DHV-Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Digitalisierung ja, Digitalzwang nein
Kurzinfo: Der Verein Digitalcourage
Usability-Pool prüft digitale Angebote
150 Jahre starke Stimme in Berlin
BGG-Reform gefordert: viele Verbände werden laut
Erfolg in Brandenburg: Blindengeld wird erhöht
Aktionsleitfaden verfügbar zur Woche des Sehens
Inklusionslauf 2024 für Spaß am Sport
Hörspielpreis wird erst 2025 wieder verliehen
Zukunftspläne für das Aura-Hotel in Boltenhagen
Erklärung unterzeichnet: Gegen Hass, für Vielfalt
DBSV-Jugendclub ruft zu Feedback an Komoot auf
DBSV-Karte: Mehr als ein Mitgliedsausweis
In kleinen Schritten zu großen Zielen
"Aktuell verpassen wir viele Chancen"
Was gut läuft und was besser ginge
Hürden erkannt, noch nicht gebannt
Tag der offenen Tür im dzb lesen
Kurzinfo: Thema in "Weitersehen": Erwachsenwerden mit Seheinschränkung
Kurzinfo: Forum – im direkten Austausch
Die Spiele gehen weiter: Paralympics in Paris
DVBS-Mentoringprojekt startet im Oktober
Dokumentation zu Inklusionstagen 2024
Schlichtungsstelle BGG legt Jahresbericht 2023 vor
Weitere Jahresberichte veröffentlicht
Bundesteilhabepreis für vorbildliche Projekte
Erster Platz beim Landespreis für Fußverkehr
Erklärfilm: Techniken für sehende Begleitung
AURA-Hotels: Entspannter Urlaub ohne Barrieren
Führhunde: Neuer Ausweis notwendig
Kurzinfo: Erbrechtliche Beratung – ein Service der rbm
Fräulein Gold – Schatten und Licht
Titelbild:
Das Titelbild ist dunkelblau. Darauf prangt, über drei Zeilen verteilt, in großer weißer Schrift der Titel "Sichtweisen" – die Buchstaben sind fragmentiert dargestellt. In einem gelben Kasten auf halber Höhe wird der Name des Magazins gut lesbar wiederholt. Links unten ist ein Foto zu sehen: Eine Frau mit kurzen, grauen Haaren, einer Brille und einer roten Bluse hält in der linken Hand einen Zettel, den sie mithilfe einer Lupe betrachtet. Der Schwerpunkt widmet sich dem Thema "Sehen im Alter".
"Sichtweisen" – Das Magazin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV)
78. Jahrgang
ISSN: 2511-7017
Herausgeber:
DBSV e. V.
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: 030 / 28 53 87-0
Redaktion:
Ute Stephanie Mansion, Anna Hinc, Leonie Koll, Lisa Mümmler, Andreas Bethke (V.i.S.d.P.)
E-Mail: sichtweisen@dbsv.org
Die "Sichtweisen" erscheinen sechsmal im Jahr (Nr.1 Januar, Nr.2 März, Nr.3 Mai, Nr.4 Juli, Nr.5 September, Nr.6 November) in Print und Braille sowie als Bestandteil der zehnmal im Jahr erscheinenden DAISY-CD DBSV-Inform (kostenfreies Abo für Mitglieder aller DBSV-Landesvereine).
Jahresbezugspreis für Print und Braille:
24 Euro für Inhaber der DBSV-Karte,
sonst 27 Euro,
halber Preis für Abonnenten unter 21 Jahren.
DBSV-Zeitschriftenverlag:
Petra Wolff
Tel.: 030 / 28 53 87-220
E-Mail: p.wolff@dbsv.org
Kündigung des Abonnements bis Ende September für das Folgejahr.
Anzeigenverwaltung:
Tel.: 030 / 28 53 87-293
E-Mail: anzeigen@dbsv.org
Private Kleinanzeigen bis 200 Zeichen: 10 Euro, je weitere 50 Zeichen: 5 Euro.
Mediadaten für gewerbliche Anzeigenkunden auf Anfrage.
Produktion:
Print: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, mit freundlicher Unterstützung
Braille: Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)
DAISY: dzb lesen und Berola-Film GmbH
Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechteridentitäten (siehe auch www.dbsv.org/gendern.html).
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
stellen Sie sich vor, Sie könnten wegen Ihrer Augenprobleme nicht mehr zu einem Augenarzt, einer Augenärztin gehen. Ihre Sehkraft wird schlechter, aber niemand kümmert sich darum. So ergeht es vielen älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen, auch im Hinblick auf andere fachmedizinische Untersuchungen. Der Besuch in einer Praxis scheitert an fehlender Begleitung und fehlenden Transportmöglichkeiten. Zudem sind viele Ärztinnen und Ärzte nicht bereit, Untersuchungen in Heimen durchzuführen.
Die augenmedizinische Unterversorgung in Pflegeeinrichtungen war ein Thema der Fachtagung "Sehen im Alter", zu der sich Expertinnen und Experten aus dem medizinischen und sozialen Bereich Mitte Juni in Bonn getroffen haben. Ein weiteres war Prävention für bestimmte Augenkrankheiten, ebenfalls kein Ruhmesblatt im deutschen Gesundheitssystem. Über beide Themen sprachen wir mit Prof. Dr. Dr. Robert Finger, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Mannheim.
Um die Mängel und Fehlentwicklungen im Bereich "Sehen im Alter" zu beheben, braucht es einen langen Atem und Verbündete. Deutlich wurde auf der Tagung auch, dass gute Lösungsansätze ohne politische Unterstützung kaum realisiert werden können. "Sehen im Alter" ist das Schwerpunktthema dieser Ausgabe.
Wenn eine Dienstleistung plötzlich nur noch digital, ohne analoge Alternativen, zur Verfügung steht, kann von Digitalzwang gesprochen werden. Im Interview erläutert Julia Witte, warum sich der Verein Digitalcourage dagegen wehrt.
In der Rubrik "Menschen" stellt sich Christian Spremberg, Radiomoderator und Schallplattensammler, vor. Viele kennen ihn auch als Vorleser von Texten in Brailleschrift.
Wer einen Führhund hat, sollte die Rubrik "Service" lesen oder hören. Demnächst brauchen Assistenzhunde nämlich ein offizielles Abzeichen oder einen Ausweis.
Einen schönen Spätsommer und Frühherbst wünscht Ihnen
Ute Stephanie Mansion
Redaktion
Sichtweisen
Elektronische Hilfsmittel, die das Leben erleichtern, sind unser Markenzeichen. Der bewährte EinkaufsFuchs Produktkenner sagt mit einem Piep, was die Sache ist. Die Fledermaus Orientierungshilfe erkundet Sicherheitsabstände automatisch und zeigt, wo es langgeht. Es ist zudem denkbar einfach, unsere Hilfsmittel kennenzulernen. Ein Anruf genügt und EinkaufsFuchs oder Fledermaus kommen vollkommen unverbindlich mit der Post zu Ihnen nach Hause. Alles Weitere erfahren Sie sehr gerne am Telefon – so einfach ist das!
Tel.: 0 72 50 / 92 95 55
SynPhon GmbH
Im Steinig 6, 76703 Kraichtal
E-Mail:
synphon@t-online.de
www.synphon.de
Endlich stehen Ihnen alle Vorteile des Induktionskochens durch die Integration von einer Sprachausgabe in unseren neuen Einzel- und Doppel-Induktionskochfeldern zur Verfügung.
Die Besonderheit beim Kochen mit Induktion besteht darin, dass die Hitze im Topf oder der Pfanne erzeugt wird, und nicht auf dem Kochfeld. Dies ist sehr effektiv, schnell und sparsam.
Die Kochplatten sind äußerst sicher, sehr schnell, leicht zu reinigen und kompakt. Die Bedienung ist sehr einfach und das Kochen kann durch Auswahl der Leistungsstufe oder der Temperatur erfolgen. Ein Timer ist ebenfalls enthalten, damit sich die Kochfelder nach einer voreingestellten Zeitspanne ausschalten. Die Kochfelder sind nach Gebrauch warm, aber nicht heiß, sodass keine Verbrennungsgefahr für den Benutzer besteht. Die Kochfelder schalten sich sofort aus, wenn ein Topf entfernt wird.
Alle Funktionen werden mit klarer, deutscher Stimme gesprochen. Die Bedienelemente fühlen sich gut an und die Kochfelder verfügen über eine glatte, abwischbare Oberfläche. Die verwendeten Pfannen und Töpfe müssen für Induktion geeignet sein und einen Eisenkern enthalten. Ein Magnet ist im Lieferumfang enthalten, damit Sie Ihre vorhandenen Pfannen und Töpfe überprüfen können. Der Magnet muss auf der Unterseite der Töpfe und Pfannen haften bleiben. Bei reinen Stahltöpfen würde er dies nicht tun. Bei Bedarf können Sie auch bei uns geeignete Töpfe und Pfannen bekommen. Sprechen Sie uns einfach an.
Eigenschaften Einzelplatte:
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Best.-Nr.: 1.405.015 – Preis: 189,00 Euro
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(Alle Preise verstehen sich inkl. 7 % MwSt.)
Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Verkauf Hannover:
Tel.: 05 11 / 95 46 50
Bestellservice: 0 18 02 / 25 83 12 (0,14
Euro/Anruf)
E-Mail:
info@deutscherhilfsmittelvertrieb.de
www.deutscherhilfsmittelvertrieb.de
Das Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB) in Hannover unterstützt blinde und sehbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Heranwachsende auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. So findet dort unter einem Dach die Beratung, Frühförderung, schulische und berufliche Bildung und vieles mehr statt. Dementsprechend kommen auf einem räumlich betrachtet sehr großen Areal viele Menschen zusammen. Barrierefreiheit ist an einem solchen Ort nicht hoch genug einzustufen, denn Sicherheit und eine perfekte Orientierung stehen an erster Stelle.
Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Bodenleitlinien wurde nun auch auf den Einsatz der LOC.id-Technologie in Hannover gesetzt. Bereits vielfach bewährt hat sich diese App-basierte Lösung schon in anderen Bereichen, beispielsweise an Lichtsignalanlagen. Auf dem Gelände des Landesbildungszentrums wurden sogenannte "sprechende Steine" namens LOC.id ROCK und Auffindepunkte LOC.id POI installiert und in Betrieb genommen. Nähert sich eine visuell eingeschränkte Person mit der zugehörigen App auf dem Smartphone, werden diese mittels Bluetooth® aktiviert und geben akustische Hinweise zu den örtlichen Gegebenheiten, z.B. zu Eingängen, Gebäuden, Hindernissen etc.
Neu und erstmalig im Einsatz ist im LBZB die Mehrsprachigkeit. Je nachdem in welcher Sprache die LOC.id App auf dem Smartphone der Nutzerinnen und Nutzer eingestellt ist, wird auch die Sprachausgabe von LOC.id ROCK oder LOC.id POI angepasst, so dass bisherige Sprachbarrieren ausgeräumt werden können. Ein echter Mehrwert und ein Gewinn im Hinblick auf echte Barrierefreiheit. Wir sind gespannt auf das Feedback und hoffen, dass noch viele öffentliche Orte diesem positiven Beispiel folgen werden und sich aktiv für den flächendeckenden Einsatz dieser Technologie einsetzen.
Kontakt:
Tel.: +49 5252 9154730
info@sms-start.de
www.sms-start.de
Übrigens:
Mehr zum Thema Barrierefreiheit finden Sie im Internet unter www.stockstübchen.de
Das Netzwerk:
Trapeze, Bolt, Sila Signalbau, Urich Mobility, SWH.HAVAG, FABEMA, SCHAEFER, YUNEX Traffic, Schake, horizont, nissen, visorApps, swarco, init, rehalehrer.de, DBSV, RTB, MindTags Group GmbH, Stührenberg, AVT STOYE
SMS Smart Mobility Services
RTB
Wenn wichtige Dienstleistungen nur noch digital angeboten werden, kann von Digitalzwang gesprochen werden. Der Verein Digitalcourage setzt sich gegen diese Art von Zwang ein und fordert in einer Petition, ein "Recht auf Leben ohne Digitalzwang" ins Grundgesetz aufzunehmen. Im Interview erläutert Julia Witte, Redakteurin und Presseverantwortliche bei Digitalcourage, die Hintergründe.
Interview: Ute Stephanie Mansion
Frau Witte, der Verein Digitalcourage hat eine Petition gestartet, in der ein "Recht auf Leben ohne Digitalzwang" gefordert wird. Was verstehen Sie unter Digitalzwang?
Digitalzwang nennen wir es, wenn an wichtigen Stellen ein Dienst verlagert wird, der vorher auf andere Art und Weise angeboten wurde – Dienste, für die kein digitales Endgerät nötig war. Auf einmal werden solche Dienste beispielsweise nur noch über eine App angeboten. Diesen Fall beobachten wir immer häufiger. Besonders schlimm finden wir es, wenn das einen Bereich der Grundversorgung betrifft, etwa das Zugfahren, den Postverkehr und die medizinische Versorgung.
Wen und was möchten Sie mit der Petition erreichen?
Wir fordern ein Grundrecht, das heißt, wir fordern die Aufnahme eines Rechts auf Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz. Es ist nicht so, dass wir keine Digitalisierung wollen, ganz im Gegenteil, aber wir wollen eine nützliche Digitalisierung, die den Menschen dient. Und an einigen Stellen auch eine etwas kreativere Digitalisierung. Das Prinzip "Wir bieten alle Services nur noch über eine App an" ist unkreative Digitalisierung. Wir wünschen uns eine Digitalisierung, die möglichst viele Menschen teilhaben und uns allen Wahlfreiheit lässt.
Wie zeigt sich der Digitalzwang in den genannten Bereichen?
Bei der Post hat zum Beispiel DHL eine neue Packstation eingeführt. Theoretisch kann jedes Paket an eine Packstation umgeleitet werden. Wenn nun mein Paket an eine neue Packstation umgeleitet wird, stehe ich vor einer Packstation ohne Display; es gibt nur einen Aufkleber, der besagt: Installieren Sie die App! Ohne App komme ich nicht weiter. Es gibt einen Weg, sein Paket neu zustellen zu lassen, aber diese Information hat die Post gut versteckt.
Bei der medizinischen Versorgung ist wahrscheinlich den meisten schon mal ein Anbieter wie Doctolib untergekommen. Viele Arztpraxen sind telefonisch nicht mehr erreichbar; die Patientinnen und Patienten sollen online einen Termin vereinbaren, womöglich ausschließlich über eine digitale Plattform. Wer das nicht möchte, hat Pech. Das finden wir nicht in Ordnung.
Ärger gab es ja auch wegen der Bahncard.
Die Deutsche Bahn hatte zunächst angekündigt, dass die Bahncard nur noch über die App erhältlich sein soll. Dann ist sie zurückgerudert, weil es viel Protest gab. Jetzt kann man ein Ersatzdokument ausdrucken, allerdings muss man dafür einen Online-Account bei der Bahn haben. Wer nicht online ist, und das sind in Deutschland immerhin fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung, bekommt keine Bahncard mehr. Im vergangenen Herbst hat die Bahn zudem angekündigt, die Sparpreistickets nicht mehr am Automaten anzubieten. Am Schalter kann man sie nur noch kaufen, wenn man eine Handynummer oder eine E-Mail-Adresse hinterlegt. Da werden einfach Leute von günstigen Zugtickets ausgeschlossen. Das sind Bereiche der Grundversorgung, die für alle Menschen, die hier leben, gewährleistet sein müssen.
Welche Menschen und wie viele betrifft das Problem? Fünf bis sechs Prozent wären auch schon mehrere Millionen.
Es betrifft viel mehr Menschen. Denn diese fünf bis sechs Prozent sind die Offliner, also Menschen in Deutschland, die noch nie im Internet gewesen sind. Das ist nur ein ganz kleiner Teil der Menschen, die von Digitalzwang betroffen sind. Es gibt zusätzlich Menschen, die aus verschiedenen Gründen zum Beispiel kein Smartphone haben wollen oder bestimmte Dienste nicht benutzen können. Da sprechen wir auch darüber, dass viele digitale Dienste nicht so barrierefrei sind, wie sie sein sollten. Wir sprechen über alte Menschen, die vielleicht an der einen oder anderen Stelle überfordert sind. Manchmal entsteht die Überforderung auch dadurch, dass ich nicht mehr überblicken kann, was es für Konsequenzen hat, wenn ich beispielsweise in der App der Deutschen Bahn meine Kreditkartennummer angebe. Und es geht auch um Menschen, die sich das alles nicht leisten können und vielleicht kein aktuelles Smartphone haben.
Wir finden: Es muss möglich sein, einen speziellen Dienst abzulehnen. Wir lehnen die Digitalisierung als solche nicht ab, aber wir möchten Wahlmöglichkeiten und im spezifischen Fall die Möglichkeit haben zu sagen: Nein, diese App kann oder will ich nicht nutzen.
Webseiten, Programme und Apps sind oft nicht barrierefrei und damit für Menschen mit Behinderung nicht bedienbar. Inwiefern bringt der Verein Digitalcourage diesen Aspekt in die Diskussion ein?
