzten schrecklichen Tage des Krieges.

Anton soll im Volkssturm Seilar verteidigen, will aber den Einsatz vereiteln, damit das Dorf vor dem Angriff der Amerikaner verschont bleibt. Doch in der Burg, die über Seilar thront, hält sich ein SS-Verband auf, der gnadenlos Vergeltung an Verrätern übt.

75 Jahre später kommen Lore Zweifel, ob der Untergang des Dorfes tatsächlich so abgelaufen ist, wie es in den Reden geschildert wird. Es beginnt ein Wettlauf mit den eigenen letzten Tagen, um herauszufinden, ob ihr Leben auf einer Lüge basiert.

Killen McNeill: Lore und die letzten Tage
Sprecherin: Annaserena Bikafalvi Máthé
DAISY-Hörbuch (ca.7:40 Stunden)
Preis CD: 29 Euro

Zu bestellen beim
BIT-Zentrum
Tel.: 0 89 / 5 59 88-136 oder -144 (AB)
E-Mail: bit-bestellservice@bbsb.org

Kopfarbeit

Ein Buchtipp von Claudia Gosen, Westdeutsche Bibliothek der Hörmedien


Der Gehirnchirurg Prof. Dr. Peter Vajkoczy ist Chefarzt an der Berliner Charité. Er gilt als einer der renommiertesten Neurochirurgen weltweit.

In seinem Buch "Kopfarbeit" gibt der Autor atemberaubende Einblicke in seinen Alltag als Neurochirurg. Er nimmt uns mit in den Operationssaal, lässt uns dabei sein, wenn er einen Tumor oder ein Aneurysma operiert. Detailreich erklärt er jeden Schritt, den er gehen muss, um an die Stelle des Gehirns zu kommen, an der er operieren wird und wie er mit größter Vorsicht und Weitsicht vorgeht. Vajkoczy lässt uns an seinen Gefühlen bei erfolgreichen Operationen teilhaben, aber auch an seiner Trauer und an seinen Selbstzweifeln nach einem missglückten Eingriff.

Ein großartiges, lehrreiches und ehrliches Buch  –  teilweise spannend wie ein Krimi und doch mitfühlend und empathisch geschrieben.

Peter Vajkoczy: Kopfarbeit. Ein Gehirnchirurg über den schmalen Grat zwischen Leben und Tod
DAISY-CD (12:30 Stunden)
Sprecher: Armin Hauser



Kurzinfo: Medibus-Katalog

Im Online-Katalog der Medien,gemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen (Medibus) sind rund 100.000 Punktschrift- und Hörbuchtitel verzeichnet. Diese Titel können über alle angeschlossenen Blindenbüchereien ausgeliehen werden.

Informieren Sie sich bei Ihrer Bücherei oder stöbern Sie selbst im Internet unter: www.medibus.info

Hörfilme

Mein Kind

Judith und Niclas erfüllen sich ihren Kinderwunsch über eine Leihmutter in der Ukraine. Der Schock ist groß, als dort der Krieg ausbricht. Die Angst um Oksana und das Baby wächst.

Das Paar bietet der Leihmutter an, zu ihnen nach München zu fliehen. Tatsächlich steht die schwangere Oksana mit ihrer neunjährigen Tochter ein paar Tage später vor ihrer Tür. Doch die Sicherheit in Deutschland währt nicht lange.

Die Agentur pocht auf Einhaltung der Verträge und droht mit juristischen Problemen. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Das Kind muss in Kiew zur Welt kommen. Oksana kehrt in ihre Heimat zurück, und Judith und Niclas brechen kurz nach der Geburt des Babys auf zu einer gefährlichen Reise in den Krieg, um ihr Kind abzuholen.

Die Ukraine habe sich zum weltweiten Zentrum für Leihmutterschaften entwickelt, stellt Drehbuchautorin Katrin Bühlig fest. Eine einfache Antwort zu ethischen Bedenken gebe es nicht. "Ich habe versucht, beide Seiten einer Branche zu zeigen, die vor der Corona-Pandemie und bis Kriegsbeginn völlig unter dem öffentlichen Radar lief", erklärt sie.

Mein Kind
Familiendrama 2024
Drehbuch: Katrin Bühlig
Regie: Christine Hartmann
Mit Lisa Maria Potthoff, Maximilian Brückner, Alina Danko, Suzanne von Borsody
ZDF, 28. Oktober 2024, 20:15 Uhr, danach in der ZDF-Mediathek


Dazu ein Bild: Judith und Oksana stehen sich gegenüber. Judith hält ein Baby im Arm und schaut Oksana ernst an. Diese betrachtet traurig das Kind. Im Hintergrund steht Niclas.

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Landeshilfsmittelzentrum Dresden

Langstöcke und Spitzen aus unserem Sortiment

Die Auswahl an Langstöcken ist groß. Auch wenn alle den Zweck haben, sich damit gut orientieren zu können und sicher unterwegs zu sein, gibt es doch kleine, aber feine Unterschiede. Bei den Spitzen ist die Auswahl noch vielfältiger und nicht alle sind für jedes Stockmodell geeignet. Daher finden Sie hier einen Überblick über die Langstöcke unterschiedlicher Hersteller aus unserem Sortiment.

