Sichtweisen Ausgabe 2/2025 März

"Sichtweisen" – Heft 02/2025

Inhalt

Impressum

Editorial

Werbeanzeigen:

Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen

Einfach SynPhon!

DHV-Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH

RTB  –  Sightcity Frankfurt 2025: Smarte Mobilität erleben

Im Gespräch:

Flexibel und praktisch

Kurzinfo: Aktion "Braille 200"

Solidarisch mit globalen Anliegen

DBSV-Nachrichten:

22 Hörfilme für die ADele nominiert

Kurzinfo: Die Jury des 23. Deutschen Hörfilmpreises 2025

Kurzinfo: Wählen Sie Ihren Publikumsliebling!

Beraten und Beschlossen

Meldungen

Blindengelderhöhung sorgt nicht nur für Applaus

"Weitersehen": Reisegeschichten gesucht

"Aufgehorcht"  –  das neue Audioprojekt des DBSV

Neuer DBSV-Podcast: "Fell und Führbügel"

DBSV beim 14. Deutschen Seniorentag in Mannheim

Positionen im Vorstand des ABSV neu besetzt

Neues Tastbuch: "Herr von Ribbeck auf Ribbeck"

Brandenburg trauert um Bodo Rinas

DBSV-Karte: Mehr als ein Mitgliedsausweis

Dank an Unterstützer des DBSV

Thema: AMD

Wie AMD das Sehen verändert

Die unbekannte Volkskrankheit

Kurzinfo: Veranstaltung: "Ihre Fragen zur AMD"

Sehen wie durch dichten Nebel

Neues aus der Forschung

Termine & Tipps:

Termine

Mobiler mit Technik

Online-Tanzworkshop

Literarische Woche

Blind Auto fahren

SightCity

IDECUP im Schießsport

DBSV-Skatmarathon

Musikwoche für junge Leute

Tipps

"Inklusionsstammtisch" im Radio SWW

Online-Service für Rehasport

Forum:

Braille lernen lohnt sich

Radelnd die Region erkunden

Leserbriefe

Kleine Begegnung am frühen Morgen

Frist versäumt, keine Erstattung

Rätsel

Lösung des Januar-Rätsels

Lohn für die Rätselmühe

Kurzinfo: Forum  –  im direkten Austausch

Panorama:

Gesellschaft

"Blind Date" beim Evangelischen Kirchentag

Gesundheit

Aktionsplan da, Umsetzung unklar

Forschung

Nervenzellen der Netzhaut arbeiten zusammen

Kultur

Empfehlungen: Kultur für alle und von allen

Aus den Ländern

Anhänger für Krankenhausbetten

Ehrung für 75 Jahre Mitgliedschaft

Aura-Hotels: Entspannter Urlaub ohne Barrieren

Menschen:

Glücksmomente mit Mörike

Service:

Wie Apps die Welt hörbar machen

Kurzinfo: Erbrechtliche Beratung  –  ein Service der rbm

Medien:

Bücher

Martin Luther King: Ein Leben

Pi mal Daumen

Schnall dich an, es geht los

Die Frauen von Schönbrunn

Kurzinfo: Medibus-Katalog

Hörfilme

"Eine Liebe später" und "Lehrer kann jeder"

Anzeigen:

Private Kleinanzeigen

Partnersuche

Ferienwohnung

Gewerbliche Anzeigen

Make-up Workshop für blinde und sehbehinderte Menschen

AASB Maria Seidling

Landeshilfsmittelzentrum Dresden

Marland

non-24.de

Beta Hilfen für Sehgeschädigte GmbH

Papenmeier Hotline Service

SightCity


Titelbild:
Das Titelbild ist hellorange. Darauf prangt, über drei Zeilen verteilt, in großer schwarzer Schrift der Titel "Sichtweisen"  –  die Buchstaben sind fragmentiert dargestellt. In einem blauen Kasten auf halber Höhe wird der Name des Magazins gut lesbar wiederholt. Links ein Amsler- Gitter-Test, ein Quadrat aus Linien mit Punkt in der Mitte. Er kann auf mögliche erste Anzeichen einer Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) hinweisen. AMD ist der Schwerpunkt dieser Ausgabe.



Impressum


"Sichtweisen" – Das Magazin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV)
79. Jahrgang
ISSN: 2511-7017


Herausgeber:
DBSV e. V.
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: 030 / 28 53 87-0


Redaktion:
Ute Stephanie Mansion, Anna Hinc, Leonie Koll, Lisa Mümmler, Andreas Bethke (V.i.S.d.P.)
E-Mail: sichtweisen@dbsv.org


Die "Sichtweisen" erscheinen sechsmal im Jahr (Nr.1 Januar, Nr.2 März, Nr.3 Mai, Nr.4 Juli, Nr.5 September, Nr.6 November) in Print und Braille sowie als Bestandteil der zehnmal im Jahr erscheinenden DAISY-CD DBSV-Inform (kostenfreies Abo für Mitglieder aller DBSV-Landesvereine).


Jahresbezugspreis für Print und Braille:
24 Euro für Inhaber der DBSV-Karte,
sonst 27 Euro,
halber Preis für Abonnenten unter 21 Jahren.


DBSV-Zeitschriftenverlag:
Undine Bodinka
Tel.: 030 / 28 53 87-260
E-Mail: zeitschriftenverlag@dbsv.org


Kündigung des Abonnements bis Ende September für das Folgejahr.


Anzeigenverwaltung:
Tel.: 030 / 28 53 87-293
E-Mail: anzeigen@dbsv.org


Private Kleinanzeigen bis 200 Zeichen: 10 Euro, je weitere 50 Zeichen: 5 Euro.
Mediadaten für gewerbliche Anzeigenkunden auf Anfrage.


Produktion:
Print: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, mit freundlicher Unterstützung
Braille: Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)
DAISY: dzb lesen und optimal media GmbH


Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechteridentitäten (siehe auch www.dbsv.org/gendern.html).




Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein bisschen unscharf sehen, Farben etwas blasser wahrnehmen  –  wer denkt da gleich an eine schwerwiegende Augenkrankheit? Vor allem, wenn man schon älter ist und der Meinung, dass das Sehen im Alter nun einmal nachlässt, so wie andere Körperfunktionen auch.

So ergeht es vielen älteren Menschen, die vielleicht denken, sie bräuchten erstmals eine Brille oder eine neue mit stärkeren Gläsern. Und dann erfahren sie in der Augenarztpraxis: "Sie haben Altersabhängige Makuladegeneration, AMD. Die Krankheit geht nicht mehr weg, sie wird schlimmer, sie kann dazu führen, dass Sie blind werden. Je nach Form und Stadium geht das schneller oder langsamer, lässt sich etwas aufhalten oder nicht."

Wie sie mit ihrem immer stärker eingeschränkten Sehvermögen umgehen und wo sie sich weitergehend beraten lassen können, welche Hilfsmittel es gibt und vieles mehr, erfahren die Patientinnen und Patienten häufig nicht von Ärztinnen und Ärzten. Sie müssen selbst recherchieren, wo sie weitere Informationen erhalten und was ihnen im Alltag hilft, mit der Sehbehinderung umzugehen. Ein Manko in der ärztlichen Praxis, das Fachleute  –  auch aus der Ärzteschaft selbst  –  beklagen. In unserem Schwerpunkt informieren wir über Altersabhängige Makuladegeneration, die in den Industrieländern die häufigste Ursache für Erblindung und sehr weit verbreitet ist.

Wir haben auch sonst jede Menge zu berichten, darum ist das Heft besonders dick geraten, die Hörfassung besonders lang: Zwei Interviews gibt es in der Rubrik "Im Gespräch"  –  im ersten geht es um das 200-jährige Bestehen der Brailleschrift, im zweiten um den Global Disability Summit, einen Gipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen weltweit.

In der Rubrik "Forum" erzählt eine Frau von ihrer Tandemgruppe  –  zum Nachahmen empfohlen! Mike Dallmann stellt seine Arbeit mit Braille vor, und Richard Bastian nimmt uns in der Rubrik "Menschen" mit auf eine kleine Lyrikreise. Außerdem stellen wir zwei nützliche Apps vor, die mit Künstlicher Intelligenz arbeiten.

Eine informative und anregende Lektüre wünscht

Ute Stephanie Mansion
Redaktion Sichtweisen  

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Schulze IT-Schulung und Dienstleistungen

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Einfach SynPhon!

Elektronische Hilfsmittel, die das Leben erleichtern, sind unser Markenzeichen. Der bewährte EinkaufsFuchs Produktkenner sagt mit einem Piep, was die Sache ist. Die Fledermaus-Orientierungshilfe erkundet Sicherheitsabstände automatisch und zeigt, wo es langgeht. Es ist zudem denkbar einfach, unsere Hilfsmittel kennenzulernen. Ein Anruf genügt und EinkaufsFuchs oder Fledermaus kommen vollkommen unverbindlich mit der Post zu Ihnen nach Hause. Alles Weitere erfahren Sie sehr gerne am Telefon  –  so einfach ist das!


Tel.: 0 72 50 / 92 95 55
SynPhon GmbH
Im Steinig 6, 76703 Kraichtal
E-Mail: synphon@t-online.de
www.synphon.de

DHV-Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH

Envision Glasses Pro

Die Envision Glasses sind das Hilfsmittel der Zukunft. Aufgesetzt wie eine Brille werden alltägliche Informationen, wie Texte, Objekte oder Gesichter direkt in Sprache umgewandelt. Unabhängigkeit erleben und neue Möglichkeiten entdecken.

Die Smartglasses halten modernste Technik bereit, die im rechten Brillenbügel untergebracht ist. Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) in Kombination mit einer leistungsfähigen 8-Megapixel-Kamera können Texte, Farben, Geldscheine, QR-Codes, Personen, Umgebung, Objekte und Szenen erkannt und verarbeitet werden. Die Ergebnisse werden durch Sprachausgabe dezent per direktionalem Monolautsprecher an das Ohr des Trägers gegeben.

Für die leistungsstarke Nutzung von allen Funktionen werden die Envision Glasses per Smartphone mit dem Internet verbunden. Die dazugehörige App kann im Apple App-Store oder im Google Playstore kostenlos heruntergeladen werden. Die BlindShell-Classic-Geräte verfügen ebenso über die nötige App.

Die Envision Glasses werden per Berührungsfeld direkt am rechten Bügel gesteuert. Mit nur wenigen, einfachen Gesten mit einem oder zwei Fingern sind alle Funktionen schnell ausgeführt. Im Menü der Envision Glasses finden Sie gesprochene Anleitungen für alle Funktionen. Zusätzlich sind Assistenten und Schulungen jederzeit über das Menü abrufbar und unterstützen Sie bei der Bedienung.

Die Envision Glasses tragen sich bequem und leicht mit nur ca.50 Gramm Gewicht.


Alle Funktionen im Überblick: Text sofort lesen, Text scannen, Textsprachen-Erkennung, Handschrift-Erkennung, Layout-Erkennung, Text exportieren, mehrere Seiten scannen, Sprachbefehle, "Frag Envision", einen Freund anrufen, Szene beschreiben, Licht erkennen, Erkennen von Bargeld, Farben erkennen, Objekte finden, Personen finden, Umgebung entdecken

Die Freund/Verbündeten-Anrufen-Funktion baut zu einer Vertrauensperson einen Videoanruf auf, die dann das Livebild der Envision Glasses auf ihrem Smartphone sehen kann. So kann die Vertrauensperson den Träger der Brille unterstützen oder bei der Suche oder Bewältigung schwieriger Aufgaben helfen und anleiten.


KI-Assistent

Seit dem neuesten Update aus Dezember 2024 verfügt die Brille über einen KI-unterstützten Assistenten. Es ist nun möglich, praktisch unbegrenzte Informationen abzurufen und mit der Brille sprachlich zu kommunizieren. Mit Einbindung der Kamera können äußerst vielfältige Umgebungs- und Objektinformationen abgerufen werden.

Bei der von uns ausschließlich vertriebenen Pro-Variante der Envision Glasses sind alle Updates im Preis inbegriffen, sodass Sie sich nie über Folgekosten Gedanken machen müssen.

Bitte beachten Sie, die Envision Glasses können über die gesetzlichen Kostenträger beantragt werden. Sprechen Sie uns gern für diese Möglichkeit an.


Lieferumfang: Envision Glasses, Standard-Titangestell, modisches Brillengestell Ihrer Wahl mit klaren Brillengläsern, USB-C-Kabel, markantes, robustes und leicht zu tragendes Envision-Brillen-Schutzetui, Putztuch, Einführungsanleitung auf CD und vollständige Bedienungsanleitung als digitale Textdatei

  • Braunes Brillengestell, Best.-Nr. 2.020.277
  • Graues Brillengestell, Best.-Nr. 2.020.278

Preis je Envision Glasses Pro: 3690,00 Euro
(Alle Preise verstehen sich inkl. 7 % MwSt.)


Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH
Verkauf Hannover: Tel.: 05 11 / 95 46 50
Bestellservice: 0 18 02 / 25 83 12 (0,14 Euro/Anruf)
E-Mail: info@deutscherhilfsmittelvertrieb.de
www.deutscherhilfsmittelvertrieb.de

RTB  –  Sightcity Frankfurt 2025: Smarte Mobilität erleben

SightCity 21.-23. Mai 2025 | ETAGE L3


Sichere Mobilität ist essenziell für ein selbstbestimmtes Leben und für die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wie diese Mobilität im Alltag aussehen kann und was innovative, digitale Technologien dazu beitragen, das zeigen wir Ihnen auf der SightCity in Frankfurt vom 21. bis 23. Mai 2025.

Mehr als 10 Unternehmen und Organisationen stellen im Mobipark und Stockstübchen Ideen und Produkte vor, die blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen die Mobilität erleichtern.


Sie können live erleben:

  • wie man mit akustischen und taktilen Signalen sicher durch eine Baustelle kommt, z.B. in Osnabrück und Hannover,
  • wie man mit dem Smartphone Aufzüge anfordern kann, z.B. in Wien,
  • wie die Grünphasenverlängerung, z.B. in München, für mobilitätseingeschränkte Personen funktioniert,
  • wie E-Scooter in fast 20 Städten bedarfsgerecht zum Klingen gebracht werden,
  • wie Busse und Bahnen sprechen und Haltestellen sich melden, z.B. in Kiel und Halle/Saale,
  • wie Ampeln in über 100 Städten lauter werden, um sie besser orten zu können,
  • wie die Orientierung in Gebäuden durch digitale Technologien erleichtert wird, z.B. in Dresden und Leipzig,
  • wie das Handy zukünftig zur Hinderniserkennung wird,
  • und vieles mehr.

Ergänzend finden auf der SightCity Kurzvorträge zum Thema "Smarte Mobilität" statt. Details zum Programm folgen in Kürze auf www.stockstuebchen.de.

Mehr als 100 Städte und Gemeinden in ganz Deutschland haben sich bereits für den Einsatz digitaler Technologien entschieden, um eine sichere und smarte Mobilität für Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu gewährleisten.


Kontakt:
T.: +49 5252 9154730
info@sms-start.de
www.sms-start.de


Wir treffen uns auf der Sightcity im Mobipark:
briteline europe, Smart AIs, SMS Smart Mobility Services, rehalehrer.de, visorApps, contagt, SCHAEFER, RTB, Schake, DBSV

Im Gespräch:

Flexibel und praktisch

Braille lebt! Nicht Louis Braille persönlich, aber die von ihm erfundene Punktschrift, heute meistens Brailleschrift genannt. Auch 200 Jahre nachdem sie in die Welt gekommen ist, ist sie präsent und vielfältig einsetzbar. DBSV-Sozialreferent Reiner Delgado erklärt, warum das Computer-Zeitalter der Brailleschrift nicht schadet und wie sie im digitalen Bereich genutzt wird.

Interview: Leonie Koll und Ute Stephanie Mansion  


Reiner, in diesem Jahr feiern blinde und sehbehinderte Menschen das 200-jährige Bestehen der Brailleschrift. Wie wurde sie erfunden?

Louis Braille hat sie erfunden. Er war damals ein sechzehnjähriger blinder Jugendlicher. Er stammte aus der Nähe von Paris und ist als Kind erblindet. In Paris ging er in eine Blindenschule. Davor gab es vor allem Schriften, die normale Buchstaben zum Tasten nachbildeten. Am verbreitetsten war die sogenannte Stachelschrift. Mithilfe stachliger Typen, die ins Papier gedrückt wurden, wurden die Linien der Buchstaben in punktierter Form nachgebildet. Ich habe solche Bücher mal in der Hand gehabt  –  die Schrift lässt sich überhaupt nicht gut lesen.


Louis Braille hatte aber ein anderes Vorbild für seine Schrift.

Richtig. Der französische Offizier Charles Barbier hatte sich eine Schrift für Soldaten ausgedacht, die mit Punkten funktioniert. Sie war kompliziert und hat sich im militärischen Bereich nicht durchgesetzt. Damit ist er an die Blindenschule gegangen, an der Louis Braille war. Er dachte, das wäre doch eine gute Sache für blinde Menschen. Braille fand das System interessant, aber nicht praktikabel. Er wollte die Repräsentation von Buchstaben durch Punktkombinationen erschaffen und kam irgendwann auf die sechs Punkte. Jede Punktkombination stellt einen Buchstaben dar. Er hat lange daran gearbeitet, und 1825 war er fertig.


Ist die Brailleschrift in jeder Sprache nutzbar?

Mit den sechs Punkten gibt es 64 Punktkombinationen, und was man ihnen zuordnet, ist im Prinzip offen. Louis Braille hat es für das lateinische Alphabet gemacht, also für die Buchstaben A bis Z. Im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass man für jede Sprache Sonderzeichen definieren muss. Im Französischen gibt es zum Beispiel viele Wörter mit Akzent über bestimmten Buchstaben. Die jeweiligen Nutzerinnen und Nutzer der Sprachen haben sich Sonderzeichen ausgedacht, etwa für das ß im Deutschen.


Wie lässt sich Braille im digitalen Bereich anwenden?

Bei der digitalen Anwendung von Braille denkt man natürlich vor allem an die Braillezeile, ein längliches Gerät, das man an den Computer anschließt oder mit einem Smartphone über Funk verbindet. Damit kann jeweils eine Zeile Blindenschrift dargestellt werden.

Viele Braillezeilen haben auch eine eigene Eingabetastatur. Das ist gerade am Smartphone interessant, weil man dann auch auf der Brailletastatur schreiben kann. Es gibt für das iPhone auch eine spezielle App namens "RTFC Übersetzer". Das ist ein Punktschrift-Umwandlungsprogramm: Man kopiert einen Text hinein und bekommt ihn in Kurzschrift angezeigt.


Das ist ja praktisch.

Nicht ganz. Auch im elektronischen Zeitalter ist die Zeit das Problem. Wenn Sehende einen Artikel beispielsweise auf Zeit Online lesen, rufen sie ihn auf und lesen ihn. Bis ich ihn lesen kann, muss ich meine Braillezeile verbinden und mehrere Zwischenschritte machen, bis ich ihn in Braille lesen kann. Auch die Braille-Verlage arbeiten viel elektronisch, brauchen aber trotzdem relativ lange, bis sie ein neues Buch in Braille anbieten können. Braille kriegt man also oft nur verzögert.

Relativ neu sind Flächendisplays, das sind quasi Braillezeilen, die mehrere Zeilen haben oder eine einheitliche Fläche von Punkten, auf denen man mehrzeilige Texte lesen kann. Auch Grafiken kann man sich anzeigen lassen. Diese Entwicklung kann zu einem anderen Lesegefühl führen, als man es auf einer Braillezeile hat.


Dieses Jahr stehen anlässlich des Jubiläums viele Aktionen an, auch vom DBSV. Welche sind die spannendsten, und bei welchen können alle mitmachen?