Wir haben nicht viel Erfahrung in dem Bereich, aber wir bekommen natürlich Einzelfallmeldungen von Leuten, die uns ihre persönliche Geschichte erzählen. Deshalb gehen wir davon aus, dass es sicherlich viele Leute gibt, die das betrifft.
Gehört es auch zum Digitalzwang, wenn ich Haushaltsgeräte nur noch über ein Display benutzen kann, dazu aber zum Beispiel wegen einer Seheinschränkung nicht in der Lage bin?
Es gibt, glaube ich, den etwas härteren Digitalzwang und den weniger harten Digitalzwang. Wir konzentrieren uns erst einmal auf die Grundversorgung. Da sehe ich besonders die Post oder die medizinische Versorgung.
Meinen Herd zu bedienen, ist auch nötig, wenn ich etwas kochen möchte.
Das stimmt, aber da gibt es wahrscheinlich mehrere Anbieter. Wenn jedoch alle Anbieter nur Lösungen anbieten, die nicht barrierefrei sind, ist das tatsächlich ein Problem. Wir bekommen auch Meldungen zu Haushaltsgeräten, die zum Beispiel eine Cloud-Verbindung herstellen wollen oder nur funktionieren, wenn man ein Online-Konto anlegt. Es gibt viele Grauzonen.
Ebenso erhalten wir viele Meldungen zu Supermarktrabatten: Wenn man die Supermarkt-App installiert, bekommt man den günstigeren Preis, sonst nicht. Es ist vielleicht kein echter Zwang, denn ich kann ja den höheren Preis zahlen. Aber aus gesellschaftlicher Perspektive finde ich das sehr fragwürdig, weil es gerade Menschen mit geringem Einkommen unter Druck setzt, diese App zu installieren und damit ihre Daten preiszugeben, ihre informationelle Selbstbestimmung aufzugeben. Das halte ich für einen nicht wünschenswerten Effekt.
Dazu ein Bild: Julia Witte hat lange hellere Haare, eine große Brille mit schmalem Rand und schaut lachend in die Kamera. Sie trägt ein dunkles Oberteil, darüber einen Blazer sowie eine Halskette mit einem großen Anhänger.
Der Verein Digitalcourage engagiert sich laut Informationen auf seiner Website seit 1987 für "eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter". Die Mitglieder sind technikaffin, setzen sich jedoch durch Aktionen und Kampagnen gegen Verletzungen des Datenschutzes und Digitalzwang ein.
Mehr Infos unter www.digitalcourage.de
Mehr zur Petition gegen Digitalzwang unter www.digitalcourage.de/digitalzwang
Oder Petition als Brief erbitten unter Tel.: 05 21 / 16 39 16 39
Wer einen Fall von Digitalzwang melden möchte, hat dazu folgende Möglichkeiten:
Digitalcourage sammelt die Meldungen, und wenn ein Thema häufig genannt wird oder es einen besonders schweren Fall gibt, wird überlegt, wie der Verein dagegen vorgehen kann.
Usability-Checks sind Tests, wie nutzungsfreundlich Apps, Websites, Dokumente und Online-Plattformen sind. Im Usability-Pool des DBSV finden Anbieter digitaler Anwendungen Testpersonen, die gegen eine Aufwandsentschädigung die Nutzungsfreundlichkeit (Usability) für blinde und sehbehinderte Menschen mit ihren Hilfstechnologien prüfen. Es werden noch Testerinnen und Tester gesucht.
Von Lisa Mümmler
Videokonferenzen auf der Arbeit, Online-Shopping in der U-Bahn, abends eine Übung aus der Meditations-App der Krankenkasse und anschließend einen Streaming-Dienst aufrufen: Damit blinde und sehbehinderte Menschen Zugang haben zu einem zunehmend digitaler werdenden Alltag, muss die digitale Welt barrierefrei gestaltet sein.
Eine große Rolle spielt außerdem die Nutzungsfreundlichkeit (Usability) von digitalen Anwendungen. Usability beschreibt laut Norm das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Nutzende in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und mit Zufriedenheit zu erreichen (DIN EN ISO 9241). Vereinfacht gesagt geht es bei Barrierefreiheit darum, ob eine Anwendung überhaupt nutzbar ist, bei Usability darum, wie aufwendig, zielführend und zufriedenstellend die Nutzung ist.
Die Standards und Normen zu digitaler Barrierefreiheit gewährleisten nicht in jedem Fall auch die Nutzungsfreundlichkeit digitaler Angebote. Das kann dazu führen, dass auch die Zugänglichkeit beeinträchtigt wird. Ein Beispiel verdeutlicht das: Die Norm zu digitaler Barrierefreiheit gibt vor, dass Webseiten via Tastatur bedienbar sein müssen. Wenn Nutzende aber 15 Mal die Tab-Taste drücken müssen, um durch das Menü zum Inhalt einer Webseite zu gelangen, ist das normkonform, jedoch nicht nutzungsfreundlich.
Darum helfen Tests auf Nutzungsfreundlichkeit (Usability-Checks) dabei, Barrieren und unnötige Umwege bei Online-Angeboten wie Apps, Dokumenten und Websites zu identifizieren und zu beseitigen und unterstützen die Inklusion von Menschen mit Behinderung ins digitale Leben. Doch wer führt solche Usability-Checks durch?
Anbieter von Websites, Apps und Programmen können nun über den DBSV seheingeschränkte Nutzerinnen und Nutzer für Usability-Checks, also Tests auf Nutzungsfreundlichkeit, anfragen. Diese Experten und Expertinnen in eigener Sache überprüfen dann für sie deren digitale Angebote mit Hilfstechnologien wie Screenreadern und Vergrößerungen. Voraussetzungen für die Vermittlung durch den DBSV sind zum einen die Bereitschaft, für den Usability-Check eine angemessene Aufwandsentschädigung zu zahlen. Zum anderen muss die Konformität – also die Übereinstimmung mit den technischen Normen und Standards zu digitaler Barrierefreiheit – vorab geprüft werden. Zu den über 80 Merkmalen digitaler Barrierefreiheit gehören unter anderem Alternativtexte, eine konsistente Überschriftenstruktur, ausreichende Kontraste oder die Beschriftung von Formularfeldern. Ist auf rein technischer Ebene keine Barrierefreiheit gegeben, sind Usability-Checks mit assistiven Technologien eventuell nicht möglich. Ist eine Website beispielsweise nicht per Tastatur bedienbar, kann auch nicht überprüft werden, wie aufwendig und zufriedenstellend die Bedienung mit einer Tastatur ist.
Um Teil des stetig wachsenden Usability-Pools zu werden, bedarf es keiner speziellen Voraussetzungen. Alle Informationen, die zur Durchführung von Usability-Checks notwendig sind, werden in regelmäßigen Infoveranstaltungen und bei Bedarf in Workshops rund um digitale Barrieren vermittelt. Insbesondere werden aktuell Nutzende von Android-Geräten gesucht, die mit TalkBack oder Vergrößerungsmöglichkeiten für Usability-Checks zur Verfügung stehen.
Weitere Informationen zum Thema Usability gibt es auf der Website: www.dbsv.org/usability-check.html
Wer Interesse an einer Aufnahme in den Usability-Pool oder Fragen zum Thema hat, kann sich an die Ansprechpartnerin Rose Jokic wenden.
E-Mail:
usability@dbsv.org
Tel.: 0 30
/ 28 53 87 – 168
Dazu ein Bild: Ein Mann mit Brille und grauem Haar hält ein Tablet dicht vor dem Gesicht. Ein weiterer Mann hält das Gerät mit der rechten Hand fest.
Zwei Jahrhundertwenden, zwei Weltkriege, die Zeit des Wiederaufbaus und der Wiedervereinigung, die Erfindung des Internets und eine Pandemie: Der "Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegründet 1874" hat in den 150 Jahren seines Bestehens die Auswirkungen all dieser Ereignisse erlebt. Der Vorsitzende Joachim Günzel spricht im Jubiläumsjahr über Meilensteine, Jubiläumsfeierlichkeiten und Zukunftsperspektiven.
Interview: Lisa Mümmler
Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegründet 1874, kurz ABSV, wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Herr Günzel, wie feiert der Verein dieses Jubiläum?
Im Juli hat ein großes Sommerfest für unsere Mitglieder, Freunde und Unterstützer auf dem Gelände unseres Vereinshauses in Berlin Grunewald stattgefunden. Das hat großen Anklang gefunden. Wir waren rund 750 Gäste. Das war ein sehr schönes Fest, bei dem wir viele Gespräche führen konnten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich sehr eingebracht. Das war ein Höhepunkt im Vereinsleben der letzten Jahre.
Am 17. Oktober lädt der ABSV zum Festakt ins Rote Rathaus ein. Wer sind die Gäste, und welche Wirkung erhofft sich der ABSV von den Feierlichkeiten?
Gäste werden namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft Berlins sein, darunter der regierende Bürgermeister Kai Wegner und einige Senatoren und Staatssekretäre sowie Persönlichkeiten aus der Behindertenselbsthilfe. Und, da legen wir großen Wert drauf, die Mitglieder des Verbandsrats des DBSV. Der ABSV erhofft sich dadurch Aufmerksamkeit in den Berliner Medien und vielleicht auch deutschlandweit, damit dieses große Ereignis gebührend dargestellt wird.
Der ABSV ist die älteste Selbsthilfeorganisation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland. Wie hat er zur Entwicklung der Selbsthilfe beigetragen?
Wichtig war, dass es Menschen gegeben hat – immerhin war das drei Jahre nach Gründung des Deutschen Reiches – , die den Mut aufgebracht haben zu sagen: Das Geschick der Betroffenen muss von ihnen selbst in die Hand genommen werden. Das war für die damalige Zeit ein großer Schritt, der schlussendlich gelungen ist. Die Selbsthilfe ist mit den Jahrzehnten gewachsen und verstetigt worden. Wenn man einmal überlegt, was in diese Zeit gefallen ist: das Kaiserreich, der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik, die NS-Diktatur und nicht zuletzt die Wiedervereinigung. Für uns als ABSV ging es darum, gerade bei uns Ost und West zusammenzubringen. Die Selbsthilfe hat sich mit den Jahrzehnten immer weiter professionalisiert. Wir waren einer der ersten Vereine, die eine professionelle Sozialberatung angeboten, ihre Mitglieder in Orientierung und Mobilität geschult und eine professionalisierte Führhundausbildung angeboten haben. Daran sieht man, dass wir Meilensteine gesetzt haben.
Bereits als junger Verein hat der ABSV viel getan für damals blind aus dem Krieg heimgekehrte Soldaten, aber auch für zivilblinde Menschen, besonders im Hinblick auf die Rückkehr ins Berufsleben. Welche wichtigen Errungenschaften hat er im Laufe der Jahrzehnte noch erzielt?
Ganz klar die Wohnungsfürsorge. Wir haben in Berlin Wohnungen gebaut, sodass Betroffene, die nicht so einfach eine Wohnung gefunden haben, schneller an Wohnraum gekommen sind. Man muss unterscheiden zwischen Zivil- und Kriegsblinden. Die Kriegsblinden waren nach dem Ersten Weltkrieg sozial wesentlich bessergestellt. Doch um die Zivilblinden musste sich selbstverständlich auch gekümmert werden.
Ebenso hat der ABSV sehr bei der Berufseingliederung geholfen und dafür gesorgt, dass viele Betroffene in Lohn und Brot gekommen sind. Und schlussendlich auch die Vernetzung untereinander, die nicht gerade einfach war. Die modernen Medien, so wie es sie heute gibt, gab es damals ja noch nicht.
Was will der Verein in Zukunft noch erreichen?
Mein Wunsch wäre, dass der Verein noch lange, lange fortbesteht und dass er sich vor allen Dingen als Selbsthilfeverein weiter etabliert. Das ist in der heutigen Zeit gar nicht leicht. Es gibt immer weniger Menschen, die sich dem Ehrenamt verschreiben. Deswegen ist es wichtig für uns, für Nachwuchs zu sorgen. Denn in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels ist es meines Erachtens von höchster Bedeutung, dass wir an der Selbsthilfe als oberstem Ziel des ABSV festhalten. Wir müssen gemeinsam dafür Sorge tragen, dass unser Verein auch in Zukunft die zentrale Anlaufstelle für Ratsuchende in Berlin bleibt. Der Fortbestand des ABSV liegt in unserer Hand und in der Verantwortung nachfolgender Generationen.
Was wünschen Sie dem ABSV für die nächsten 150 Jahre?
Ich wünsche unserem Verein, dass er eine starke Stimme in Berlin bleibt und dass es weiterhin genug Menschen gibt, die sich in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe engagieren.
Das DBSV-Präsidium hat am 27. und 28. Juni in Berlin einige Entscheidungen getroffen und folgende Themen besprochen.
Von Andrea Katemann
Gemeinsam mit DBSV-Mitarbeitenden hat das Präsidium auf die großen Ereignisse in diesem Jahr zurückgeblickt. Die Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises wurde erneut als gelungene Veranstaltung bewertet und als hilfreich empfunden, um die Kontakte in die Filmbranche zu intensivieren. Eine Änderung bezüglich der Audiodeskription derjenigen Personen, die auf der Bühne aufgetreten sind, wurde außerdem begrüßt: Die Personenbeschreibungen sind etwas gekürzt worden, was die Veranstaltung insgesamt lebhafter gestaltet hat. Im kommenden Jahr wird der Deutsche Hörfilmpreis am 25. März in Berlin verliehen.
Auch das Louis Braille Festival, das vom 3. bis 5. Mai in Stuttgart stattgefunden hat, wurde im Rückblick als sehr gut organisierte, sich durch ein vielfältiges Programm auszeichnende und insgesamt fröhliche Veranstaltung bewertet. Die Beteiligung sowohl der Landesvereine als auch der korporativen Mitglieder am "Markt der Begegnung" wurde ebenfalls als sehr gut eingeschätzt.
In der Oktober-Folge des Sichtweisen-Podcasts "Präsidiumsgespräch" wird es um das Thema Frauenarbeit im DBSV gehen. Die neue Frauenbeauftragte, Ute Lutzenberger, berichtet über ihre ersten Ideen und Kontakte. Im Dezember wird der Fokus voraussichtlich auf der Brailleschrift liegen, denn 2025 gibt es sie bereits 200 Jahre lang.
Das Motto des diesjährigen Sehbehindertentags lautete "Die schlimmste Kreuzung". Teilnehmende Landesvereine konnten im Rahmen dieser Kampagne die Kreuzung in ihrer Region küren, die für blinde und sehbehinderte Menschen besonders schwierig zu passieren ist. Dazu gab es Materialien vom DBSV, die pressewirksam eingesetzt werden konnten.
Bundesweit wurden neun solcher Aktionen durchgeführt. Das ist im Vergleich zu den Aktionen zu Sehbehindertentagen in den Vorjahren eher eine geringe Beteiligung. Diese neun Aktionen waren jedoch sehr pressewirksam und fanden rege Beachtung in den Medien. Das in diesem Jahr gewählte Motto sollte deshalb immer wieder einmal aufgegriffen werden. Zudem gilt es abzuwägen, wann es politisch sinnvoll ist, ein Gespräch auf Augenhöhe mit Politikern und anderen Entscheidungsträgern zu suchen und wann, andere Mittel zur Gewinnung von Aufmerksamkeit einzusetzen.
Auf der vom DBSV betriebenen Website leserlich.info sind hilfreiche Tipps und Vorgaben für eine sehbehindertengerechte Gestaltung von Publikationen zu finden. In den vergangenen Monaten wurde die komplette Seite ins Englische übersetzt, sodass sie auch auf internationaler Ebene als Anhaltspunkt für eine barrierefreie Darstellung genutzt werden kann. Derzeit findet eine Überarbeitung der Startseite statt.
Mit einem Projekt möchte der DBSV mehr Bewusstsein für die Barrierefreiheit von Social-Media-Kanälen und deren Bedeutung für die Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen in der Öffentlichkeit schaffen. Darüber hinaus soll mit dem Projekt das Wissen darüber verbreitet werden, welche Möglichkeiten es zur barrierefreien Gestaltung von Social-Media-Beiträgen gibt und wie sich die Zugänglichkeit dadurch verbessern lässt. Anfang Juni fand dazu der Workshop "Barrierefreiheit in Social Media – informieren, qualifizieren, vernetzen" mit blinden, sehbehinderten und sehenden Teilnehmenden statt. Im Workshop tauschten sie sich über die Möglichkeiten der barrierefreien Gestaltung einzelner Social-Media-Kanäle aus. Drei wesentliche Kriterien sind: gute Alternativtexte, verständliche Posts und barrierefreie Videoclips. In manchen Formaten ist es nicht möglich, einen Alternativtext oder eine Videobeschreibung hinzuzufügen. Daher wurde auch besprochen, wie ein Umgang mit diesen Defiziten aussehen kann.
Deutlich wurde: Es gibt einen erheblichen Schulungsbedarf innerhalb der Landesvereine zur Handhabung von Social-Media-Kanälen.
Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wird die Aufgabe formuliert, den Fußverkehr in der laufenden Legislaturperiode strukturell zu unterstützen und mit einer nationalen Strategie zu unterlegen. Durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr wurde dazu unter Beteiligung von Expertinnen und Experten, Vertretern der Bundesministerien und der Länder ein erster Entwurf einer nationalen Fußverkehrsstrategie erarbeitet und verschiedenen Verbänden, darunter auch denen der Selbsthilfe, zur Kommentierung vorgelegt.
Geplant ist, dass nach erfolgter Abstimmung im letzten Quartal 2024 ein Kabinettsbeschuss herbeigeführt werden soll. Auch der DBSV beteiligt sich an diesem Prozess.
Damit Deutschland in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens barrierefrei wird, soll das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) noch in dieser Amtszeit reformiert werden. So hat es die Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgehalten. Viele Selbsthilfe- und Behindertenrechtsorganisationen, darunter der DBSV, fordern in einem Verbändebündnis und mit Aktionen in den sozialen Medien die bisher noch nicht angegangene Umsetzung.
"Viele Millionen Menschen werden in Deutschland jeden Tag durch Barrieren diskriminiert", sagt DBSV-Justiziarin Christiane Möller. "Hier sieht der Koalitionsvertrag einen echten Paradigmenwechsel vor: Endlich sollen auch private Anbieter in die Pflicht genommen werden. Jetzt muss die Regierung aber auch liefern und darf die versprochene und dringend notwendige Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht einfach aussitzen."
Die Vereinten Nationen haben Deutschland im vergangenen Herbst zum wiederholten Mal aufgefordert, bei der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention aktiv zu werden und private Anbieter von Gütern und Dienstleistungen zur Barrierefreiheit zu verpflichten.
Der Aufruf findet sich unter: www.dbsv.org/aktuell/bgg2024.html
Der Brandenburger Landtag hat im Juni das Gesetz zur Änderung des Landespflegegeldgesetzes und des Brandenburgischen Behindertengleichstellungsgesetzes beschlossen. Zum 1. Juli wurde aus dem bisherigen Landespflegegeld ein Teilhabegeld mit wesentlichen Verbesserungen.
Die Leistungen für blinde Menschen erhöhten sich um 23 Prozent auf 425 Euro monatlich, Kinder erhalten die Hälfte. Neu eingeführt wurde ein Taubblindengeld, das 850 Euro monatlich beträgt. Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen oder besonderen Wohnformen für behinderte Menschen, die bislang ausgeschlossen waren, bekommen jetzt ein gekürztes Teilhabegeld. Pflegeleistungen werden nur noch teilweise angerechnet. Zudem ist im Gesetz nun eine Regelung zur Dynamisierung festgehalten.
DBSV-Justiziarin Christiane Möller spricht von einem großen Erfolg der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Brandenburg.
Auch Hans-Werner Lange, Präsident des DBSV, begrüßt die Entwicklung: "Ich danke allen, die sich für die Verbesserungen engagiert haben. Hier wird deutlich, dass sich die starke und hartnäckige Interessenvertretung der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe auszahlt!" Er fordert zudem dazu auf, sich ein Beispiel an Brandenburg zu nehmen: "Von der hier gelungenen und Mut machenden Entscheidung des Gesetzgebers für echte Verbesserungen der Teilhabemöglichkeiten muss ein Signal ausgehen, denn auch in anderen Bundesländern ist eine Erhöhung des Blindengeldes längst überfällig."
Auf der Website der "Woche des Sehens" steht ab sofort ein Aktionsleitfaden zum Download zur Verfügung. Er liefert allen, die sich mit eigenen Veranstaltungen an der Aktionswoche vom 8. bis 15. Oktober beteiligen möchten, praktische Tipps, Erfolgsbeispiele und kreative Ideen. Unter dem Motto "Klar sehen" werden in diesem Jahr die Themen Blindheit, Sehbehinderung und Augengesundheit beleuchtet.
Neben dem Grußwort von Schirmherrin Gundula Gause, liefert der Aktionsleitfaden Anregungen, wie teilnehmende Organisationen, Verbände, Praxen und Kliniken öffentlichkeitswirksam auf sich aufmerksam machen können.
Außerdem gibt es darin Informationen zu kostenlosem Aktionsmaterial, Tipps, um die eigene Aktion über die Presse bekannt zu machen und Möglichkeiten für eine finanzielle Förderung. Wer eine Veranstaltung besuchen möchte, findet einen Überblick im Veranstaltungskalender der Website.
Der Aktionsleitfaden ist abrufbar unter: www.woche-des-sehens.de/veranstaltungen/aktionsleitfaden
Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin findet am Samstag, 12. Oktober, ein Inklusionslauf statt. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr und soll Menschen mit und ohne Behinderung Spaß am Laufen und neue Kontakte vermitteln.
In verschiedenen Kategorien können Teilnehmende auf dem ehemaligen Flugfeld an den Start gehen: Es gibt Läufe über zehn, fünf, zweieinhalb und einen Kilometer, einen Bambinilauf über 300 Meter sowie eine Staffel über vier Mal 400 Meter. Weniger steht Konkurrenzkampf als Freude am Ausprobieren im Vordergrund. Darum können alle im eigenen Tempo mitmachen. Die Ergebnisse der Zeitmessung sind nach der Veranstaltung abrufbar.
Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es verschiedene Angebote, die die Teilnahme am Lauf erleichtern. Für alle Personen mit Sehrest ist die Strecke deutlich optisch markiert. Über das Guidenetzwerk Deutschland können Laufguides gefunden werden, die als Begleitläufer dabei sind. Helferinnen und Helfer auf dem Gelände unterstützen außerdem.
Veranstalter sind neben dem DBSV der Sozialverband Deutschland, der Berliner Leichtathletikverband und die Lebenshilfe Berlin.
Alle Informationen zum Inklusionslauf gibt es unter: www.inklusionslauf.de
Die Verleihung des "Hörspielpreises der Kriegsblinden – Preis für Radiokunst" wird in diesem Jahr ausgesetzt und findet erst wieder 2025 statt. Dies haben die beiden Träger der renommierten Auszeichnung, die Film- und Medienstiftung NRW (FMS) und der DBSV, beschlossen. Mit dem Hörspielpreis wird jedes Jahr ein Original-Hörspiel ausgezeichnet, das in herausragender Weise die Möglichkeit der Kunstform realisiert und erweitert. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 5000 Euro dotiert. Bis zur Verleihung 2025 wird der Preis mit einer breiteren Ausrichtung im Audiobereich weiterentwickelt.
"Wir wollen das erste Jahr meiner Amtszeit dafür nutzen, diesen wichtigen Preis neu aufzusetzen und größer zu machen", sagt Walid Nakschbandi, Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW. "Der Bereich Audio hat eine enorme gesellschaftliche Relevanz und ist nicht mehr nur auf das klassische Hörspiel beschränkt. Der "Hörspielpreis der Kriegsblinden – Preis für Radiokunst' muss und wird mit der Zeit gehen, und so ist eine Neugestaltung unabdingbar."
Der DBSV-Beauftragte für den Hörspielpreis, Klaus Hahn, erklärt: "Der DBSV hat 2020 die Mitträgerschaft vom Bund der Kriegsblinden übernommen und seitdem mit der FMS den Preis weiterentwickelt. Die nun anstehende Neuausrichtung ist die Fortsetzung dieses Prozesses. Das Genre Hörspiel wird seinen Platz in der Medienwelt der Zukunft haben."
Mit Blick auf die weiterhin gesicherte Erfüllung des Vereinszwecks und Abwendung drohender Zahlungsunfähigkeit hat sich der Blinden- und Sehbehinderten-Verein Mecklenburg-Vorpommern (BSVMV) entschieden, den Hotelbetrieb des "Seeschlösschens", einem von zwei Häusern des Aura-Hotels "Ostseeperle Boltenhagen", zum 31. Dezember einzustellen und den Verkauf der Immobilie anzustreben.
Ziel ist es, aus dem Verkaufserlös die finanzielle Stützung des Vereins und notwendige Instandsetzungen und Umbauten realisieren zu können, um das verbleibende Haus "Waldfrieden" als modernes und barrierefreies Urlaubs-, Begegnungs- und Schulungszentrum umgestalten zu können.
Im Vorfeld dieser Entscheidung hat ein Brandbrief des "Fördervereins für die Ostseeperlen e.V." für Aufsehen gesorgt. Er hat sein Unverständnis über die beabsichtigte Schließung zum Ausdruck gebracht.
Das Präsidium des DBSV nimmt die Situation sehr ernst. Nach einer Beurteilung der Lage vor Ort durch Vizepräsident Dr. Thomas Krämer, kann das Präsidium den Konflikt nachvollziehen:
Der Förderverein kämpft für den Erhalt eines Hotels, das über Mecklenburg-Vorpommern hinaus eine wichtige Anlaufstelle für blinde und sehbehinderte Menschen ist. Der BSVMV befindet sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation auf der Suche nach einer Lösung, die den Verein finanziell stabilisiert und damit den Fortbestand der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Mecklenburg-Vorpommern und ihrer Basisangebote für die Zukunft absichert. Das DBSV-Präsidium versteht, dass dieses Ziel für den BSVMV Priorität hat.
Der AfD-Spitzenkandidat zur Europawahl, Maximilian Krah, hat im Juli in einem Video auf der Social-Media-Plattform TikTok das Angebot der ARD-Tagesschau in Einfacher Sprache als "Nachrichten für Idioten" bezeichnet. Das löste bei Menschenrechts- und Selbsthilfe-Organisationen Kritik aus. Rund 30 Organisationen, darunter der DBSV, verfassten und unterzeichneten daraufhin die Erklärung "Zusammenstehen für Menschlichkeit und Vielfalt".
Die Erklärung ist online zu finden mit den Suchbegriffen "DBSV", "Erklärung" und "Menschlichkeit und Vielfalt".
Der DBSV-Jugendclub fordert blinde und sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer der Navigationsapp Komoot auf, dem Anbieter bestehende Barrieren zu melden. Betroffene sollen per E-Mail und in den sozialen Medien verstärkt auf Schwierigkeiten bei der Bedienung aufmerksam machen.
Noch vor vier Jahren wurde im offSight-Forum und in Seminaren des Jugendclubs zu digitaler Navigation Komoot als nicht ganz barrierefreie, aber doch sehr nützliche App für blinde und sehbehinderte Menschen empfohlen, die unabhängig die Natur erkunden wollen. Einige Updates später treten jedoch massive Barrieren bei der Bedienung auf. Standards der Barrierefreiheit wurden bei der Weiterentwicklung ignoriert, textbasierte Elemente wurden durch rein visuelle ersetzt.
Nach mehreren erfolglosen Kontaktversuchen ruft der DBSV-Jugendclub nun dazu auf, die Komoot GmbH durch E-Mails und Social-Media-Posts auf die Wichtigkeit der App für den Personenkreis seheingeschränkter Menschen aufmerksam zu machen.
Wer sich an dem Aufruf beteiligen möchte, kann sich an der Liste der fünf größten Barrieren orientieren, die im offSight-Forum und auf Sichtweisen-online zu finden ist. Ebenso können eigene Erfahrungen geschildert werden.
Barrieren können direkt an Komoot über die E-Mail-Adresse feedback@komoot.de gemeldet werden.
Als Inhaber der DBSV-Karte unterstützen Sie die Arbeit Ihres Landesvereins und des DBSV und erhalten darüber hinaus attraktive Vergünstigungen, zum Beispiel:
Viele Landesvereine haben zusätzliche Rabattaktionen mit Partnern vor Ort.
Die Liste aller Partnerfirmen und weitere Informationen finden Sie auf www.dbsv.org/dbsv-karte.html und unter unserer Service-Telefonnummer 030 / 255 58 08 08.
Ohne die Unterstützung vieler Mitglieder, Spender und Förderer könnte sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband nicht dafür einsetzen, dass Augenpatienten, sehbehinderte und blinde Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Der DBSV dankt an dieser Stelle insbesondere den folgenden langjährigen Unterstützern:
Viele Herausforderungen, um ältere Menschen mit Sehproblemen besser zu versorgen, sind geblieben seit der ersten Fachtagung "Sehen im Alter" 2014. Zur vierten Fachtagung versammelten sich im Juni in Bonn wieder viele Fachleute. Sie diskutierten über Lösungsansätze, zu denen zum Beispiel telemedizinische Untersuchungen, mobile Beratung und Prävention gehören. Als thematischer Dauerbrenner erwies sich erneut Reha nach Sehverlust.
Dazu ein Bild: Eine ältere Frau bei einem Sehtest. Sie hält ein Blatt mit einem Text in unterschiedlich großer Schrift vor sich. Eine andere Frau, vermutlich eine Fachkraft, korrigiert die Einstellungen der Untersuchungsbrille.
Die Vielfalt der Themen bei der vierten Fachtagung "Sehen im Alter" war groß. Fachleute aus der Augenmedizin und verschiedener Organisationen hatten sich im Juni dazu in Bonn getroffen. Neue Forschungsergebnisse wurden vorgestellt und Probleme in der Versorgung älterer seheingeschränkter Menschen erörtert. Lösungen wird man nur gemeinsam erreichen, wurde festgestellt, und auch die Politik und die Kostenträger seien dafür verantwortlich.
Von Ute Stephanie Mansion
Am Anfang stand ein Blick zurück: Tagungspräsident Prof. Dr. Focke Ziemssen, Direktor der Uni-Augenklinik Leipzig, erinnerte an die erste Fachtagung "Sehen im Alter" 2014 und räumte ein, dass es noch viele Baustellen gebe, die nicht abgearbeitet seien. Sie zu bewältigen sei kein Sprint, sondern ein Marathon.
DBSV-Präsident Hans-Werner Lange hob hervor, wie wichtig es sei, Wissen zu verknüpfen, zum Beispiel auf der Fachtagung, um ein gesamtheitliches Bild in die Politik zu tragen. "Im Gesundheitsbereich kommen wir nur weiter, wenn wir uns eng vernetzen", sagte Lange.
In Vorträgen und Diskussionen wurden Herausforderungen und Lösungsansätze thematisiert.
Prof. Dr. phil. Christine Holmberg von der Medizinischen Hochschule Brandenburg betonte, dass es Aufgabe der Gesundheitsversorger sei, Informationen zur Low-Vision-Versorgung (Versorgung bei geringem Sehvermögen) umfassend und verständlich zur Verfügung zu stellen. Gesundheitsversorger seien alle, die mit Patienten arbeiten, und das Gesundheitssystem selbst. Informationen müssten öfter und auf unterschiedliche Art und Weise dargestellt werden.
Holmbergs Team empfiehlt die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Low-Vision-Versorgung, Fortbildungen für in der Versorgung Tätige und regionale Netzwerke. Beim Thema "Reha nach Sehverlust" sieht sie die Augenärzteschaft in der Verantwortung, diese Form der Reha auf den Weg zu bringen.
Großes Interesse bei den Tagungsteilnehmern fand der Vortrag von Dr. Leon von der Emde von der Uni-Augenklinik Bonn: Er stellte ein Modellprojekt zur teleophthalmologischen Versorgung in Seniorenheimen vor. Wie schon Studien zuvor gezeigt hatten, sind Bewohner von Pflegeeinrichtungen augenmedizinisch unterversorgt. Das wurde durch das Modellprojekt bestätigt: 109 Bewohnerinnen und Bewohner von drei Einrichtungen in Bonn waren durch Optometristen untersucht worden, die verschiedene bildgebende Verfahren anwendeten. Die Bilder sichteten Ärzte der Uni-Augenklinik Bonn. Sie bewerteten die Bildqualität als durchschnittlich sehr gut – Diagnosen sind also auf diesem Weg möglich. Bei der Untersuchung traten viele Augenkrankheiten zutage, über deren Existenz nur etwa ein Drittel der Betroffenen bereits vorher informiert war. Fehlende Mobilität und fehlende Begleitung sind die Hauptgründe, warum Heimbewohner keinen Augenarzt aufsuchen.
Das Modell wurde von den Zuhörerinnen und Zuhörern gelobt, die jedoch auch wirtschaftliche Bedenken äußerten. Einig war man sich, dass der Ansatz weiterverfolgt werden müsse. Von der Emde erklärte, dass dazu ein Innovationsantrag gestellt wurde.
Auf die Unterversorgung im ländlichen Raum wies Dr. Christian Wolfram vom Universitätsklinikum Hamburg hin. Er legte dazu Zahlen vor und betonte: "Ohne Zahlen bekommen wir keine Aufmerksamkeit." Es müsste mehr Lobbyarbeit und mehr Pilotprojekte wie das zu telemedizinischen Untersuchungen in Pflegeheimen geben. Die Augenheilkunde müsse mobiler werden, doch ohne eine vernünftige Honorierung würde die Entwicklung stocken.
Zum Thema Untersuchungen durch andere Berufsgruppen meinte Wolfram, es sei wichtig, Brücken zu bauen, aber ganz aus der Hand geben dürften Augenärzte und -ärztinnen die Versorgung nicht.