Wir beraten Sie bei der für Sie richtigen Auswahl und Beantragung bei Kostenträgern, z.B. Krankenkassen.

Sie benötigen noch weitere Informationen und Tipps? Dann nehmen Sie am 16. Januar 2025 an unserem telefonischen Austauschraum zum Thema mit Katja Köhn und Anke Lehmann-Kaiser teil.


Langstöcke und Spitzen von Ambutech

  • 5- bzw. 6-teilige Langstöcke, faltbar, Kohlefaser, verfügbare Längen: 117-157 cm
  • 4-teilige Langstöcke mit Stoßdämpfer, Kohlefaser, verfügbare Längen: 125-150 cm
  • Passende Rollspitzen zum Einhängen, z.B. zylindrische Rollspitze 33 mm oder Jumbo-Kugel 55 mm Durchmesser
  • Slimline: sehr dünner, leichter, 7-teiliger Langstock aus Kohlefaser, verfügbare Längen: 100-145 cm

Langstöcke und Spitzen von Comde

  • 5-teilige faltbare Teleskop-Faltstöcke: faltbarer Langstock mit stufenlos längenverstellbarem Griff, verschiedene Längen, Holzgriff mit Fingerrillen
  • Es passen alle Spitzen mit 8 mm Gewinde, z.B. Jumbo-Rollspitze 55 mm Durchmesser oder birnenförmige Rollspitze 45 mm Durchmesser.

Langstöcke und Spitzen von Kellerer

Stufenlos ausziehbarer Teleskop-Langstock in folgenden Längen: 125 cm, 150 cm und 160 cm, Material: Leichtmetall, mit Keramik-Gleitkugel 22 mm oder 30 mm Durchmesser. Hinzufügen eines Rolladapters möglich, zusätzlich für alle Spitzen mit 8 mm Gewinde geeignet.


Langstöcke und Spitzen von Svarovsky

  • 5-teilige Langstöcke sowohl aus Kohlefaser aber auch aus Leichtmetall verfügbar, als Griffe sind Holz und Neopren möglich, verfügbare Längen: 110-150 cm
  • 6-teilige faltbare Telefalt-Langstöcke mit stufenlos längenverstellbarem Griff, verfügbare Längen: 120-135 cm, 130-145 cm, 145-160 cm
  • Für alle Svarovsky-Modelle sind Spitzen mit einem Metallhaken zum Einhängen nutzbar, z.B. Rollspitze 38 mm Durchmesser.

IO-Langstöcke und Geo-Spitzen von Whitecane

Sehr leichter, stoßdämpfender, 3-teiliger Stock mit ergonomischem Griff, verschiedene Längen.

GEO-Rollspitzen (Durchmesser 43 mm) verfügbar mit zwei verschiedenen Klanghöhen (dur und moll) sowie alle anderen Spitzen mit 8 mm Gewinde.


Gerne senden wir Ihnen unseren Katalog in Schwarzschrift, in Punktschrift oder auf DAISY-CD. Besuchen Sie auch unseren Onlineshop unter www.lhz-dresden.de


Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e.V.  –  Landeshilfsmittelzentrum
Louis-Braille-Str.6, 01099 Dresden
Tel.: 03 51 / 8 09 06 24
Fax: 03 51 / 8 09 06 27
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de

Hilfsmittelberatung Telefonberatung:
Montag, Mittwoch und Donnerstag: 10-16 Uhr
Dienstag: 10-18 Uhr
Freitag: 10-13 Uhr

Hilfsmittelberatung vor Ort:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10-18 Uhr
Mittwoch und Donnerstag: 10-16 Uhr
Freitag: 10-13 Uhr
Nach vorheriger Vereinbarung sind wir auch gerne außerhalb dieser Zeiten für Sie da  –  bitte vereinbaren Sie einen Termin mit uns!

Bestellungen im Internet: www.lhz-dresden.de

Marland

Das ideale Weihnachtsgeschenk

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Papenmeier

Papenmeier Hotline Service
Unser WIR für Ihren Hilfsmittel Notfall kostenfreie Hotline: +49 2304 205 250


Kontakt:
F.H. Papenmeier GmbH & Co.KG
Talweg 2, 58239 Schwerte
Telefon: +49 2304 205 0
Fax: +49 2304 205 205
Internet: info.reha@papenmeier.de
www.papenmeier-rehatechnik.de


Bildbeschreibung: Unser WIR für Ihren Hilfsmittel Notfall: Es ist eine Gruppe von drei RehaTechnik-Mitarbeitern, zwei Männer und eine Frau, zu sehen, die freundlich in die Kamera schauen.

DBSV: Augenblicke feiern

Ob Geburtstag, Jubiläum oder Firmenfest: Feiern Sie Ihren besonderen Augenblick und schenken Sie blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben!

Bitten Sie Ihre Gäste anstelle von Geschenken um eine Spende zugunsten von Menschen mit Sehverlust.

Informationen zum Thema "Spenden statt Geschenke" erhalten Sie bei den 19 Landesvereinen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) oder unter www.dbsv.org/spenden-statt-geschenke




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