Am spannendsten finde ich unsere Braille-200-Aktion, die wir mit der Europäischen Blindenunion machen. Menschen können uns etwas schicken, das mit Brailleschrift zu tun hat, also persönliche Erfahrungsberichte, ausgedachte Geschichten oder Gedichte, Spiele oder Hinweise auf diese Dinge. In Schriftform, als Audio oder Video. Wir veröffentlichen jeden Tag einen Beitrag zu der Aktion auf unserer Seite livingbraille.eu. Über diesen Beitrag informieren wir täglich per E-Mail in einem Newsletter, und auch auf unserer Facebook-Seite erscheinen täglich neue Texte und Beiträge.


Ist 2025 also ein guter Zeitpunkt, um die Brailleschrift zu lernen?

Im Grunde schon. Beim DBSV haben wir ja das Punktum-Projekt: Dafür haben wir einen Braillekurs mit vielen Materialien entwickelt. Er ist abwechslungsreich, auch mit Rätseln und vielem mehr. Durch die Fülle des Materials hat man viele Möglichkeiten zu üben.


Es gibt heute immer mehr Möglichkeiten, sich mittels Audio-Angeboten zu informieren. Gibt es Befürchtungen, dass die Brailleschrift nach 200 Jahren ausgedient hat? Wenn ja, was sollte man dagegen tun?

Was man dagegen tun sollte, ist natürlich, dass man sie benutzt. Es gibt in der Tat heute vieles zum Hören. Oft sind aber das Lesen und das Schreiben die bessere Option. Wenn ich mich am Computer in meinem Word-Programm oder in einer anderen Software bewege, ist das viel effizienter, wenn ich Braille nutze. Das gilt auch fürs Schreiben. Jetzt gibt es auch für Handydisplays eine Braille-Bildschirmeingabe. Damit schreiben viele schneller als Sehende auf ihrem Smartphone. Das ist witzig, denn dafür wurde die Brailleschrift natürlich nicht entwickelt. Die Anwendung zeigt aber, wie flexibel und praktisch die Brailleschrift ist. Sie lässt sich in das technische Zeitalter herüberretten.


Sie kann also weiterbestehen.

Ja, und Braille zu lesen, macht einfach Spaß. Menschen benutzen Schrift  –  eine Kulturtechnik, die uns auch zu Menschen macht. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, sie zu benutzen.


Dazu ein Bild: Reiner Delgado blickt lächelnd in die Kamera. Er hat kurzes graues Haar und einen kurzen Bart. Er trägt ein dunkles Sakko und ein schwarzes Hemd.



Kurzinfo: Aktion "Braille 200"

Geschichten über das Erlernen der Brailleschrift, das Lesen und Leben damit werden bei der Aktion "Braille 200" gesammelt, einer Initiative der Europäischen Blindenunion. Alle können mitmachen. Auf der Internetseite www.livingbraille.eu werden die Beiträge veröffentlicht. Das können auch Fotos, Videos, Bilder, Gedichte und Audiostücke sein. Wer jeden Tag einen neuen Beitrag erhalten möchte, abonniert über www.livingbraille.eu den Newsletter zur Aktion.

Solidarisch mit globalen Anliegen

Auf einem internationalen Gipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen steht die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in den Ländern des Globalen Südens im Mittelpunkt. Das Gipfeltreffen, auf Englisch Global Disability Summit, findet Anfang April in Berlin statt. Was es bewirken kann, erläutert die DBSV-Referentin für Internationales, Merve Sezgin, im Interview.

Interview: Ute Stephanie Mansion  


Deutschland ist am 2. und 3. April dieses Jahres Gastgeber des Global Disability Summit (GDS), übersetzt etwa "Globaler Gipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen". Die internationale Veranstaltung rückt die Rechte und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen weltweit in den Fokus. Der GDS tagt zum dritten Mal; neben Deutschland gehören Jordanien und die International Disability Alliance zu den Gastgebern. Ort der Zusammenkunft ist Berlin. Organisiert wird der Gipfel hauptsächlich vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Während des Treffens kommen Regierungsvertreterinnen und -vertreter verschiedener Länder, Organisationen von Menschen mit Behinderungen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen.

Die Konferenzsprache ist Englisch; es wird Übersetzungen ins Deutsche und Arabische geben sowie Gebärden- und Schriftdolmetschung, Übersetzung in Leichte Sprache und Audiodeskription, auch in deutsche Sprache.

Die DBSV-Referentin für Internationales, Merve Sezgin, beantwortet im folgenden Interview Fragen zu der Konferenz.


Frau Sezgin, welche Bedeutung hat der Gipfel für die deutsche Inklusionsbewegung einschließlich Selbsthilfeorganisationen?

Der globale Gipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Global Disability Summit) hat eine wichtige Bedeutung für die internationale Inklusionsbewegung und setzt wertvolle Impulse, insbesondere in Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit. Ziel des Treffens ist es, die weltweite Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) entwicklungspolitisch voranzubringen.

Für die Selbsthilfe in Deutschland und die Inklusion auf nationaler Ebene sind die direkten Auswirkungen eher begrenzt. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung globaler Partnerschaften, dem Austausch bewährter Praktiken und dem Setzen politischer Verpflichtungen, die insbesondere Länder im Globalen Süden dabei unterstützen sollen, Barrierefreiheit und Teilhabe voranzutreiben.

Für die deutsche Inklusionsbewegung ist der Gipfel eine wertvolle Gelegenheit, internationale Entwicklungen zu beobachten, Netzwerke zu stärken und sich solidarisch mit globalen Anliegen zu zeigen. Der GDS ist weniger ein Instrument für die unmittelbare Umsetzung nationaler Ziele, sondern vielmehr ein wichtiges Forum, um die Prinzipien der UN-BRK global zu verankern und das Bewusstsein für die Situation von Menschen mit Behinderungen weltweit zu schärfen.


Über welche Themen wird diskutiert werden?

Diskutiert werden bei dem Treffen Themen, die für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen weltweit von Bedeutung sind, zum Beispiel die systematische Einbindung von Selbstvertretungsorganisationen in politische Entscheidungsprozesse, die Verbesserung der Datenerhebung zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen und die Entwicklung eines möglichen "Global Disability Fund", eines Fonds, um die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu stärken.

Beim GDS handelt es sich um einen fortlaufenden globalen Mechanismus, um konkrete Maßnahmen mit dem Ziel der vollständigen Umsetzung der UN-BRK durch Vereinbarungen zu verstärken. Er bietet Regierungen, internationalen Organisationen, dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft und Organisationen von Menschen mit Behinderungen eine Plattform, um formelle, umsetzbare Verpflichtungen zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen einzugehen. Regierungen und Organisationen werden dazu aufgerufen, konkrete finanzielle und politische Zusagen zu machen, um langfristige Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.


Wenn es schon innerhalb eines Landes wie Deutschland schwierig ist, Barrierefreiheit für die verschiedenen Formen von Behinderung durchzusetzen, von vollständiger Inklusion ganz zu schweigen, wie soll dies dann auf internationaler Ebene funktionieren?

Es stimmt, dass die Durchsetzung von Barrierefreiheit und Inklusion schon auf nationaler Ebene herausfordernd ist. Auf internationaler Ebene kommen als zusätzliche Schwierigkeit unterschiedliche kulturelle, wirtschaftliche und politische Bedingungen hinzu.

Der Gipfel kann dennoch einen Beitrag leisten und eine Plattform zur Förderung des Erfahrungsaustauschs zwischen Ländern bieten. Dabei können Staaten voneinander lernen, wie erfolgreiche Ansätze zur Barrierefreiheit und Inklusion umgesetzt werden können. Dieser Austausch über praktische Beispiele trägt dazu bei, dass bewährte Lösungen global adaptiert und weiterentwickelt werden.

Ein weiteres Ziel ist es, Verpflichtungen einzufordern. Regierungen und Organisationen werden motiviert, konkrete Ziele und Maßnahmen zur Förderung von Barrierefreiheit und Inklusion zu formulieren und sich öffentlich dazu zu verpflichten. Dadurch sollen Inklusion und Entwicklungszusammenarbeit nicht nur ein abstraktes Ziel bleiben, sondern in die Tat umgesetzt werden.

Darüber hinaus setzt sich der GDS für die Förderung globaler Standards ein. Es geht darum, gemeinsame Leitlinien und Standards zu entwickeln, die weltweit Anwendung finden können. Diese Standards schaffen eine Grundlage, um Inklusion international voranzutreiben. Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Unterstützung für Länder mit geringeren Ressourcen. Der GDS bietet eine Gelegenheit, Partnerschaften zwischen Ländern des Globalen Nordens und Ländern des Globalen Südens zu fördern. Solche Kooperationen können dazu beitragen, dass auch in Ländern mit begrenzten Mitteln Fortschritte bei der Inklusion erzielt werden, sei es durch finanzielle Unterstützung, technische Hilfe oder Wissenstransfer.


Wird sich der DBSV auf dem Gipfel einbringen und wenn ja, in welcher Form?

Ja, der DBSV wird sich aktiv am Global Disability Summit beteiligen. Unser deutsches Präsidiumsmitglied der Europäischen Blindenunion (EBU), Sabine Ström, wird die EBU vertreten. Zudem werden sowohl die Geschäftsführung des DBSV als auch ich als Referentin für Internationales am Gipfel teilnehmen, um internationale Kontakte zu knüpfen und bestehende Netzwerke zu stärken.

Der DBSV hat sich bereits im Vorfeld des Gipfels über den Deutschen Behindertenrat in die Vorbereitungen eingebracht und darüber hinaus an Gesprächen und Abstimmungen mit dem ausrichtenden Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung teilgenommen. Dabei wurden die Bedeutung der Selbsthilfeorganisationen und das Prinzip "Nichts über uns ohne uns" betont. Wir haben uns bemüht, die Belange blinder und sehbehinderter Menschen in die Diskussion einzubringen und ihre Interessen sichtbar zu machen. Der Gipfel bietet eine wichtige Gelegenheit, diese Arbeit fortzuführen.

Die Teilnahme des DBSV und anderer Selbsthilfeorganisationen wird die Bedeutung der Selbsthilfe in den Fokus rücken. Ihre Rolle bei der Umsetzung der UN-BRK soll hervorgehoben werden.

DBSV-Nachrichten:

22 Hörfilme für die ADele nominiert

Zum 23. Mal wird am 25. März in Berlin der Deutsche Hörfilmpreis verliehen. Viele Filmschaffende, darunter die Audiodeskriptionsteams, hoffen, am Ende die ADele, die Trophäe des Deutschen Hörfilmpreises, mit nach Hause nehmen zu können. Nominiert sind 22 Spielfilme, Serien und Dokumentationen. Welche es sind, verrät der folgende Beitrag.


Eine festliche Gala bildet den Rahmen, wenn in diesem Jahr der 23. Deutsche Hörfilmpreis verliehen wird. Am 25. März ist es so weit; Ort der Veranstaltung ist erstmals das Berliner Kulturdenkmal und Traditionskino Colosseum. Der DBSV vergibt den Preis seit 2002 jedes Jahr und zeichnet damit Kino- und Fernsehproduktionen mit herausragender Audiodeskription (Bildbeschreibung) aus.

Die siegreichen Audiodeskriptions-Teams erhalten als Trophäe die ADele, eine Keramikfigur, deren Name sich an das Wort "Audiodeskription", kurz AD, anlehnt.

Moderiert wird die Gala wie im vergangenen Jahr von Nadine Heidenreich. Für die musikalische Unterhaltung sorgt die Hamburger Band "Pudeldame" um den Schauspieler und Musiker Jonas Nay.

Hier die Nominierungen in den einzelnen Kategorien.


Spielfilm Kino

  • Deadpool & Wolverine
    (USA 2023, Regie: Shawn Levy)
    eingereicht von The Walt Disney Company
  • Die Gleichung ihres Lebens
    (Frankreich, Schweiz 2024, Regie: Anna Novion)
    eingereicht von Weltkino Filmverleih
  • Münter & Kandinsky
    (Deutschland 2023/24, Regie: Marcus O. Rosenmüller)
    eingereicht von CCC Cinema und Television
  • The Holdovers
    (USA 2023, Regie: Alexander Payne)
    eingereicht von Eurotape
  • Vena
    (Deutschland 2024, Regie: Chiara Fleischhacker)
    eingereicht von D-Facto Motion

Spielfilm TV/Mediatheken/Streaming

  • Ein Mann seiner Klasse
    (Deutschland 2024, Regie: Marc Brummund)
    eingereicht vom SWR  –  Südwestrundfunk
  • Im Netz der Gier
    (Deutschland 2024, Regie: Franziska Schlotterer)
    eingereicht von Untertitel-Werkstatt Münster
  • Sebastian Fitzeks "Der Heimweg"
    (Deutschland 2024, Regie: Adolfo J. Kolmerer)
    eingereicht von Ziegler Film
  • The Whale
    (USA 2022, Regie: Darren Aronofsky)
    eingereicht von audioskript

Serie

  • Charité (Staffel 4)
    (Deutschland 2023, Regie: Esther Bialas)
    eingereicht von UFA Fiction
  • Ich bin Dagobert
    (Deutschland 2024, Regie: Hannu Salonen)
    eingereicht von audioskript
  • Infiniti
    (Frankreich, Belgien 2023, Regie: Thierry Poiraud)
    eingereicht von Untertitel-Werkstatt Münster

Dokumentation

  • Beckenbauer
    (Deutschland 2023/24, Regie: Philipp Grüll und Christoph Nahr)
    eingereicht vom BR  –  Bayerischer Rundfunk
  • Die Lausitz
    (Deutschland 2020, Regie: Michael R. Gärtner und Sebastian Koerner)
    eingereicht vom MDR  –  Mitteldeutscher Rundfunk
  • Kaulitz und Kaulitz
    (Deutschland 2024, Regie: Michael Schmitt)
    eingereicht von VSI Berlin
  • Unsere Wälder  –  Netzwerk der Tiere
    (Deutschland 2024, Regie: Jan Haft)
    eingereicht vom NDR  –  Norddeutscher Rundfunk

Kinder- und Jugendfilm

  • Rapunzel und die Rückkehr der Falken
    (Deutschland, Tschechien 2023, Regie: Christoph Heimer)
    eingereicht von ZDF Digital
  • Sieger sein
    (Deutschland 2024, Regie: Soleen Yusef)
    eingereicht von DCM Pictures
  • Wish
    (USA 2023, Regie: Chris Buck)
    eingereicht von The Walt Disney Company

Filmerbe

  • Paris, Texas
    (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA 1984, Regie: Wim Wenders)
    eingereicht von der Wim Wenders Stiftung
  • Was ist los mit Nanette?
    (Deutschland 1928/29, Regie: Holger-Madsen)
    eingereicht vom DFF  –  Deutsches Filminstitut und Filmmuseum
  • Wholetrain
    (Deutschland 2006, Regie: Florian Gaag)
    eingereicht von Eurotape

Der 23. Deutsche Hörfilmpreis 2025 wird gefördert durch die Aktion Mensch. Hauptsponsor ist Pfizer Deutschland.

Weitere Infos unter www.deutscher-hoerfilmpreis.de



Kurzinfo: Die Jury des 23. Deutschen Hörfilmpreises 2025

Jette Förster, Mitglied des DBSV-Präsidiums (Jury-Vorsitz)

Feo Aladag, Produzentin und Regisseurin

Lars-Olav Beier, Der Spiegel

Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK Deutschland

Peter Brass, Mitglied des DBSV-Präsidiums

Dr. Alice Brauner, Produzentin

Roman Knizka, Schauspieler

Jan Meuel, Sozialarbeiter und Filmbeschreiber

Awet Tesfaiesus, Mitglied des Deutschen Bundestages, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen

Deborah Weigert, Schauspielerin und Synchronsprecherin



Kurzinfo: Wählen Sie Ihren Publikumsliebling!

Hörfilmfans können auch in diesem Jahr aus den 22 nominierten Beiträgen für den Deutschen Hörfilmpreis ihren Favoriten wählen. Geben Sie Ihre Stimme der Produktion, die sich Ihnen über die Audiodeskription am besten erschließt. Der Sieger des Publikumspreises erhält bei der Preisverleihung am 25. März in Berlin eine ADele.

Auf der aktuellen Ausgabe von DBSV-Inform sind direkt im Anschluss an diesen Beitrag alle nominierten Filme in den Kategorien Spielfilm Kino, Spielfilm TV/Mediatheken/Streaming, Serie, Dokumentation, Kinder- und Jugendfilm und Filmerbe mit kurzen Ausschnitten zu hören. Im Internet werden die Filme unter www.deutscher-hoerfilmpreis.de/nominierungen-2025.html vorgestellt.

Ihr Votum können Sie über ein Formular auf der Webseite abgeben oder per E-Mail an info@deutscher-hoerfilmpreis.de. Oder schicken Sie eine Postkarte an den DBSV, Rungestr.19, 10179 Berlin. Bitte nennen Sie jeweils das Kennwort "Publikumspreis" und Ihren Favoriten. Einsendeschluss ist der 14. März 2025.

Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlosen wir eine Einladung zum 23. Deutschen Hörfilmpreis für zwei Personen (inklusive Anreise mit der Deutschen Bahn, 2. Klasse, und einer Übernachtung).

Beraten und Beschlossen

Das Präsidium hat sich in seinen Sitzungen am 28. und 29. November 2024 in Berlin und virtuell am 14. Januar 2025 unter anderem mit folgenden Themen befasst.

Von Silvia Hame


Geschäftsstelle

Dem Präsidium lagen Angebote vor, den bestehenden Staffelmietvertrag für die Büroräume der DBSV-Geschäftsstelle in der Rungestraße entweder um fünf oder um zehn Jahre fortzusetzen. Nach Abwägung der Bedingungen, entschied sich das Präsidium für die Zehn-Jahres-Option und beauftragte DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke, die Verhandlungen abzuschließen.

Eine umfangreiche Aufräumaktion fand vom 28. bis 30. Januar in der Geschäftsstelle statt. Die Büroräume wurden den hauptamtlichen Teams neu zugeordnet, um Synergien zu schaffen sowie Anwesenheitstage und Ruhebedarf besser berücksichtigen zu können. Nicht mehr benötigte Unterlagen und Möbel wurden entsorgt. Renovierungen und Neuausstattungen werden folgen.

Einstimmig beschloss das Präsidium die Neufassung der DBSV-Geschäftsordnung, in der die Funktion der stellvertretenden Geschäftsführung aufgenommen wurde. Ebenfalls einstimmig beschloss es ergänzende Vollmachten für die Geschäftsführung zur Außenvertretung.


Personelles

"Aufgehorcht  –  Neue Zielgruppen erschließen mit zeitgemäßer Audiokommunikation" heißt das neue Audioprojekt des DBSV, das im November vergangenen Jahres startete. Christian Balbach stellte sich als Audioredakteur vor. Für den Bereich "Sehen im Alter" konnte Beatrix Seeliger gewonnen werden.


DBSV-Verbandstag 2026

Das Präsidium hat darüber beraten, wann der nächste DBSV-Verbandstag stattfinden soll. Nach Abwägung verschiedener Termine, fiel die Wahl auf den Zeitraum vom 24. bis 27. Juni 2026. Veranstaltungsort wird das NH-Hotel Alexanderplatz in Berlin sein. Es wird, wie üblich für den ersten Tag, in dem Fall für den 24. Juni, die Anreise sowie eine Verbandsratssitzung geplant.

Zur Vorbereitung des alle vier Jahre stattfindenden Verbandstags wurde eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern des Präsidiums und der Geschäftsstelle gebildet. Ihr gehören Hans-Werner Lange, Dr. Thomas Krämer, Jette Förster, Andreas Bethke, Christiane Möller, Reiner Delgado und Claudia Schaffer an.

Für die Besetzung der Satzungs- und der Wahlkommission werden Vorschläge besprochen. Nach Zusage der angefragten Personen werden die Namen der Mitglieder bekanntgegeben.


Kuratorium Aktion Mensch

DBSV-Präsident Hans-Werner Lange wird in diesem Jahr seine Ämter bei der Aktion Mensch abgeben. Seine Nachfolge als Kuratoriumsmitglied wird Judith Faltl antreten.