Wie mobile Reha im geriatrischen Bereich am Klinikum Coburg bereits funktioniert, zeigte Prof. Dr. Johannes W. Kraft, Chefarzt an diesem Klinikum, auf. Seit Jahren würden Teams verschiedener Berufsgruppen zu den Patientinnen und Patienten fahren und sie dort im Sinne von Rehabilitation mit Physio-, Ergo- und Logotherapie behandeln. Auch pflegerisch, psychologisch und medizinisch würden sie betreut: acht Wochen lang dreimal wöchentlich, davon einmal gegebenenfalls in der Klinik, wo es auch Gruppenangebote gebe. Die mobile Reha findet zu Hause oder in der Kurzzeitpflege statt.
Kraft betrachtet die geriatrische mobile Reha als Plattform, bei der andere Elemente, etwa für das Sehen, hinzukommen könnten. Er erklärte, dass das Gesetz die Möglichkeit vorsieht, mobile Reha anzubieten.
Dr. Sabine Lauber-Pohle, Erziehungswissenschaftlerin an der Philipps-Universität Marburg, erklärte, dass es für Menschen, die in einem höheren Lebensalter Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) erlernten, andere Unterrichtskonzepte brauche, da die Lernenden sehende Vorerfahrung hätten, sich mit Haushaltsverrichtungen auskennen würden und oft mehr Einschränkungen als eine Sehbehinderung hätten.
Psychosoziale Beratung und Begleitung komme bisher nicht in den Schulungskonzepten vor, habe aber essenzielle Bedeutung, ebenso gehörten Kognitionstraining und Sturzprophylaxe aus ihrer Sicht dazu.
"Wir müssen das Thema Reha noch einmal angehen", lautete ihr Fazit. Spezielle Rehalehrkräfte für ältere Menschen seien nicht nötig, aber in Fortbildungen müssten die Besonderheiten des Unterrichtens dieser Personen vorkommen.
Das Thema Rehabilitation nach Sehverlust griff auch Prof. Dr. Dr. Norbert Schrage von der Augenklinik Köln-Merheim auf. Er wies darauf hin, dass es nach wie vor standardmäßig keine Rehabilitationsmaßnahmen nach Sehverlust gibt. "Es muss jedoch eine Standard-Reha geben", betonte er und gab damit die Meinung der meisten Anwesenden wieder. Um eine Reha nach Sehverlust durchzusetzen, müsse deren Nutzen belegt werden. Auch ambulante Reha-Konzepte müssten entwickelt werden, in die Augenärzte, Fachkräfte und die Selbsthilfe eingebunden würden. Augenpatientinnen und -patienten sollten einen Antrag auf Teilhabe stellen, um Druck auf das System auszuüben.
In einer Diskussionsrunde wurde deutlich, dass es bei einer Reha nach Sehverlust nicht nur um Training in Orientierung und Mobilität sowie Lebenspraktischen Fähigkeiten geht. Eine Reha müsse individuell geplant werden, da Sehbehinderungen sehr unterschiedlich seien.
Prof. Dr. Kathleen Kunert, Chefärztin in der Rehaklinik Masserberg – der einzigen in Deutschland für stationäre ophthalmologische Reha – meinte, es sei ein falsches Verständnis von Kostenträgern und mancher Patienten, dass sich durch eine ophthalmologische Reha das Sehen verbessere. Vielmehr erlernten die Rehabilitanden in Masserberg Kompensationsstrategien, um im Alltag mit ihrer Seheinschränkung klarzukommen.
Als die Idee eines Fachausschusses ins Spiel kam, sagte die Justiziarin des DBSV, Christiane Möller: "Wir müssen praktisch starten." Ausschüsse seien begleitend wichtig, doch wenn Angebote geschaffen würden, spreche sich das herum und etabliere sich.
Die Vernetzung aller Akteure betrachteten alle Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer als sinnvoll, um das Thema "Reha nach Sehverlust" voranzubringen.
Mehr Informationen zur Fachtagung, zum Aktionsbündnis "Sehen im Alter" und Links zu den Livestreams der Tagung auf: www.sehenimalter.org
Dazu ein Bild: Podiumsdiskussion auf einer Bühne. In dunklen Sesseln sitzen von links nach rechts: Prof. Dr. Dr. Norbert Schrage, Christiane Möller, Prof. Dr. Kathleen Kunert, Andreas Bethke und Dr. Sabine Lauber-Pohle.
Die vierte Fachtagung "Sehen im Alter" wurde durch die Aktion Mensch gefördert und zudem unterstützt durch die Novartis Pharma GmbH und die Roche Pharma AG.
Früherkennung und Prävention für Augenerkrankungen wie Glaukom, Altersabhängige Makuladegeneration und diabetische Augenkrankheiten zu etablieren, um sie zu verhindern oder hinauszuzögern: Das wäre sinnvoll, meint Prof. Dr. Dr. Robert Finger, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Mannheim. Doch warum ist es in Deutschland schlecht bestellt um vorsorgliche Untersuchungen? Im Interview nennt der Mediziner mehrere Gründe.
Interview: Ute Stephanie Mansion
Herr Prof. Dr. Dr. Finger, bei der Fachtagung "Sehen im Alter" haben Sie die drei Augenkrankheiten Glaukom, Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) und diabetische Augenerkrankungen als die drei Volksaugenkrankheiten bezeichnet. Eine Studie hat gezeigt, dass jedoch das Allgemeinwissen darüber recht gering ist. Warum müsste sich das ändern?
Wir haben etwas über tausend Deutsche, älter als 40, repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung zu den Erkrankungen befragt, und da hat sich gezeigt: Relativ wenige konnten Wissensfragen dazu beantworten. Etwa die Hälfte konnte einen Teil der Fragen beantworten, aber sehr viel weniger konnten den Großteil der Fragen beantworten. Wenn wir jetzt darüber nachdenken, die Bereiche Früherkennung und Prävention zu stärken, bringt uns das nur etwas, wenn die Bevölkerung die Erkrankungen kennt und weiß, dass es sinnvoll ist, Früherkennungs- oder Präventionsmaßnahmen wahrzunehmen.
Warum ist das sinnvoll?
Alle Volksaugenerkrankungen sind altersabhängig, das heißt, je älter man wird, desto höher ist das persönliche Risiko, daran zu erkranken. Da wir alle älter werden, kommen diese Erkrankungen immer öfter vor. Und da wir länger leben, hat jede Erkrankung ein höheres Lebenszeitrisiko. Das bedeutet: Wir haben länger den Grünen Star, länger die Altersabhängige Makuladegeneration oder länger die diabetischen Augenerkrankungen. Wenn diese Erkrankungen Probleme machen und behandelt werden müssen, dauert es auch meistens länger. Das ist teurer, als wenn ich durch Früherkennung oder Prävention die Erkrankungen verhindere oder hinauszögere.
Die Früherkennung führt natürlich nicht immer dazu, dass ich die Erkrankung nicht bekomme. Aber oft lässt sie sich hinauszögern oder der Verlauf verlangsamen, weil ich früher mit einer Behandlung oder einer Risikoreduktion beginne. Ein gutes Beispiel ist der Grüne Star, also das Glaukom. Fast die Hälfte der Betroffenen weiß nichts von ihrer Erkrankung, weil sie lange asymptomatisch verläuft und man sie dem Auge nicht ansieht.
Aktuell verpassen wir viele Chancen, früh einzusteigen mit der effektiven Behandlung durch Augentropfen oder Operationen, um zu verhindern, dass jemand später im Leben einen Sehverlust erleidet. Also wäre es sinnvoll, wenn wir früh einsteigen würden. Das gilt natürlich auch in anderen Fachbereichen, nicht nur in der Augenheilkunde.
Und warum gibt es nicht mehr Prävention und Früherkennung? Wer oder was steht einer Umsetzung im Weg?
Wir haben in den letzten Jahrzehnten ein Gesundheitssystem in Deutschland aufgebaut, das kurativ unterwegs ist: Es steigt erst dann ein, wenn jemand eine Erkrankung hat. Da gibt es gut geregelte Abläufe, Kostenträger und so weiter. Es ist jedoch nicht im gleichen Umfang geregelt, wenn jemand ohne Diagnose eine Früherkennung machen lassen möchte. Für einige Bereiche gibt es das, zum Beispiel bei der Darmkrebs-, der Prostatakrebs- oder der Brustkrebsvorsorge. Im Bereich der Augenerkrankungen gibt es bislang keine großangelegte Früherkennung. Man braucht auch nicht für jede Augenerkrankung eine unterschiedliche Früherkennung, sondern kann eine für alle machen. Aber Früherkennung ist in Deutschland bislang noch nicht so etabliert im Gesundheitssystem wie in anderen Ländern. Da stellen zum Beispiel Optometristen Brillenrezepte aus und können bei dieser Gelegenheit auch eine Früherkennung durchführen.
Eine Ausnahme sind die diabetischen Augenerkrankungen. Für sie wird regelmäßig Screening im Rahmen der Diabetes-Versorgung angeboten. Menschen mit Diabetes sollten mindestens alle zwei Jahre zum Augenarzt gehen, um sich untersuchen zu lassen.
In der Augenheilkunde haben wir in Deutschland leider keine gute Datengrundlage, was die Effektivität der Früherkennung angeht. Es gibt jedoch Studien aus anderen Ländern, die zeigen, dass das für diese Erkrankungen sinnvoll ist.
Was wird die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), die Sie ja auch vertreten, tun, um mehr Früherkennung zu etablieren?
Das Wichtigste sind politische Hebel, die man umlegen sollte. Daran arbeitet natürlich auch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft – es gibt zum Beispiel einen politischen Referenten der DOG, der sich darum kümmert. Wir stellen auch Daten zusammen, zuletzt in unserem Weißbuch, das vergangenes Jahr neu aufgelegt wurde. Darin wird betont, wie wichtig es in Anbetracht unserer alternden Bevölkerung und der immer weniger werdenden Fachkräfte ist, dass man bestimmte Augenerkrankungen vermeidet oder hinauszögert. Aber auch viele andere Akteure sind gefragt: weitere berufsständische Organisationen sowie Patientenorganisationen oder der DBSV zum Beispiel.
Auf der Fachtagung wurde erneut deutlich gemacht, dass Menschen in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen meistens fachärztlich unterversorgt sind. Augenkrankheiten werden oft nicht entdeckt oder etwa mit Demenz verwechselt. Ist es nicht ein Skandal, dass das in Deutschland möglich ist? Was kann getan werden, um die Situation endlich zu verbessern?
Sie haben recht: Es ist erschreckend, wie schlecht die Versorgung ist. Sobald jemand in eine stationäre Pflegeeinrichtung für ältere Menschen umzieht, wird die gesamte ärztliche Versorgung erheblich schwieriger, und die fachärztliche Versorgung ist oft sehr schlecht.
Der Hauptaspekt ist die Mobilität: Wie kommen Patienten aus diesen Einrichtungen zum Arzt und zurück? Auch die Mobilität der Ärzte ist nicht gut. Es gibt wenige gute Versorgungslösungen, wie man die beiden Gruppen zusammenbringt. Das ist auch schwierig, weil dieser Bereich über die kassenärztliche Versorgung im ambulanten Bereich abgedeckt werden muss; es ist in der Regel nicht möglich, dass Kliniken sich daran beteiligen.
Oft geht es nicht nur um den Transport zur Praxis, sondern auch um die Begleitung. Ein Konzept ist, dass man Mitarbeiter, die keine Ärzte, aber geschult sind, in Seniorenheime schickt. Das können Orthoptistinnen, Optometristen, Optiker oder Arzthelferinnen aus einer Augenarztpraxis sein. Sie würden feststellen, welche Bewohner zum Augenarzt gebracht werden müssten. Aber auch das ist keine optimale Lösung.
Eine Alternative wäre, dass man es telemedizinisch versucht und Bilddaten sammelt: Man fotografiert die Netzhaut und den Sehnerv, macht einen Sehtest, misst den Augeninnendruck, und ein Augenarzt, eine Augenärztin prüft die Bilder. Dieses Versorgungsmodell ist aber bislang noch nicht etabliert. Meistens wird es in Studien oder Projekten erprobt. Soweit ich es beurteilen kann, funktioniert das technisch gut. Die Frage ist: Findet im Anschluss an das Screening tatsächlich eine Versorgung statt? Dazu haben wir bislang relativ wenige Daten.
Wieviel Hoffnung darf die mittlere Generation haben, dass sich telemedizinische Methoden in absehbarer Zeit etabliert haben werden und nicht mehr befürchtet werden muss, in einem Pflegeheim unterversorgt zu sein?
Ich glaube, wir können optimistisch sein, dass sich das Ganze auch durch technischen Fortschritt verbessert. Vieles ist ja technisch schon möglich – wo es hapert, ist die Integration in bestehende Abläufe. Nicht nur, was den Ablauf vor Ort angeht, sondern auch, was die Abrechnung betrifft. Die Dinge werden aus unterschiedlichen Töpfen finanziert, und es gibt großen Bedarf, das abzustimmen. Das ist eine politische Aufgabe, die gelöst werden muss. Ich bin jedoch hoffnungsvoll, dass sich da etwas tut, denn es sind nicht nur die Augenärztinnen und Augenärzte, die darauf hinweisen, dass es nicht gut funktioniert, sondern auch alle anderen Fachbereiche.
Dazu ein Bild: Professor Robert Finger spricht in ein Mikro, das er in der Hand hält. Er hat kurzes Haar, trägt eine große Brille mit dunklem Rahmen, ein dunkles Sakko und ein weißes Hemd.
Viele Veranstaltungen, Angebote und Ideen, um die Probleme älterer Menschen mit Sehbehinderungen bekannt zu machen und anzugehen, gibt es bereits: Das zeigte die Vielfalt der Impulsvorträge und Diskussionsbeiträge in den fünf Workshops der Fachtagung "Sehen im Alter". Die Workshop-Gäste tauschten Anregungen zu digitaler und analoger Barrierefreiheit, Beratung und Vernetzung aus.
Von Sabine Backmund, Leonie Koll, Ute Stephanie Mansion
Workshop 1: Hürden der Teilhabe älterer Menschen mit Behinderung, Moderation: Markus Georg, DBSV, Koordinator Aktionsbündnis "Sehen im Alter"
Ältere Menschen engagieren sich häufig ehrenamtlich, ältere Menschen mit Behinderung jedoch deutlich weniger. Das hat der dritte Teilhabebericht der Bundesregierung ans Licht gebracht. Warum ist das so, und wie kann man es ändern? Mit dieser Frage beschäftigt sich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) eine Fachkommission, deren Arbeit die stellvertretende Geschäftsführerin der BAGSO, Silke Leicht, im ersten Impulsvortrag des Workshops vorstellte. Die Fachkommission meint, Assistenzleistungen, wie es sie für Berufstätige gibt, seien auch für Ehrenamtliche wichtig. Sie überlegt nun, ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen aufzusetzen.
Als zweiten Impuls berichtete Klara Wolf vom Blindeninstitut Regensburg, wie Teilhabemöglichkeiten in Senioreneinrichtungen auch für Menschen mit Sehbehinderungen verbessert werden können. Sie zeigte auf, wie zum Beispiel Sehbehindertenbeauftragte etabliert werden können.
Den dritten Impuls lieferte Thomas Golka, Mitglied einer Fokusgruppe des Aktionsbündnisses "Sehen im Alter". Digitalisierung wird von der Fokusgruppe als Chance, aber auch als Hürde wahrgenommen. Eine Umfrage zu Hürden der Teilhabe älterer Menschen mit Behinderung (mehr dazu ab S.34) hatte bestätigt, dass Barrierefreiheit, auch im digitalen Bereich, als der Schlüssel zur Teilhabe betrachtet wird, oder, wie Golka es sagte: "Inklusion ist das Brot, das wir zum Leben brauchen." Barrieren abzubauen sei deshalb eine essenzielle Aufgabe, um auch Menschen mit Sehbehinderungen Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.
Workshop 2: Bauliche Barrierefreiheit, Moderation: Dr. Ursula Hahn, OcuNet
Barrierefreiheit in Arztpraxen wird zurzeit nur freiwillig umgesetzt. Das erklärte in ihrem Impulsvortrag Dr. Ursula Hahn, Geschäftsführerin von OcuNet, einem Zusammenschluss großer augenheilkundlicher Zentren. "Wenn die Entscheidung zwischen schick oder barrierefrei für sehbehinderte Menschen fallen müsste, fällt sie für schick", sagte sie. Es fehle den Praxen auch an Kriterien für Barrierefreiheit. Sie wolle das Thema noch einmal auf die Agenda setzen.
"Selbstständig und sicher wohnen" lautete der Impulsvortrag von Hanja Laumann von der Agentur Barrierefrei NRW, angesiedelt beim Kompetenzzentrum Volmarstein. Sie verdeutlichte die Gefahr von Stürzen und dem Verlust der räumlichen Orientierung im Alter. Um Gefahren vorzubeugen, haben die Beraterinnen und Berater der Agentur viele Tipps auf Lager: das Zwei-Sinne-, besser das Drei-Sinne-Prinzip anwenden, im Alltag mit Kontrasten arbeiten, den Beleuchtungsbedarf individuell anpassen und vieles mehr. Die Agentur Barrierefrei ist ein öffentlich gefördertes Projekt, das zu Barrierefreiheit bei Gebäuden, in der IT, bei Mobilität und Verkehr, zu technischen Hilfsmitteln und Leichter Sprache berät.
Der dritte Impuls kam von Christoph Neumann von der Stiftung Saarbrücker Altenwohnstift. Er stellte die mit dem GERAS-Preis 2023 ausgezeichnete Einrichtung vor und berichtete, dass dort Standards zu Kontrasten, Orientierung und Bewusstseinsbildung umgesetzt werden. Es werde zum Beispiel mit indirekter Beleuchtung und blendfreier LED-Technik gearbeitet, Badezimmer seien kontrastreich gestaltet, und bei der Orientierung helfe ein Leit- und ein Farbsystem. Auch das Einbeziehen der Bewohner sei wichtig. Als Tipp gab er anderen mit: Verbündete suchen, zum Beispiel Verbände und Fachleute.
In der Diskussion wurde klar, dass die Vielfalt der Themen, die Alteneinrichtungen zu bewältigen hätten, sie oft daran hinderten, die Probleme seheingeschränkter Menschen anzugehen. Hinsichtlich Arztpraxen müsse die Zeit der Freiwilligkeit in puncto Barrierefreiheit vorbei sein.
Dazu ein Bild: Workshop in einem größeren Raum: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sitzen in einer Reihe; vorne befinden sich ein Mann und eine Frau, die jeweils ein Mikro in der Hand halten.
Workshop 3: Digitalisierung – Herausforderungen für ältere Menschen mit Sehbehinderung, Moderation: Katharina Braun, BAGSO
Chancen und Risiken der Digitalisierung waren ein Thema in Workshop 3. Eine Chance liegt nach Meinung der Teilnehmenden darin, dass vieles schneller, weil digital verfügbar ist, zum Beispiel Informationen für Patientinnen und Patienten oder Podcasts mit Tipps für ein selbstständiges Leben mit Sehbehinderung. Auch veränderbare Schriftgrößen und Kontraste ermöglichten mehr Teilhabe. Viele ältere Menschen schätzen es außerdem, über soziale Medien Kontakte zu halten.
Auch über Barrieren wurde gesprochen: Um Apps nutzen zu können, müsse man beispielsweise wissen, wie man ein Handy bedient, an ein digitales Angebot kommt oder eine App installiert. Als Barriere benannt wurde auch fehlende Standardisierung.
Eine Lösung bietet der "Digitalkompass" der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Katharina Braun von der BAGSO stellte dieses Angebot niedrigschwelliger Schulungen vor.
Angelika Ostrowski, DBSV, sprach über das Beratungsangebot "Blickpunkt Auge" des DBSV – auch dort äußern die Ratsuchenden den Wunsch nach Beratung im Hinblick auf digitale Anwendungen.
Rose Jokic vom DBSV präsentierte das DBSV-Projekt "Digitale Barrieren melden", in dem Menschen darin geschult werden, Barrieren auf Webseiten und in Apps zu identifizieren und die Anbieter darauf hinzuweisen.
Schlussfolgerungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Analoge Angebote sollten nicht ohne Alternativen durch digitale ersetzt werden. Auch Printprodukte funktionierten weiterhin gut, nicht nur für ältere Menschen.
Der Wunsch aus diesem Workshop: Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken. Denn es sei leichter, neues Gutes zu schaffen, als Schlechtes besser zu machen.
Workshop 4: Aufsuchende Beratung und Versorgung, Moderation: Sandra Schippenbeil, DBSV
Im Workshop zu aufsuchender und mobiler Beratung lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei unterschiedliche Angebote zu Rat und Hilfe bei Sehverlust kennen.
Der Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbands Niedersachsen, Gerd Schwesig, informierte in seinem Impulsvortrag über die mobile Beratung mit dem Beratungsmobil "Blickpunkt Auge", einem Kleinbus, in seinem Bundesland. Das Beratungsmobil bietet Beratungen an wechselnden Orten wie Einkaufszentren oder auf Marktplätzen an. Die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater führten im letzten Jahr rund 700 Gespräche an 87 Orten.
Auch die Seniorenberatung der blista in Marburg wurde vorgestellt: Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie Rehabilitationsfachkräfte besuchen Menschen bei Beratungsbedarf zu Hause oder in Pflegeheimen. Pro Jahr haben sie rund 200 Termine.
Entsprechend der Gegebenheiten in den Bundesländern können die Organisationen auf den Bedarf der Menschen eingehen, wurde berichtet. Nähe und Distanz zu balancieren, stelle eine Herausforderung in beiden Modellen dar.
Deutlich wurde in der Diskussion, dass die Beraterinnen und Berater bei mobilen Angeboten gut qualifiziert und vernetzt sein müssen. Zudem müssten die Angebote vorher öffentlich bekanntgemacht werden. Wichtig für den Fortbestand der Angebote seien langfristige Finanzierungsmodelle, schlossen die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer.
Workshop 5: Regionale Bündnisse Sehen im Alter, Moderation: Sabine Backmund, Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg
Drei Impulsvorträge führten in das Thema des Workshops ein. Sabine Backmund stellte in ihrem Vortrag das auf fünf Jahre angelegte Projekt "Initiative SiA" des Blinden- und Sehbehindertenverbands Württemberg vor. Die Abkürzung SiA steht hier für "Selbstständig im Alltag". Das Projekt baut auf regionale Aktionsbündnisse mit den Kommunen auf. Für gemeinsame Aktivitäten stellen die Kommunen Räumlichkeiten und ihr Netzwerk zur Verfügung, das Fachwissen liefert der Verband. Durch die Reihe "Durchblick behalten im Alltag" sowie Schulungen, Vorträge und Veranstaltungen werden Vernetzungen mit Beratungsdiensten, kirchlichen Einrichtungen und Wohnberatungsstellen im Verbandsgebiet geknüpft.
Der Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH), Heiko Kunert, berichtete in seinem Impulsvortrag vom ersten Hamburger Fachtag "Sehen im Alter" im März 2024. Es wurden 16 neue Bündnispartner gewonnen, die interdisziplinär das Thema Sehbeeinträchtigung in der Region bewegen möchten. Weitere Aktivitäten sind geplant.
Sabine Kampmann sprach über ihre Arbeit bei der Blindeninstitutsstiftung Würzburg, wo sie für die kommunale Prävention zuständig ist, besonders für Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen. Verschiedene Partner sind eingebunden. Über die bayerische Staatsregierung können kommunale Netzwerke über das bundesweit geltende Präventionsgesetz Zuschüsse von Pflegekassen in Anspruch nehmen.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich: Bedarf an Veranstaltungen, die das Verständnis und die Versorgung bei Sehverlust verbessern, gibt es in allen Regionen. Bei der Umsetzung ergeben sich in allen Bundesländern Hürden, etwa bei der Finanzierung von Projekten. Abschließend stellte sich die Frage: Wie kann politische Unterstützung länderübergreifend eingefordert werden? Auch Lobbyarbeit auf Bundesebene wird gewünscht.
Wie kann die Teilhabe älterer Menschen mit Behinderung, speziell mit Seheinschränkung, gestärkt werden? Um diese Frage ging es bei einer Umfrage, deren Ergebnisse nun vorliegen. Gefragt wurde, was Menschen mit Sehbehinderung daran hindert, im vollen Umfang am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen und digitale Angebote zu nutzen.
Die Umfrage "Hürden der Teilhabe: Erkennen, was ältere Menschen mit Behinderung an der Partizipation hindert" hat die gesellschaftliche Teilhabe ( Partizipation) von älteren Menschen mit Sehbehinderungen untersucht. Ziel war es, die bestehenden Möglichkeiten und Hindernisse der politischen, digitalen und sozialen Partizipation zu identifizieren. Die Umfrage war Teil des Projekts "Partizipation älterer Menschen mit Behinderungen stärken", initiiert vom Aktionsbündnis "Sehen im Alter".
Folgende wichtige Ergebnisse zeigt die Umfrage auf: Als eine der größten Hürden benennen 68,42 Prozent der Befragten die mangelnde Mobilität, insbesondere im ländlichen Raum und im öffentlichen Verkehr. Ein weiteres Hauptproblem ist Barrierefreiheit: 67,67 Prozent der Teilnehmer geben an, dass die digitale Barrierefreiheit verbessert werden müsse, um eine aktive Teilhabe zu ermöglichen. Bauliche Barrierefreiheit wie gut lesbare Infotafeln, bessere Beleuchtung und klar erkennbare Wege fordern 41,35 Prozent.
Fehlende Assistenz und Hilfsmittel beklagen 35,16 Prozent; 17,19 Prozent geben an, dass keine geeigneten Hilfsmittel vorhanden seien. Fast die Hälfte der Teilnehmer nennt den Mangel an Informationen und Schulungen zur Nutzung moderner Technik und Hilfsmitteln als Gründe für fehlende Teilhabe. Rund ein Drittel wünscht sich mehr Problembewusstsein und Interesse an Lösungen bei den Entscheidungsträgern. Verbesserungsvorschläge werden ebenfalls genannt:
Die Ergebnisse der Umfrage sind nicht repräsentativ. Sie stammen jedoch direkt von der Zielgruppe und spiegeln damit praktische Erfahrungen aus dem Alltag sehbehinderter älterer Menschen wider.
Die Ergebnisse und Verbesserungsvorschläge zeigen nach Ansicht der Projektverantwortlichen, dass umfassende Maßnahmen erforderlich sind, um die Teilhabe älterer Menschen mit Sehbehinderungen zu fördern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Eine stärkere Fokussierung auf Barrierefreiheit, Assistenz, Information und Mobilität könne entscheidend dazu beitragen, die Hürden der Teilhabe zu überwinden.
Ein besonders gravierender Mangel wird auch in der medizinischen Versorgung gesehen. Augenärzte böten nicht immer eine ausreichende Beratung zu möglichen Hilfsmitteln an, was dazu führen würde, dass Betroffene oft nicht die optimalen Unterstützungsmöglichkeiten kennen oder nutzen können.
Mehr Informationen zu den Umfrage-Ergebnissen und ihrer Bedeutung ab etwa Mitte September auf: www.sehenimalter.org/umfrageergebnisse-2024
Dazu ein Bild: Eine ältere Frau sitzt auf einem Stuhl direkt vor einem eingeschalteten Fernseher. In der Hand hält sie die Fernbedienung und beugt sich in Richtung des Bildschirms.
7.9.2024, Leipzig
Beim Tag der offenen Tür im Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, einer Hilfsmittelausstellung, Mitmach-Aktionen und Live-Musik.
Infos unter www.dzblesen.de/tagderoffenentuer
19.-22.9.2024, Hamburg
Für alle, die Lust haben, Dinge selbst zu erfinden und zu bauen, bietet der DBSV den offSight-Workshop "Technisches Basteln, Erfinden und Designen mit Arduino" an. Die Elektronikplattform Arduino ermöglicht auch Laien den Bau computergesteuerter Geräte für verschiedene Anwendungen. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich.
Infos und Anmeldung bis zum 2.9. bei Robbie Sandberg
E-Mail:
r.sandberg@dbsv.org
25.-28.9.2024, Düsseldorf
Die Rehacare International ist eine große Messe für Rehabilitation, Prävention und Pflege. 850 Aussteller aus 40 Ländern präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen. In Themenparks und Fachforen geht es um soziale und berufliche Rehabilitation sowie Hilfsmittel.
Mehr Informationen unter www.rehacare.de
13.-17.10.2024, Aura-Hotel Saulgrub
Zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst wird ein Erste-Hilfe-Kurs für blinde und sehbehinderte Menschen angeboten. Die Teilnehmenden erlernen die lebensrettenden Sofortmaßnahmen sowie allgemeine Erste-Hilfe-Techniken.
Infos und Buchung unter
Tel.: 0 88 45 / 99
– 0
E-Mail:
info@aura-hotel.de
18.-21.10.2024, Aura-Pension "Villa Rochsburg"
In diesem Seminar werden hilfreiche Apps für ein Android-Smartphone vorgestellt, die blinden und sehbehinderten Nutzerinnen und Nutzern einen barrierefreien Alltag ermöglichen.
Infos und Anmeldung unter
Tel.: 03 73 83 / 8 38 00
E-Mail:
villa@bsv-sachsen.de
26.10.2024, Dresden
Unter dem Motto "Augenmerk auf ... Prävention und Rehabilitation" veranstaltet der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen einen Gesundheitstag im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Es gibt Vorträge, Beratung und eine Hilfsmittelausstellung. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter
Tel.: 03 51 / 80 90 611
E-Mail:
veranstaltung@bsv-sachsen.de
27.10.-2.11.2024, Aura-Hotel Timmendorfer Strand
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen Körperübungen zur Entspannung und Kräftigung, verschiedene Atemübungen und einfache Meditationen kennen. Dieser Kurs kann von den Krankenkassen bezuschusst werden.
Infos und Anmeldung unter
Tel.: 0 45 03 / 60 02
– 0
E-Mail:
info@aura-timmendorf.de
7.-10.11.2024, Langenselbold
Der DBSV und der Deutsche Ju-Jutsu Verband laden blinde und sehbehinderte Frauen zum Selbstverteidigungsseminar ein. Im Kurs werden Selbstverteidigungsstrategien auf der Basis der Ju-Jutsu Kampfkunst vermittelt. Zum Einsatz kommen Selbstverteidigungstechniken mit und ohne Stock.
Fragen beantwortet Reiner Delgado unter
E-Mail:
r.delgado@dbsv.org
Im Rahmen des Punktum-Projekts bietet der DBSV einen Braille-Fernkurs für erblindete Erwachsene an, die keinen Kurs oder keine Lehrkraft in der Nähe haben. Die Teilnehmenden bekommen umfangreiches Kursmaterial per Post zugesandt, das sie im Selbststudium bearbeiten. In wöchentlichen Zoom-Meetings gibt es gemeinsame Übungen.
Der Fernkurs wird 12 bis 15 Unterrichtseinheiten umfassen. Die genauen Termine werden bei einem vorbereitenden Zoom-Treffen am 16. September um 17 Uhr gemeinsam festgelegt. Eine Teilnahme am Kurs ist auch ohne Teilnahme am Vortreffen möglich.
Infos und Anmeldung bei Pia Sonja Schmidt unter
E-Mail:
p.schmidt@dbsv.org
Der neue Podcast "Übers Ohr: Sehen im Alter – eine Inforeihe" des gleichnamigen Aktionsbündnisses erscheint einmal im Monat und bietet Einblicke in die politische und gesellschaftliche Arbeit für Menschen, die von Sehverlust im Alter bedroht oder betroffen sind.
Mehr Informationen sowie die neueste Podcast-Folge unter www.sehenimalter.org/aktuell/podcast
Schritt für Schritt auf neuen Wegen: Diese Erfahrung machte Jacqueline Eschmann, nachdem sie durch einen Verkehrsunfall erblindet war. Ängste und Zweifel kamen auf, doch die Studentin hielt an ihren Träumen und Zielen fest. Was die größte Hürde war, schildert sie im folgenden Beitrag. Er wird auch in "Weitersehen" zu lesen sein – der DBSV-Publikation, die im Oktober erscheint.
Von Jacqueline Eschmann
Langstock auf Kopfsteinpflaster – für mich eine herausfordernde und holprige Angelegenheit. Es besteht Stolpergefahr, ständig bleibe ich irgendwo hängen, und etwas nervenaufreibend ist es auch. Seit März 2022 geht es mir so mit einigen Dingen in meinem Leben.
Zuvor bin ich entspannt durch die Gassen aus Kopfsteinpflaster geradelt, bis mir diese Möglichkeit durch einen Verkehrsunfall genommen wurde. Von einem auf den anderen Moment wurde mir ein neues Leben und ein neuer Blick auf die Welt geschenkt, denn bei dem Unfall ging vor meinen Augen das Licht aus. Abrupt musste ich auf einen neuen Weg abbiegen und diesen erst einmal Schritt für Schritt erkunden, ohne zu sehen, wohin mich diese führten. Alles war mir fremd – vom Langstock über die Brailleschrift bis hin zu verschiedenen anderen Techniken.
Vor dem Unfall hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. In meinem Studium, einer neuen Stadt, Den Haag, einem anderen Land mit neuen Freundinnen und Freunden. Meine WG fühlte sich wie ein Zuhause an, die neu gefundenen Freundinnen und Freunde wurden langsam zu einer weiteren Familie, und mein Studium machte mir Spaß. Ich war einfach glücklich. Ich wusste, ich bin auf dem richtigen Weg. Deshalb konnte auch dieser einschneidende Unfall meine Gewissheit nicht infrage stellen. Eine Sache war aber von Anfang an klar: Mein Weg würde von jetzt an von ganz anderen Herausforderungen und Schwierigkeiten geprägt sein. Nichts davon war aber unmöglich zu lösen. Nun ist das rückblickend, nach inzwischen zwei Jahren und vielen Erfolgserlebnissen, leicht gesagt. Aber bis hierher musste ich mit einigen Ängsten und Zweifeln kämpfen. Träume ich vielleicht doch zu groß? Woher erhalte ich den Mut, mich meinen Ängsten zu stellen?