Rehafachkräfte

Die Etablierung des avisierten Studiengangs für Rehafachkräfte soll forciert werden. Christiane Möller, Justiziarin des DBSV, unterrichtete das Präsidium über einen zu diesem Zweck geführten Austausch. Beteiligt waren Vertretende des DBSV, des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf und der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel.


Durchsetzungsbegleitung digitale Barrierefreiheit

Mitarbeitende des Projekts "Durchsetzungsbegleitung digitale Barrierefreiheit" berichteten über aktuelle Entwicklungen. Derzeit im Fokus steht der Bereich der digitalen Verwaltungsleistungen. Gefundene Barrieren werden gemeldet.

Unter anderem geprüft werden der elektronische Personalausweis, dessen Start-PIN / PUK nur mit sehender Assistenz möglich ist und die Ausweis-App, die nur mit dem elektronischen Personalausweis funktioniert und nicht barrierefrei ist. Ebenso geprüft wird die BundID, die zur Identifikation bei Online-Anträgen dient und in der Erklärung zur Barrierefreiheit viele noch vorhandene Barrieren aufführt. Auf dem Prüfstand steht auch das Bundesportal, dessen Zugang nur mittels elektronischem Personalausweis, Ausweis-App und BundID funktioniert. Mit der Rechtsberatungsgesellschaft rbm wurden Möglichkeiten einer Verbandsschlichtung zur BundID besprochen.

Geplant ist auch ein gemeinsamer Workshop mit dem Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (BiFOS), zum Teil in Leichter Sprache und bei Bedarf mit Übersetzung in Gebärdensprache.

Der Usability-Pool ist nochmals gewachsen: 32 blinde und sehbehinderte Mitglieder testen auf Anfrage Websites und Apps auf ihre Nutzbarkeit hin. Ende November 2024 wurde für Pool-Mitglieder eine Weiterbildung durchgeführt, um den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern zu fördern.


Barrierefreiheitsstärkungsgesetz

Zusammen mit anderen Organisationen wie dem Deutschen Behindertenrat hat der DBSV gefordert, die im Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, kurz BFSG, vorgesehene Marktüberwachung zentral einzurichten. Nun wird die Einrichtung dieser gemeinsamen Marktüberwachung in Sachsen-Anhalt durch die Bundesländer erfolgen. Der DBSV wird den Prozess weiter begleiten.

Meldungen

Blindengelderhöhung sorgt nicht nur für Applaus

Der Landtag des Saarlandes hat am 4. Dezember vergangenen Jahres Änderungen beim Landesblindengeld beschlossen. Aus der bisherigen Blindheitshilfe wird ein Teilhabegeld mit verbesserten Leistungen. Die Leistungen für blinde Menschen erhöhen sich ab 2026 um 10 Euro auf 460 Euro, und ab 2027 um weitere 10 Euro auf 470 Euro monatlich. Minderjährige erhalten ab 2026 monatlich 327 Euro und ab 2027 monatlich 337 Euro.

Neu eingeführt wird ab dem 1. Juli 2025 ein Taubblindengeld, das monatlich 675 Euro für Erwachsene und 476 Euro für Minderjährige beträgt. Auch das Taubblindengeld erhöht sich 2026 und 2027 um jeweils 10 Euro.

Zudem ist im Gesetz eine Regelung zur Dynamisierung des Teilhabegeldes, gekoppelt an die Rentenentwicklung, festgehalten. Sie soll von 2028 an gelten.

Auch in Schleswig-Holstein wird das Landesblindengeld erhöht, das hat die Landesregierung am 13. November 2024 angekündigt. Im Rahmen der Verabschiedung des anstehenden Haushaltsbegleitgesetzes soll der Betrag um 25 Euro monatlich steigen.

Vom Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein gibt es dafür nicht nur Applaus, denn der Betrag werde den gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht gerecht. Zudem könnte eine etwa doppelt so hohe Erhöhung umsetzbar sein, ohne den Landeshaushalt zu belasten, da die Zahl der blinden Menschen sinke.

Auch DBSV-Justiziarin Christiane Möller sieht die Entwicklung kritisch: "Schleswig-Holstein bleibt mit Abstand Schlusslicht bei den Blindengeldleistungen in Deutschland", sagt sie. "Anders als bei den kürzlich erfolgten Blindengelderhöhungen im Saarland oder Brandenburg ist leider auch keine automatische Dynamisierung der Leistungen durchsetzbar gewesen." Möller ergänzt: "Blindheit ist in ganz Deutschland gleich. Deshalb werden wir uns weiter für bundesweit einheitliche Blindengeldleistungen einsetzen."

"Weitersehen": Reisegeschichten gesucht

Die DBSV-Jahrespublikation "Weitersehen", die in der Woche des Sehens im Oktober erscheint, wird sich diesmal mit dem Thema Reisen beschäftigen. In den vergangenen Jahren wurden in "Weitersehen" immer wieder unterhaltsame Beiträge von Leserinnen und Lesern der "Sichtweisen" passend zu den Themen der Publikation veröffentlicht.

Das Redaktionsteam sucht auch in diesem Jahr interessante Beiträge und freut sich auf kurze Reisegeschichten und Erfahrungsberichte. Willkommen sind sowohl Geschichten über die Herausforderungen und Barrieren, die beim Reisen mit einer Sehbeeinträchtigung auftreten, als auch humorvolle und unterhaltsame Anekdoten, die die positiven Seiten des Reisens und das Abenteuer in den Mittelpunkt stellen.

Anekdoten können bis zum 15. April eingereicht werden:

per E-Mail an die Redaktionsleiterin Melanie Wölwer (m.woelwer@bsvh.org) oder in

Schwarz- oder Punktschrift an den
Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg
Holsteinischer Kamp 26, 22081 Hamburg

"Aufgehorcht"  –  das neue Audioprojekt des DBSV

Der DBSV baut sein Audioangebot aus. Mit Podcasts, Interviews und kurzen Meldungen zu aktuellen Themen will der Verband die Hörerinnen und Hörer vermehrt auditiv erreichen. Dazu startete im November 2024 das Projekt "Aufgehorcht  –  Neue Zielgruppen erschließen mit zeitgemäßer Audiokommunikation".

Ziel des Projekts ist es, das bestehende Audioangebot auszubauen und zu überarbeiten. Dabei werden auch neue Podcasts entstehen. Den Anfang macht "Fell und Führbügel", der Führhunde-Podcast des DBSV.

Mit dem Projektstart ist ein vierköpfiges Audioteam entstanden. Neu beim DBSV ist Audioredakteur Christian Balbach, er hat nach seinem Studium "Medienmanagement" ein Volontariat bei einer Film- und Fernsehproduktionsfirma gemacht und bereits Erfahrungen in der Podcast-Produktion gesammelt.

Leonie Koll, die zweite Audioredakteurin im "Aufgehorcht"-Projekt, kennt den DBSV durch ihre Tätigkeit als Arbeitsassistentin. Sie bringt Erfahrungen aus Hörspielproduktionen und freien Radioprojekten mit. Daniela Bringer, die lange bei einer Audiodeskriptionsfirma gearbeitet hat, unterstützt bei der technischen Umsetzung und im Schnitt. Sichtweisen-Redakteurin Lisa Mümmler übernimmt redaktionelle Aufgaben sowie die Konzeption und Moderation von "Fell und Führbügel".

Alle DBSV-Podcasts finden sich unter: www.sichtweisen-online.org/dbsv-podcasts

Fragen und Anregungen erreichen die Audioredaktion unter: podcasts@dbsv.org

Neuer DBSV-Podcast: "Fell und Führbügel"

"Fell und Führbügel" heißt der neue Podcast des DBSV. Wechselnde Gäste beschäftigen sich in der Podcast-Reihe mit verschiedenen Perspektiven rund um Blindenführhunde. Jede Episode hat ihren eigenen Schwerpunkt. Thematisiert werden rechtliche Aspekte wie Voraussetzungen, um einen Führhund zu beantragen, Gesetzesänderungen und Zutrittsrechte sowie die Arbeit von Führhundschulen und Gespannprüfenden. Geplant sind auch Folgen zu Ernährung, Pflege, Erste Hilfe und Tierschutz. Führhundhaltende bringen Erfahrungen und Geschichten mit ein. In der ersten Folge "Was ist ein Blindenführhund?" sprechen Führhundhalterin Helen Vogt, Rechtsexperte Johannes Sperling und Moderatorin Lisa Mümmler darüber, was Führhunde können und was sie nicht können, wie sie vom Gesetz definiert werden und wie Führarbeit im Alltag funktioniert.

Der Podcast "Fell und Führbügel" kann über gängige Podcast-Streaming-Dienste oder unter folgendem Link angehört werden: fell-und-fuehrbuegel.podigee.io


Dazu ein Bild: Ein wollweißer Goldendoodle liegt im Führgeschirr auf einer Wiese. Über ihm, auf einer Schaukel, liegt ein Kopfhörer mit großen Ohrmuscheln.

DBSV beim 14. Deutschen Seniorentag in Mannheim

Unter dem Motto "Gemeinsam in die Zukunft" findet vom 2. bis 4. April der 14. Deutsche Seniorentag in Mannheim statt. Tausende Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Die Veranstaltung richtet sich an Seniorinnen und Senioren sowie Fachkräfte. Zahlreiche Organisationen, Expertinnen und Experten informieren an Ständen, in Vorträgen und Aktionen zu Gesundheit und gesellschaftlicher Teilhabe im Alter.

Auch der DBSV ist vertreten. Am Gemeinschaftsstand von Blickpunkt Auge und dem Badischen Blinden- und Sehbehindertenverein gibt es neben Broschüren und persönlichen Kontakten auch an allen drei Tagen Kurzvorträge.

Jeweils um 11 und um 15 Uhr lautet das Thema: "Schlechter sehen  –  wir kochen trotzdem! Die kleinen Helfer für die Küche." Jeweils um 14 Uhr heißt es: "Spielen  –  ganz normal." Es geht um inklusive Gesellschafts- und Geduldsspiele für sehende, blinde und sehbehinderte Menschen.

DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke nimmt am 3. April von 11 bis 12.30 Uhr an einer Podiumsdiskussion teil mit dem Titel "Gemeinsam digitale Barrieren überwinden  –  Worauf es ankommt".

Aktionen zum Thema Sehen und zur iPhone-Nutzung mit Sehbeeinträchtigung wird es am Stand "Digital-Kompass" geben. Auch daran beteiligt sich der DBSV.

Weitere Informationen unter www.deutscher-seniorentag.de

Positionen im Vorstand des ABSV neu besetzt

Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr.1874 (ABSV) hat Mitte Januar auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung die vakanten Positionen im fünfköpfigen Vorstand nachbesetzt. Die Wahlen waren notwendig geworden, nachdem der bisherige Vorsitzende Joachim Günzel und seine Stellvertreterin Silke Larsen ihre Ämter niedergelegt hatten.

Die Delegierten wählten den Leiter der Bezirksgruppe Steglitz-Zehlendorf, Dietmar Polok, zum Vorsitzenden des ABSV. Vorstandsmitglied Bedia Kunz wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Der Vorstand setzt sich bis zur regulären Neuwahl im Jahr 2026 wie folgt zusammen: Dietmar Polok, Vorsitzender, Bedia Kunz und Carola Müller, beide stellvertretende Vorsitzende, Marie Lampe und Dorothée Reinert.

Neues Tastbuch: "Herr von Ribbeck auf Ribbeck"

Das Tastbuch "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" ist in einer interaktiven Fassung des Balladen-Klassikers von Theodor Fontane erschienen. Kinder können mit diesem Aktionsbuch die Geschichte des Herrn von Ribbeck erleben und dabei spielerisch lernen.

In dem Tastbuch gibt es viele Aktionen: Birnen pflücken und in Manteltaschen verstauen, das alte Herrenhaus erkunden, den Sarg mit Herrn von Ribbeck hinaustragen, ihn im Garten begraben und dem neu gepflanzten Birnbaum beim Wachsen zusehen.

Das Buch enthält Tastbilder und ist mit Schwarz- und Punktschrift versehen. Die beiliegende Anleitung gibt Anregungen, wie das Buch auf verschiedene Weise eingesetzt werden kann. Es eignet sich für blinde und sehbehinderte Kinder ab vier Jahren.

Die erste Auflage kann ab sofort bestellt werden.

Tastbuch "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland": Nach dem Originaltext von Theodor Fontane
Format: DIN A4 quer, Spiralbindung
9 Seiten mit Tastbildern, Schwarz- und Punktschrift sowie Anleitung
Altersempfehlung: ab 4 Jahren
Schutzgebühr: 50 Euro


Zu bestellen mit Angabe der vollständigen Liefer- und Rechnungsadresse per E-Mail an: bestellungen@dbsv.org


Dazu ein Bild: Seiten aus dem Ribbeck-Tastbuch: Birnbäume, ein großes Haus und ein kleiner Pullover sind zu erkennen.

Brandenburg trauert um Bodo Rinas

Der Blinden- und Sehbehinderten-Verband Brandenburg (BSVB) trauert um seinen Vorstandsvorsitzenden und Freund Bodo Rinas. Er verstarb unerwartet am 28. Dezember 2024, nur wenige Tage nach seinem 70. Geburtstag.

Mit Bodo Rinas verliert der BSVB einen über Jahrzehnte engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter, der sich unermüdlich für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen eingesetzt hat und deren Interessen auf Bundes- und Landesebene sowie in der Bezirksgruppe Königs Wusterhausen vertreten hat.

Bodo Rinas wurde am 19. Dezember 1954 geboren. Der Jurist arbeitete seit 1980 ehrenamtlich im Vorstand der Bezirksgruppe Königs Wusterhausen und übernahm dort den Vorsitz. Seit 1994 war er Mitglied im Landesvorstand des BSVB und wurde 2010 zu dessen Vorsitzendem gewählt. Er war maßgeblich am Aufbau des Landesverbands beteiligt und brachte sich mit seinem juristischen Fachwissen, seiner Netzwerkarbeit sowie seinem unermüdlichen Engagement zum Wohle der Interessen aller blinden und sehbehinderten Menschen im Land Brandenburg ein. So ist ihm zu großen Teilen die Durchsetzung des Landesteilhabegeldes im Land Brandenburg im Jahr 2024 zu verdanken.

Sein Engagement für die Umsetzung von Barrierefreiheit und Sicherheit blinder und sehbehinderter Menschen im Straßenverkehr zeigte sich unter anderem in der Aktion zum Sehbehindertentag 2024, bei der auf die gefährlichste Kreuzung für sehbeeinträchtigte Menschen in Königs Wusterhausen hingewiesen wurde. Dank der Hinweise wurde die Situation an dieser Kreuzung verbessert (vgl. Sichtweisen 6/2024).

In seinem Bestreben zu helfen, stellte er oft persönliche Belange in den Hintergrund. Er schätzte Geselligkeit und interessante Gespräche sehr. Bodo Rinas war verheiratet, er hatte sechs Kinder und mehrere Enkelkinder.

In seinem Nachruf schreibt der Landesverband über Bodo Rinas: "Wir haben ihn als einen hilfsbereiten, loyalen, warmherzigen, guten Menschen kennengelernt, der nicht nur unserem Verband, sondern auch bundesweit fehlen wird (...) Wir werden ihm ein beständiges und ehrendes Andenken bewahren."

Ein längerer Nachruf ist auf Sichtweisen-online zu finden unter Neuigkeiten / Rund um den DBSV / Brandenburg trauert um Bodo Rinas


Dazu ein Bild: Bodo Rinas (links, mit Sonnenbrille) im Einsatz: Bei der Aktion zum Sehbehindertentag 2024 hält er mit anderen die Urkunde hoch, die für eine gefährliche Kreuzung vergeben wurde.

DBSV-Karte: Mehr als ein Mitgliedsausweis

Als Inhaber der DBSV-Karte unterstützen Sie die Arbeit Ihres Landesvereins und des DBSV und erhalten darüber hinaus attraktive Vergünstigungen, zum Beispiel:

  • GRAVIS Online Shop
    Bis zu 8 % auf Smartphones, Tablets und andere Technikprodukte und bis zu 30 % auf sämtliches Zubehör
  • Lautsprecher TEUFEL
    10 % auf alle Produkte (Lautsprecher, Kopfhörer, Heimkino-Systeme, TV-Soundlösungen, Multimedia-Systeme u.v.m.)
  • Sonderkonditionen Deutsche Bahn
    Tickets für 55,90 Euro (einfache Fahrt, 2. Klasse) zu allen Veranstaltungen des DBSV
  • NH Hotel Group
    15 bis 22 % Rabatt in allen NH Hotels weltweit
  • Audiamo
    10 % auf alle Hörbücher, -spiele und -filme
  • Wein- und Sekthaus Ruthardt
    10 % Rabatt beim Kauf von Wein, Sekt und Spirituosen
  • AFB  –  Arbeit für Menschen mit Behinderung
    10 % Rabatt auf alle Computer und IT-Geräte
  • Deutscher Hilfsmittelvertrieb (DHV)
    5 % auf alle Hilfsmittel
  • Augenoptiker des Low Vision Kreises e.V.
    5 % auf Sehhilfen und weitere Hilfsmittel
  • Kieser Training
    70 Euro Rabatt beim Abschluss einer Mitgliedschaft

Viele Landesvereine haben zusätzliche Rabattaktionen mit Partnern vor Ort.

Die Liste aller Partnerfirmen und weitere Informationen finden Sie auf www.dbsv.org/dbsv-karte.html und unter unserer Service-Telefonnummer 030 / 255 58 08 08.

Dank an Unterstützer des DBSV

Ohne die Unterstützung vieler Mitglieder, Spender und Förderer könnte sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband nicht dafür einsetzen, dass Augenpatienten, sehbehinderte und blinde Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Der DBSV dankt an dieser Stelle insbesondere den folgenden langjährigen Unterstützern:

  • Aktion Mensch
  • Bert Mettmann Stiftung
  • Blindenstiftung Deutschland
  • GKV-Gemeinschaftsförderung Selbsthilfe auf Bundesebene

Thema: AMD

Altersabhängige Makuladegeneration, kurz AMD, ist eine weitverbreitete Augenerkrankung, die viele ältere Menschen betrifft. Das Schwerpunktthema dieser Sichtweisen-Ausgabe informiert über die Krankheit und ihre Folgen. Im Interview stellt Jana Stasch-Bouws die Arbeit des AMD-Netzes vor, zwei Betroffene berichten über ihr Leben mit AMD, und Meldungen zeigen aktuelle Forschungsergebnisse auf.


Dazu ein Bild: Zwei Bilder mit demselben Motiv: ein modernes Gebäude, vor dem sich eine Straße gabelt. Das linke Bild zeigt die Ansicht ohne, das rechte mit AMD-Sicht. Ein unscharfer grauer Fleck in der Mitte, verschwommene Straßen, Autos und Häuser veranschaulichen das Sehen mit AMD.

Wie AMD das Sehen verändert

Eine weitverbreitete Augenkrankheit ist die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Obwohl sie viele Menschen betrifft und von Fachleuten als Volkskrankheit bezeichnet wird, ist das Wissen über sie in der Bevölkerung gering. Wer sich erstmals einen Überblick über die Krankheit verschaffen oder seine Kenntnisse über AMD auffrischen möchte, erfährt im folgenden Beitrag die wichtigsten Fakten.

Von Ute Stephanie Mansion


Die Altersabhängige oder Altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, ist die häufigste Erblindungsursache in Deutschland. Mit Blindheit ist hier gemeint, dass der Visus, also die Sehschärfe, 0,02 oder schlechter ist. Das äußere Gesichtsfeld ist bei AMD in der Regel auch in einem späten Stadium nicht betroffen, sodass es den Patientinnen und Patienten möglich ist, sich räumlich zu orientieren. Die Ursachen für AMD sind nicht genau bekannt  –  sowohl erbliche als auch Umweltfaktoren werden vermutet. Rauchen gilt als ein Hauptrisikofaktor bei der Entstehung einer AMD.

Die Zahl der Betroffenen mit einer späten Form der AMD wird auf rund 500.000 in Deutschland geschätzt, rund ein Prozent der 65- bis 74-Jährigen und rund fünf Prozent der 75- bis 84-Jährigen haben eine solche Form der AMD. Weitaus mehr Menschen weisen eine sehr frühe Form der degenerativen Erkrankung auf, die jedoch in diesem Stadium nicht zu einer spürbaren Sehverschlechterung führt. Fachleute schätzen ihre Zahl auf zwischen sieben und siebeneinhalb Millionen. Bei den über 75-Jährigen treten Ablagerungen auf der Netzhaut bei mehr als einem Drittel auf.


Störungen beim Stoffwechsel

Die Makula  –  auch gelber Fleck genannt  –  ist ein nur wenige Quadratmillimeter großer Fleck auf der Netzhaut. Sie enthält die Stelle, die für das scharfe Sehen zuständig ist: Dadurch wird das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und kleiner Details sowie das Unterscheiden von Farben möglich. Abbauprodukte auf der Makula werden von der darunterliegenden Gewebeschicht, dem Pigmentepithel, entsorgt, es handelt sich also um einen Stoffwechsel. Mit zunehmendem Alter kann es Störungen bei diesem Stoffwechsel geben: Abbauprodukte, sogenannte Drusen, lagern sich unter der Netzhaut ab. Als Reaktion auf die Ablagerungen kann es zu Gefäßeinsprossungen oder Zelluntergang kommen. Für die Betroffenen bedeutet dies einen Sehverlust im Bereich des scharfen Sehens. Je nach Form und Stadium der AMD werden Gegenstände oder Gesichter unscharf, verschwommen, mit Schatten oder verzerrt wahrgenommen; die Blendempfindlichkeit ist erhöht, und es kann ein dunkler Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds auftreten.


Feuchte AMD: Undichte Gefäßknospen

Zu unterscheiden sind die trockene und die feuchte AMD. Bei 85 Prozent der Patientinnen und Patienten liegt die trockene AMD vor. Es gibt eine frühe, eine mittlere und eine späte Form der trockenen AMD. In der frühen Phase sind Drusen, also Ablagerungen, erkennbar; das Sehen ist etwas beeinträchtigt, zum Beispiel werden Farben blasser wahrgenommen. Schreitet die Krankheit fort, verschlechtert sich das Sehen weiter. Im Spätstadium der trockenen AMD, das "geographische Atrophie" genannt wird, sterben Photorezeptoren ab, das Sehen verschlechtert sich weiter, und es kann zu Blindheit wie oben beschrieben kommen.

Die feuchte AMD, die auch neovaskuläre oder exsudative AMD heißt, schreitet schneller voran als die trockene. Sie kann sich aus der trockenen Form entwickeln. Bei der feuchten AMD sprießen kleine Gefäßknospen unter und in die Netzhaut. Sie sind undicht, darum schwillt die Netzhautmitte an und lagert Wasser ein: So entsteht ein Makulaödem. Aus den Gefäßknospen kann es auch bluten. In einem fortgeschrittenen Stadium bilden sich Narben, und Sehzellen können zugrundegehen.


Behandlung mit Injektionen

Weltweit wird daran geforscht, AMD wirksam zu behandeln. Für die trockene AMD gibt es in Europa noch kein zugelassenes Medikament, das das Fortschreiten der Krankheit verzögert oder verhindert. In den USA werden die Wirkstoffe Pegcetacoplan und Avacincaptad Pegol zur Behandlung der geographischen Atrophie eingesetzt. Sie werden in den Glaskörper des Auges gespritzt. Die Europäische Arzneimittelagentur hat die Wirkstoffe jedoch für Europa nicht zugelassen, weil ihr der Nutzen für die Patientinnen und Patienten zu gering erscheint.

Die feuchte AMD wird hingegen auch hierzulande schon lange mit Injektionen in den Glaskörper behandelt. Die verwendeten Medikamente sind sogenannte VEGF-Hemmer. VEGF steht für Vascular Endothelial Growth Factor, auf Deutsch "vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktoren". Die Wachstumsfaktoren sind die Gefäßneubildungen, die für ein Makulaödem sorgen und bluten können. Die VEGF-Hemmer oder VEGF-Inhibitoren sollen die undichten, neu gebildeten Gefäße stabilisieren und nach Möglichkeit zur Rückbildung bringen. Die Injektionen werden in regelmäßigen Abständen über Jahre, oft lebenslänglich, verabreicht. Die Therapie wird individuell angepasst. Der Verlust der Sehkraft kann so unter Umständen lange aufgehalten werden.

Sowohl Patientinnen und Patienten mit trockener als auch solche mit feuchter AMD sollten zu regelmäßigen Kontrollen eine augenärztliche Praxis aufsuchen.

Über die Bewältigung des Alltags mit einer Sehbehinderung informieren die Praxen und Kliniken in der Regel nicht zur vollen Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten. Selbsthilfeorganisationen wie die Landesvereine des DBSV und das Beratungsangebot Blickpunkt Auge stehen für Fragen und Beratung rund um das Thema "Leben mit Sehverlust" zur Verfügung.


Quellen: AMD-Netz, Berufsverband der Augenärzte, DBSV, Pro Retina, verschiedene Augenkliniken, Woche des Sehens

Mehr Infos zu AMD sind zu finden, wenn man den Begriff "Altersabhängige Makuladegeneration" oder "AMD" sowie eine der oben genannten Quellen in eine Internet-Suchmaschine eingibt.

Der Amsler-Gitter-Test, der auf ein frühes Stadium der AMD hinweisen kann, ist zu finden unter: www.dbsv.org/amsler-gitter-test.html

Der Test ersetzt keinen Arztbesuch.


Dazu zwei Bilder: Oben: Beginnende feuchte AMD, ein Pfeil zeigt auf erste Veränderungen auf der Netzhautmitte. Unten: Trockene AMD, der Pfeil zeigt auf kaum sichtbare Veränderungen.

Die unbekannte Volkskrankheit

Welche Hilfsmittel kann ich nutzen? Gibt es eine Therapie für mich? Solche und viele andere Fragen rund um das Thema Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) beantwortet das AMD-Netz. Der Verein hat sich die Aufklärung und Beratung zu der Krankheit auf die Fahne geschrieben. Über die Arbeit des AMD-Netzes, Therapieansätze und was sich gesundheitspolitisch verändern müsste, berichtet die Geschäftsführerin Jana Stasch-Bouws.

Interview: Ute Stephanie Mansion


Frau Stasch-Bouws, was ist das AMD-Netz, und was bietet es Patientinnen und Patienten, die eine Altersabhängige Makuladegeneration, also AMD, haben?

Das AMD-Netz ist ein gemeinnütziger Verein, der 2011 in Münster gegründet wurde. Wir stellen vor allen Dingen Informationsmaterialien für Patienten bereit. Es geht um Aufklärung, einmal zur Erkrankung, aber auch zum Leben mit Sehverlust.


Das AMD-Netz bietet auch Beratung an. Welche Fragen stellen Ratsuchende besonders häufig?

Es gibt sehr unterschiedliche Fragen. Sie beziehen sich auf die Erkrankung selbst und die Therapie. Viele Patienten haben das Gefühl, nicht richtig aufgeklärt worden zu sein, weil in den Augenarztpraxen oft wenig Zeit ist, um die Erkrankung ausführlich zu erklären. Das spiegeln uns auch die Augenärzte wider, die an unserer medizinischen Hotline Anrufe entgegennehmen. Auch die Unterscheidung zwischen den AMD-Formen, die therapiert werden können, und denen, die nicht therapiert werden können, ist vielen nicht klar. Ebensowenig, dass eine Therapie lange dauern kann, dass es regelmäßige Kontrollen und Injektionen gibt und dass man am Ball bleiben muss. Das alles ist auch schwer nachzuvollziehen, und dann ist man in der Praxis natürlich aufgeregt und versteht nicht sofort alle Informationen.

Auch sozialrechtliche Fragen werden gestellt, zum Beispiel nach finanziellen oder rechtlichen Hilfen. Welche Hilfsmittel kann ich bei der Krankenkasse beantragen, welche könnten mir noch helfen, meinen Alltag zu bewältigen? Wir leiten auch an Beratungsstellen und Experten vor Ort weiter, indem wir Adressen im Umfeld der Patienten nennen.


Die Zahl der Betroffenen in Deutschland wird teilweise mit rund 7,5 Millionen angegeben. Das wäre jede elfte Person, Kinder und junge Leute mitgerechnet. Ist das nicht ein wenig hochgegriffen?

Bei den Zahlen muss man beachten, dass es viele Betroffene gibt, die Drusen haben, das heißt erste Anzeichen einer AMD. Bei ihnen gibt es Ablagerungen unter der Netzhaut, für die aktuell aber keine evidenzbasierte Behandlung zur Verfügung steht. In Therapie befinden sich viel weniger Patienten. Dennoch ist es eine Volkskrankheit, die sehr viele Menschen betrifft. Unser Vorstand sagt immer, wenn wir alle alt genug würden, hätten wir auch alle irgendwann eine AMD. Schlussendlich ist es eine Erkrankung, die man ernst nehmen und über die man sprechen muss.


Wie erklären Sie sich, dass die hohe Anzahl von Betroffenen nicht zu einem Ansturm auf die Selbsthilfe führt?

Das ist eine gute Frage. Wir fragen uns auch immer, warum die Patienten uns relativ spät anrufen, warum sie zu spät zum Augenarzt gehen oder sich beraten lassen. Wahrscheinlich denken viele ältere Menschen, dass das Auge im Alter nun mal an Funktion verliert. Man gewöhnt sich daran, dass die Augen ab einem Alter von etwa 40 Jahren schlechter werden. Es ist ja auch ein schleichender Prozess, gerade bei der trockenen AMD. Wenn jemand sich erst spät überwindet, zum Augenarzt zu gehen und sich dann noch überwinden muss, sich weitergehende Beratung zu holen, dauert das halt schon mal länger.


Wie kommt es, dass die Krankheit in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist als andere Krankheiten, zum Beispiel demenzielle Erkrankungen?

Die Lobbyarbeit ist da: Der DBSV, Pro Retina und wir als AMD-Netz machen sehr viel. Es liegt vielleicht daran, dass es alte Menschen betrifft, und ältere Menschen oft weitere Erkrankungen haben  –  da gehen die Augen sozusagen ein bisschen unter. Andererseits ist selbst das Glaukom bekannter, und auch das tritt meistens eher im Alter auf.


Ich habe den Eindruck, dass zur Altersabhängigen Makuladegeneration viel geforscht wird. Es gibt auch immer wieder Fortschritte in der Behandlung, aber einen großen Durchbruch gab es noch nicht. Wie realistisch ist es, darauf zu hoffen?

Ich würde sagen, den Durchbruch hat es schon gegeben mit den Medikamenten zur Behandlung der feuchten Form, also der neovaskulären exsudativen Form. Diese Therapie hilft vielen Menschen. Im Moment warten alle darauf, dass es etwas gibt, womit man auch die anderen Formen behandeln kann. Hier wird man abwarten müssen, welche Ansätze (Gentherapie, Augentropfen) sich in der Forschung als wirkungsvoll erweisen und die Chance auf eine Zulassung haben. Mit der richtigen Ernährung, Bewegung, dem Verzicht aufs Rauchen und eventuell durch Nahrungsergänzungsmittel kann man mitunter etwas vorbeugen.


Welcher Forschungsansatz erscheint Ihnen im Moment vielversprechend?

Ich bin keine Augenärztin, aber wir reden natürlich viel mit unseren Vorständen über die medizinische Entwicklung. Was sich wahrscheinlich noch mal verändern wird, ist die Behandlung der feuchten Form. Die Injektionen zur Verlangsamung der Krankheit werden im Moment monatlich oder in längeren Abständen gegeben. Die Medikamente kontinuierlich über Implantate ins Auge abzugeben, wäre für einige Patienten vorteilhaft. Denn manche haben Probleme mit den Injektionen, weil sie ein Druckgefühl oder auch Schmerzen auslösen können. Es wird sich auf jeden Fall weiterhin etwas tun, da die Erkrankung in Zukunft noch mehr (ältere) Menschen betreffen wird.

Natürlich ist keine gesicherte Vorhersage möglich. Man hat ja gesehen, wie es bei einem Medikament gegen geographische Atrophie, eine Form der trockenen AMD, gelaufen ist: In den USA wurde das Medikament zugelassen, die Europäische Arzneimittelagentur hat es jedoch nicht zugelassen. Viele Menschen waren davon ausgegangen, dass das Medikament kommt, und Patienten haben sich vielleicht bereits Hoffnung gemacht.


Was könnte in der Gesundheitspolitik verbessert werden im Hinblick auf Menschen mit AMD?

Wir würden uns wünschen, dass in den Augenarztpraxen viel mehr passiert. Ich bin mir sicher, dass die Ärzte ihre Patienten gut aufklären wollen, aber die Zeit oft nicht da ist. Und Beratung wird nicht bezahlt. Die Care Arbeit, also sich um die Menschen, die durch ihr schlechtes Sehen Probleme haben, zu kümmern, ist eine Arbeit, die bezahlt werden muss. Wenn den Ärztinnen und Ärzten die Zeit für Beratung finanziert würde, würden viele Patienten die Praxen besser informiert verlassen und vielleicht die Adresse einer Beratungsstelle sowie Hinweise auf Webseiten und Videos haben. Dann könnten sie sich zu Hause schon mal mit laienverständlichen Informationen über die Erkrankung versorgen.

Man wundert sich ja schon manchmal, dass das Thema Sehbehinderung in Augenarztpraxen keine große Rolle spielt. Orthopäden beschäftigen sich ja auch damit, dass Patienten aufgrund einer Erkrankung vielleicht nicht gut laufen können. Wenn ich mich medizinisch mit den Augen beschäftige, müsste ich auch davon ausgehen, dass Menschen nicht gut sehen können und eine Sehbehinderung Auswirkungen auf ihr Leben hat. Ein finanzieller Hebel könnte da sehr effizient sein.

Mehr Informationen unter www.amd-netz.de


Dazu ein Bild: Jana Stasch-Bouws sieht strahlend in die Kamera. Sie hat ein schmales Gesicht, längeres lockiges dunkles Haar und große dunkle Augen.



Kurzinfo: Veranstaltung: "Ihre Fragen zur AMD"

Das AMD-Netz bietet digitale Patientenveranstaltungen zum Thema AMD an. Im Gespräch mit Fachleuten lernen Betroffene zum Beispiel neue Hilfsmittel und Strategien für den Alltag kennen.

Das Thema der nächsten Patientenveranstaltung lautet: "Ihre Fragen zur AMD." Beantworten wird die Fragen Makula-Experte Prof. Dr. Daniel Pauleikhoff. Die Veranstaltung ist am Donnerstag, 8. Mai, um 17 Uhr. Sie ist kostenlos und findet via Zoom statt.

Anmeldung über www.amd-netz.de/veranstaltungsanmeldung

Oder mit einer formlosen E-Mail an: anmeldung@amd-netz.de

Die Zugangsdaten werden kurz vor der Veranstaltung per E-Mail verschickt.
Fragen schicken Sie bitte an: info@amd-netz.de

Sehen wie durch dichten Nebel

Menschen, die ihr Leben lang gut gesehen haben, Auto gefahren sind und Berufe gehabt haben, in denen das Sehen wichtig ist, trifft die Diagnose Altersabhängige Makuladegeneration oft hart. Zwei, die sie erhalten haben, sind Hildegard Meng und Gerd Steting. Sie erzählen, wie sie mit der für sie neuen Situation umgegangen sind und ihr Leben heute gestalten. Für beide spielt die Selbsthilfe eine Rolle.

Protokolle: Ute Stephanie Mansion


Neue Herausforderungen, nicht das Ende des Lebens

Dass mit meinen Augen etwas nicht stimmte, habe ich daran gemerkt, dass ich blendempfindlich wurde und Farben nicht mehr so gut erkennen konnte. Ich fühlte mich unsicher, vor allem beim Autofahren. Die Diagnose trockene AMD habe ich 2006 erhalten, als ich 55 Jahre alt war. Ich habe erst einmal nachgeschlagen, was das überhaupt ist.

Die gute Botschaft war, dass die AMD nicht zu einer vollständigen Erblindung führen würde, zwar schlechter wird, aber schleichend. Das kann ich aus heutiger Sicht bestätigen. Als leitende Medizinisch-technische Assistentin in einem Krankenhauslabor musste ich mikroskopieren, Bildschirmarbeit machen, Dienstpläne mit Farben schreiben, testen und vieles mehr. Meine Augen wurden schlechter, und ich wurde unsicherer beim Blutabnehmen und machte Fehler beim Erstellen der elektronischen Dienstpläne. Mit 62 Jahren ging ich in den Ruhestand. Das zu akzeptieren, fällt mir bis heute schwer  –  ich habe meine Arbeit gern gemacht. 2014 habe ich mein Auto abgegeben. Ich muss sehr aufpassen im Straßenverkehr und bin auf Hilfsmittel angewiesen: Eine Kantenfilterbrille und eine dunkle Überziehbrille helfen mir, die Konturen zu erkennen, denn ich sehe alles wie durch dichten Nebel. Die Anzeigen auf Bussen und Bahnen kann ich kaum erkennen und bin dankbar für jede akustische Mitteilung. Zum Lesen nutze ich ein Vorlesegerät.

Wichtig ist, dass man seelisch ausgeglichen und ausgeruht ist. Ich habe eine Weile Autogenes Training gemacht, Yoga und Rehasport. An manchen Tagen machen mir die Einschränkungen sehr zu schaffen, an anderen Tagen komme ich besser klar. Es ist eine psychische Belastung, weil man abhängiger wird, mehr Hilfe braucht und mehr nachfragen muss  –  das fällt mir nicht leicht. Ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Meinen Unterstützungsbedarf verteile ich auf verschiedene Schultern, und die Menschen sind überwiegend hilfsbereit, das ist wohltuend. Im Supermarkt geht eine Kassiererin mit mir durch den Markt und sagt: "Sie können uns immer fragen, wir helfen Ihnen!"

Der Freundeskreis verändert sich, manche ziehen sich zurück oder grüßen mich nicht mehr, weil sie denken, die sieht uns ja sowieso nicht.

In einer Selbsthilfegruppe tausche ich mich mit anderen aus. Das bedeutet mir viel, weil man merkt, dass man nicht allein ist mit seinen Problemen. Ich merke auch, dass sich das Sehen bei anderen und bei mir verändert. Aber ich sage mir immer wieder: Das ist nicht das Ende des Lebens. Es sind neue Herausforderungen. Die Veränderungen immer wieder neu zu meistern, ist anstrengend, darum bin ich oft müde und muss mit meinen Kräften haushalten.

Die Forschung geht weiter, und ich halte mich auf dem Laufenden. Ich hoffe, dass ich den Alltag weiterhin leisten und möglichst lange selbstständig bleiben kann. Ich denke jeden Morgen, wenn ich wach werde: Sei froh um alles, was du noch siehst, das ist ein Geschenk.

Hildegard Meng (73) lebt in Düsseldorf.


Teilhabe ist wichtig

Seit 2015 bin ich ehrenamtlich als Blickpunkt-Auge-Berater tätig und berate Menschen, die aufgrund ihrer Sehbeeinträchtigung Fragen haben. Wenn es Menschen mit AMD sind, erzähle ich ihnen, dass auch ich AMD habe, wie der Verlauf ist und kläre sie allgemein über die Krankheit auf. Beim Arzt sind viele so aufgeregt, wenn sie die Diagnose erhalten, dass sie kaum die Tür finden.