Zwei Jahre ist es her, dass mir ein neuer Lebensweg geschenkt wurde. Ein Leben, das nun andere Startbedingungen hatte als zuvor, aber im Kern war ich ja noch ich. Ich hatte immer noch meine Träume, Wünsche, Hoffnungen und im Grunde mich. Daran hatte sich nichts geändert. Weshalb sollte ich auf einmal alle meine Träume und Ziele loslassen aufgrund einer anderen körperlichen Startposition, die ich ohnehin nicht mehr verändern konnte? Mussten sich meine Träume meiner Situation anpassen oder vielleicht einfach nur der Weg, den ich gehe, um sie zu verwirklichen?
Ich habe mich entschieden, an meinen Zielen festzuhalten und mir dafür einen neuen Weg zu bauen, um sie zu erreichen. Das hat immensen Mut und Stärke gefordert und der Weg war holprig. Die größte Hürde, die ich zu bewältigen hatte, war es, wieder Vertrauen zu fassen – Vertrauen in mich und in die Menschen, die mir helfen sollten. Dies lief nicht immer reibungslos. Gerade mein Mobilitätstraining war mit Ängsten verbunden, und so hat es nach einem ersten gescheiterten Versuch eine Weile gebraucht, es noch einmal zu probieren. Der zweite Anlauf mit einer neuen Trainerin knapp ein Jahr später gab mir wieder den Glauben an mich zurück. Nicht nur dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, sich mit den richtigen Menschen in diesem Heilungs- und Lernprozess zu umgeben. Egal ob Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Mobilitätstrainerin oder Freundinnen, Freunde und Familie: Mein Umfeld hat mich mitgetragen und mich in meinem Entschluss, mir mein Leben zurückzuholen, gestärkt. Sie haben mich auf dieser emotionalen Achterbahnfahrt begleitet, mit all ihren Höhen und Tiefen. Eines Tages realisierte ich dann auch: So extrem meine persönliche emotionale Reise auch manchmal sein konnte, wir erleben das doch alle.
Angst, Glück, Optimismus, Trauer, Freude, Zweifel – schwingen wir nicht alle immer wieder zwischen all diesen Emotionen und vielen weiteren hin und her? Verbindet uns nicht alle das Auf und Ab, jeden Tag aufs Neue? Angepasst an das Auf und Ab meiner Gefühle, passe ich mein Tempo auf meinem Weg an. Ich habe mir anfangs so viele Gedanken darüber gemacht, wie ich auf andere wirke, wenn ich mit dem Langstock unterwegs bin, oder wie schnell ich die weiteren neuen Techniken erlerne. Wenn ich jetzt einmal eine kurze Pause einlegen muss, dann ist es okay. Aber auch, ein bisschen Tempo zuzulegen, wenn ich mich danach fühle.
Der Weg, den ich mir in den letzten zwei Jahren gebaut habe, führt mich nun auch wieder zurück nach Den Haag, auf das Kopfsteinpflaster und zu meinem Studium, auch wenn er ganz anders aussieht als beim ersten Mal. Stück für Stück geht es weiter, mit einigen Stolpersteinen hier und da. Aber ich freue mich darauf, da es mein Weg ist und es in meiner Hand liegt, wohin er mich führen soll. Also, das nächste Etappenziel: Den Haag im Herbst.
Jacqueline Eschmann studiert in Den Haag "International Relations and Organisations" (Internationale Beziehungen und Organisationen). Geboren und aufgewachsen ist sie in Stuttgart. Sie liebt es, neue Cafés zu erkunden, da die Kaffeekultur eine ihrer größten Leidenschaften ist. Außerdem verbringt sie ihre freie Zeit gern mit Musik, am liebsten Live-Musik, und ihren Hunden.
Dazu ein Bild: Jacqueline Eschmann steht an einer Hafenkante, dahinter befindet sich ein größeres Gewässer; im Hintergrund sind Schiffe und eine Brücke zu sehen. Sie hat langes dunkles Haar, trägt eine dunkle Hose, weiße Sneaker und hält ihren Langstock fest.
"Weitersehen" ist die jährliche Publikation des DBSV. Jede Ausgabe widmet sich einem Thema, das aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. In der aktuellen Ausgabe geht es um das Aufwachsen mit einer Sehbehinderung – von der Kindheit bis zur Eigenständigkeit.
Die Leserinnen und Leser erhalten einen Einblick in die Lebenswelt blinder und sehbehinderter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener. Was beschäftigt sie? Welche Unterstützung erhalten Familien mit sehbehinderten Kindern? Vor welchen Herausforderungen stehen junge Menschen in der Schule oder im Studium? Was macht ihnen Spaß und Freude? Wie finden sie neue Freunde? Es geht um schulische und berufliche Themen, aber auch um Freundschaften, Hobbys, Freizeit und Sexualität von Menschen mit Behinderungen. Viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene berichten von ihren eigenen Erfahrungen.
"Weitersehen: Sichtbar stark – Erwachsenwerden mit Seheinschränkung" erscheint Anfang Oktober 2024 in Schwarzschrift sowie auf DAISY-CD und kann über die Landesvereine bestellt werden.
Wir haben da ein paar Fragen. Und Sie können sie beantworten, wenn Sie aufmerksam diese Ausgabe der "Sichtweisen" hören oder lesen.
Bitte senden Sie die Lösung bis zum 20. September an den
DBSV
Rungestraße 19, 10179 Berlin oder per
E-Mail an:
sichtweisen@dbsv.org
Alle richtigen Einsendungen nehmen im Januar 2025 an einer Verlosung teil (Informationen zur Datenverarbeitung gemäß Art.13 DSGVO unter www.dbsv.org/datenschutz.html).
Holz – Stein/Steingut – Leder – Glas – Silber – Gold – Ton – Garn – Samt – Eisen – Beton/Ton – Wolle – Seide
Schicken Sie Ihre Geschichten, Empfehlungen oder Leserbriefe an
oder per Post an
DBSV
Redaktion "Sichtweisen"
Rungestraße 19, 10179 Berlin
Für die sehbehinderte Schwimmerin Elena Semechin wird es bei ihrer Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Paris eine Premiere geben: Erstmals in all den Jahren ihrer Karriere werden Familie, Freunde und Sponsoren sie bei ihren Wettkämpfen am Ort des Geschehens anfeuern. "Das erhöht auch den Druck", sagt die 30-Jährige, aber sie freue sich auch darauf.
Die Paralympics werden vom 28. August bis zum 8. September 2024 in Paris ausgetragen. 4400 Athletinnen und Athleten aus mehr als 180 Nationen werden in 549 verschiedenen Wettbewerben in 22 Sportarten antreten, zum Beispiel Para-Judo, Para-Leichtathletik, Para-Schwimmen, Rollstuhlbasketball und Rollstuhlfechten.
Das deutsche Team wird in 18 von 22 Sportarten um Medaillen kämpfen – nicht vertreten ist es beim Blindenfußball, Goalball, Para-Gewichtheben und Para-Taekwondo. 65 Sportlerinnen und 77 Sportler aus Deutschland sind am Start, zudem fünf Guides.
Stark vertreten sind sehbehinderte Sportlerinnen und Sportler beim Schwimmen: Dort gehen neben Elena Semechin auch Maike Naomi Schwarz, Taliso Engel, Philip Hebmüller und Johanna Döhler an den Start. Döhler ist mit 14 Jahren die jüngste Teilnehmerin im "Team D Paralympics".
Über die Paralympics werden ARD und ZDF im Wechsel täglich mehrere Stunden berichten, auch abends. Mit Live-Streams im Internet begleiten die öffentlich-rechtlichen Sender das Ereignis zusätzlich.
"Was gewinnen die Sportlerinnen und Sportler?", fragte ein Junge bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Spiele. "Außer nur einer Medaille?" Chef de Mission Karl Quade wusste Bescheid: "Für eine Goldmedaille gibt es 20.000 Euro, für eine Silbermedaille 15.000 Euro und für eine Bronzemedaille 10.000 Euro von der Stiftung Deutsche Sporthilfe." Auch für die Plätze vier bis acht gibt es Geldprämien.
Mehr Infos unter: www.dbs-npc.de/aktuelles-paris.html
Infos zum Team Deutschland: www.dbs-npc.de/1824.html
Offizielle Paralympics-Website: www.paris2024.org
Dazu ein Bild: Die 14-jährige Johanna Döhler schwimmt in Schmetterlingstechnik, auch Delfin genannt, eine Bahn: Sie hat die Arme zur Seite ausgebreitet und holt Luft. Sie trägt eine dunkle Badekappe und eine Schwimmbrille.
Blinde oder sehbehinderte Studierende, Auszubildende, Abiturienten, Arbeitssuchende oder Menschen, die eine neue berufliche Perspektive anstreben, können sich für die kostenlose Teilnahme am Mentoringprojekt "TriTeam" des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) bewerben. Jährlich nehmen bis zu fünf blinde und sehbehinderte Menschen daran teil. Das einjährige Mentoringprojekt beginnt im Oktober 2024.
Im Projekt geht es darum, gemeinsam an passgenauen Ausbildungs-, Studien- und Berufszielen zu arbeiten und Erfahrungen über Hilfsmittelnutzung und Bewerbungsmöglichkeiten auszutauschen. Mentees können ihre Pläne und Ideen mit erfahrenen, erfolgreichen und sachkundigen Mentorinnen und Mentoren besprechen. Wird ergänzendes Know-how benötigt, kann ein Team die Unterstützung eines zusätzlichen Experten in Anspruch nehmen, zum Beispiel zur Vermittlung von beruflichen Informationen, Hospitationen und Kontakten.
Blinde und sehbehinderte Interessierte, auch Nicht-Mitglieder des DVBS, können sich für die Teilnahme im Mentoringteam bewerben. Formlose Bewerbungen mit vollständigen Kontaktdaten, Angaben zum Studienfach oder zur Ausbildung sowie den Berufsperspektiven und den Zielen, die im Mentoringprojekt umgesetzt werden sollen, können bis zum 22. September an Rita Schroll geschickt werden.
Projektleitung und Kontakt:
Rita Schroll
Tel.: 0 64
21 / 9 48 88 – 22
E-Mail:
schroll@dvbs-online.de
Bei den diesjährigen Inklusionstagen waren rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei. Themenschwerpunkt war "Mobilität: barrierefrei – selbstbestimmt – zeitgemäß". Es gab Vorträge, Gesprächsrunden und Infostände. Online verfolgten rund 200 Menschen die Fachveranstaltung.
Gemeinsam wurde erörtert, was in den verschiedenen Bereichen rund ums Thema Mobilität bereits gut läuft und wo noch Verbesserungen möglich sind, um Barrierefreiheit und Teilhabe für alle sicherzustellen – etwa im Öffentlichen Personennahverkehr.
Nun ist die Dokumentation zu den Inklusionstagen 2024 erschienen. Sie enthält einen Kurzfilm, Aufzeichnungen ausgewählter Veranstaltungsteile, eine Fotogalerie und die schriftliche Zusammenfassung der Inklusionstage.
Die Dokumentation ist zu finden unter: www.gemeinsam-einfach-machen.de/ikt24
Der Jahresbericht 2023 der Schlichtungsstelle nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) – kurz Schlichtungsstelle BGG – wurde kürzlich veröffentlicht. Im Jahr 2023 sind die Fallzahlen demnach erneut gestiegen: Waren es 2022 noch 189 Schlichtungsanträge, wurden im vergangenen Jahr 267 Anträge eingereicht. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 40 Prozent.
Die Schlichtungsstelle BGG hilft seit 2016 dabei, Konflikte zwischen Menschen mit Behinderungen und öffentlichen Stellen des Bundes zu lösen, wenn es um das Recht auf Barrierefreiheit und Gleichbehandlung geht. Insgesamt hat sie mittlerweile mehr als 1300 Anträge erhalten.
Im Jahr 2023 wurde die Schlichtungsstelle 267 Mal in Anspruch genommen. Die Themenfelder umfassen erneut in großem Umfang das Benachteiligungsverbot (39 Prozent) und die Barrierefreie Informationstechnik (8 Prozent). Verstärkt spielte das Thema Assistenzhunde eine Rolle (21 Prozent). Weitere Themen waren die physische Barrierefreiheit (4 Prozent), die Gestaltung von Bescheiden und Vordrucken / Verständlichkeit / Leichte Sprache (1 Prozent) sowie das Recht auf Gebärdensprache und andere Kommunikationshilfen (1 Prozent).
In knapp 60 Prozent der zulässigen Anträge wurde eine gütliche Einigung erzielt.
Die gestiegene Nachfrage wertet der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, positiv. "Die Schlichtungsstelle hat einen festen Platz bei der außergerichtlichen Durchsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderungen gefunden", sagt er. Schlichtung sei ein gutes Mittel, um das Bewusstsein in Behörden zu stärken, ihrer Verpflichtung zur Barrierefreiheit nachzukommen. "Die bewährte Institution sollte man nun auch bei der anstehenden Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes im Blick behalten, bei der auch die privaten Anbieter von Produkten und Dienstleistungen zur Barrierefreiheit verpflichtet werden sollen", erklärt der Beauftragte.
Der Jahresbericht 2023 der Schlichtungsstelle BGG sowie Fallbeispiele und Zusammenfassungen, auch in Leichter Sprache und Gebärdensprache, stehen online zur Verfügung.
Suchbegriffe "Schlichtungsstelle BGG" und "Jahresbericht 2023" in eine Internet-Suchmaschine eingeben.
Ihre Jahresberichte für das Jahr 2023 veröffentlicht haben neben der Schlichtungsstelle BGG auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die Bundesfachstelle Barrierefreiheit und das Deutsche Institut für Menschenrechte.
Bei der Antidiskriminierungsstelle stiegen dem Bericht zufolge die Beratungsanfragen auf ein Rekordhoch an: 10.772 Menschen wandten sich wegen Diskriminierung an die Einrichtung, mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit, die Unternehmen berät, ist die Zahl der Erstberatungen 2023 gegenüber 2022 um neun Prozent gestiegen. Die Zahl der Website-Besuche nahm um 29 Prozent zu. Besonders häufig aufgerufen wurden die Seite zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, die neue Rechtssammlung sowie die Inhalte zur digitalen Barrierefreiheit.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte legt in seinem Jahresbericht dar, welche Menschenrechtsthemen es 2023 begleitet und überprüft hat.
Weitere Infos unter: www.antidiskrimnierungsstelle.de
(Menüpunkte: Was wir machen / Publikationen) www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de
("Jahresreport 2023" ins Suchfeld eingeben) www.institut-fuer-menschenrechte.de/jahresbericht-2023
Der Bundesteilhabepreis für das Jahr 2023 wurde im Rahmen der Inklusionstage 2024 im Juni verliehen. Der Wettbewerb hatte das Thema "Gesundheit inklusiv – barrierefreie ambulante Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vergeben und zeichnet bundesweit vorbildliche Projekte aus. Er ist mit insgesamt 17.500 Euro dotiert.
Den ersten Preis erhielt das Gesundheitsreferat der Stadt München für das Projekt "Gynäkologische Sprechstunde für Mädchen und Frauen mit Mobilitätseinschränkungen". Der Zugang zu den Praxisräumen ist barrierefrei, ein Hebelifter und ein höhenverstellbarer Untersuchungsstuhl sind vorhanden. Besonders ist auch der einstündige Zeitrahmen für einen Behandlungstermin.
Der zweite Preis ging an die Zahnarztpraxis Dr. Guido Elsäßer für das Projekt "Inklusive Zahnarztpraxis", das bereits 1995 initiiert wurde. Die Praxis liegt in unmittelbarer Nähe einer Behindertenwohneinrichtung, daher war die Barrierefreiheit der Praxisräume bei Bau und Einrichtung naheliegend. Zur Ausstattung gehören neben Rampe und Aufzug eine abgesenkte Sprechanlage, elektronische Türöffner sowie ein abgesenkter Empfangstresen.
Mobile Geräte zum Röntgen, Transferhilfen wie Haltegurte und Rutschbretter sind Teil der inklusiven Praxis. Kommuniziert wird gegebenenfalls mit Kommunikationshilfen oder unterstützenden Personen.
Mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde die Evangelische Stiftung Alsterdorf für ihr Projekt "Gesundheit für alle – jetzt!". Das Projekt umfasst Präventionsangebote, die Entwicklung von ambulanten und stationären medizinischen Versorgungsangeboten sowie die Vernetzungsarbeit und Fortbildungen für im Gesundheitssystem Tätige.