Meine Diagnose trockene AMD habe ich 2012 erhalten. Da ich aus der Pflege komme, bin ich dadurch nicht in ein so tiefes Loch gefallen. Die meisten Ratsuchenden fragen nach Hilfsmitteln und wollen wissen, ob man noch etwas machen kann. Ich erkläre ihnen dann, dass ich kein Arzt bin und informiere sie über Hilfsmittel und die Selbsthilfe. So ein Erst-Gespräch dauert rund zwei Stunden. Leider erfahren die Leute ja in den Praxen nichts über Beratungsangebote oder die Selbsthilfe.

Ich setze mich dafür ein, dass die Leute das bekommen, was ihnen zusteht, und helfe ihnen auch bei Widersprüchen und der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises. Ich bin auch im Behindertenbeirat des Landkreises Oldenburg aktiv. Teilhabe ist ein wichtiges Thema für mich. Manchmal merkt man Erfolge der ehrenamtlichen Arbeit, etwa des Beirates, daran, dass Denkanstöße Früchte tragen, wenn auch mit Verzögerung. Mir fällt zum Beispiel auf, dass es immer mehr Leitstreifen gibt.

Ich freue mich, wenn ich den Ratsuchenden helfen kann.

Gerd Steting (72) lebt in Cappeln.

Neues aus der Forschung

Zu Altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) wird viel geforscht. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, denn unsere Redaktion erhält viele Presse-Informationen zu diesem Krankheitsbild und sichtet sie aufmerksam. Heilbar ist AMD noch nicht, die Möglichkeiten der Behandlung verbessern sich jedoch. Hier ein paar Mitteilungen aus jüngster Zeit zur Forschung und zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit AMD.

Von Ute Stephanie Mansion


Sport senkt das Risiko für AMD

Wer sich regelmäßig bewegt, tut etwas Gutes für seine Gesundheit. Auch die Augen profitieren von regelmäßiger sportlicher Betätigung. Wie die Stiftung Auge mitteilt, ist das Risiko, an einer Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zu erkranken bei körperlich aktiven Menschen deutlich geringer als bei Vergleichspersonen, die sich nur wenig bewegen.

Als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung einer AMD gilt neben dem Alter das Rauchen. Auch ein zu hoher Blutdruck trägt zu einem erhöhten AMD-Risiko bei. "Als Faustregel kann gelten: Was für die Gefäßgesundheit im übrigen Körper schlecht ist, schadet auch den Augen", erklärt Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung Auge. Zwar sei ein direkter Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und AMD nicht nachgewiesen und bei häufigen, hauptsächlich vom Alter abhängenden Erkrankungen mit vielen Ursachen auch schwer zu belegen. Mediziner halten jedoch gemeinsame Erkrankungsmechanismen für wahrscheinlich.

"Körperliche Aktivität wirkt direkt auf einige wichtige Parameter ein, die sowohl das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch das für AMD beeinflussen", erläutert Holz. Zu diesen Parametern zählen neben dem Körpergewicht und dem Blutdruck auch die Blutzuckerregulation und die Blutfettwerte. Vermutlich werden durch die körperliche Betätigung auch antioxidativ wirkende Enzyme aktiviert.

Wie groß der Effekt ist, der sich mit Sport erzielen lässt, hat eine Meta-Analyse mit insgesamt über 14.500 älteren Teilnehmenden gezeigt. Verglichen mit stark aktiven Teilnehmenden entwickelten diejenigen, die nicht oder nur moderat körperlich aktiv waren, um 19 Prozent häufiger eine AMD.

Als hohe körperliche Aktivität galten intensives Sporttreiben, das Heben von Lasten oder anstrengende Gartenarbeit. Einfaches Spazierengehen galt als moderat. Am deutlichsten war der Zusammenhang zwischen einer geringeren Betätigung und dem Neuauftreten einer AMD bei den jüngsten Probanden, die im Durchschnitt 61 Jahre alt waren: Hier waren körperlich weniger Aktive um 74 Prozent häufiger von einer AMD betroffen als intensiv Sporttreibende.

"Die Botschaft für die Praxis ist klar", sagt Holz: "Auch wenn die AMD eine typische Erkrankung des höheren Lebensalters ist, sollte spätestens in mittleren Jahren mit Sport oder anderen körperlichen Aktivitäten begonnen werden."

Quelle: Stiftung Auge


Dazu ein Bild: Ein Mann auf einem Fitnessgerät drückt Gewichte zusammen. Er hat graues Haar, trägt eine Brille und ein dunkles T-Shirt mit einem Blinden-Button.


Erstmals Port-Delivery-System eingesetzt

Die Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn (UKB) hat Patientinnen und Patienten mit der feuchten Alters-abhängigen Makuladegeneration (AMD) erstmals ein innovatives Port-Delivery-System eingesetzt. Das System gibt kontinuierlich den VEGF-Hemmer Ranibizumab ins Auge ab.

Die feuchte oder neovaskuläre Form der AMD ist mittlerweile mit wiederholten Injektionen von VEGF-Hemmern gut behandelbar. VEGF-Hemmer sind Arzneistoffe, die das Wachstum bestimmter Proteine, der VEGF (vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktoren), hemmen. Die VEGF-Hemmer oder auch VEGF-Inhibitoren sollen das Voranschreiten der AMD verlangsamen.

Die VEGF-Hemmer müssen allerdings häufig und über viele Jahre verabreicht werden  –  mit einer entsprechend hohen Belastung für die Patientinnen und Patienten. Die Uni-Augenklinik Bonn nimmt nun an einer Studie teil, bei der das sogenannte Port-Delivery-System (PDS) kontinuierlich den VEGF-Hemmer Ranibizumab ins Augeninnere abgibt.

Was ist das Port-Delivery-System? Dr. Raffael Liegl, Leiter des Studienzentrums und geschäftsführender Oberarzt der Augenklinik des UKB, erklärt: "Das kleine, permanente Implantat ist nachfüllbar  –  typischerweise in Abständen von sechs bis neun Monaten, was die Belastung für die Patientinnen und Patienten und das Gesundheitssystem wesentlich reduzieren kann."

Im Dezember vergangenen Jahres wurde das reiskorngroße Implantat (8,4 mal 2,6 Millimeter) erstmals Patientinnen und Patienten eingesetzt. In einem mikrochirurgischen Verfahren wird das Implantat in die Sklera, die äußere Umhüllung des Augapfels, eingesetzt.

"Die Augenklinik des UKB zählt zu den wenigen Zentren in Deutschland, an denen dieses innovative Verfahren Anwendung findet und Patientinnen und Patienten im Rahmen der Studie angeboten werden kann", sagt Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Augenklinik des UKB.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn


Arbeit an Augentropfen gegen trockene AMD

Ein südkoreanisches Forscherteam hat nach eigenen Angaben Augentropfen zur Behandlung der trockenen Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) entwickelt. Das Team um Dr. Moon-Hyeong Seo, tätig an einem Wissenschaftszentrum in Seoul, konzentrierte sich auf den Entzündungssignalweg der Toll-like-Rezeptoren (TLRs). Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der AMD.

Durch die Extraktion von Peptidsequenzen aus Zehntausenden von Proteinen mit Strukturen, die den natürlichen TLR-Signalproteinen ähneln, erstellten die Forscher eine umfangreiche Bibliothek mit über 190.000 Peptidwirkstoffkandidaten. Sie identifizierten mehrere Peptidkandidaten, die in der Lage sind, die Wechselwirkungen zwischen diesen Proteinen zu hemmen.

Die Forscher validierten die Wirksamkeit der Peptide an Mäusen mit induzierter trockener AMD. Die behandelte Gruppe zeigte einen Schutz der Netzhautzellen und eine deutlich geringere Netzhautdegeneration, vergleichbar mit der von Mäusen ohne AMD.

Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die Augentropfen auf Peptidbasis die bestehenden injizierbaren Therapien für trockene AMD wirksam ersetzen könnten.

Quelle: biermann-medizin.de

Termine & Tipps:

Termine

Mobiler mit Technik

10.-13.3. und 19.-23.5.2025, Aura Pension "Villa Rochsburg"

In zwei Seminaren  –  für Einsteiger und Fortgeschrittene  –  wird durch die Kombination verschiedener Apps vermittelt, wie man sich blind besser orientieren und sicher seinen Weg zum Ziel finden kann.

Infos und Anmeldung unter
Tel.: 03 73 83 / 8 38 00
E-Mail: villa@bsv-sachsen.de

Online-Tanzworkshop

19.3.2025, online via Zoom

Der monatliche Online-Tanzworkshop "Creative Blind Dance" kann bequem von zu Hause aus besucht werden. Für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet.

Infos und Anmeldung unter
E-Mail: rubinjanina@gmail.com

Literarische Woche

6.-13.4.2025, Aura-Hotel Saulgrub

Unter dem Motto "Fünf Tage  –  Fünf Autoren" stellen Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Werke persönlich vor.

Infos und Buchung unter
Tel.: 0 88 45 / 99  –  0
E-Mail: info@aura-hotel.de

Blind Auto fahren

24.4.2025, Aura Pension "Villa Rochsburg"

Auf einem Verkehrsübungsplatz werden die Teilnehmenden Gelegenheit bekommen, selbst Auto zu fahren. Gefahren wird mit einem Fahrschulauto unter Anleitung und Betreuung eines ausgebildeten Fahrlehrers.

Infos und Anmeldung unter
Tel.: 03 73 83 / 8 38 00
E-Mail: villa@bsv-sachsen.de

SightCity

21.-23.5.2025, Frankfurt und online

Auf der größten internationalen Hilfsmittelmesse für blinde und sehbehinderte Menschen präsentieren über hundert Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Zusätzlich zur dreitägigen Ausstellung gibt es das SightCity-Forum, ein Vortragsprogramm mit Beiträgen zu Neuheiten und wissenschaftlichen, medizinischen und sozialrechtlichen Entwicklungen. Die Gäste können die Vorträge in Frankfurt besuchen oder online via Zoom streamen.

Infos unter
Tel.: 0 23 04 / 20 59 01
www.sightcity.net

IDECUP im Schießsport

29.5.-1.6.2025, Langelsheim

Beim 2. Internationalen Deutschland-Cup für blinde und sehbehinderte Menschen, haben alle, die sich bereits dem Schießsport widmen, als auch diejenigen, die bislang noch keine Berührungen mit diesem Sport hatten, die Möglichkeit, sich sportlich zu messen.

Infos und Anmeldung bis zum 31.3. unter www.idecup.eu

DBSV-Skatmarathon

8.-14.6.2025, Mühlenbach im Schwarzwald

Das diesjährige Integrationsturnier für blinde, sehbehinderte und sehende Menschen findet im Schwarzwaldhotel Roter Bühl in Mühlenbach statt. Es werden 10 Serien gespielt. Pro Serie werden 10 Runden, also 40 Spiele am Vierer- und 30 Spiele am Dreier-Tisch gespielt.

Anmeldung bis 13.4. beim
Skatmarathon-Orgateam
E-Mail: skatmarathon@fkoop.de

Zusätzlich ist eine eigenständige Buchung im Hotel notwendig
E-Mail: info@roter-buehl.de

Musikwoche für junge Leute

31.7.-8.8.2025, Freising

Klassische Chorsätze, Instrumentalstücke, Popsongs, Rap, Beatbox, Bodypercussion und Tanz: Das alles bietet die Musikwoche des DBSV-Musikclubs für junge Leute. Auch Erwachsene sind willkommen. Eine Woche lang werden unter erfahrener Leitung mehrstimmige Lieder, Chor- oder Instrumentalstücke eingeübt. Zum Abschluss gibt es ein öffentliches Konzert.

Anmeldung bis 16.3. bei
Katerina Athanasiadou
E-Mail: k.athanasiadou@dbsv.org

Tipps

"Inklusionsstammtisch" im Radio SWW

Das Radio SWW ist ein Podcastformat von blinden und sehbeeinträchtigten Bewohnerinnen und Bewohnern der Südbayerischen Wohn- und Werkstätten in München. In der Gastsendereihe "Inklusionsstammtisch" spricht die Seelsorgerin für Menschen mit Behinderung, Schwester Bernadette Brommer, einmal monatlich mit unterschiedlichen Gästen. Ihr Anliegen ist es, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen.

Die Folgen können auf den gängigen Podcast-Plattformen gehört werden und sind im Internet mithilfe der Suchbegriffe "Inklusionsstammtisch" und "Radio SWW" zu finden.

Online-Service für Rehasport

Um den Zugang zum Rehasport für Teilnehmende und Vereine zu erleichtern, hat der Deutsche Behindertensportverband (DBS) eine Online-Plattform geschaffen, die alle relevanten Informationen bündelt. "Dein Rehasport" soll dazu beitragen, aktiv zu werden und informiert darüber, wie man am Rehabilitationssport teilnehmen und eine passende Rehasport-Gruppe finden kann.

Alle Informationen unter www.dein-rehasport.de

Forum:

Braille lernen lohnt sich

"Meine Arbeit mit Braille": So heißt die Reihe, mit der wir in diesem Jahr, 2025, an das 200-jährige Bestehen der Brailleschrift erinnern. Der damals 16-jährige Schüler Louis Braille hat sie 1825 fertigentwickelt. In unserer Reihe berichten Menschen, wie sie beruflich oder ehrenamtlich mit der Brailleschrift arbeiten. Folge 2: Vom Lernen, Punzieren und Korrekturlesen erzählt ein Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen.

Von Mike Dallmann


Mein Name ist Mike Dallmann, ich bin 60 Jahre alt, späterblindet und arbeite seit 1990 im Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen), früher Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Meine erste Berührung mit der Brailleschrift hatte ich im Herbst 1979. Damals war ich sehbehindert und besuchte die zehnte Klasse der Sehschwachenschule Leipzig. In einem Kurs erlernte ich die Voll- und später die Kurzschrift, übrigens hier im Haus in Leipzig. Das war schon heftig: nach der Schule zum Schulschwimmen und dann um 16.30 Uhr zum Blindenschrift-Lernen! Dabei konnte ich doch noch halbwegs sehen!

Nach Beendigung der Schulzeit im Sommer 1980 ging ich ins Rehabilitationszentrum "Dr. Salvador Allende" Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) zu einem Kurs Elementar-Rehabilitation, was heute den Lebenspraktischen Fähigkeiten entsprechen würde. Dort wurde neben Schreibmaschine-Schreiben, Langstocktechnik und vielem mehr auch die Brailleschrift vermittelt und gelernt. Für uns Jugendliche mit Sehbehinderung war die Versuchung groß, die Punkte nicht mit den Fingern, sondern mit den Augen zu lesen; das wurde natürlich nicht gern gesehen.


Hilfreiche Braille-Notizen

1981 begann ich in Karl-Marx-Stadt die Ausbildung zum Facharbeiter für Schreibtechnik. Dabei spielte die Brailleschrift wieder eine herausragende Rolle für mich (neben der Braille-Stenografie als Bestandteil der Ausbildung). Meine Aufzeichnungen in den diversen Unterrichtsfächern hatte ich damals Gott sei Dank schon in Punktschrift angefertigt, was mir in der Folgezeit sehr half, denn während der Jahre der Ausbildung erblindete ich. So konnte ich aber das notierte Lehrmaterial lesen.

Nach der Ausbildung  –  nun erblindet  –  arbeitete ich gut fünf Jahre in einem Staatsbetrieb der DDR, wo Braille-Steno keine Rolle spielte, da die Schreibarbeiten auf Tonträger aufgesprochen wurden.

1990 wechselte ich in die DZB, heute dzb lesen. Dort war ich zuerst als Telefonist tätig und von 1998 an in der Abteilung Blindenschrift, die jetzt BGE (Brailleschrift  –  Großdruck  –  E-Book) heißt. Dort habe ich zunächst Bücher in alter Kurzschrift in neue Kurzschrift übertragen und im Jahr 2000 die Stelle als Punzierer übernommen. Als Punzieren bezeichnet man, abgeleitet vom Punzen, das Prägen von Brailleschrift in Zinkplatten oder Kunststoff-Folien. Diese werden als Matrizen, also Schablonen für die Vervielfältigung, für die Herstellung von Zeitschriften oder Büchern verwendet. Diese Arbeit hat mir viel Spaß gemacht. Es ist ein eigenständiges, eigenverantwortliches Arbeiten, und die Kenntnis der Brailleschrift ist für die Erfüllung der Aufgaben zwingend erforderlich. So besteht zum Beispiel in der Punziererei die letzte Möglichkeit, eventuell aufgetretene Fehler im Text zu korrigieren. Leider fällt diese Tätigkeit immer weniger an.


Herausforderungen des Korrekturlesens

Bei der Arbeit ist mir neben der Sprachausgabe die Braillezeile eine wichtige Hilfe. In den 2000er und 2010er Jahren wurden noch weitaus mehr Zeitschriften und Bücher punziert als heute. Neben dem Punzieren übernahm ich dann auch das Korrekturlesen, zuerst von Vollschrift-, dann auch von Kurzschrift-Büchern. Da bekommt man es mitunter mit spannenden und wissenswerten, manchmal auch weniger interessanten Büchern zu tun.

Die Herausforderung beim Korrekturlesen besteht meiner Meinung nach darin, sich nicht in erster Linie auf den Text zu konzentrieren, sondern auf die richtige Schreibweise, die korrekte Anwendung der Kürzungen oder der Trennungen, mit dem Text übereinstimmende Inhaltsverzeichnisse, die vorgeschriebenen Absätze und Einrückungen und vieles mehr zu achten. Dies alles muss über mehrere Stunden mit voller Konzentration geleistet werden. Dabei ist gegebenenfalls auch zwischen alter und neuer Kurzschrift bzw. alter und neuer Rechtschreibung zu unterscheiden  –  und seit einiger Zeit auch auf die Darstellungen aus der digitalen Welt in Braille.

Im privaten Bereich nutze ich die Brailleschrift sicher wie jede andere Nutzerin, jeder andere Nutzer auch: mal ein gutes Buch lesen, Gegenstände beschriften, am heimischen PC arbeiten.


Braille überall: In Beruf und Freizeit, Musik und Schach

Brailleschrift macht eine Menge möglich: in der Schule, in der Fortbildung, in Beruf und Freizeit  –  in allen möglichen Gebieten, unter anderem auch in der Musik und im Schach.

Ich finde es sehr schade, dass immer weniger mit den Fingern auf Papier gelesen wird  –  Hör-CD statt Braillebuch, Internet statt Zeitschrift. Alles hat seine Berechtigung, die Zeiten ändern sich, und die Erstellung eines Buches oder einer Zeitschrift dauert eben, da sind andere Medien schneller und dadurch aktueller. Aber wenn der Strom mal weg ist  –  keine Info! Natürlich ist die Brailleschrift nicht vollkommen und weist einige Merkwürdigkeiten auf, zum Beispiel das Wort "Säge": P.5, sge statt sä und ge-Zeichen (vier statt drei Zeichen), bei "vornehm" und "vornherein" liest man erst in der Mitte des Wortes, was gemeint ist und Ähnliches mehr.

Ich würde mir wünschen, dass jeder blinde Mensch, auch der späterblindete, zumindest die Vollschrift erlernt. Es lohnt sich!


Dazu ein Bild: Mike Dallmann hält rechteckige Punzierplatten aus Zink in den Händen. Er hat kurzes Haar, eine hohe Stirn und trägt ein Kapuzenshirt. Im Hintergrund ist ein Regal zu sehen.

Radelnd die Region erkunden

Sie lassen sich den Wind um die Nase wehen, genießen die frische Luft und Gespräche, Kaffee und Kuchen in den Pausen: Die Fahrerinnen und Fahrer der Tandemgruppe Braunschweig radeln von April bis Oktober alle vier Wochen zu einem anderen Ort und verbinden ihren sportlichen Ausflug mit einem kulturellen Ziel. Die Leiterin der Gruppe erzählt, warum ihr das Tandemfahren so viel Spaß macht.

Von Petra Bognitz


Ein sportlicher Mensch bin ich nicht, aber ich bewege mich gern und bin schon immer gern Fahrrad gefahren. Ich habe Retinitis pigmentosa (RP) und hatte in jungen Jahren einen Super-Sehrest, der dann immer weniger wurde. Ich bin seit 36 Jahren im Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN), weil meine Mutter damals dort eingetreten ist und gesagt hat, du trittst jetzt gleich mit ein. Erst einmal war ich nur passives Mitglied.

Als meine Sehkraft nachließ, war eigenständiges Fahrradfahren nicht mehr möglich. Mein damaliger Mann schenkte mir ein Tandem. Damit sind wir gefahren, und es hat mir viel Spaß gemacht. Dann habe ich von der Sport-Abteilung im BVN erfahren. Mittlerweile bin ich stellvertretende Leiterin der Sport-Abteilung für die Region Süd-Ost-Niedersachsen.

Ich habe schon immer in Braunschweig gewohnt, und mich kriegt hier auch keiner weg. Seit 15 Jahren fahre ich in der Tandemgruppe Braunschweig mit; seit sieben Jahren leite ich sie. Wir sind anfangs Touren von 60 Kilometern und mehr gefahren, teilweise auch 80 Kilometer. Inzwischen sind es so um die 40 Kilometer bei einer Tour. Wir machen Pausen und haben einen Begleitbus dabei. Es ist alles sehr gut organisiert: Wir haben Christina Hempelmann, die für uns Kuchen backt, es gibt Kaffee und kalte Getränke. So lassen wir es uns in den Pausen gut gehen!

Die Tandem-Pilotinnen und -Piloten habe ich fast alle über eine Freiwilligenagentur gefunden, und ich habe auch kurze Artikel in Stadtteilzeitungen veröffentlicht. Auch über Empfehlungen sind wir an Piloten gekommen. Wenn neue Piloten dazukommen, habe ich sie gefragt, ob sie nicht Bekannte oder Freunde haben, die ebenfalls Lust hätten mitzufahren. Auf diese Weise haben wir einen guten Stamm aufgebaut. Als ich angefangen habe, waren es ziemlich wenige. Manchmal mussten sich zwei blinde Fahrer einen Piloten teilen. Das war natürlich nicht so schön, denn wenn jemand alle vier Wochen mal Tandem fährt, möchte er oder sie halt die ganze Tour fahren und nicht nur eine Hälfte. Das war nicht so motivierend, aber mittlerweile klappt es gut.


Tandems, Elektrotandem, Einzelräder

An unseren Radtouren nehmen manchmal auch Gäste aus unserer Region teil, die mit dem eigenen Tandem fahren. Es waren schon welche aus Gifhorn und Wolfsburg dabei. Im vergangenen Jahr hat Aktion Mensch den Kauf von sechs neuen Tandems gefördert; auch ein Elektrotandem haben wir von der Aktion Mensch bekommen. Meistens fährt eine Teilnehmerin damit, die schon über 80 Jahre alt ist.

Die Zahl derer, die mitfahren, ist unterschiedlich groß. Manchmal sind es nur vier Tandems, meistens sind es acht. Es gibt auch Ersatzpiloten, die auf Einzelrädern mitradeln.

Wir fahren von April bis Oktober alle vier Wochen. Wir starten immer an einem Sonntag um zehn Uhr an einer ehemaligen Fahrradwerkstatt in Braunschweig, wo die Tandems untergestellt sind. Dort kommen wir auch wieder an. Wir fahren zu unterschiedlichen Orten und verbinden die Touren mit kulturellen Zielen. So sind wir zum Beispiel nach Bodenstedt im Landkreis Peine gefahren und haben dort das Museum "ZeitRäume" besichtigt, ein Museum zur Zeitgeschichte des späten 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre. Ein weiteres Ziel war das Gärtnermuseum Wolfenbüttel.

Im November unternehmen wir einen Tandemabschluss, das heißt, dann fahren wir mit Autos oder mit der Bahn irgendwohin. Im vergangenen Jahr waren wir im Till-Eulenspiegel-Museum in Schöppenstedt. Nach dem kulturellen Teil kehren wir zu einem gemeinsamen Essen ein.


Gute Unterhaltung in den Pausen

Das Tandemfahren macht mir nach wie vor viel Spaß. Zum einen, weil mein Pilot mein Cousin ist, der viel über die Umgebung erzählt. Zum anderen, weil Ich gern an der frischen Luft bin und weil ich beim Radfahren andere Eindrücke wahrnehme als sonst. Auch die Gemeinschaft ist mir wichtig. In den Pausen unterhalten wir uns und geben uns gegenseitig Tipps: Wo könnten wir noch hinfahren, was könnten wir noch Neues machen? Es ist immer sehr schön.

Unsere Tandemgruppe gibt es seit 40 Jahren. Unser Guide heißt Michael Schanz und ist von Anfang an dabei. Er arbeitet die Routen aus, gibt die Wege an und legt ein zügiges Tempo vor. Er nimmt aber auch Rücksicht auf langsamere Mitradelnde. Mit Funkgeräten verständigen wir uns untereinander, wenn jemand zum Beispiel eine Panne hat. Hans-Werner Hempelmann pflegt und wartet unsere Tandems ehrenamtlich. Wir sind gut ausgerüstet.

Bis spätestens Anfang März werden die Termine für die Touren festgelegt, wobei wir Rücksicht nehmen auf Fußball- und Formel-1-Übertragungen. Wenn es nicht gerade Bindfäden regnet, fahren wir.


Probefahrten mit neuen Piloten

Unser jüngster Pilot ist um die 40; es war auch schon mal ein Neunzehnjähriger dabei. Leute in dem Alter bleiben aber meistens nicht lange. Sie brauchen eine Bescheinigung, dass sie irgendetwas Soziales gemacht haben. Ein jüngerer Pilot fuhr zwei, drei Jahre mit, ist dann aber weggezogen. Die meisten, die mitfahren, sind Mitte 50 bis Mitte 60, und wie gesagt eine 81-Jährige gehört auch dazu.

Wir versuchen, dass es feste Tandemteams gibt. Denn jeder Pilot fährt anders. Ich spreche da aus Erfahrung, und weiß, dass sich beide aufeinander einstellen müssen. Einige haben sich auch privat angefreundet.

Wenn Leute mitfahren, die nicht regelmäßig dabei sind, oder wenn ein neuer Pilot dazukommt, muss man natürlich die Teams anders einteilen. Mit neuen Piloten machen wir erst mal Probefahrten, damit sie ein Gefühl für das Tandem bekommen, ohne dass schon jemand hinten draufsitzt.

Privat habe ich im vergangenen Jahr auch eine Tandemtour unternommen, die viel Spaß gemacht hat: Wir sind nach Wittingen in der Heide gefahren. Das war schon sportlicher, da sind wir jeden Tag so 60, 70 Kilometer gefahren, Das war auch toll, und wir haben dort unter anderem eine Burg besichtigt.

Petra Bognitz (60) lebt in Braunschweig.


Wer ebenfalls in der Region wohnt und Lust hat, in der Gruppe Tandem zu fahren, kann sich bei ihr melden.

Tel.: 05 31 / 12 83 07 12
E-Mail: petra.bognitz@web.de
www.blindenverband.org/tandemgruppe-braunschweig.html

Protokoll: Ute Stephanie Mansion


Dazu ein Bild: Petra Bognitz und ihr Pilot Volker Weinlich fahren auf einem Tandem einen Weg entlang. Beide tragen einen Helm. Am Rand sind Büsche zu sehen.

Leserbriefe

Kleine Begegnung am frühen Morgen

Samstagmorgen, kurz vor halb acht: Ich bin auf dem Weg zum Bäcker. Es ist völlig still im Wohngebiet, kein Auto zu hören. Ich bin zügig unterwegs, mein weißer Langstock tickt im Rhythmus meiner Schritte vor mir aufs Pflaster. Die erste Kreuzung liegt schon hinter mir; vorne an der Querstraße muss ich rechts abbiegen, dann geht es nur noch geradeaus. Den Weg kenne ich schon gut, wir wohnen ja seit mehr als drei Monaten hier, und ich hole fast jeden Samstag Frühstücksbrötchen.

Bewusst nehme ich die Stille wahr und die fast milde Luft. Am Ende des Gartenmäuerchens biege ich rechts um die Ecke und halte mich gleich etwas links, um mit dem Langstock die Bordsteinkante zu ertasten, aber die kommt nicht. Ich taste um mich herum, aber der Stock signalisiert mir nur eine große Pflasterfläche  –  das muss ein Hof sein, hier bin ich verkehrt.

Wenn doch nur ein Auto käme, damit ich den Straßenverlauf hören und mich wieder orientieren könnte! Aber es bleibt still. Ich finde die Ecke eines Hauses  –  wie steht es auf dem Grundstück, wie komme ich wieder zurück auf meinen Weg?

Da höre ich eine Männerstimme, sie muss von der anderen Straßenseite kommen, aus dem ersten Stock: "Hallo, da sind Sie falsch! Laufen Sie genau auf meine Stimme zu!" Hinter dem Mann ist etwas leiser eine Frauenstimme zu hören, die Stichwörter wie "Gartentür" und "Stufe" sagt, die der Mann laut wiederholt. Ich folge den Anweisungen und bin wieder auf meinem Weg. Ich bedanke mich, wir wünschen uns gegenseitig einen schönen Tag, und ich gehe beschwingt, aber aufmerksamer weiter.

Als blinder Mensch wird man ständig beobachtet  –  wie wunderbar ist es dann, wenn die anderen sehen, dass sie mit wenigen Worten weiterhelfen können und das auch tun! Es kostet mich viel Kraft und manche Blessuren, mir diese völlig fremde kleine Stadt zu erschließen, die jetzt meine Heimat sein will. Den Mut, hieran weiter zu arbeiten, ziehe ich aus solchen kleinen Begegnungen.

Klaus Hahn, ehemaliger Präsident des DBSV und dessen Ehrenmitglied, Butzbach. Der Text wurde zuerst in der Wochenzeitung "Die Zeit" in der Rubrik "Was mein Leben reicher macht" veröffentlicht (Ausgabe 54/2024 vom 19.12.2024).

Frist versäumt, keine Erstattung

Ich habe bis vor Kurzem einen Midi-Job ausgeübt und wurde mit dem Taxi zu meiner Arbeitsstelle gebracht. Meine Blindheit und nicht ausreichende Busverbindungen erlauben es mir nicht, den komplizierten Arbeitsweg selbstständig zu bewältigen. Für die Taxikosten kam größtenteils die Agentur für Arbeit auf.

Vor Weihnachten erhielt ich ein Schreiben, das besagte, dass meine eingereichten Fahrtkosten für November nicht erstattet werden können, da die Kostenerstattung nur bis zum 31. Oktober 2024 gewährt werden könne. Ich werde somit auf den Fahrtkosten sitzen bleiben, die fast mein gesamtes Einkommen betragen. Das Schreiben erinnerte auch freundlich daran, dass sechs Wochen vor Neubeginn der Leistungen der Antrag zur weiteren Bewilligung der Fahrtkosten gestellt werden müsse, was ich nicht getan hatte. Ich hatte nicht genau im Kopf, wann die Bewilligung meiner Fahrtkosten endet, und hatte kein Antragsformular zugesendet bekommen.

Ich habe meinen Job nicht gekündigt, bin nicht umgezogen, und auf meinem Arbeitsplatz gab es auch keine Veränderungen, die der Arbeitsagentur gemeldet worden sein könnten. Es gab also keinen Grund zu der Annahme, dass ich plötzlich nicht mehr zur Arbeit fahren würde.

Ich frage mich, ob die Agentur für Arbeit nicht verpflichtet gewesen wäre, mir zur Neubewilligung der Erstattung meiner Fahrtkosten rechtzeitig ein Antragsformular zu schicken oder mich zumindest darauf aufmerksam zu machen, dass die Bewilligung meiner Fahrtkosten bald ausläuft. So traf das Schreiben mit der Ablehnung meiner November-Fahrten ohne jede Vorwarnung bei mir ein.

Von Anfang Dezember an bis in dieses Jahr hinein war ich krankgeschrieben, sonst hätte ich wahrscheinlich weiterhin vorübergehend meine Fahrtkosten zur Arbeit selbst tragen müssen. Das hätte bedeutet, dass ich praktisch umsonst gearbeitet hätte, weil ich mein Einkommen für die Fahrtkosten hätte aufwenden müssen.

Für Fälle wie meinen sollte es meiner Meinung nach eine Möglichkeit geben, nachträglich einen Antrag zu stellen, und die Agentur für Arbeit sollte über diese Möglichkeit informieren. Noch besser fände ich es, wenn der Gesetzgeber die Arbeitsagentur verpflichten würde, wenigstens rechtzeitig ein Erinnerungsschreiben über das Auslaufen einer Bewilligung zu verschicken, dessen Erhalt der Empfänger bestätigen muss.

S. Schühle
Landkreis Karlsruhe

Rätsel

In der folgenden Anekdote verstecken sich  –  auch über Wortzwischenräume und Satzzeichen hinweg  –  folgende Tiere:

Egel, Hund, Igel, Rabe, Ren, Rind, Schaf, Star, Tiger und Wal.

In welcher Reihenfolge kommen sie im Text vor?


Scharfrichter

Denis Scheck, ein starker, wortgewaltiger und leidenschaftlicher Literaturkritiker, fällt über in der "Spiegel"-Bestseller-Liste "Belletristik" aufgeführte Romane nicht selten vernichtende Urteile. Belletristik sei schöngeistige Literatur, sagte er. Aber einige dieser enttäuschenden Bücher seien weder schön, noch geistvoll, sondern geistig schwach  –  und auch gar keine Literatur.

(Quelle: "Druckfrisch", Magazin, ARD, 21.4.2024)
Text und Scherenschnitt: Thomas Christian Dahme


Dazu ein Bild: Ein Scherenschnitt zeigt Denis Scheck. Er trägt ein Sakko, Hemd und Krawatte, eine Brille und hält ein aufgeschlagenes Taschenbuch in den Händen.


Bitte senden Sie die Lösung bis zum 20. März an den

DBSV
Rungestraße 19, 10179 Berlin oder per
E-Mail an: sichtweisen@dbsv.org


Alle richtigen Einsendungen nehmen am Ende des Jahres an einer Verlosung teil (Informationen zur Datenverarbeitung gemäß Art.13 DSGVO unter www.dbsv.org/datenschutz.html).

Lösung des Januar-Rätsels

Sund  –  Bach  –  Lache  –  Riff  –  See  –  Anden  –  Alpen  –  Meer  –  Atlas  –  Haff

Lohn für die Rätselmühe

Die Gewinnerinnen und Gewinner unseres Preisrätsels 2024 stehen fest. Wie immer haben wir unter allen Einsendungen eines Jahres ausgelost, wer sich über die ausgelobten Preise freuen darf.

Den 1. Preis, jeweils ein Set Lego Braille-Steine (LEGO® Braille Bricks) gespendet von der LEGO® Gruppe, erhalten Elke Kaube, Radeberg, und Horst Schilbach, Duisburg.

Der 2. Preis, dreimal je ein Kartenspiel Quardo, wurde gespendet vom Erfinder des Spiels, Václav Fanta. Die Spiele gehen an Herbert Heiken, Rödental, Andrea Kölle-Wellbrink, Bad Münder, und Doris Schwaack, Rees.

Über den 3. Preis, dreimal je eine kleine Winter-Wohlfühl-Überraschung, freuen sich Sieglinde Schalk, Brüel, Joachim Schaefer, Dissen, und Leo Spielmann, Konz.



Kurzinfo: Forum  –  im direkten Austausch

Schicken Sie Ihre Geschichten, Empfehlungen oder Leserbriefe an sichtweisen@dbsv.org oder per Post an

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Redaktion "Sichtweisen"
Rungestraße 19, 10179 Berlin

Panorama:

Gesellschaft

"Blind Date" beim Evangelischen Kirchentag

Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist ein großes Ereignis, zu dem die Kirche in diesem Jahr vom 30. April bis zum 4. Mai nach Hannover einlädt. Für fünf Tage kann sich jede und jeder aus 1500 Veranstaltungen das eigene Programm zusammenstellen, zum Beispiel Diskussionen über Fragen der Zeit, kulturelle Angebote, Möglichkeiten der Begegnung und Gottesdienste.

Es wird versucht, die Mehrzahl der Veranstaltungen barrierefrei durchzuführen. Außerdem gibt es verschiedene Arten von Unterstützung. Der Dachverband der evangelischen Blinden- und evangelischen Sehbehindertenseelsorge (DeBeSS) ist auf dem Kirchentag beim "Markt der Möglichkeiten" mit einem Stand vertreten. Er lädt Besucherinnen und Besucher ein, sich mit dem Thema Sehbehinderung auseinanderzusetzen. In einem kleinen Parcours kann mit einer Simulationsbrille probiert werden, wie sich Sehbehinderung auf das tägliche Leben auswirkt. "Wir wollen Menschen sensibilisieren und ins Gespräch kommen", erklärt Pfarrerin Barbara Brusius, Theologische Referentin beim DeBeSS.

Auch ein "Blind Date" wird es wieder geben. Beim "Blind Date" treffen sich blinde, sehbehinderte und sehende Menschen zum Austausch und Gespräch in der offenen Atmosphäre eines Cafés. Eine weitere Gruppe der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge bereitet einen Dunkelgottesdienst in einer Kirche in Hannover vor.

Weitere Informationen zum Kirchentag unter www.kirchentag.de

Das Programm des Kirchentages ist zu finden unter www.kirchentag.de/programm-verteiler

Informationen zur Barrierefreiheit unter www.kirchentag.de/barrierefreie-teilnahme

Gesundheit

Aktionsplan da, Umsetzung unklar

Das Bundesgesundheitsministerium hat Ende vergangenen Jahres einen Aktionsplan für ein barrierefreies und diverses Gesundheitswesen an den Deutschen Behindertenrat übergeben. Der DBSV hatte sich intensiv in die Erarbeitung des Aktionsplans eingebracht. Mit dem Aktionsplan wurde ein Auftrag erledigt, der im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung vorgesehen war.

Offen ist durch das Ende der bisherigen Koalition, ob und wenn ja, wann der Aktionsplan des Ministeriums umgesetzt wird. Konkrete Vorgaben zur Umsetzung von Maßnahmen enthält der Plan nicht.

Forschung

Nervenzellen der Netzhaut arbeiten zusammen

Forschende der Universitätsmedizin Göttingen haben herausgefunden, dass Nervenzellen im Auge natürliche optische Reize aus der Umgebung häufig gemeinsam in Zellgruppen und aufeinander abgestimmt verarbeiten. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Behandlung von Blindheit zu verbessern. Die Ergebnisse sind im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht.

Seit mehr als 50 Jahren bestimmt die sogenannte effiziente Kodierungshypothese das wissenschaftliche Verständnis der Sehprozesse im Auge. Sie besagt, dass es die Aufgabe der Netzhaut ist, die visuellen Informationen möglichst effizient zu verarbeiten, um energetische Ressourcen zu schonen. Es sollten also möglichst wenige Nervenzellen gleichzeitig aktiv sein, wenn es um die Produktion elektrischer Signale zur Weiterleitung der Sehinformationen an das Gehirn geht.

Ein Team um Prof. Dr. Tim Gollisch, Forschungsgruppenleiter an der Uni-Augenklinik Göttingen, hat jetzt herausgefunden, dass die effiziente Kodierungshypothese nicht auf alle Nervenzellen im Auge zutrifft. Für eine Reihe von Zellen konnten die Forschenden in Netzhautpräparaten beobachten, dass häufig ganze Zellgruppen gleichzeitig aktiv sind. Dieses koordinierte Zusammenwirken der Nervenzellen scheint einer effizienten und energiesparenden Informationsübertragung zu widersprechen. Das Team konnte zeigen, dass bestimmte Zellgruppen dann gleichzeitig aktiv werden, wenn entweder kontrastreiche Bilder ins Blickfeld kommen oder Bewegungen in bestimmte Richtungen beobachtet werden.