Informationen zu den Projekten und zum Bundesteilhabepreis unter:
- https://stadt.muenchen.de/infos/gynaekologische-praxis.html
- https://gesundheit-fuer-alle.jetzt
Die Kampagne "Umsichtig unterwegs in Mannheim – aufpassen und anpassen" (vgl. Sichtweisen 2/2024) hat den ersten Platz des Landespreises für Fußverkehr in der Kategorie "Partizipation und Kommunikation" gewonnen. Drei Vereine, darunter der Badische Blinden- und Sehbehindertenverein (BBSV), hatten die Kampagne entwickelt, um die Mannheimer Stadtgesellschaft für das Thema "Gegenseitige Rücksichtnahme und Achtsamkeit im öffentlichen Raum" zu sensibilisieren. Bis Ende 2024 gibt es verschiedene Aktionen.
Bei einer feierlichen Preisverleihung nahmen Vertreter des BBSV, der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar und die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt Mannheim den Preis entgegen.
Mehr Infos unter: www.umsichtig-unterwegs.de
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN) hat einen Erklärfilm zu sehender Begleitung veröffentlicht. Bei "Sehender Begleitung" geht es um Techniken, die sehende und blinde oder sehbehinderte Personen anwenden können, wenn sie gemeinsam unterwegs sind.
Das Video soll Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, sich unbeschwert gemeinsam zu bewegen. Die gezeigten Techniken sind auch in Situationen relevant, in denen sich die Personen nicht kennen.
Der Erklärfilm ist zu finden auf: www.youtube.com | @BVN_ev
Aura-Hotels und -Pensionen sind Orte, die speziell auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zugeschnitten sind. Insgesamt vier Häuser bieten die ganze Bandbreite angenehmer Urlaubsunterkünfte, von der familiär geführten Pension bis zum 3-Sterne-Wellness-Hotel. Von der See bis in die Berge: Die Aura-Hotels liegen in den schönsten deutschen Ferienregionen und sind ideale Ausgangspunkte für Ausflüge, auf Wunsch mit sehender Begleitung. Alle Unterkünfte sind barrierefrei eingerichtet und bieten ein umfangreiches Begegnungs- und Veranstaltungsprogramm. Auch für Seminare und Gruppenfreizeiten sind die Häuser sehr gut geeignet.
Die Standorte von Nord nach Süd:
Mehr Infos im Internet unter www.aura-hotels.dbsv.org
Christian Sprembergs Leidenschaft gehört dem Radio, Büchern, der Musik und seiner riesigen Schallplattensammlung. Wie er für eine Zeitlang zum Theater kam und um die Welt reiste, erzählt er im folgenden Bericht. Und auch, wie schwierig es für ihn als blinden Menschen war, beruflich im Medium Radio Fuß zu fassen. Inzwischen hat er eine Nische gefunden, in der er seine Passion fürs Radio und für Musik vereinen kann.
Von Christian Spremberg
Ich bin seit meiner Geburt vor nunmehr fast 60 Jahren vollblind. Geboren bin ich in Hamburg, aber da mein Vater beruflich bei der Bundeswehr tätig war, sind wir alle paar Jahre umgezogen, sodass ich im Odenwald und in Darmstadt, in Delmenhorst bei Bremen und später längere Zeit in Marburg lebte. Seit 14 Jahren lebe ich nun in Berlin-Wedding. Ich fühle mich hier ganz gut aufgehoben, In der Großstadt ist es zwar oftmals viel lauter als im Dorf, aber dafür hat man alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt, in erreichbarer Nähe, zumal man hier auch ein gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrsnetz hat.
Schon als Kind wollte ich als Sprecher zum Radio. Ich habe früh begonnen, am Mikrofon zu sprechen und Radiosendungen, meistens solche mit Musikanteil, zu simulieren und auf Kassetten aufzunehmen. Als es ins Berufsleben gehen sollte, habe ich mich immer wieder bei den paar Sendern, die es damals gab, beworben und auch sonst versucht, einen Fuß in die Tür zu bekommen. 1985 habe ich ein Studium begonnen, es aber nach 14 Semestern abgebrochen und mich langsam damit abgefunden, dass ich als blinder Bewerber keine Chancen beim deutschen Radio haben würde.
Dann aber gab es eine Chance bei der damaligen "Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main", die versuchte, blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen in neue Berufsfelder einzugliedern. So kam ich 1995 nach Berlin zu Spreeradio 105,5, einem kommerziellen Radiosender. Dort habe ich den Radiojournalismus, wie er heute vor allem im Privatrundfunk praktiziert wird, gelernt, das heißt, Nachrichten und Sportmeldungen redigiert, Interviews geführt, öfter auch mal Übersetzungen und andere Fremdtexte gesprochen. Leider konnte ich mich dort nicht mit Musik befassen, weil die gesamte Musik, so wie es bis heute üblich ist, von sogenannten Medienberatern in ein bestimmtes Format eingeordnet wird, das wir nicht ändern durften. 2002 gab es eine Insolvenz, und mir wurde betriebsbedingt gekündigt. Ich habe mich dann nicht mehr dafür eingesetzt, beim Radio zu bleiben.
Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nahm ich zunächst mit meiner damaligen Frau einen Job als Guide in einem neu gegründeten Dunkelrestaurant in Berlin an, habe Gäste geführt und ihnen Essen serviert. In dem Restaurant traten auch Musiker auf, und es gab Lesungen. Hier habe ich mich dann öffentlich als Vorleser profilieren können – mit Texten zu unterschiedlichen Themen.
2006 bekam ich einen Anruf der Künstlergruppe Rimini-Protokoll, die dokumentarisch-experimentelles Theater und Hörspiel macht. Sie planten ein Stück zum Thema "Karl Marx, Das Kapital, 1. Band" und hatten sich als ein Bühnenrequisit die Punktschriftausgabe in 13 dicken, schweren Bänden besorgt. Sie suchten jemanden, der auf der Bühne das eine oder andere daraus vorlesen könnte. So kam ich in ein tolles Ensemble von acht Leuten, allesamt keine Schauspieler, aber jeder hatte etwas Interessantes und Persönliches zu erzählen, entweder zum Buch selbst oder zu Aspekten, die darin behandelt werden. Das Stück wurde 2006 in Düsseldorf uraufgeführt. Bis 2012 wurden wir auch von Theatern in Berlin und Frankfurt, in Tokio, Seoul und Moskau eingeladen – insgesamt gab es rund hundert Aufführungen. Eine Hörspielfassung des Stücks erhielt 2008 den Hörspielpreis der Kriegsblinden.
Da nicht das ganze Jahr Theater gespielt wird, habe ich auch in einem Callcenter gearbeitet – bis zu einem Schlaganfall Ende 2011. Der war glücklicherweise nur klein, ich hatte zeitweise Orientierungsschwierigkeiten, das ließ sich aber mit Medikamenten regulieren. Typische Symptome wie Lähmungen, Sprachbehinderung oder Gedächtnisverlust blieben mir erspart. Allerdings musste ich mir, als ich nach meinem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt und den Weihnachtstagen wieder zurück ins Callcenter kam, von meiner Vorgesetzten sagen lassen, dass ich ja eigentlich in diesem Jahr nicht dran gewesen sei mit Weihnachtsurlaub.
Anschließend kam ich in die Brailleredaktion des Blindenhilfswerks Berlin, wo damals noch die Fernsehprogrammzeitschrift "Braille TV" erstellt wurde. Daran arbeitete ich bis zum Ende der Brailleredaktion 2016 mit. Anschließend konnten meine Kollegen und ich glücklicherweise im Medienzentrum der Zeune-Schule weitermachen.
Nebenher pflegte ich meine Radioleidenschaft weiter. Carsten Albrecht von Ohrfunk fragte mich, ob ich nicht die eine oder andere Sendung liefern könnte. Ich produzierte einige Sendungen, die ich auf CDs kopierte und die von Ohrfunk ausgestrahlt wurden. Inzwischen bin ich dort Redaktionsmitglied geworden und liefere einmal im Monat eine vierstündige Musiksendung.
Darin spiele ich vor allem Musik aus meiner eigenen Schallplattensammlung. Ich sammle schon seit meiner Kindheit. Zunächst war es deutschsprachige Musik der 50er und 60er Jahre, mittlerweile sind quasi alle musikalischen Genres und Platten aus aller Welt vertreten. Letzteres ist hin und wieder eine Herausforderung, wenn man die Platten ordentlich katalogisieren will und die unterschiedlichen Schriften nicht lesen kann bzw. niemanden findet, der das kann. Für Griechisch und Russisch findet man schnell Vorleser, bei Persisch oder Japanisch wird es schon schwieriger. Insgesamt sind es jetzt ungefähr 70.000 Schallplatten, die ältesten sind Grammophonplatten, die meisten der übrigen sind Vinyl-Singles und -LPs. Sie sind in meinem Wohn- und Schlafzimmer untergebracht, doch ich musste einen kleinen Lagerraum mieten, um alle unterbringen zu können.
Obwohl die Tonaufzeichnung ja schon seit mehr als hundert Jahren quasi alltäglich ist, ist es für mich immer noch faszinierend, dass man auch längst vergangene Musikereignisse heute immer noch jederzeit hören kann. Mein Interesse an der Weltmusik kam wieder durch das Radio. Ich habe schon früh über Kurzwelle viele Programme aus aller Welt gehört und dabei auch gerne Musiksendungen gelauscht, weil man dafür keine Fremdsprachenkenntnisse braucht. Ich habe mir von Reisen, sei es im Urlaub oder mit dem Theaterensemble, als Erinnerungsstücke immer Schallplatten aus den bereisten Ländern mitgebracht oder mitbringen lassen. Hin und wieder verarbeite ich gerade solche Musik in meinen Radiosendungen, um auch anderen Menschen dieses Interesse zu vermitteln.
Wenn ich mir neu erworbene alte Platten anhöre, lese ich nebenbei Punktschriftbücher. Ich lese fast alles, was mir unter die Finger kommt: Historisches (auch aus dem Blindenwesen), Reiseberichte, Krimis, gern auch Humoristisches. Manches lese ich gemeinsam mit meiner Partnerin. Sie ist spät erblindet und kann Brailleschrift "für den Hausgebrauch" lesen. Sie liest schon mal einen Zeitschriftenartikel, für den Rest trete ich in Aktion, als Live-Hörbuch, wie sie sagt.
Christian Spremberg (59), lebt in Berlin. Seine Musiksendung "Do you remember" ist jeden dritten Montag im Monat ab 19 Uhr auf www.ohrfunk.de zu hören.
Dazu ein Bild: Christian Spremberg halb von der Seite fotografiert. Er liest einen Text in Brailleschrift vor. Er hat graues Haar und trägt ein Sweatshirt.
Um ihre Zutrittsrechte mit Assistenzhund wahrnehmen zu können, benötigen Führhundhaltende vom 1. Januar 2025 an ein offizielles Abzeichen oder einen Ausweis. So sehen es das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und die Assistenzhundeverordnung (AHundV) vor. Wie und wo die neuen Kennzeichnungen beantragt werden können und wie die Zutrittsrechte aussehen, wird im folgenden Beitrag erläutert.
Von Johannes Sperling
Blinde und sehbehinderte Menschen dürfen mit ihren Führhunden an die meisten öffentlich zugänglichen Orte, denn Blindenführhunde gehören zu den sogenannten Assistenzhunden. Sie leisten ihren Halterinnen und Haltern notwendige Hilfe. Weil sie auf ihre Hunde angewiesen sind, müssen sie die Tiere grundsätzlich dorthin mitnehmen dürfen, wo das für andere verboten ist: in den Supermarkt, das Restaurant, ins Rathaus, zum Arzt oder ins Kino. Der Zugang mit Assistenzhund muss also grundsätzlich geduldet werden. Das ist in Paragraf 12e Absatz 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) geregelt.
Wenn jemand sein Zutrittsrecht wahrnehmen möchte, müssen andere Personen erkennen können, dass der Hund ein Assistenzhund ist. Im BGG steht deshalb, dass ein Assistenzhund als solcher zu kennzeichnen ist. Wie diese Kennzeichnung korrekt aussieht, gibt Paragraf 26 Absatz 2 und 3 der Assistenzhundeverordnung (AHundV) vor.
Ab 2025 muss zur Kennzeichnung entweder das offizielle Abzeichen sichtbar an Halsband, Geschirr oder Kenndecke des Hundes befestigt oder der offizielle Ausweis vorgezeigt werden. Bis zum 31. Dezember 2024 können Führhunde wie bisher etwa durch das weiße Führgeschirr oder mit von Führhundschulen oder dem DBSV ausgestellten Ausweisen gekennzeichnet werden.
Halterinnen und Halter von Assistenzhunden können Abzeichen und Ausweis bei der jeweils zuständigen Behörde beantragen. Die zuständige Behörde variiert je nach Bundesland. In Baden-Württemberg sind beispielsweise die Versorgungsämter bei den Landratsämtern zuständig, in Hessen geht der Antrag an das Regierungspräsidium Gießen und in Bayern kümmert sich das Zentrum Bayern Familie und Soziales darum.
Dem Antrag muss Folgendes beigefügt werden: Ein Nachweis darüber, dass der Kostenträger den Führhund als Hilfsmittel anerkennt. Das kann die Bestätigung über die bestandene Gespannprüfung sein oder der Bescheid, dass Futtergeld gezahlt wird. Außerdem muss je ein Farbfoto von Hund und Mensch eingereicht werden. Der Führhund muss von der Seite als Ganzkörperaufnahme zu sehen sein, er darf dabei stehen oder liegen. Informationen zum Gespann wie Vor- und Nachname der Führhundhalterin oder des Führhundhalters, sowie Chipnummer und Wurftag des Hundes gehören ebenso in den Antrag.
Wer seinen Führhund nicht über eine gesetzliche Krankenkasse bekommen hat, muss zusätzlich einen Nachweis einreichen, dass die Ausbildung des Führhundes vor dem 1. Juli 2023 begonnen hat. Ist dem nicht so, müssen Hund und Mensch eine Prüfung nach Vorgaben in BGG und AHundV ablegen. Nach bestandener Prüfung vergibt die Prüfstelle Ausweis und Abzeichen.
In den meisten Bundesländern haben die zuständigen Behörden Antragsformulare, teilweise auch online zum Download. Die Vordrucke zu nutzen, kann sinnvoll sein, da alle benötigten Angaben abgefragt werden. Für Anträge nach Assistenzhundeverordnung gibt es aber keine Vorgabe, dass sie schriftlich mit Unterschrift gestellt werden müssen. Demnach kann dies auch formlos geschehen. Wenn die zuständige Behörde den vollständigen Antrag bearbeitet hat, gibt es einen Bescheid. Ist dieser positiv, erhält das Gespann den offiziellen Ausweis und das offizielle Abzeichen.
Der Ausweis ist gültig, bis der Hund sein zehntes Lebensjahr vollendet hat. Sofern er noch Führarbeit leisten kann, kann der Ausweis zweimal um jeweils bis zu zwölf Monate verlängert werden. Es gilt hier insbesondere, das Tierwohl genau abzuwägen. Die Verlängerung ist bei der Behörde zu beantragen, die den Ausweis ausgestellt hat. Ist eine gesetzliche Krankenkasse der Kostenträger, muss ein Nachweis beigefügt werden, dass der Hund weiterhin als Hilfsmittel anerkannt wird, zum Beispiel der Bescheid über die Futtergeldpauschale. Bei anderen Kostenträgern, ist ein aktuelles ärztliches Attest – nicht älter als drei Monate – vorzulegen, das bescheinigt, dass der Hund weiterhin gesundheitlich als Führhund geeignet ist.
Wie gestaltet sich nun das Zutrittsrecht nach Paragraf 12e Absatz 1 BGG? Es gilt zum einen für alle staatlichen Stellen wie Ämter, Gerichte, öffentliche Bibliotheken, Museen, Volkshochschulen und Universitäten. Zum anderen auch für die Privatwirtschaft, also Geschäfte aller Art, Restaurants, Hotels, Arztpraxen und privat betriebene Theater. Das Zutrittsrecht gilt ebenso für Busse, Bahnen, Taxis, Passagierschiffe und Flugzeuge und genauso auf Sport-, Spiel-, Camping- und Zeltplätzen.
Als Faustregel gilt: Überall, wo sich alle Menschen ohne besondere Erlaubnis und in Straßenkleidung aufhalten dürfen, darf generell der Assistenzhund mitgenommen werden. In einem Geschäft ist das etwa der Verkaufsraum, nicht aber das Lager oder Räume für Mitarbeitende. Im Krankenhaus dürfen offene Bereiche und Krankenzimmer grundsätzlich mit Assistenzhund besucht werden, Intensiv- und Isolierstationen nicht.
Nur in seltenen Ausnahmefällen darf der Zutritt mit Assistenzhund verweigert werden, nämlich dann, wenn es dafür einen wichtigen Grund gibt. Im Gesetz steht das etwas komplizierter: "Soweit nicht der Zutritt mit Assistenzhund eine unverhältnismäßige oder unbillige Belastung darstellen würde." Wann ein Grund so wichtig ist, dass der Zutritt deshalb verweigert werden kann, kann pauschal nicht gesagt werden. Es gilt, die konkrete Situation kritisch zu betrachten.
Deshalb darf der Zutritt mit Assistenzhund auch nicht mit pauschalen Argumenten verweigert werden. Gern genutzte, jedoch unzulässige Pauschalbegründungen sind ein generelles Hundeverbot, Hygienebedenken, das Hausrecht, mögliche Ängste oder Allergien. Diese Argumente reichen in der Regel nicht aus, um den Zutritt zu verweigern. Das Hausrecht beispielsweise darf nicht dazu verwendet werden, um Menschen mit Behinderung zu diskriminieren. Auch die Bedürfnisse einer hypothetischen, auf Hunde allergisch reagierenden Person dürfen nicht über die einer tatsächlich anwesenden, auf den Führhund angewiesene Person gestellt werden. Es gilt, im Einzelfall auf andere Rücksicht zu nehmen und bei Bedarf Lösungen zu finden, die allen Beteiligten gerecht werden.
Welche Möglichkeiten haben Führhundhaltende, wenn ihnen ihr gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Zutritt verwehrt wird? In der konkreten Situation kann die Rechtslage erläutert, ein Gespräch mit der vorgesetzten Person verlangt oder die Polizei gerufen werden. Für weitere Klärung können sich Betroffene außerdem an die Führhund-Fachgruppen der DBSV-Landesvereine, an die Rechtsberatungsgesellschaft rbm oder die örtlich zuständigen Antidiskriminierungsstellen wenden.
Bei verweigertem Zutritt mit Assistenzhund ist zudem bundesweit die Schlichtungsstelle BGG zuständig, wo fachkundige Juristen und Juristinnen versuchen, mit den betroffenen Parteien eine gütliche Einigung zu erzielen.
Johannes Sperling ist Mitglied im Arbeitskreis der Führhundhaltenden des DBSV.
Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) finden sich ausführliche Informationen zu Kennzeichnung, Zutrittsrechten sowie eine Liste der zuständigen Behörden für die Ausstellung des neuen Ausweises und Abzeichens. Erreichbar über die Suchbegriffe "BMAS" und "Fragen und Antworten zur Assistenzhundeverordnung".
Dazu ein Bild: Ein Labradoodle mit kurzem schwarzgrauen Fell sitzt auf einer Bank. Er trägt eine runde Plakette mit der Aufschrift "Assistenzhund. Assistance dog" über einem Hundegeschirr.
Soll ich ein Testament machen? Worauf muss ich achten? Was kostet das? Fragen, die sich auch sehbehinderte und blinde Menschen stellen. Die gemeinnützige Rechtsberatungsgesellschaft rbm (Rechte behinderter Menschen) bietet darum einen neuen Service für Mitglieder der DBSV-Landesvereine und der korporativen Mitglieder: eine erbrechtliche Beratung mit einer abschließenden Empfehlung.
Die rbm berechnet für diese Form der erbrechtlichen Beratung eine Gebühr von 240,75 Euro (inkl. Umsatzsteuer). Die schriftliche Darstellung kann zum Beispiel einem Notar oder einer Notarin zur konkreten Testamentsberatung vorgelegt werden.
Fragen Sie uns – wir beraten Sie gern:
rbm gemeinnützige GmbH
Rechte behinderter
Menschen
Biegenstraße 22, 35037 Marburg
Tel.: 0 64 21 / 9 48
44-90 oder -91
E-Mail:
kontakt@rbm-rechtsberatung.de
Internet:
www.rbm-rechtsberatung.de
Ein Buchtipp von Denise Lekoui, BIT-Zentrum
Der Polizist Kay Oleander wurde auf einer Demo mit einer Bierflasche im Gesicht getroffen. Dabei hat er sein linkes Auge verloren. Vom Dienst freigestellt, bringt er sich eher mühsam durch den Tag, bis ihn das Schicksal mit Silvia Glaser zusammenführt. Seit einem Fahrradunfall ist auch sie körperlich beeinträchtigt. Auf unverhoffte Weise finden die beiden Halt aneinander. Und das, obwohl sie im Verdacht steht, für Oleanders Unglück verantwortlich zu sein.
Silvia Glaser fand nach dem Unfall, der ihr Leben auf den Kopf gestellt hat, Zuflucht bei einer rechtspopulistischen Partei. Sie möchte aussteigen, wagt es aber nicht, weil sie Repressalien fürchtet. Als sie von Plänen der Parteispitze zu einem Attentat erfährt, weiht sie Oleander ein. Die beiden beschließen, den Anschlag zu verhindern. Dafür brauchen sie Verbündete, doch die sind für sie nicht leicht zu finden.
Friedrich Ani erzählt mitfühlend und lakonisch die Geschichte zweier Menschen, die allen Widrigkeiten zum Trotz zueinander finden und sich zusammenraufen, um etwas richtig zu machen.
Friedrich Ani: Bullauge
DAISY-Hörbuch (ca.9
Stunden)
Preis CD: 29 Euro
Sprecher: Hubertus Alexander Wolf
Zu bestellen beim
BIT-Zentrum
Tel.: 0 89 / 5 59
88 – 136 oder – 144 (AB)
E-Mail:
bit-bestellservice@bbsb.org
Ein Buchtipp von Gabi Schulze, dzb lesen
Berlin 1922: Die 26-jährige Hebamme Hulda Gold betreut schwangere Frauen und Wöchnerinnen, die im Berliner Armenviertel Bülowbogen wohnen. Bei ihren Hausbesuchen begegnet sie den unterschiedlichsten Frauen, deren Schicksal sie nicht einfach kalt lässt.
So erfährt sie von einer ihrer Wöchnerinnen, dass deren Nachbarin und Freundin tot im Landwehrkanal aufgefunden wurde. War es ein tragischer Unfall oder Mord? Huldas Neugier ist geweckt und weitere Recherchen bringen sie auf eine Spur, die auch Kriminalkommissar Karl North verfolgt.
"Schatten und Licht" ist der erste Teil der siebenteiligen Reihe "Fräulein Gold" um die engagierte Hebamme Hulda Gold. Die historische Saga spielt vor dem Hintergrund politisch unruhiger Zeiten und setzt eine beeindruckende Milieustudie im Berlin der 1920er Jahre in Szene. Sie verknüpft die Geschichte der sympathischen Hulda Gold und deren verzwicktes Liebesleben mit spannenden Kriminalfällen in der Hauptstadt.
Anne Stern: Fräulein Gold – Schatten
und Licht
Erster Teil, 4 Bände, Kurzschrift, Verkauf und
Ausleihe
Im Abonnement als wöchentlicher Fortsetzungsroman (Teil 1
bis 7, 68 Hefte) in Braille-Kurzschrift, gedruckt oder digital
Tel.: 03
41 / 71 13 – 119 bzw. – 120
E-Mail:
verkauf@dzblesen.de
abo@dzblesen.de
Ein Buchtipp von Karin Schulenkorf, Westdeutsche Bibliothek der Hörmedien
Der Verfasser dieses Kochbuchs, Dr. Matthias Riedl, ist Ernährungsmediziner und Diabetologe. Manchen ist er vielleicht als einer der Ernährungs-Docs aus der gleichnamigen Fernsehsendung im NDR ein Begriff. Immer wieder zeigen die Ärztinnen und Ärzte dort beeindruckend, wie man durch die eigene Ernährung die Gesundheit fördern und – zum Teil auch schwere – Krankheiten behandeln und lindern kann.
Sein Wissen teilt Dr. Riedl nun auch in einem Kochbuch für von Diabetes Betroffene. Zunächst gibt er unterhaltsam, gleichzeitig fundiert und auf der Höhe der Forschung einen Überblick über den aktuellen Stand zu der Krankheit und ihren Behandlungsmöglichkeiten. Er erklärt, wie eine gesunde Ernährung aussehen und was sie bei Diabetes bewirken kann und gibt alltagstaugliche und ermutigende Tipps zur Umsetzung.
Im zweiten, deutlich längeren Teil des Buches werden Rezepte vorgestellt, die den Blutzucker ebenso gesund wie lecker niedrig halten. Die Palette umfasst das Frühstück, Snacks, kalte und warme Mahlzeiten sowie Desserts und Kuchen.
Nicht nur für Menschen mit Diabetes ist das Kochbuch lohnenswert, denn alle, die ihre Gesundheit fördern möchten, profitieren von einer Ernährung, die den Blutzucker nicht zu sehr in die Höhe treibt. Und durch die Erklärungen im ersten Teil versteht man auch, warum.
Matthias Riedl: Diabetes-Kochbuch. Genussvoll den Blutzucker
im Griff
DAISY-Hörbuch (5:30 Stunden)
Sprecherin: Andrea
Schunck
Zwei neue Folgen der Reihe "Der Irland-Krimi" sind im September zu sehen. Désirée Nosbusch spielt darin die Kriminalpsychologin Cathrin Blake, die die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützt.
Im ersten der beiden neuen Fälle wird Cathrin Blakes Nachbar Coner O'Neill tot aufgefunden. Während Superintendent Sean Kelly von einem natürlichen Tod ausgeht, ist Cathrin skeptisch. Eine weitere männliche Leiche wird gefunden, und es stellt sich heraus, dass beide Männer Kontakt zu dem exklusiven Pflegeheim "Eden View" hatten. Kelly stößt auf mehrere ungeklärte Vermisstenfälle im Zusammenhang mit dem Heim.
Im zweiten Fall geht es um Kellys Neffen, der zu Gewaltausbrüchen neigt und in Irland eine Therapie machen soll. Kelly soll als Vertrauensperson zur Verfügung stehen; er bittet Cathrin um Unterstützung. Cathrin spürt, dass hinter Eoins Krankheit ein verdrängtes Familiendrama steckt. Doch bevor sie es entschlüsseln kann, wird Eoins Mitpatientin Lizzy ermordet aufgefunden. Eoin ist der Letzte, der mit ihr gesehen wurde.
Der Irland-Krimi: "Gnadentod" (19.9.) und "Zerrissene Seelen"
(Datum bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt)
Krimireihe,
Deutschland 2024
Drehbücher: Katrin Bühlig
Regie:
Matthias Tiefenbacher
Mit Désirée Nosbusch, Declan
Conlon, Rafael Gareisen
Der blinde TikTok-Star Nikolaos Rizidis kommt am 31. August in die Fernsehsendung "Die große Maus-Show". Ralph Caspars, Mitgestalter der Sendung, kündigte ihn im Vorfeld der Sendung als "Ehemann, Hundepapa, Barista, Buchautor" an und als jemand, der "Brücken zwischen Menschen" baut. In der Quizsendung werden Experten und bekannte Moderatoren gegeneinander antreten, um Fragen von Kindern zu beantworten.
Nikolaos Rizidis klärt als "nikolaos.pegasos" auf der Videoplattform TikTok über den Alltag als blinder Mann auf. Er erzählt über sein Leben mit Blindenführhund, teilt Tricks zum Kochen und erklärt beispielsweise das Blindenleitsystem. Mehr als 150.000 Menschen folgen ihm auf TikTok.
Die große Maus-Show
Moderation: Esther
Sedlaczek
Samstag, 31. August, 20.15 Uhr im Ersten
Dazu ein Bild: Ralph Caspers, "Fragekind" Klara und Nikolaos Rizidis (v. l.) stehen auf einem Weg zwischen Wiesen. Vor Rizidis sitzt sein Führhund.
Hinweis: Manche Hilfsmittel, die von einer Krankenkasse finanziert wurden, bleiben in deren Eigentum und dürfen vom Versicherten nicht verkauft werden. Bitte achten Sie deshalb darauf, in privaten Kleinanzeigen ausschließlich Hilfsmittel aus Privateigentum anzubieten.
Elektronische Lesehilfe Traveller HD der Fa. Optelec, fabrikneu und unbenutzt. Der Hersteller garantiert ruckelfreies und entspanntes Lesen bei 30-facher und stufenloser Vergrößerung / Bildschirmdiagonale 33,8 cm / Gewicht 1,995 kg / langlebiger Akku und Schutztasche inklusive.
Preis: 2300 Euro (NP 3500 Euro)
Abholung im Dürener / Kölner Raum möglich oder versicherter Versand. Fotos können auf Anfrage versendet werden.
E-Mail:
andrea@wolkenstein-theater.de
Tel.: 01 63 / 9 71 98 37
Vorlesesystem der Firma Optelec ClearReader+, sehr gut erhalten, Preis: 1000 Euro
Tel.: 0 41 52 / 48 60
Hunsrück: Fewo ebenerdig für 2 Personen, ruhige Dorfrandlage
Wohnzimmer, offene Küche, 2 Schlafzimmer, Duschbad, überdachte Terrasse, eingezäunter Garten. Blinde und/oder gehbehinderte Menschen sowie Hunde herzlich willkommen!
Tel.: 0 67 61 / 1 35 65
E-Mail:
jagdfee@web.de
Reaktivieren Sie Ihr Englisch oder lernen Sie neu.
Fragen, Infos, Buchungen gerne per E-Mail an karin_hildebrand@t-online.de
Augenmerk auf ...
Der BSVS Gesundheitstag 2024
Informationen zum BSVS Gesundheitstag 2024, der unter dem Motto "Augenmerk auf ... Prävention und Rehabilitation" am 26.10.2024 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden stattfinden wird.
Dieses Programm ist vorläufig, zeitliche Verschiebungen sind möglich.
Anmeldungen für die Fachvorträge sind erwünscht und bis zum 11.10.2024 möglich
per Telefon: 03 51 / 80 90 – 629 und 03 51
/ 80 90 – 611 oder
per E-Mail:
veranstaltung@bsv-sachsen.de
Informationen hierzu entnehmen Sie auch der Webseite des BSVS e.V., unter dem Reiter Gesundheitstag.
Gerne senden wir Ihnen unseren Katalog in Schwarzschrift, in Punktschrift oder auf DAISY-CD.
Besuchen Sie auch unseren Onlineshop unter www.lhz-dresden.de
Louis-Braille-Str.6, 01099 Dresden
Tel.: 03 51 / 8 09 06
24
Fax: 03 51 / 8 09 06 27
E-Mail:
lhz@bsv-sachsen.de
Hilfsmittelberatung Telefonberatung:
Montag, Mittwoch und
Donnerstag: 10-16 Uhr
Dienstag: 10-18 Uhr
Freitag: 10-13 Uhr
Hilfsmittelberatung vor Ort:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10-18 Uhr
Mittwoch und Donnerstag: 10-16 Uhr
Freitag:
10-13 Uhr
Nach vorheriger Vereinbarung sind wir auch gerne außerhalb dieser Zeiten für Sie da – bitte vereinbaren Sie einen Termin mit uns!
Bestellungen im Internet: www.lhz-dresden.de
Sind Sie völlig blind?
Fühlen Sie sich oft
nicht fit und unkonzentriert?
Schlafen Sie nachts schlecht und sind
tagsüber sehr müde?
Die mögliche Ursache: Ihre innere
Uhr
Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr. Der wichtigste Taktgeber ist das Tageslicht. Es setzt die innere Uhr immer wieder auf exakt 24 Stunden zurück. Völlig blinden Menschen fehlt die Lichtwahrnehmung, deshalb kann es dazu kommen, dass der Körper nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden kann. Diese Menschen leiden an der Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung, kurz Non-24.
Wie äußert sich Non-24?
Betroffenen fällt es phasenweise sehr schwer, sich tagsüber wachzuhalten und zu konzentrieren. Nachts hingegen signalisiert der Körper oftmals kein Schlafbedürfnis.
Werden Sie aktiv:
Ein Termin bei einem Arzt ist der nächste Schritt oder informieren Sie sich in unseren Tele-Vorträgen. Die Termine finden Sie unter dem Punkt Informationen auf non-24.de.
Rufen Sie das Team des Non-24 Service an.
Die erfahrenen Mitarbeiter finden den richtigen ärztlichen Ansprechpartner in Ihrer Nähe und beantworten Ihre individuellen Fragen. Sie sind rund um die Uhr erreichbar unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 24 321 08 oder per E-Mail non24@patient-plus.com.
Dies ist ein Service der Firma Vanda Pharmaceuticals Germany GmbH
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Das bbs nürnberg bietet jedes Jahr für Schülerinnen und Schüler mit Blindheit oder Sehbehinderung die Möglichkeit an, im Rahmen von dreitägigen Orientierungstagen unsere Ausbildungen, Maßnahmen und berufsvorbereitenden Angebote (BVJ, BvB, BTG, VPT) unverbindlich näher kennen zu lernen.
Alle Termine und weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite unter www.bbs-nuernberg.de
Am bbs nürnberg engagieren wir uns in allen Belangen für blinde und sehbehinderte Menschen von dem ersten Lebensjahr bis weit über den Abschluss unserer Schulen und Ausbildungen hinaus.
bbs nürnberg
Bildungszentrum für Blinde und
Sehbehinderte
Brieger Str.21
90471 Nürnberg
Telefon 0911
89 67 0
Fax 0911 89 67 112
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Kontakt:
F.H. Papenmeier GmbH & Co.KG
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58239 Schwerte
Telefon: +49 2304 205 0
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Bildbeschreibung: Unser WIR für Ihren Hilfsmittel Notfall: Es ist eine Gruppe von drei RehaTechnik Mitarbeitern, zwei Männer und eine Frau, zu sehen, die freundlich in die Kamera schauen.
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