"Diese koordinierte Zusammenarbeit der Nervenzellen könnte dazu dienen, dass das Gehirn besonders relevante optische Signale wie Kontrast und Bewegung von anderen, weniger wichtigen Einflüssen wie Helligkeitsänderungen unterscheiden kann", erklärt Gollisch. "Für Energieeffizienz scheinen die Zellgruppen hingegen zu sorgen, indem sie besonders kurz auf entsprechende Sinnesreize reagieren. Die Erkenntnisse bieten Potenzial für die Behandlung von Blindheit. Insbesondere betrifft dies die durch Degenerationsprozesse verursachte Erblindung, zum Beispiel wenn die Photorezeptoren in der Netzhaut absterben."

Die Erkenntnisse der Studie fließen in die Entwicklung neuer Therapieansätze am kürzlich in Göttingen gegründeten Else Kröner Fresenius Zentrum für optogenetische Therapien ein. Dabei sollen bei bestimmten Blindheitsformen lichtempfindliche Proteine in die Nervenzellen der Augen eingeschleust werden, um diese Zellen mit Licht zu aktivieren. Entsprechende Studien mit Patienten und Patientinnen sollen in einigen Jahren in Göttingen beginnen.

Kultur

Empfehlungen: Kultur für alle und von allen

Teilhabe-Empfehlungen für eine inklusive Kultur haben gegen Ende der zurückliegenden Legislaturperiode der Behindertenbeauftragte des Bundes, Jürgen Dusel, sowie Vertreter des Deutschen Kulturrats der Bundesregierung und dem Parlament übergeben.

Die Empfehlungen sind das Ergebnis eines dreijährigen Austauschs mit Institutionen aus dem Kultur- und Mediensektor, Expertinnen und Experten der inklusiven Kulturszene sowie Vertreterinnen und Vertretern der Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen. Für den DBSV hat Sozialreferent Reiner Delgado mitgewirkt.

Handlungsbedarf wurde zum Beispiel festgestellt beim Zugang zu Räumlichkeiten und bei der Programmplanung  –  beides ist häufig mit Barrieren versehen. Auch die Frage, wie sich Menschen mit Behinderungen für den Arbeitsmarkt Kultur und Medien qualifizieren und dort beruflich einsteigen, etablieren und aufsteigen können, wurde in Werkstattgesprächen erörtert.

Dusel erinnerte bei der Übergabe daran, dass Menschen mit Behinderungen bei der Teilhabe an der Kultur die gleichen Rechte hätten wie alle anderen Menschen auch  –  das sage Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland vor mittlerweile 15 Jahren ratifiziert habe, die jedoch noch lange nicht umgesetzt sei.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, sagte, dass, um Barrierefreiheit in allen Bereichen der Kultur und der Kreativwirtschaft zu erreichen, gesetzliche Rahmenbedingungen und eine auskömmliche Finanzierung für die Umsetzung gebraucht würden. Hier seien Bund, Länder und Kommunen gefragt.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, erklärte, dass Inklusion ein Kerngedanke der Demokratie sei, denn Demokratie gelinge nur unter der Bedingung, dass möglichst alle an ihr mitwirken. "Deshalb ist es wichtig", sagte Roth, "dass Inklusion bei allen Fördermaßnahmen mitgedacht wird und die Bundesregierung innovative Inklusionsprojekte im Kulturbereich fördert." Das Ziel bleibe eine Kultur für alle und eine Kultur von allen.

Unter dem Titel "Teilhabeempfehlungen für eine inklusive Kultur" stehen die Empfehlungen auf der Website des Behindertenbeauftragten: www.behindertenbeauftragter.de

Aus den Ländern

Anhänger für Krankenhausbetten

Um das Personal in Krankenhäusern für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen zu sensibilisieren, hat der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) spezielle Bettanhänger entwickelt. Sie machen darauf aufmerksam, dass der Patient, die Patientin in dem damit gekennzeichneten Bett sehbehindert oder blind ist. Die Anhänger wurden so gestaltet, dass sie auch im hektischen Klinikalltag nicht übersehen werden können. Ziel ist es, die Rücksichtnahme und den respektvollen Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen im Krankenhaus zu fördern.

Insgesamt wurden 1000 Bettanhänger sowie ein begleitender Informationsflyer für Patientinnen und Patienten gedruckt. Die Verteilung läuft über die Bezirksgruppen und Beraterinnen und Berater des BBSB.

Ehrung für 75 Jahre Mitgliedschaft

Eine Ehrung für eine ungewöhnlich lange Mitgliedschaft hat im Januar der Blinden- und Sehbehindertenverein für das Saarland (BSV Saar) verliehen. Karl Zimmer erhielt eine Urkunde für 75 Jahre Zugehörigkeit zum BSV Saar und ein Holzbrett in Form des Saarlandes mit seinen Sehenswürdigkeiten. Da er schwer krank ist, war seine Frau Edeltrud Zimmer Ehrengast beim Neujahrsempfang des Vereins und nahm die Ehrung für ihren Mann entgegen.

Sie berichtete, dass Karl Zimmer bereits als Kind fast erblindet war und von 1937 bis 1945 eine örtliche Volksschule besuchte  –  bis 1949 gab es im Saarland keine Blindenschule. Er erlernte nach Kriegsende privat die Brailleschrift und auch die Braille-Notenschrift. Er schloss eine Ausbildung zum Organisten ab, bekam jedoch keine Anstellung. Nach einer weiteren Ausbildung arbeitete er bis zu seiner Verrentung als Telefonist.

Mit seiner Frau ist er seit 1960, also fast 65 Jahre lang, verheiratet. Sie bauten ein Haus, bekamen vier Kinder, später auch Enkel. Wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten musste Karl Zimmer vor wenigen Monaten in eine Pflegeeinrichtung umziehen.

Die Vorsitzende des BSV Saar, Silvia Hame, erzählt: "Ich war völlig überrascht, als mir das Eintrittsdatum "1.1.1950' in unseren Daten auffiel. Eine so lange Mitgliedschaft ist wirklich etwas Besonderes, und der BSV Saar bedankt sich für die außerordentliche Treue und wünscht Karl alles erdenklich Gute."

Aura-Hotels: Entspannter Urlaub ohne Barrieren

Aura-Hotels und -Pensionen sind Orte, die speziell auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zugeschnitten sind. Insgesamt drei Häuser bieten die ganze Bandbreite angenehmer Urlaubsunterkünfte, von der familiär geführten Pension bis zum 3-Sterne-Wellness-Hotel. Von der See bis in die Berge: Die Aura-Hotels liegen in den schönsten deutschen Ferienregionen und sind ideale Ausgangspunkte für Ausflüge, auf Wunsch mit sehender Begleitung. Alle Unterkünfte sind barrierefrei eingerichtet und bieten ein umfangreiches Begegnungs- und Veranstaltungsprogramm. Auch für Seminare und Gruppenfreizeiten sind die Häuser sehr gut geeignet.


Die Standorte von Nord nach Süd:

  • Aura-Hotel Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein):
    Tel.: 0 45 03 / 60 02-0
  • Aura-Pension Rochsburg (Sachsen):
    Tel.: 03 73 83 / 8 38-00
  • Aura-Hotel Saulgrub (Bayern):
    Tel.: 0 88 45 / 99-0

Der Landesverein Mecklenburg-Vorpommern bietet außerdem Ferienwohnungen im Haus "Waldfrieden" im Ostseebad Boltenhagen an. Weitere Informationen bei der BSVMV Landesgeschäftsstelle: Tel.: 03 81 / 77 89 80

Mehr Infos im Internet unter www.aura-hotels.dbsv.org

Menschen:

Glücksmomente mit Mörike

Die Brailleschrift war für Richard Bastian der Schlüssel zu einem besonderen Schatz: Er nutzte seine in der Schule gewonnenen Lesefähigkeiten, um Hunderte von Gedichten auswendig zu lernen und sie jederzeit "wie schöne Bilder" betrachten zu können. Mit dem folgenden Bericht hat er sich an der Aktion "Braille 200" zum 200-jährigen Bestehen der Brailleschrift beteiligt. Darin nimmt er die Leserinnen und Leser mit auf eine kleine Lyrikreise.

Von Richard Bastian


Mein Name ist Richard Bastian. Mit einem winzigen Sehrest kam ich im September 1935 zur Welt. Illingen, ein kleines Bauern- und Fischerdorf am Oberrhein an der Grenze zu Frankreich, war meine Heimat. Die Böden waren sandig und karg, und die Leute waren von jener Armut, die herb und bitter macht. Heute bedeutet für mich Heimat meine alemannische Sprache, wie sie vor mehr als 70 Jahren in unserem Dorf gesprochen wurde.

Am taghellen Küchenfenster, mit der Nase auf der Schiefertafel, später im Schreibheft mit nachgezogenen Linien, so machte ich während der ersten Jahre mehr schlecht als recht meine Schulaufgaben. Dann ging auch das nicht mehr, und mit einem relativ guten Gedächtnis sowie meiner energischen Mutter mogelte ich mich durch die Volksschule, die ich 1950 abschließen konnte. Meine Mutter, verhärmt und mit schrundigen Händen, trug uns Kindern in sonnigen Augenblicken Balladen vor, die sie aus ihrer Schulzeit behalten hatte. Sie schuf damit die Grundlage für meine spätere Liebe zur Vielfalt deutscher Dichtkunst.

Im Herbst 1950 trat ich in die staatliche Blindenschule in Ilvesheim bei Mannheim ein. Über die Blindenvoll- und Blindenkurzschrift tastete ich mich hinein in das Braille'sche System. Jetzt besaß ich endlich den Schlüssel, um aus "erster Hand" in das geschriebene Wort hineinzugelangen. Ich konnte lesen und vor allem: Ich konnte auswendig lernen. Goethes "Der Sänger" war das erste Gedicht, das ich mir mit den Fingerkuppen erschlossen habe. Im Laufe von Jahrzehnten sind so mehr als 500 Gedichte mit Hilfe der Brailleschrift bei mir heimisch geworden, die ich aus dem Gedächtnis nach Belieben abrufen und wie schöne Bilder betrachten kann.

Zu meinem Repertoire gehören zum Beispiel Goethes Meisterballade "Der Schatzgräber" und Schillers Ballade "Der Graf von Habsburg" ("Nicht blind mehr waltet der eiserne Speer, / Nicht fürchtet der Schwache, der Friedliche mehr, / Des Mächtigen Beute zu werden").

Verse von Matthias Claudius sind für mich freundliche Wegbegleiter, etwa das Gedicht "Das schöne große Taggestirne". Großartige Versgemälde der Annette von Droste-Hülshoff habe ich gelernt, zum Beispiel "Mondesaufgang". Auch Conrad Ferdinand Meyers Juwel vom "römischen Brunnen" gehört in meine Sammlung auswendig gelernter Lyrik.

Ebenso gefällt mir Erich Kästners dichterisches Schaffen zwischen bitterböser Kritik und Parteinahme für die kleinen Leute. Ein kurzes Gedicht von ihm heißt "Die Bäume" und geht so: "Wir sitzen nicht auf Thronen, / Uns schmeichelt nur der Wind. / Wir haben dennoch Kronen, / die schöner als eure sind."

Rainer Maria Rilke zeigt in seinen Gedichten eine hohe Sensibilität, so auch in "Es winkt zu Fühlung": "Ein Tag, an dem wir fremd vorübergingen, / entschließt im Künftigen sich zum Geschenk."

Den Schlusspunkt meiner kleinen Lyrikreise mit Beispielen aus drei Jahrhunderten soll Bertolt Brecht setzen. Im Zentrum seines Gedichts "Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration" antwortet ein Junge auf die Frage eines Zöllners, ob der Lehrer (Laotse) "was rausgekriegt" habe: "Dass das weiche Wasser in Bewegung / mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. / Du verstehst, das Harte unterliegt."

Ein Glücksmoment war für mich folgende Begegnung. "Herr Bastian, Sie kennen den Mörike nicht?" So fragte mich eines Tages Kollegin Marianne, als sie an meinem Arbeitsplatz, der Telefonzentrale bei einer Bank in Stuttgart, vorbeischaute. Nein, ich wusste nur wenig über den Dichter. Dann hat Marianne mir einige Verse des Dichters in mein kleines Braille'sches Schreibgerät diktiert. Das erwähnte Requisit, die sogenannte Marburger Stenomaschine, war übrigens das unentbehrliche Hilfsmittel für uns blinde Schreibkräfte. Die in Braille aufgenommenen Stenogramme konnten dann in die normale Schreibmaschine übertragen werden.

Mehr als 70 Gedichte des großen Lyrikers Eduard Mörike, den einer seiner Biographen den "Mozart der deutschen Sprache" genannt hat, sind noch immer in meinem Gedächtnis gespeichert. Die ersten Verse des Gedichts "Die schöne Buche" sollen meinen Beitrag abrunden: "Ganz verborgen im Wald kenn' ich ein Plätzchen, da stehet / Eine Buche, man sieht schöner im Bilde sie nicht. / Rein und glatt, in gediegenem Wuchs erhebt sie sich einzeln, / Keiner der Nachbarn rührt ihr an den seidenen Schmuck."

Im Herbst dieses Jahres werde ich, so Gott will, meinen 90. Geburtstag erleben. Noch immer sind es mehr als 400 Gedichte, die ich aus dem Gedächtnis rezitieren kann. In diesen Reichtum habe ich mich durch das Geschenk von Louis Braille nach und nach hineingefingert. Wenn das kein Grund zur Dankbarkeit ist!

Richard Bastian (89) lebt in Baden-Württemberg.

Service:

Wie Apps die Welt hörbar machen

Texte vorlesen, Bilder und Videos beschreiben, Produkte, Personen und Farben erkennen: Das und mehr können Apps, die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen. "Be My Eyes" und "Seeing AI" sind zwei für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelte Anwendungen, die genau das tun. Die Sichtweisen-Redaktion hat beide getestet und stellt in diesem Beitrag die Funktionen und Unterschiede vor.

Von Lisa Mümmler  


Wo blinde und sehbehinderte Menschen im ständig digitaler werdenden Alltag auf Barrieren stoßen, öffnet sich durch technische Fortschritte an manch anderer Stelle ein Fenster zur Welt. So können speziell entwickelte Smartphone-Apps durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) visuelle Informationen hör- und erfahrbar machen. Zwei dieser Anwendungen werden im Folgenden vorgestellt.


Seeing AI: Sprechende Kamera hilft im Alltag

Seeing AI, zu Deutsch etwa "Sehende Künstliche Intelligenz", beschreibt hör- und lesbar Umgebungen, Menschen, Objekte und Texte unmittelbar, während die Kamera darauf gerichtet ist. Die kostenlose App wurde in Zusammenarbeit mit seheingeschränkten Menschen von Microsoft entwickelt und ist für Apple- und Android-Geräte verfügbar.

Wird die Anwendung geöffnet, aktiviert sich die Gerätekamera. Unterhalb des Kamera-Ausschnitts kann der Kanal ausgewählt werden, der verwendet werden soll. Es gibt aktuell die Kanäle "Kurzer Text", "Dokument", "Produkt", "Szene", "Person", "Währung", "Farbe" und "Handschrift". Die Kanalnamen werden beim Antippen vorgelesen, auch wenn keine Sprachausgabe aktiviert ist. Längeres Gedrückthalten zeigt den Text groß in der Bildschirmmitte.

Was verbirgt sich hinter diesen Kanälen? Text wird automatisch vorgelesen, sobald er vor die Kamera gehalten wird. Handschriften können erkannt und wiedergegeben werden, beispielsweise auf Grußkarten. Produkte lassen sich identifizieren, indem Barcodes oder QR-Codes gescannt werden  –  Seeing AI nennt den Produktnamen und weitere Herstellerangaben. Geldscheine verschiedener Währungen sowie Farben kann die App benennen. In manchen Situationen hilfreich kann auch die Darstellung der Umgebungshelligkeit durch einen akustischen Ton sein  –  beispielsweise, um Ausgänge von Unterführungen zu identifizieren.

Im Kanal "Person" können Menschen erkannt werden und Nutzerinnen und Nutzer erhalten Informationen über die Entfernung zu diesen Personen und eine Schätzung zu Alter und Geschlecht. Bekannte Menschen können gespeichert werden, sodass die KI die dazugehörigen Namen nennt.

Über den Menüpunkt "Fotos durchsuchen" können auf dem Gerät gespeicherte Bilder ausgewählt werden. Diese werden detailliert erklärt, der beschreibende Text erscheint dabei lesbar auf dem Bildschirm und wird zusätzlich vorgelesen. Auch Videos können analysiert werden. So können Nutzende selbstbestimmt ihre Bildergalerie verwalten.

Über den Kanal "Szene" wird ein direkt gemachtes Umgebungsbild umfangreich beschrieben. Mit "Foto untersuchen" kann mit dem Finger auf einzelne Bereiche des Bildes getippt werden, es erfolgt eine haptische Reaktion (leichtes Vibrieren) und eine kurze Benennung, sobald über ein Element gestrichen wird. So lässt sich eine fremde Umgebung erkunden, zum Beispiel können Tische, Stühle oder Hindernisse in einem Raum identifiziert werden.

Viele sehbehinderte und blinde Menschen kennen die Situation, ein Foto ohne Bildbeschreibung per E-Mail, via Social Media oder über WhatsApp zugeschickt zu bekommen. Über "Teilen" lässt sich der Befehl "Mit Seeing AI erkennen" auswählen. Die Beschreibung erfolgt direkt im Kontext beispielsweise der WhatsApp-Unterhaltung, ohne dass das Bild zuerst gespeichert werden muss.

Die App wird kontinuierlich weiterentwickelt, basierend auf Rückmeldungen der Nutzenden und technologischen Fortschritten im Bereich der Künstlichen Intelligenz.


Live-Unterstützung per Videoanruf mit Be My Eyes

Unterstützung in Alltagssituationen bietet auch die App Be My Eyes (Deutsch: Sei meine Augen), die ebenfalls kostenfrei im App- und Playstore verfügbar ist. Es gibt zwei Hauptfunktionen: Über Videoanrufe unterstützen sehende Freiwillige seheingeschränkte Personen, während die KI visuelle Informationen wie Bilder in Texte umwandelt.

Um die App zu nutzen, muss ein Benutzerkonto erstellt werden. Im Anschluss wird die Hauptsprache ausgewählt. Um alle Funktionen zu nutzen, muss der Zugriff auf Kamera und Mikrofon erlaubt werden. Ein Videoanruf mit Freiwilligen aktiviert die Außenkamera des Smartphones. So können die Angerufenen Umgebung, Farben oder Produkte beschreiben. Zudem hat Be My Eyes ebenfalls eine KI-gestützte Bildbeschreibungsfunktion, in der anschließend im Chat Detailfragen gestellt werden können.

Die App enthält keine eigene Sprachausgabe. An manchen Stellen kommt es bei groß eingestelltem Text zu Überlappungen, sodass manches visuell schwer lesbar ist.


Fazit: Beschreibungen nicht immer fehlerfrei

Es empfiehlt sich, die Apps selbst zu testen und herauszufinden, welche Funktionen individuell nützlich sein können. Zu beachten ist, dass beide Apps nicht fehlerfrei funktionieren und kleine Details abweichen können. So wird manchmal aus einem fotografierten Teppich ein Handtuch oder ein langhaariger Mann als Frau erkannt. Wie gut die Beschreibungen der Umgebung sind, hängt von der Bildqualität und den Lichtverhältnissen ab. Auf dem Markt sind weitere Apps, die die visuelle Welt für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich machen. Auch ChatGPT kann beispielsweise detaillierte Bildbeschreibungen liefern.

Der ausführliche Artikel mit detaillierteren Beschreibungen zu Seeing AI und Be My Eyes findet sich unter: www.sichtweisen-online.org/gut-zu-wissen/ki-apps


Dazu ein Bild: Ein heller Goldendoodle hockt in einem Wohnzimmer, hinter ihm eine Couch in L-Form. Eine Hand richtet eine Handykamera auf ihn und drückt einen Button, um sich das Bild beschreiben zu lassen.



Kurzinfo: Erbrechtliche Beratung  –  ein Service der rbm

Soll ich ein Testament machen? Worauf muss ich achten? Was kostet das? Fragen, die sich auch sehbehinderte und blinde Menschen stellen. Die gemeinnützige Rechtsberatungsgesellschaft rbm (Rechte behinderter Menschen) bietet darum einen neuen Service für Mitglieder der DBSV-Landesvereine und der korporativen Mitglieder: eine erbrechtliche Beratung mit einer abschließenden Empfehlung.


Was ist Beratungsinhalt?

  1. Bewertung der Lebensumstände des oder der Ratsuchenden
  2. ein einstündiges Telefonat eines Juristen oder einer Juristin der rbm mit dem oder der Ratsuchenden (Fakten-Check, Ermittlung des Hauptanliegens)
  3. zusammenfassende Darstellung mit rechtlicher Bewertung und einer Empfehlung mit Eckpunkten für eine erbrechtliche Verfügung

Was kostet das?

Die rbm berechnet für diese Form der erbrechtlichen Beratung eine Gebühr von 240,75 Euro (inkl. Umsatzsteuer). Die schriftliche Darstellung kann zum Beispiel einem Notar oder einer Notarin zur konkreten Testamentsberatung vorgelegt werden.


Fragen Sie uns  –  wir beraten Sie gern:
rbm gemeinnützige GmbH
Rechte behinderter Menschen
Biegenstraße 22, 35037 Marburg
Tel.: 0 64 21 / 9 48 44-90 oder -91
E-Mail: kontakt@rbm-rechtsberatung.de
Internet: www.rbm-rechtsberatung.de

Medien:

Bücher

Martin Luther King: Ein Leben

Ein Buchtipp von Maren Gebhardt, Norddeutsche Hörbücherei


Martin Luther King gilt bis heute als der bekannteste Anführer der Bürgerrechtsbewegung der USA. Doch je stärker King für Generationen zur Ikone wurde, desto deutlicher trat der Mensch dahinter zurück. In seiner gefeierten Biografie wagt Jonathan Eig einen neuen Blick: Auf Kings Erfolge ebenso wie auf seine Schwächen und den Druck, der auf ihm lastete und drohte, ihn zu zerbrechen. Erst kürzlich freigegebene FBI-Dokumente belegen, wie stark Rassismus die US-Regierung in ihrem Versuch leitete, King mundtot zu machen.

Jonathan Eig lässt uns den Mann hinter der Ikone wiederentdecken: Den Bürger, der von seiner Regierung gejagt wurde. Den Kämpfer für die Gerechtigkeit, der wusste, dass sein Kampf ihn das Leben kosten konnte. Den Menschen, der mit sich selbst ebenso rang, wie mit der Welt, die er verändern sollte. Das Buch wurde 2024 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet.

Jonathan Eig: Martin Luther King. Ein Leben
DAISY-Hörbuch (24:21 Stunden)
Sprecher: Christoph Gottschalch

Pi mal Daumen

Ein Buchtipp von Claudia Gosen, Westdeutsche Bibliothek der Hörmedien


Moni, Anfang 50, will es noch mal wissen und beginnt ein Mathematikstudium. Als sie mit raschelnden Tüten, rotem Kunstlederrock und einer Bluse im Leoparden-Look im Hörsaal auftaucht, wird sie erst einmal für die Putzfrau gehalten. Einen freien Platz findet sie neben Oscar, einem 16-jährigen kontaktscheuen Überflieger. Sein größter Wunsch ist es, sein Idol Daniel Johannsen, einen der Professoren, kennenzulernen.

Zu Oscars Erstaunen hat Moni an der Uni Kontakte, die er ihr nicht zugetraut hätte. So setzt sich eines Mittags Daniel Johannsen in der Mensa zu ihnen  –  woher Moni ihn kennt, will sie nicht verraten.

Immer häufiger besucht Oscar Moni in ihrem Zuhause und erlebt, wie sie mit ihrem übellaunigen Mann, ihrer ständig überforderten Tochter und den drei Enkelkindern lebt. Auf keinen Fall darf jemand in der Familie wissen, dass Moni an der Uni studiert. Erst später wird Oscar erfahren warum ihr dieses Studium so wichtig war, ihre Familie nichts erfahren durfte und woher sie Daniel Johannsen kennt.

Die Leserinnen und Leser begeben sich in "Pi mal Daumen" in Monis tragisch-komische Welt  –  ob sie einen Enkel mit zur Uni bringt oder Oscar all das Durcheinander zu viel wird.

Alina Bronsky: Pi mal Daumen
DAISY-Hörbuch (6:25 Stunden)
Sprecher: Fabian Busch

Schnall dich an, es geht los

Ein Buchtipp von Gabi Schulze, dzb lesen


Marcel ist 36 Jahre alt und wartet, dass es endlich los geht. Er arbeitet in einem kleinen Ort in der Altmark als Drehspießverkäufer und hält sich ungelernt mit kleinen Jobs über Wasser. Marcel träumt von einem anderen Leben. Doch wie das aussehen soll, weiß er nicht  –  schön wäre eine Zukunft gemeinsam mit Steffi, seiner Jugendliebe, die vor 20 Jahren ganz plötzlich verschwunden war und nun wieder im Ort aufgetaucht ist.

Seine Erinnerungen schweifen in die Kinder- und Teenagerzeit zurück, eine Zeit, in der die Menschen Ostdeutschlands nach der Euphorie der Wiedervereinigung Arbeitslosigkeit und Existenzängste erfahren haben. Er erzählt von seinem labilen arbeitslosen Vater und davon, dass dieser mit seinem Freund Dirk kriminelle Geschäfte gemacht hat, dass seine Familie den Kredit für das Haus nicht abbezahlen konnte und auseinanderbrach, dass seine Schwester Vanessa darunter litt und sich das Leben nahm. Am Ende schnallt sich Marcel tatsächlich an, und es geht los.

Ein beeindruckender Roman, der eine junge Generation und deren abgehängte Region authentisch porträtiert, sympathische Figuren, tolle Dialoge  –  witzig erzählt.

Domenico Müllensiefen: Schnall dich an, es geht los
Erhältlich wahlweise zum Ausleihen oder Kaufen in Kurzschrift (4 Bände), Vollschrift (6 Bände) oder Großdruck (3 Bände)
Tel.: 03 41 / 71 13  –  113 bzw. -114 oder -119
E-Mail: bibliothek@dzblesen.de


Der Autor liest am 27. März 2025, 19 Uhr, im dzb lesen aus seinem Roman.
Die Lesung wird auch online angeboten.

Die Frauen von Schönbrunn

Ein Buchtipp von Denise Lekoui, BIT-Zentrum


Im Sommer 1914 erfüllt sich für Emma ein Traum: Sie wird eine der ersten Pflegerinnen im prachtvollen Wiener Tiergarten Schönbrunn. Voller Leidenschaft widmet sie sich ihren Schützlingen, den Zebras, Giraffen und Orang-Utans.

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, werden fast alle Männer eingezogen. Schneller als ihr lieb ist, muss Emma Verantwortung für die Tiere übernehmen und außerdem noch für ihre schwangere Schwester sorgen. An ihrer Seite steht Tierarzt Julius, der verletzt von der Front zurückgekehrt ist und nach dessen Nähe sich Emma zunehmend sehnt. Während die Bevölkerung gegen Ende des Krieges hungert, werden die Rufe immer lauter, den Zoo zu schließen. Kann Emma mit Julius' Hilfe retten, was ihr am meisten am Herzen liegt? Der Roman ist inspiriert von wahren Begebenheiten.

Beate Maly: Die Frauen von Schönbrunn. Ein Leben für das Wohl der Tiere
Sprecherin: Annaserena Bikafalvi Máthé DAISY-Hörbuch (9:23 Stunden)
Preis CD: 29 Euro

Zu bestellen beim
BIT-Zentrum
Tel.: 0 89 / 5 59 88  –  136 oder  –  144 (AB)
E-Mail: bit-bestellservice@bbsb.org



Kurzinfo: Medibus-Katalog

Im Online-Katalog der Medien,gemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen (Medibus) sind rund 100.000 Punktschrift- und Hörbuchtitel verzeichnet. Diese Titel können über alle angeschlossenen Blindenbüchereien ausgeliehen werden. Informieren Sie sich bei Ihrer Bücherei oder stöbern Sie selbst im Internet unter: www.medibus.info

Hörfilme

"Eine Liebe später" und "Lehrer kann jeder"

Zwei Fernsehfilme, beide teils lustig, teils ernst, sind zurzeit in der ARD- bzw. ZDF-Mediathek verfügbar.

In "Eine Liebe später" lebt Julika mit ihren beiden Kindern in einem Haus auf dem Grundstück ihrer Schwiegereltern. Ihr Mann Michael ist verstorben, und die Schwiegereltern haben ein Problem damit, dass Julika sich mit einem Fahrrad-Stadtführer anfreundet. Seine lockere Art, das Leben zu nehmen, kollidiert mit ihrem Bedürfnis, die Erinnerung an ihren Sohn wachzuhalten. Eine hohe Hürde für die sich anbahnende Liebe.

"Lehrer kann jeder" heißt der Film, in dem Christoph Maria Herbst sich als Quereinsteiger-Mathelehrer an der Schule bewirbt, an der seine Fast-Ex-Frau arbeitet. Er will sie zurückgewinnen, doch hat sie inzwischen ein Verhältnis mit dem Sportlehrer angefangen. Auch seine Tochter ist nicht begeistert, nun auch noch ihren Vater als Lehrer an der Schule zu sehen. Und die Schülerinnen und Schüler machen sich gegenseitig und ihm das Leben schwer.

"Eine Liebe später" ist in der ARD-Mediathek verfügbar bis zum 11. Juli 2025.
"Lehrer kann jeder" ist in der ZDF-Mediathek verfügbar bis zum 25. Januar 2026.

Anzeigen:

Hinweis: Manche Hilfsmittel, die von einer Krankenkasse finanziert wurden, bleiben in deren Eigentum und dürfen vom Versicherten nicht verkauft werden. Bitte achten Sie deshalb darauf, in privaten Kleinanzeigen ausschließlich Hilfsmittel aus Privateigentum anzubieten.

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Partnersuche

Ich (weiblich, 63 Jahre) suche einen Partner (Mitte 60, gläubig und musikalisch), mit dem ich was unternehmen kann. Aus dem Kreis Oberlausitz oder Dresden.

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Ich (52 Jahre) singe im Chor, sammle gerne Steine und suche einen Partner, der gläubig und musikalisch ist und mit dem ich was unternehmen kann. Raum Dresden oder Görlitz.

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Anfragen an: jagdfee@web.de

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        Bestell-Nr. Doppel-Fritteuse: H387  –  Preis: 349,00 Euro
        Bestell-Nr. Single-Fritteuse: H386  –  Preis: 219,00 Euro
  • "Ohne Ärger ins Ziel"  –  taktil mit XL-Spielsteinen  –  Das bekannte Familienspiel mit den vier Farben.
    Schön gearbeitetes Holzspiel mit großen Spielsteinen, die gut zu greifen sind. Durch die in das Spielbrett eingelassenen Vertiefungen können die Steine sicher abgestellt werden. Die aktuelle Position aller Spielsteine lässt sich gut erfühlen, ohne dass die Gefahr besteht, etwas umzustoßen. Die hölzernen Spielsteine sind mit großen, gut tastbaren Symbolen gekennzeichnet, sodass jeder Spieler seine Farbe leicht wiederfindet.
    Die Ecken des Spielbretts sind ebenfalls mit diesen taktilen Symbolen gekennzeichnet. Die Start- und Zielfelder sind mit farbigen und fühlbaren Markierungen umrandet.
    Ein Spiel für die ganze Familie, bei dem Groß und Klein, Sehende und Nichtsehende hoffen, ohne Ärger ins Ziel zu kommen.
    inklusive taktilem Spielewürfel mit eingelassenen Würfelaugen
    Abmessungen des Spielbretts: 29,7 * 29,7 cm
    Abmessungen der Spielsteine: 2,8 cm Höhe, 1,5 cm Durchmesser
        Bestell-Nr.: S162XL  –  Preis: 69,00 Euro

Das beliebte Spiel "Ohne Ärger ins Ziel" gibt es in unserem Sortiment noch in folgenden Varianten:

  • Reisespiel "Ohne Ärger ins Ziel", Ahorn furniert
    Bestell-Nr.: S106  –  Preis: 35,99 Euro
  • "Ohne Ärger ins Ziel"  –  taktiles Spiel
    Bestell-Nr.: S162  –  Preis: 55,00 Euro
  • "Ohne Ärger ins Ziel"  –  Spiel für Sehbehinderte
    Bestell-Nr.: S172  –  Preis: 34,90 Euro

Passend zu allen genannten Spielen und ebenfalls neu im Sortiment:

  • Taktiler Spielewürfel aus Holz
    Die Würfelseiten sind etwas vertieft, so dass die fühlbaren Würfelaugen nicht herausstehen. Die Farbe ist Dunkelbraun.
    Kantenlänge 25 mm
        Bestell-Nr.: S203  –  Preis: 5,00 Euro
    Kantenlänge 30 mm
        Bestell-Nr.: S204  –  Preis: 6,00 Euro

Gerne senden wir Ihnen unseren Katalog in Schwarzschrift, in Punktschrift oder auf DAISY-CD. Besuchen Sie auch unseren Onlineshop unter www.lhz-dresden.de


Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e.V.  –  Landeshilfsmittelzentrum
Louis-Braille-Str.6, 01099 Dresden
Tel.: 03 51 / 8 09 06 24
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de


Hilfsmittelberatung Telefonberatung:
Montag, Mittwoch und Donnerstag: 10-16 Uhr
Dienstag: 10-18 Uhr
Freitag: 10-13 Uhr

Hilfsmittelberatung vor Ort:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10-18 Uhr
Mittwoch und Donnerstag: 10-16 Uhr
Freitag: 10-13 Uhr
Nach vorheriger Vereinbarung sind wir auch gerne außerhalb dieser Zeiten für Sie da  –  bitte vereinbaren Sie einen Termin mit uns!

Bestellungen im Internet: www.lhz-dresden.de

Marland

Qualitätsprodukte für blinde und sehbehinderte Menschen  –  CareTec


Foxy Reader

Der Foxy Reader von CareTec ist ein hervorragender Helfer für mehr Unabhängigkeit im Alltag. Einfach Dosen, Flaschen oder CD-Hüllen mit den beiliegenden selbstklebenden Etiketten oder Anhängern versehen  –  und die von Ihnen aufgenommenen Informationen durch Antippen des Foxy Readers vorlesen lassen. Ideal für die Kennzeichnung von Lebensmitteln, Kosmetikartikeln oder Hörbüchern. Darüber hinaus bietet der Foxy Reader weitere nützliche Funktionen wie einen MP3-Player und die Möglichkeit, Sprachnotizen aufzunehmen. Ein unverzichtbares Hilfsmittel, das Ihnen mehr Komfort und Freiheit im Alltag bietet!


Foxy Reader und viele weitere Hilfsmittel sind erhältlich bei:

Marland GmbH  –  Spezialversand für blinde und sehbehinderte Menschen
Bestellhotline: 00.800 63 63 63 63
www.marland.eu

non-24.de

Sind Sie völlig blind?
Fühlen Sie sich oft nicht fit und unkonzentriert?
Schlafen Sie nachts schlecht und sind tagsüber sehr müde?
Die mögliche Ursache: Ihre innere Uhr


Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr. Der wichtigste Taktgeber ist das Tageslicht.

Es setzt die innere Uhr immer wieder auf exakt 24 Stunden zurück. Völlig blinden Menschen fehlt die Lichtwahrnehmung, deshalb kann es dazu kommen, dass der Körper nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden kann. Diese Menschen leiden an der Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung, kurz Non-24.


Wie äußert sich Non-24?

Betroffenen fällt es phasenweise sehr schwer, sich tagsüber wachzuhalten und zu konzentrieren. Nachts hingegen signalisiert der Körper oftmals kein Schlafbedürfnis.


Werden Sie aktiv:

Ein Termin bei einem Arzt ist der nächste Schritt oder informieren Sie sich in unseren Online-Tele-Vorträgen. Die Termine finden Sie unter dem Punkt Informationen auf non-24.de.


Rufen Sie das Team des Non-24 Service an.

Die erfahrenen Mitarbeiter finden den richtigen ärztlichen Ansprechpartner in Ihrer Nähe und beantworten Ihre individuellen Fragen. Sie sind rund um die Uhr erreichbar unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 24.321.08 oder per E-Mail
non24@patient-plus.com


Non-24  –  Eine zyklische Schlaf-Wach-Rhythmusstörung bei völlig blinden Menschen
Dies ist ein Service der Firma Vanda Pharmaceuticals Germany GmbH

Beta Hilfen für Sehgeschädigte GmbH

Neu: Online-Seminare zur iPhone- und PC-Nutzung

In unseren neuen Online-Seminaren bieten wir kompaktes Wissen für sehbehinderte und blinde Smartphone- und PC-Nutzer. In kleinen Gruppen machen wir Sie fit für den Einsatz von VoiceOver und JAWS mit speziell entwickelten Inhalten für Einsteiger und Fortgeschrittene.


Ein Einblick in unser Kursangebot:

  • PC- und Windows11 Grundlagen mit JAWS
  • Spezialkurs Outlook mit JAWS
  • Spezialkurs Internet mit JAWS
  • Spezialkurs Word mit JAWS
  • Spezialkurs Excel mit JAWS
  • iPhone und VoiceOver
  • u.v.m.

Alle Informationen zu unseren Online-Seminaren (Termine, Inhalte, Kosten, Ablauf) finden Sie über diesen QR Code, unter www.beta-hilfen.de/onlineseminare oder rufen Sie uns an unter 03.61  –  43.068.310.
Aktuelle Seminartermine finden Sie unter www.beta-hilfen.de/aktuelles/seminartermine


Save the Date
1.10.2025
Wir feiern 30 Jahre Beta Hilfen für Sehgeschädigte GmbH
Mehr dazu unter www.beta-hilfen.de/30-jahre-beta

Papenmeier Hotline Service

Unser wir für Ihren Hilfsmittel Notfall
kostenfreie Hotline: +49.2304.205.250


Kontakt:
F.H. Papenmeier GmbH & Co.KG
Talweg 2, 58239 Schwerte
Telefon: +49.2304.205.0
Fax: +49.2304.205.205
Internet: info.reha@papenmeier.de
www.papenmeier-rehatechnik.de


Bildbeschreibung: Unser wir für Ihren Hilfsmittel Notfall: Es ist eine Gruppe von drei RehaTechnik-Mitarbeitern, zwei Männer und eine Frau, zu sehen, die freundlich in die Kamera schauen.

SightCity

21.-23. Mai 2025
Die weltweit führende Fachmesse für blinde und sehbehinderte Menschen


Hybride Messe Kap Europa Frankfurt & Online

  • Über 100 Aussteller: in Präsenz und online
  • Teilnahme vor Ort oder per Computer, Telefon oder Smartphone
  • Hybride Ausstellervorträge
  • Umstiegshilfe für sehgeschädigte Besucher ab dem Frankfurter HBF
  • Persönliche Messeguides

SightCity Forum

Hybride Fachvorträge von medizinischen Fachkräften und Betroffenen rund um das Thema Low Vision.


Jetzt Neu:

Gaming-Lab  –  Inklusiver Gaming-Bereich
Workshopbühne  –  Arbeitswelt vs. Freizeitwelt


Weitere Informationen unter:
www.sightcity.net
Unter neuer Telefonnummer: Tel.: 02304.205.901




Rückseite

23. Deutscher Hörfilmpreis

25. März 2025
www.deutscher-hoerfilmpreis.de


Der DBSV verleiht seit 2002 den Deutschen Hörfilmpreis. Ausgezeichnet werden herausragende Produktionen mit Audiodeskription mit der ADele.

Wir danken allen Förderern und Sponsoren:
Aktion Mensch, Pfizer, Novartis, Herbert Funke-Stiftung, Blindenstiftung Deutschland